Autoren: Hilde von der Insel & Liz Evans
Was bisher geschah:

Wenige Minuten später, während Jesse und Connor noch darüber stritten was für einen Film sie anschauen würden setzte Pyra sich steif hin und sagte ohne die Miene zu verziehen. „Holt die anderen, Schluss mit dem Sex.“

Normalerweise hätten sie alle darüber gelacht, aber ihnen war nicht zum Lachen, als sie zu Pyra blickten, denn die Antarianerin sah plötzlich anders aus. Ihre Augen glühten in einem unnatürlichen Schwarz und durch ihre Gestalt schien ein Beben zu fahren.

Im gleichen Moment zersprang das Glas in ihrer Hand in tausend Stücke, als sie ihre kleine Hand zu einer Faust ballte.

Alle anderen erschauerten, als sie beobachteten wie das Schwarze in ihren Augen wieder einem dunklen Braun wich und die ruhige Stimme von Pyra eiskalt durch das Schweigen schnitt: „Mein Bruder ist da…und er ist nicht alleine gekommen.“



The Enemy is Back



Pyra wartete auf alle Fragen, doch keiner rührte sich oder gab einen Ton von sich. Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, wie Isabel die Hand vor den Mund schlug. Max hingegen zog Liz fest an seine Seite, als wöllte er sie durch diese Handlung beschützen.

„Ich…ich sollte die anderen holen“, murmelte Jesse und ging ein paar Schritte hinaus in den Flur, bevor er nach den anderen rief. Seine Stimme verriet bereits, dass etwas nicht stimmte und mit schnellen Schritten waren die anderen Vier unten.

„Was ist los?“ fragte Michael, als ihn bereits die Erkenntnis traf. Es konnte nur das sein, was sie alle bereits erwarteten – nur nicht so früh.

„Was machen wir jetzt?“ fragten Max und sein bester Freund daraufhin gleichzeitig.

„Ich dachte wir hätten noch mindestens ein paar Tage“, warf Ava ein.

„Ich hatte gehofft, dass das Arschloch gar nicht erst auftaucht.“ Kyle zuckte mit den Schultern und im nächsten Moment brach das Chaos aus, da erst nach diesen wenigen Minuten alle begriffen hatten, dass ihr Feind nun nicht mehr in der Ferne war sondern hier auf der Erde.

Marias Hormone fingen an verrückt zu spielen und das Licht im Wohnzimmer flackerte. Pyra steuerte dagegen und blieb als Einzige ruhig, als alle auf und ab gingen und durcheinander sprachen. „Denkt an den Plan“, sagte sie letztendlich, als Max meinte, dass er Liz wegbringen würde. Er sprach davon sie in ein Flugzeug zu setzen und sie ins nirgendwo zu schicken. „Du weißt, was wir besprochen haben. Khivar würde sie überall finden, da er sie spüren kann. Sie ist bei mir am Sichersten.“

„Ist er denn schon in Roswell?“ wollte Maria ängstlich wissen.

„Nein, aber er wird es sehr bald sein. Deshalb müssen wir jetzt schnell handeln. Ihr wisst alle was wir besprochen haben. Connor, da du hier bist, nimm den Van und fahr“, ordnete die Antarianerin an. „Bring sie alle her, damit sie sich verabschieden können.“ Dieser Plan stand seit längerer Zeit fest. Alle Eltern würden mit Connor und Jesse zusammen Roswell verlassen. Das Ziel war es die Angriffsfläche zu verkleinern, da sie einen Schwachpunkt der Aliens darstellten.

„Ich bin auf dem Weg.“ Connor verließ das Haus und hinterließ 9 Personen, die ungeduldig auf seine Rückkehr warten würden. Pyra hatte ihnen gesagt, dass sie sich fassen sollten, bis er mit den anderen zurückkam und sie danach Näheres besprechen würden.

Michaels Abstammung erschwerte ihm den Aufenthalt im Haus. Seine Instinkte zwangen ihn dazu immer wieder zu Liz zu sehen und sicherzustellen dass es ihr gut ging. Seine Gefühle gegenüber Maria hingegen machten ihn verrückt, da er sie unbedingt außer Gefahr wissen wollte. Im Moment ging es ihr noch gut, sie saß neben ihm auf der Couch und streichelte ihren Bauch und versuchte das Baby zu beruhigen.

„Geht es dir wieder besser?“ wollte Michael leise wissen, als ein kleines Lächeln sich auf Marias Lippen legte.

„Ja, es schläft jetzt“, antwortete sie ebenso leise. Einen Moment lang sahen sie sich nur in die Augen und fühlten sich wohl. Michael dachte keine Sekunde lang an Max oder an Liz, sondern nur an Maria und sein zukünftiges Kind. „Aber ich bin auch müde“, wisperte Maria, als sie sich wieder an die letzten Minuten erinnerte. Sie alle wussten, dass das die Ruhe vor dem Sturm war. Keiner wagte wirklich zu reden oder an die Zukunft zu denken. Um Ruhig zu bleiben dachten sie an eins nach dem anderen. Und zuerst galt es die Eltern in Sicherheit zu bringen.

„Komm her“, schlug Michael vor und zog Maria etwas an sich, damit sie ihren Kopf gegen seine Schulter legen konnte. Er drückte ihr einen sanften Kuss gegen die Schläfe und dachte an den Tag zurück, an dem sie ihm von ihrem Vater erzählt hatte. Die Tage an denen ihre einzigen Probleme sie selbst waren. Seine Verschlossenheit und ihre Unsicherheit. Inzwischen hatten sie all das überwunden, aber dafür war Khivar nun hier und wenn sie nicht aufpassen würden, würde er ihnen alles nehmen, was sie sich erträumt hatten.

Und erneut warf er einen Blick zu seinem besten Freund und Liz. Pure Angst stand in Max‘ Augen geschrieben. Michael wusste, dass er nur Angst um Liz hatte. Doch bald würde es vorbei sein. Zumindest hofften sie das alle.

****

Im Hausflur der Evans wurde es eng und laut, denn alle versammelten sich darin und redeten durcheinander, da nicht jeder mit dem Plan einverstanden war Roswell zu verlassen. Besser gesagt, verlassen zu müssen – auf Pyras Befehl hin.

Liz beteuerte ihren Eltern wiederholt, dass sie sich keine Sorgen machen sollten und sie sich besser fühlen würde, wenn sie beide in Sicherheit wüsste. Nach einer abermaligen Umarmung und Verabschiedung sah sie den beiden hinterher, als sie sich aus dem Haus begaben.

Auch Max und Isabel mussten dasselbe ihrem Elternpaar wieder bestätigen und schauten ihnen nach, als sie zur Haustüre schritten.

Jesse zog Isabel in eine enge Umarmung und hauchte ihr einen sachten Kuss auf ihre Lippen. „Es gefällt mir nicht, dass du mich wieder wegschickst, aber ich verstehe es“, murmelte er und zog Isabel etwas zur Seite um ein wenig Privatsphäre mir ihr zu haben.

„Isabel, wenn ich wiederkomme möchte ich das was Maria und Michael haben. Ich möchte ein Baby, hörst du?“ sprach Jesse und verteilte leichte Küsse auf Isabels Handknöcheln. „Ich möchte, dass wir eine kleine Familie werden.“

Isabel, die sich diesen Wunsch hätte nie erahnen können war geschockt und bemühte sich ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.

„Was ist denn?“ wollte Jesse besorgt wissen. „Möchtest du keine Kinder?“

„Doch, Liebling, natürlich. Ich liebe dich so sehr“, murmelte Isabel und ließ ihren Tränen freien Lauf, als sie ihren Ehemann fest umarmte.

Kyle hingegen umarmte nur kurz seinen Vater und sagte ihm eindringlich: „Du willst also wirklich hier bleiben?“

„Das muss ich. Junge, es käme doch jedem komisch vor, wenn ihr Deputy plötzlich die Stadt verlassen würde.“ Jim sah verlegen auf Ava, die neben ihm und seinem Sohn abwartend stand, weil sie sich auch von Kyle verabschieden wollte.

Sie sprach auch sogleich leise auf Kyle ein, kaum dass dieser sich ihr zuwandte, und sagte eindringlich: „Ich weiß, dass du lieber hier bleiben würdest, aber glaube mir es ist besser, dass du sie begleitest.“

„Nein, das finde ich nicht. Ich verstehe Pyra nicht, weil ich doch hilfreich sein könnte? Ich habe inzwischen meine Kräfte gut im Griff. Die spürbaren Emotionen von jedermann unter Kontrolle.“

„Nein Kyle, das hast du nicht. Pyra hat sich schon richtig entschieden, da es uns nichts bringt, wenn du unsere Emotionen spüren kannst und Khivar seine kannst du nicht spüren, also ist es besser wenn du mit den anderen gehst.“ Daraufhin drückte sie zur Kyles Überraschung ihre Lippen auf seine und er erwiderte den Kuss.

Connor, der ungeduldig die Haustüre offen hielt, rief auffordernd: „Kommt ihr jetzt? Wo sind denn Maria und ihre Mom? Die sollen doch mitfahren!“

„Jim fährt doch auch mit?“ fragte Pyra und hob die Augenbrauen.

„Nein ich bleibe hier“, meinte dieser und sie widersprach ihm. Sie diskutierten aus, dass er in Roswell bleiben konnte, aber sich von dem Haus der Evans fern halten musste.

Im Wohnzimmer der Evans...

Maria saß auf der Couch und blickte störrisch Michael und ihre Mutter an. Ihre Stimme klang schrill, als sie rief: „Nein. Nein und nochmal nein, ich gehe nicht. Mir sind Pyras Einwände ganz egal. Michael, ich werde nicht gehen!“ Ein Kissen explodierte neben ihnen und Federn flogen durch das Wohnzimmer.

Michael war mindestens genauso aufgeregt wie Maria. „Das kannst du nicht entscheiden, Maria. Wir haben schon lange beschlossen, dass du gehen musst und das tust du auch!“

„Hör‘ auf so mit mir zu reden“, erwiderte Maria und fluchte vor sich hin, weil sie merkte, dass sie nicht voran kam. Sie merkte bereits dass sie Teile ihrer Durchsetzungskraft verlor.

„Wie denn?!“ brachte Michael aufgebracht entgegen. „Denkst du überhaupt an unser Baby? Es ist hier in Gefahr.“

Die Worte unser Baby brachten Maria kurz aus der Fassung, und Amy nutzte den Moment und trat an sie heran. „Und ob du jetzt mitkommst. Schätzchen, du hast doch gehört was diese Serena sagte. Ich werde dich nicht hier zurücklassen, wenn dieser Khivar oder wie der heißt, solch eine Gefahr darstellt. Auch würdest du nur Michael abhalten, weil er sich um deine Sicherheit kümmern müsste.“

„Maria, bitte, ich möchte dass es dir gut geht“, warf Michael erneut ein, doch diesmal leiser und mit einer ruhigeren Stimme.

Maria gab schließlich schweren Herzens nach und drückte ihre Hand auf ihren Bauch bevor sie sich mit Tränen in den Augen von Michael abwand. Sie wollte sich nicht von ihm verabschieden und auch war sie noch zu wütend, weil sie wieder einmal nachgeben musste.

„Maria, lass das“, meinte Michael, aber machte nicht den Aufstand sie an sich zu ziehen. „Ihr kommt wieder sobald die Luft rein ist.“

„Okay“, meinte diese und lächelte etwas wehmütig bevor sie ihrer Mutter nach draußen folgte. Michael wusste, dass sie wütend auf ihn war und er sie nicht so gehen lassen sollte, aber versuchte einmal in seinem Leben optimistisch zu sein. Er glaubte, dass die Trennung nicht von Dauer sein würde und sie sich bald wiedersehen würden.

Alle sahen und winkten wenige Zeit danach dem davonfahrenden Van nach, der von Jesse gelenkt wurde und sehr rasch ihren Blicken entschwand. Keiner wusste wohin sie fuhren, noch nicht einmal die Insassen selbst. Sie hatten lediglich den Auftrag wegzufahren und für mindestens einen halben Tag nicht für eine längere Zeit anzuhalten.

Jim verabschiedete sich von den Verbliebenen, um seinem Dienst im Büro des Sheriffs, wo er Bereitschaft hatte, wieder nachzugehen.

****

Michael beobachtete Isabel, während sie auf dem Boden saß und den Rücken an die Wand lehnte. Ihre Augen waren geschlossen und ihre Augenbrauen zusammengekniffen. Es war als würde sie stumm kommunizieren. Und als er ein kleines Lächeln um ihre Lippen sah, wusste er, dass sie womöglich Jesse traumwandelte.

Alle ihre Fähigkeiten waren stärker geworden und inzwischen konnte Isabel in die Gedanken anderer treten, auch wenn diese wach waren. Max hingegen hatte sogar gelernt Wunden aus der Entfernung zu heilen. Er hoffte nur, dass diese Kraft niemals zum Einsatz kam und keiner von ihnen verletzt wurde. Sein Blick glitt weiter zu Pyra und Ava, die sich leise unterhielten. Er fragte sie worum es ging, und Pyra meinte, dass sie es ihnen gleich sagen würde.

Max und Liz hingegen saßen zusammen auf der Couch. Er hatte den Arm um ihre Schultern gelegt. Sie sah friedlich aus mit ihren geschlossenen Augen, aber Max starrte nur vor sich auf das Fenster und es wirkte so, als wären alle seine Muskeln angespannt. Michael wünschte sich in dem Moment Maria zurück an seine Seite, aber er wusste dass es nicht richtig war. Sie und sein ungeborenes Baby würden sich nur unnötig in Gefahr befinden.

„Hört alle her“, unterbrach Pyra die Stille. Isabel öffnete ihre Augen und rutschte in die Mitte des Raumes, sodass sie bei allen anderen saß. „Ava und ich haben uns über die noch offenen Sachen unterhalten. Von nun an, geht keiner mehr alleine irgendwohin.“

„Ist er bereits so nahe?“ fragte Liz leise nach.

„Ja und es sind viele Formwandler mit ihm hier. Es darf nicht passieren, dass einer von uns alleine bleibt und wir so nicht mehr wissen können ob er es wirklich ist. Ab jetzt handeln wir alle nur noch im Teams. Max, du wirst Liz nicht von der Seite weichen. Michael, du und Isabel bleibt auch immer zusammen.“ Beide nickten.

„Was machen wir wenn er wirklich hier ist?“ wollte Liz wissen. Dieser Plan schien ihr noch zu ungereift. Sie wollte Genaueres wissen. Sie musste genau wissen was sie zu tun hatte.

„Ich und nur ich allein werde gegen meinen Bruder kämpfen“, erwiderte Pyra. „Euch brauche ich für die Formwandler und zur Unterstützung, aber gegen meinen Bruder hat keiner von euch eine Chance. Ihr seid um Einiges stärker geworden, aber es reicht noch lange nicht aus. Dafür fehlt einfach noch zu sehr die Erfahrung. Khivar und ich leben schon seit Jahren mit unseren Kräften und hatten in den letzten acht Jahren viel Anlass diese zu trainieren.“

„Du wirst es also schaffen?“ hackte Ava weiter nach.

„Deshalb bin ich hier“, erwiderte die Anführerin und wich somit der Frage aus. Sie hatte es zu schaffen, denn ansonsten würde es den Untergang von Antar bedeuten.

„Was genau machen wir wenn er hierher kommt?“ Das war Michael, der sich auf alles wappnen wollte.

„Dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr, mein Bruder steht genau vor der Türe. Max, Liz! Ihr beide geht nach oben und sobald ich Khivar gegenüber stehe flieht ihr! Soweit weg von hier wie es nur geht.“ Max legte gleich die Hand um Liz Handgelenk und zog sie mit sich nach oben. Fragen konnten sie jetzt keine mehr stellen, denn Pyras Augen wichen erneut einem unnatürlichen Schwarz und ihre Stimme wurde tiefer, als sie Befehle von sich gab.

„Isabel, Michael, bleibt im Haus. Geht in die Küche und schaut, dass niemand durch die Küchentüre reinkommt“, sagte sie ruhig und schaute dann zu Ava, die zustimmend nickte. Sie beide würden nach draußen gehen und dem Feind in die Augen sehen.

****

„Max, was machen wir denn jetzt?“ flüsterte Liz panisch und klammerte sich an ihn, als sie sich in dem Gästezimmer der Evans hinkauerten.

„Wir warten, bis die Luft rein ist und verlassen dann das Haus, genauso wie es Pyra gesagt hat.“ Er küsste sie auf die Stirn und sagte ihr, dass sie sich beruhigen müsse. Er sollte Liz wegbringen, solange würde Pyra ihren Bruder aufhalten und hoffentlich töten können. Ihr Plan reichte eigentlich nur bis zu einer Begegnung, an mehr hatten sie nicht gedacht, denn sie wussten Khivar würde keine Zeit schwinden. Er küsste erneut Liz auf ihre nassen Lippen und drückte sie an seine Brust. Ava wollte ihn für eine kurze Sekunde warpen und ihnen damit das Zeichen geben, dass sie das Haus verlassen konnten. Aber noch war nichts geschehen.

„Aber wie kommen wir hier raus?“

„Lass das meine Sorge sein…“, fing Max an, aber wurde von Isabel unterbrochen.

„Maaaax!“

Beide schreckten auf, als sie die schrille, angstvolle Stimme von Isabel hörten. „Max, du musst schnell herkommen“, rief Michael daraufhin und Max erstarrte. Er sollte Liz nicht alleine lassen, aber es gab nur einen Weg nach oben, das heißt niemand konnte an ihm vorbei zu Liz, wenn er kurz nach unten gehen und nachsehen würde. Zum einen riefen sein Bruder und seine Schwester nach ihm und zum anderen saß Liz aufgelöst vor ihm.

„Ich komme gleich wieder, Liz. Du bleibst hier und wartest auf mich.“ Er strich ihr kurz über die Haare und versiegelte dann die Türe mit seinen Händen bevor er nach unten ging.

****

„Glaubst du Max und Liz sind schon weg?“ murmelte Isabel zu Michael, als diese beiden durch das Fenster nach draußen sahen. Pyra stand mit geballten Fäusten vor ihrem Bruder, der alleine war, und Ava stand wenige Zentimeter hinter ihr. Isabel begutachtete Khivar genauer und fragte sich, wessen Körper er angenommen hatte.

Er war jung, dunkelhaarig und sah Max etwas ähnlich. Isabel hoffte nur, dass sie am Ende sein Leben retten konnten und er nicht mit Khivar zusammen sterben würde. Auf diese Frage hatte Pyra nie antworten können, weil sie es einfach nicht wusste.

Im Moment dachte sie daran, wie es gewesen war mit ihm zusammen sein. Wie hatte sie nur so leichtsinnig sein und ihm glauben können? Sie war sehr glücklich darüber, dass sie nun wusste, dass sie es irgendwann doch durchschaut hatte, aber dennoch setzte ihr die Vergangenheit zu.

„Ich denke schon“, erwiderte Michael und holte Isabel zurück aus ihren Gedanken. Er hoffte es zumindest, denn bald würde womöglich der Kampf zwischen Pyra und Khivar losgehen und er wollte in dem Moment Max und Liz in Sicherheit wissen. Seitdem Pyra ihnen gesagt hatte, dass ihr Bruder da war, hatten sich sein Beschützerinstinkt und seine Loyalität sich so sehr gezeigt wie noch nie zuvor. Er fühlte gegenüber dem jungen Ehepaar solche starken Gefühle, dass er selbst eigentlich kaum fassen konnte. Schon seit er sich erinnern konnte, wusste er was Zan und Rath zusammen durchgestanden hatten. Und im Moment fragte er sich warum Max und er sich früher so oft gestritten hatten, denn eigentlich waren sie sich in vielen Hinsichten ziemlich ähnlich. Er hatte eins Liz das Leben gerettet und etwas getan womit sie alle nicht gerechnet hatten. Er selbst hatte sich gegen Antar entschieden, als es soweit war, um bei Maria bleiben zu können.

****

„Max! Oh Gott, ich dachte schon du kommst nicht mehr“, rief Liz aus, als Max ins Zimmer gestürmt kam. Sie fiel ihm in die Arme, doch er löste sich von ihr.

„Wir müssen hier weg, komm“, befahl er und zog sie ans Fenster.

„Max, wir können nicht springen, Pyra hat das nicht bedacht“ wand Liz ein und sah herunter.

„Das mache ich“, erwiderte dieser und baute mit einer Handbewegung eine kaum sichtbare Leiter nach unten auf. „Das ist nichts Besonderes“, stellte er fest und half Liz herunter. Unten angekommen rannte er zu einem Auto, öffnete mit seinen Kräften die Türe und startete den Motor.

„Wo sollen wir nur hingehen?“ flüsterte Liz, als sie nach hinten sah und die anderen entdeckte. Dort stand Pyra mit Ava zusammen und in der nächsten Sekunden ging die Türe auf und es rannte jemand nach draußen…Liz‘ Augen weiteten sich panisch, doch noch bevor sie einen weiteren Gedanken bilden konnte wurde ihr schwarz vor Augen.

****

„Was ist passiert?“ fragte Max, als er in die Küche kam und dort Isabel und Michael entdeckte.

„Nichts bisher, sie reden nur miteinander, wir können aber nichts hören“, erwiderte Michael sachlich und warf einen Blick auf seinen Freund. „Warum bist du nicht oben? Sogar ich habe gelernt zu gehorchen“, gestand er und musterte Max genauer, als seine Augen sich weiteten und er die Fäuste ballte.

„Ihr habt mich nicht gerufen?“

Beide schüttelten langsam den Kopf und es dämmerte ihnen allen, als Max kehrt machte und mit einem stummen Schrei nach oben rannte. Isabel und Michael waren ihm dicht auf den Fersen und sahen ebenfalls das leer stehende Zimmer. Das Fenster stand weit offen und Liz war nicht mehr da.

„Liz“, rief Max aus und seine Augen wurden schwarz, als er nach unten ging um Khivar gegenüber zu treten.

„Was machen wir jetzt?“ fragte Isabel ins Leere und folgte den beiden Männern.

****

In der Zwischenzeit…

„Hallo Pyra“, lächelte Khivar, als diese nach außen trat. „Wie lange standen wir uns nicht mehr gegenüber?“ wollte er von ihr in seiner tiefen ruhigen Stimme wissen.

Mehrere Jahre, dachte Pyra, doch erwiderte seine Frage nicht. „Lange genug“, erwiderte sie stattdessen. „Ich wünschte ich könnte sagen es sei schön dich wiederzusehen.“ Sie konnte sich noch immer an alles erinnern was er ihr angetan hatte, als sei es erst vor Kurzem gewesen.

„Ich freue mich jedenfalls dich zu sehen“, antwortete Khivar und steckte seine Hände in seine Jeans. „Ich hoffe immer noch, dass du einsiehst wohin du gehörst.“

„Du bist ein Verräter Khivar. Du hast unsere Eltern verraten, die königliche Familie…“

„Wovon sprichst du da?“ unterbrach er sie mit seiner wütenden Stimme. „Königliche Familie? Zan war es nicht wert. Er wollte nicht einmal König werden, ich hätte diese Aufgabe gern übernommen, aber man ließ es ja nicht zu!“, schrie er und trat einen Schritt näher an Pyra heran.

Ava sah nur zu und konzentrierte all ihre Kräfte, doch Pyra winkte kaum merkbar ab. Noch war die Lage keinesfalls gefährlich, das war nur ein Gespräch zwischen zwei Geschwistern. Sie hoffte nur, dass Max und Liz die Zeit genutzt hatten um zu fliehen. Je weiter sie weg waren, desto leichter würde sie sich auf den Kampf konzentrieren können.

„Du hast unsere Eltern getötet! Du hast Rath getötet“, meinte sie als nächstes, blieb aber ruhig. Ava wunderte sich darüber, denn sie konnte spüren, was Rath ihr bedeutet hatte.

„Bist du deshalb so wütend?“ wollte Khivar wissen. „Weil ich deinen Liebhaber getötet habe? Keine Sorge es gibt sicherlich genug Formwandler, die für dich das Äußere von Rath annehmen würden.“

„Ich habe Rache geschworen“, sagte diese und hob ihre Hand.

Khivar baute ein Schutzschild vor sich auf. „Noch ist die Zeit nicht gekommen“, meinte er und lachte laut.

„Kämpfe gegen mich“, verlangte Pyra und trat näher an ihn heran. „Nur du und ich, das nennt man doch Geschwisterliebe, nicht wahr?“ fragte sie rhetorisch und wunderte sich aber innerlich darüber, warum die Zeit nicht gekommen war. Sie hatte geglaubt ihr Bruder würde sie sogleich angreifen, da er ziemlich wütend über ihre offensichtliche Hilfe gegenüber Zan schien.

„Denkst du ich bin deshalb gekommen?“ Er fuhr sich durch die schwarzen Haare und rieb seine Hände aneinander. „Du kennst deinen Bruder wohl doch nicht mehr so gut“, sagte er. „Rath muss dir alle deine Sinne geraubt haben. Weshalb bin ich hier Pyra? Ich bin hier wegen der Königin. Also will ich diese zuerst.“

„Du wirst Liz niemals bekommen“, widersprach Ava und meldete sich zum ersten Mal zu Wort.

„Das denkt ihr?“ Khivars Stimme klang zynisch und er machte sich offensichtlich lustig über sie. Für wenige Sekunden schloss er die Augen und sagte dann. „Wie ich sehe habe ich die Königin bereits. Ich habe meinen Plan einwandfrei umgesetzt.“

„Was meinst du damit?“ erwiderte Pyra und ahnte Schlimmes.

„Du stellst die größte Gefahr dar, meine liebe Schwester. Also habe ich dich hierher gelockt und in der Zwischenzeit wurde Liz entführt.“

Pyra glaubte, dass das nicht wahr sein konnte. Max würde niemals Liz alleine lassen, dafür liebte er sie zu sehr. Sie wollte schon widersprechen, weil sie glaubte, dass Khivar sie nur aus der Ruhe bringen wollte, da ging aber die Türe hinter ihr auf und Zan selbst kam nach draußen gerannt.

„Wo ist Liz?“ schrie er und griff Khivar mit einem Blast an, doch dieser verschwand im Nichts, als dieser seine Hände hob.

„Wahrscheinlich liegt sie bereits in meinem Bett, Zan“, erwiderte er. „Hallo Vilandra, schön dich wiederzusehen“, grüßte er Isabel, die hinter ihm stand. „Du bist mir nicht böse, dass ich mein Bett nun mit Liz teilen werde und nicht mehr mit dir, oder?“ fragte er sie mit einem Grinsen und widerte alle an.

„Du wirst gar nichts“, widersprach Max und griff ihn erneut an. Doch diesmal wehrte sich der vollblütige Antarianer nicht nur, sondern feuerte selbst eine Energiekugel ab, die jedoch an Max‘ Schutzblase abprallte. Sein Schutzschild hatte sich in den letzten Wochen weiterentwickelt und inzwischen konnte er sich genauso wie Pyra auch in eine Blase hüllen, die dann kaum sichtbar um ihm herum schimmerte. Aufrecht erhalten konnte er das Schild eine Weile, aber er musste es herunternehmen, wenn er selbst angreifen wollte, das war der Nachteil daran. Denn das Schild ließ ebenfalls nichts von Innen nach Außen gelangen, damit niemand Zan die Kräfte rauben konnte, denn scheinbar war das die Gabe von manchen Antarianern.

„Was willst du von uns?“

„Noch nichts. Ich wollte die Königin und jetzt habe ich sie“, offenbarte Khivar und drehte sich um.

Max, der ihn keinesfalls gehen lassen wollte griff ihn erneut an. Liz war in seinen Händen und er wusste nicht was er tun konnte um ihr zu helfen. Er hatte schon mehrmals versucht eine Verbindung zu ihr aufzubauen, doch es gelang ihm nicht. Jemand schien die Verbindung zu stören und ihn davon abzuhalten. Also durfte Khivar nicht gehen, er musste hier bleiben und sterben. Danach würden sie Liz finden.

„Zan, du hast keine Chance gegen mich“, meinte Khivar und feuerte eine kleine Energiekugel ab, die Ava an der Schulter traf.

Auch Isabel und Michael sammelten nun ihre Kräfte um gemeinsam gegen Khivar vorzugehen, doch Pyra hob die Hände und errichtete eine unsichtbare Mauer vor ihnen allen. Ihr Bruder lächelte sie an und ging dann mit langsamen Schritten und verschwand in der Dunkelheit der Nacht.

„Pyra, was machst du da?“ schrie Max aus. Seine Charakterzüge glichen kaum noch ihm selbst. „Du weißt, dass er Liz hat nicht wahr? Er hat mich reingelegt und sie dann entführt, wie kannst du ihn gehen lassen?!“

Pyra ignorierte ihn und half Ava auf die Beine. Ihre Wunde wurde von Max geheilt ohne, dass er sich sichtbar ihr nähern musste. „Alle ins Haus“, ordnete sie danach an und ihre Wut wuchs mit jeder Sekunde. Innen angekommen schloss sie die Türe hinter sich um im nächsten Moment flog Max durch den Flur und prallte gegen die Wand. Mit einem dumpfen Geräusch fiel er zu Boden. Er hatte Pyras Angriff nicht kommen sehen und sich deshalb auch nicht geschützt.

„Bist du verrückt geworden? Erst lässt du Khivar gehen, dann greifst du mich an. Verstehst du nicht? Er hat Liz!“

„Er hätte dich so einfach töten können, dann hätte er sein Ziel erreicht gehabt. Das Siegel bleibt bei Liz, wenn du stirbst, vergewaltigt er sie und bekommt den Thronfolger! Du gefährdest dein eigenes Leben und das aller anderen. So nutzt ihm Liz noch nichts, aber wenn du stirbst dann steht ihm nichts mehr im Wege.“

„Aber warum hat er mich dann nicht getötet?“ fragte Max nach. Er fühlte sich etwas besser, nachdem er jetzt wusste, dass Khivar Liz nichts antun würde, solange er selbst am Leben war.

Pyra lief aufgeregt im Wohnzimmer hin und her und warf ihre dunklen Haare über ihre Schultern zurück, als sie sich vor der Couch aufgebracht hinstellte. Ihr braunes Augenpaar blitzte regelrecht auf, als sie Max ansah, der neben ihr stand und dann Isabel, Michael und Ava anblickte, die nebeneinander auf der Couch saßen.

„Er spielt nur mit uns. Es wäre für ihn leicht gewesen dich zu töten Zan. Aber er zeigte seine Macht nur auf, indem er Ava verletzte. Khivar will, dass es zu einem Einzelkampf zwischen dir und ihm kommt. Er hat Liz! Mein Bruder ist sich sehr bewusst, dass er nun in der besseren Position ist. Und das ist es mir auch! Es macht mich so wütend, dass ich ihn unterschätzt habe. Wir hätten besser auf Liz aufpassen sollen! Ich hätte ahnen müssen, dass er nicht direkt gegen uns kämpfen würde, ich hätte wissen müssen, dass er so etwas plant und mit uns spielt. “

„Das ist inzwischen alles nicht mehr wichtig. Er hat Liz und ich muss sie zurückholen. Ich kann nicht ruhig denken, wenn ich daran denke, dass sie ganz alleine in seiner Gefangenschaft ist.“

„Dann hättest du sie nicht alleine lassen dürfen“, warf die Antarianerin ihm vor. „Was habe ich euch gesagt? Bleibt in Teams und was machst du? Du rennst runter. Ihr habt es noch immer nicht verstanden. Mein Leben, das Leben von Michael und Isabel, das ist alles nachrangig, auch wenn ihr euch nicht so fühlt. Wichtig ist das Siegel und der Thronfolger. Liz hätte niemals alleine sein dürfen. Ich hätte Ava und dich in ein Team stecken sollen und Liz an mich nehmen sollen. Es ist meine Schuld.“

„Nein, das ist es nicht. Ich bin Schuld daran und ich hole sie wieder.“

„Wir kommen mit!“, riefen Isabel und Michael eines Mundes.

„Ihr werdet gar nichts unternehmen. Kapiert endlich, dass wir gegen Khivar keine Chance haben. Wir sollten Pyra zuhören, okay?“ rief Ava aus und stand ebenfalls auf.

Pyra dankte ihr mit einem Nicken und versuchte Max zu beruhigen. „Das Siegel wird Liz schützen. Mein Bruder kann sie nicht töten, weil er sie braucht, aber...“

„Aber was, Pyra? Was kann er meiner Frau antun?“, schrie Max panisch und sah sie entsetzt an.

„Alles andere“, kam fast nicht hörbar ihre Entgegnung. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit diesem Szenario. Und im Moment war sie froh, dass sie den anderen nicht alles gezeigt hatte was Khivar auf Antar den Menschen bereits angetan hatte. Sie hoffte nur für ihre Königin, dass sie wirklich ihre Kräfte unter Kontrolle hatte und sich etwas vor ihrem grausamen Bruder schützen würde. Frauen, die er bisher gefangen gehalten hatte, waren nach der Freilassung oder nach dem Entkommen nicht mehr sie selbst gewesen. Währenddessen…

Liz hatte schreckliche Kopfschmerzen, als sie langsam wach wurde. Eine Hand streichelte ihr Gesicht, als sie langsam zu sich kam. Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie ihren Namen aus Max‘ Munde hörte.

„Max…“, murmelte sie und wand sich trotz ihrer Kopfschmerzen gegen seinen warmen Körper. Seine Hand wanderte weiter über ihren Hals und legte sich dann auf ihren Busen. Er drückte sachte zu und Liz öffnete langsam die Augen aus ihrem Schlummer.

„Was ist mit Pyra und den anderen?“ fragte sie leise, als er seine Lippen auf ihren Hals senkte.

„Shh…es ist alles vorbei. Wir sind in Sicherheit“, flüsterte er zurück und öffnete die Knöpfe ihrer Bluse. Seine Lippen wanderten weiter ihr Dekolleté entlang und sie drückte ihre Hände in seine Haare. Die Kopfschmerzen wurden stärker, als sie versuchte eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Auch konnte sie kaum etwas in ihrer Umgebung wahrnehmen, aber sie glaubte im Haus der Evans zu sein. Denn das letzte woran sie sich erinnern konnte war, dass sie beide sich im Gästezimmer versteckt hatten.

„Ich habe solche Kopfschmerzen“, gestand sie weil sie seine Liebkosungen nicht genießen konnte. „Kannst du sie nicht heilen?“ wollte sie leise von ihm wissen, als er ihre Bluse zur Seite schob und seine Lippen auf ihre Brustwarze senkte. „Max?“ Liz bekam langsam das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Noch immer konnte sie ihn nicht spüren und er reagierte auch überhaupt nicht auf ihre Bitten.

„Der Kampf hat mich sehr viel Kraft gekostet, deshalb kann ich dich nicht heilen“, erklärte Max, als er den Kopf hob. „Im Moment will ich nur mit dir zusammen sein.“

„Aber diese Kopfschmerzen…“, fing sie erneut an. „Und spüren kann ich dich auch nicht, woran liegt das?“ fragte sie nach und versuchte sich innerlich auf ihn zu konzentrieren, aber dann hämmerte es nur noch mehr in ihrem Kopf.

„Ich weiß es nicht genau, vielleicht dauert es nur eine Weile“, erwiderte Max und massierte ihre Brüste während sie noch immer nach Erklärungen suchte.

„Max, warte, das kann doch nicht sein. Warum geht es auf einmal nicht mehr? Das ist uns doch noch nie passiert.“ Als Zweifel in Liz aufkamen bekam sie Visionen von Max und ihr zusammen aus der Vergangenheit. „Warst du das?“ fragte sie nach und seufzte erleichtert. „Ich dachte schon wir könnten das nicht mehr“, gestand sie etwas verschämt. „Es ist schöner wenn ich dich überall spüren kann.“ Eine leichte Röte schlich ihr auf die Wangen.

„Willst du mich denn spüren?“ fragte dieser nach und ein Grinsen legte sich über seine Lippen. „Hier vielleicht?“Er öffnete ihre Schenkel und legte sich zwischen diese, während er ihren Hosenknopf öffnete.

Liz, die froh darüber war, dass alles vorbei war zog sanft Max‘ Kopf zu sich und drückte ihre Lippen auf die ihres Ehemannes. Als er sie mit Leidenschaft zurückküsste wartete sie auf Visionen, die jedoch zunächst ausblieben. Er stützte sich mit einer Hand auf dem Bett ab und mit der anderen drückte er ihren Busen so fest, dass ein spitzer Schrei sich aus ihrer Kehle löste. „Max…?“ protestierte sie und versuchte ihn von sich zu schieben, als er erneut unsanft mit seiner Zunge in ihren Mund eindrang. Und dann begannen die Bilder. Sie konnte Antar sehen, doch nicht die Erinnerungen die sie in den letzten Wochen von Max bekommen hatte, sondern andere. Sie sah den Krieg und tote Menschen und Max hatte diese gemieden, seitdem er sich erinnern konnte um es ihr zu ersparen. „Max?“ rief sie nun panischer und drückte ihn von sich. „Du bist nicht Max!“ schrie sie lauter, doch er hielt sie fest.

„Natürlich bin ich Max. Liz, was ist los mit dir?“ widersprach er und drückte ihre Hände auf das Bett.

„Aufhören“, ertönte nun eine laute Stimme von der Seite und Liz wand ihren Kopf zur Seite, als Max von ihr abließ. Der Raum erhellte sich auf einmal und sie registrierte, dass sie in den letzten Minuten eigentlich nur Schwärze gesehen hatte. Noch bevor sie es bemerken konnte, waren ihre Hände an das Bett gefesselt.

„Was ist hier los?“ rief sie laut aus und versuchte sich zu befreien. Sie lag auf einem fremden Bett, in einem Raum, den sie zuvor noch nie gesehen hatte. Es sah aus wie ein Lagerhaus und ihren Blickwinkel trat nun ein Mann, den sie zuvor noch nie gesehen hatte, während Max sich ein paar Meter entfernt aufhielt.

„Hallo Königin“, grüßte der dunkelhaarige Mann sie und lächelte sie an. „Ich hätte dich gerne selbst verführt, aber ich kann leider nicht formwandeln“, gestand er und setzte sich auf die Kante des Bettes. „Ich dachte es wäre schön wenn dein Ehemann dich begrüßt und ich dich mit ihm zusammen beobachten kann.“

„Warum kann ich mich an nichts erinnern?“ fluchte sie und versuchte die Fesseln zu lösen.

„Mach nur weiter so“, stimmte Khivar ihr zu. „Du siehst gut aus, wie du halbnackt hier liegst und dich befreien willst.“

Liz sah entsetzt aus, als sie sich ihrer Lage bewusst wurde. Der Mann vor ihr musste Khivar sein und sie war gefangen. Sie wusste nicht mehr wie und warum sie hier war, aber das spielte keine Rolle. Sie musste Max erreichen, aber es war ihr nicht möglich.

„Das kannst du vergessen, Königin“, unterbrach er ihre Gedanken. „Erinnern kannst du dich nicht, weil ich deine Erinnerungen manipuliere und Zan erreichen kannst du auch nicht, weil ich das verhindern kann. Das heißt, dass du mir ausgeliefert bist.“ Er lächelte noch mehr, als er seinen Zeigefinger an ihrer Unterwäsche entlang gleiten ließ.

„Fass mich nicht an“, schrie Liz, konnte jedoch nichts machen. „Max wird dich dafür töten“, drohte sie ihm. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie daran dachte was dieser Formwandler alles mit ihr gemacht hatte. Und am Anfang hatte sie seine Berührungen genossen, weil sie es einfach nicht begriffen hatte.

„Ich habe dich beobachtet“, sprach Khivar unbeachtet weiter. „Die Leidenschaft in deinen Augen. Und dein erregter Körper.“

Liz schloss die Augen, als könnte sie damit seine Worte verbannen. „Du bist krank!“ meinte sie und versuchte seine Berührungen zu ignorieren. Die kühle Luft strich ihren Oberkörper als eine Brise durch den Raum zog. Irgendwo musste ein offenes Fenster sein.

„Soll ich dir das ausziehen?“ fragte er und zupfte an ihrem Büstenhalter, doch er zog ihn ihr nicht aus. „Wir werden unsere Stunden zusammen genießen“, sagte er und senkte seine Lippen auf ihre. Sie drückte ihre Lippen zusammen und drehte ihren Kopf hin und her, doch er hielt sie fest. Ihre Tränen wanderten unkontrolliert ihre Wangen herunter und sie wünschte sich tot zu sein.

Khivar setzte sich wieder auf. „Du bist gefesselt und hast keine Chance. Ich könnte dich genauso gut schlafen lassen und dann vergewaltigen, aber dann würde es keinen Spaß machen, nicht wahr?“

„Lieber würde ich sterben“, schrie Liz und versuchte erneut sich zu befreien. Doch ihre Beine und Handgelenke waren so fest angebunden, dass sie einfach keine Möglichkeit sah. Warum war sie nicht stärker? Verzweiflung kroch in ihr auf, als sie keinen Ausweg fand. Sie würde sterben, wenn Khivar sie anfassen würde. Bereits jetzt fühlte sie sich so dreckig und benutzt, weil der Formwandler sie angefasst hatte.

„Du bist frech“, warnte Khivar sie und öffnete seine Hose, als er plötzlich vom Bett geschleudert wurde.

Ein erleichteres Seufzen löste sich von Liz‘ Lippen, als sie die schützende Blase um sich erkannte. In letzter Minute waren ihr die Worte von Pyra eingefallen und sie hatte sich auf ihr Siegel konzentriert, das kurz daraufhin angefangen hatte zu leuchten. Sekunden später hatte sich die Schutzblase um sie ausgebreitet und Khivar von sich geschleudert.

„Da hast du noch Glück gehabt“, sagte Khivar und strich sich den Staub von den Kleidern. „Aber wenn Zan tot ist, wird dich sein Siegel auch nicht mehr schützen. Behaltet sie im Auge“, rief er jemandem zu, den Liz nicht sehen konnte. „Nicht mehr lange und sie wird meinen Thronfolger gebären.“

****

Das Haus der Evans war total verdunkelt. Bis auf das kleine Licht, dass im Wohnzimmer brannte. Fünf Schatten bildeten sich ab, denn nun waren sie nur noch zu fünft. „Entschuldigt mich“, murmelte Ava und begab sich auf die Toilette.

„Wie geht es euch?“ erklang Isabels leise Stimme. Sie war am anderen Ende des Raumes und hielt das Telefon an ihr Ohr. Sie telefonierte mit Jesse da Pyra ihr den Auftrag gegeben hatte anzurufen und nachzufragen. Sie wollte nicht, dass sie sich Sorgen machten und dann zurückfuhren, da das die Situation nur noch verschlimmern würde. Über ihren Aufenthalt durften sie nicht sprechen und auch nicht darüber dass Liz entführt wurde.

Max saß währenddessen auf dem Boden und lehnte an der Wand. Er glaubte ersticken zu müssen. Seit langem hatte er sich nicht mehr so leer gespürt. Er konnte Liz nicht spüren, er sah nur dass sein Siegel in seiner rechten Hand leuchtete. Er war nicht der Grund, also glaubte er, dass es Liz sein musste. Auch Pyra hatte ihm seine Vermutung bestätigt und so saß er nun da und beobachtete seine Hand. Hoffentlich geht es ihr gut, dachte er und schloss seine Augen. Sein Herz bangte um ihre Sicherheit und ein Kloß steckte in seinem Hals, aber er konnte einfach nicht weinen. Er wollte nicht warten, denn Liz musste schreckliche Angst haben, doch ohne Pyras Hilfe konnte er nichts unternehmen.

Er selbst konnte nicht spüren wo Liz sich befand und Pyra weigerte sich sie alle zu ihrem Bruder zu führen. Er verstand auch ihre logische Denkweise, denn es würde ein Hinterhalt werden und Khivar wäre ihnen überlegen. Doch dennoch zerriss es Max das Herz so tatenlos dazusitzen und auf eine Aktion von Khivar zu warten.

„Pyra!“ rief Max aus, als das Siegel in seiner Hand erlosch. Michael stand in der nächsten Sekunde neben ihm und richtete seinen Blick ebenfalls auf die Antarianerin.

„Wir müssen etwas tun, Liz nutzt das Siegel nicht mehr“, erklärte Max und sein bester Freund nickte. Er wollte nicht ununterbrochen an Liz denken, aber dieser Mechanismus in ihm ließ nichts Anderes zu. Sie mussten Liz befreien, damit er endlich wieder seine eigenen Gedanken haben konnte.

„Es könnte nur ein Trick sein, Max“, erläuterte Pyra. „Mein Bruder könnte einen Weg gefunden haben die Übertragung zu stoppen, aber wir müssen warten bis er sich meldet. Wenn wir jetzt zu ihm gehen, werden wir alle sterben und Liz ist nicht geholfen.“

„Ich…“

„Ja, ich weiß, Max. Aber im Moment haben wir keine andere Wahl.“

„Es leuchtet wieder, vielleicht versucht sie etwas“, stellte Max fest und klammerte sich an den Gedanken, dass es Liz gut ging.

****

Liz sparte ihre Kräfte, als sie bemerkte dass fast alle den Raum verlassen hatten. Sie konnte nicht hinter sich sehen, weil sie gefesselt war, aber in ihrer nächsten Umgebung gab es niemanden, der im Moment eine Gefahr darstellte.

Im Moment suchte sie dringend nach einem Fluchtweg, aber ihre Kräfte funktionierten nicht richtig und sie konnte sich nicht befreien. Also konzentrierte sie sich auf das, was sie vielleicht mit Hilfe ihres Siegels schaffen würde. Ein paar Minuten hielt sie inne, atmete tief ein und aus uns schloss dann die Augen und konzentrierte sich auf Max.

Max.

Max.


Noch immer hallte keine Antwort zurück. Angst ergriff sie, denn in diesem Moment bemerkte sie, dass sie ihn überhaupt nicht spüren konnte. Es war Nacht und Khivar war nicht hier. Wo war er? Kämpften Max und Khivar gegeneinander? Tränen füllten ihre Augen, weil sich eine unsichtbare Hand um ihr Herz legte.

Max.

Sie rief und rief innerlich nach ihm, bekam jedoch keine Antwort. Tränen flossen über Liz‘ Wangen und sie spürte die Erschöpfung, die über sie kam. Vielleicht würde sie schlafen und aufwachen und bemerken, dass alles nur ein Alptraum war. Max und sie würden zusammen auf das College gehen und ein ganz normales Leben führen. Noch einmal flüsterte sie den Namen ihres Ehemannes bevor der lang hinausgeschobene Schlaf sie vereinnahm.

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Max war aufgebracht, aber er konnte nicht ununterbrochen an Liz denken, da auch Pyra seine Aufmerksamkeit forderte. „Er wird einen Zweikampf wollen. Ich denke nur deshalb hat er Liz entführt, damit er die Oberhand hat und von dir verlangen kann was er will. Er möchte, dass du in der Lage bist, dass du weißt wenn du verlierst gehört Liz ihm.“

„Sag‘ so etwas nicht!“ erwiderte Max wütend. „Wir werden Liz retten. Niemals lasse ich es zu, dass er ihr etwas antut.“ Sein Blick schweifte erneut in die Innenseite seiner Hand, denn das Siegel war wieder einmal erloschen.

Liz, wo bist du nur?

Er rief sie mehrmals und versuchte eine Verbindung zu ihr aufzubauen, aber es gelang ihm nicht. „Spar dir deine Kräfte, mein Bruder verhindert…“

Alle verstummten, denn es klopfte an der Haustüre der Evans. „Ich mache auf“, bestimmte Pyra und ging zur Türe. Sie öffnete sie erst nachdem sie ein Schutzschild um sich selbst und die anderen gelegt hatte. Ihre Augen wurden schwarz, als sie die Person auf der anderen Seite erblickte. Die Aura des Mannes war ein dunkles, mattes Grün und sie wusste sogleich was das bedeutete. Das Gesicht hatte sie kaum wahrgenommen, bis Isabel ausrief: „Jesse!“ Doch bevor sie sich nach vorne bewegen konnte, sah auch sie die Aura des Mannes. „Du bist nicht Jesse! Dieses Aussehen, hör‘ sofort…“ fing sie an, wurde aber harsch von Pyra unterbrochen.

„Was willst du hier?“

„Khivar schickt mich. Zan soll in genau 24 Stunden an dem Ort sein, wo der Granilith früher gewesen ist. Einen Zweikampf soll es geben und der Gewinner möge die Königin bekommen.“ Er verstummte und Pyra wusste, dass er Ihnen nicht mehr erzählen würde und auch dass er auch nicht wusste wo Liz sich im Moment befand. Sie kannte ihren Bruder und er war vieles, doch nicht leichtsinnig. Mit einer kurzen Handbewegung tötete sie den Formwandler, bevor er mit der Wimper zucken konnte. Isabel schrie auf, auch wenn sie wusste, dass nicht wirklich Jesse vor ihr stand. Eiskalt hatte die Antarianerin ihn zu Staub zerfallen lassen. Die Angst um ihren Ehemann jagte sie in ihre Gedanken und sie baute eine Verbindung zu ihm auf, damit sie ihn kurz spüren konnte.

„Was hast du getan?“ wollte Max wissen. „Vielleicht hätte er uns sagen können wo sich Liz befindet.“

„Nein, er war nichts wert, nur deshalb hat mein Bruder ihn geschickt. Und so haben wir einen Feind weniger.“

Als nächstes setzten sie sich zusammen und Pyra stelle einen straffen Plan auf. Schlafen kam nicht mehr in Frage und es war auch gut, dass sie nicht so viel Schlaf brauchten. Max musste trainieren, damit er ansatzweise eine Chance haben würde, bis Pyra einschreiten und ihren Bruder selbst töten konnte. „Dies wird keinesfalls ein fairer Kampf“, äußerte sie und blickte alle Vier an. „Wir haben viel zu tun, lasst uns anfangen.“

****

Liz spürte etwas in ihrem Kopf und lächelte…seine Anwesenheit war schön und sie hatte ihn vermisst. Sie öffnete ihre Seite der Verbindung und er strömte in sie hinein, als würde er befürchten, sie könne ihre Meinung ändern. Was glaubte er von ihr? Er war ihr Max…und sie hatte ihn vermisst, ihren Khivar. Er hatte lange nach ihr gesucht und sie nun gefunden. Sie ließ sich fallen und seine Gedanken liebkosten die ihre und sie seufzte leicht unter seinen theoretischen Berührungen.

„Funktioniert es?“ wollte jemand wissen, als Khivar konzentriert auf Liz‘ schlafende Gestalt sah.

„Ja, zuerst dachte sie noch an Zan, jetzt sieht sie in ihren Gedanken mich. Nicht mehr lange und ihr Wille ist gebrochen. Und dann wird sie mein Kind empfangen und morgen Nacht wird Zan sich mir kampflos gegenüber stellen. Ohne seine Königin ist er nichts wert.“

„Was ist, wenn er nicht glaubt, dass die Königin schwanger ist?“ wollte der Formwandler von seinem Anführer wissen.

„Wenn ich erst einmal ihren Willen durchbrochen habe, wird sie sich mir hingeben und das Baby empfangen. Wenn das geschehen ist gibt es kein Zurück mehr. Dann kann sie morgen an meiner Seite beobachten wie Zan untergeht und es wird ihr nichts bedeuten. Geh hinaus, ich muss mich stärker konzentrieren.“

Der Formwandler nickte und verließ den Raum, als Khivar seine Hände an Liz‘ Wangen legte. Sie lächelte in ihrem Schlaf und er wollte die vorgetäuschten Gefühle gegenüber ihm stärker in ihr verankern, damit es gleich jetzt funktionieren würde, wenn sie aufwachen würde. Er fürchtete, dass sonst bis zum Kampf sich keine Gelegenheit mehr ergeben würde, denn Liz würde sich ausgeruht erst einmal weigern wieder zu schlafen. Und nur im Schlaf konnte er ihr Unterbewusstsein beeinflussen.

„Liz…meine Königin, hier bin ich. Dein König, dein Mann…“ flüsterte er in ihr Ohr und küsste sie am Nacken, während seine Hände sachte über ihren Körper fuhren. Er musste sich seine Zeit mit ihr nehmen, bis sie endlich nachgeben würde. Und wenn erst einmal das Baby auf der Welt war würde er sie gehen lassen und ihr all die Erinnerungen an Zan wiedergeben, ihr aber auch die Erinnerungen mit ihm selbst lassen. Er würde in der Zeit der Schwangerschaft abermals in ihr Bett steigen und ihr diese für sie abstoßenden Erinnerungen zurücklassen. Wenn es nötig wäre Zan zu töten würde er ihn eigentlich gefangen nehmen und ihm dann Liz unter die Augen führen, doch das war nicht möglich.

„Max…“ kam es aus Liz‘ Lippen, als sie sich unter den Berührungen wand.

„Sie ist stärker, als ich dachte“ murmelte Khivar vor sich hin und schob die Augenbrauen noch weiter zusammen. Er pflanzte Bilder in ihrem Gedächtnis ein, die Khivar und sie in einem Bett zeigten. Er küsste sie auf die Lippen, als er Bilder einer Hochzeit in ihrem Gedächtnis fand. Zan und sie, diese Erinnerungen tauschte er gegen eine Hochzeit von sich selbst und der Königin. Er entfernte sich etwas von ihr und legte sich zur Seite, als er spürte dass sie langsam zu sich kam. Er streichelte ihren Arm und entlockte erneut einen Namen aus ihrem Munde und diesmal lächelte er zufrieden.

„Khivar…“ flüsterte sie und er ließ sie in Ruhe aufwachen und blickte dann in ihre braunen Augen, die direkt in seine sahen, als sie sie flatternd öffnete. „Khivar.“