Written by: Hilde von der Insel & Liz Evans


Specials: Rath/Pyra Auskopplung




Was bisher geschah:

„Es ist ro-rosa…“

„Ich dachte einen Moment ich hätte jemanden auf dem Balkon gesehen. Aber es waren nur ein paar Vögel, die sich bewegt haben.“

„Michael, ich bin es! Ich bin schwanger.“

„Michael, du wirst ein guter Vater, der beste den ich mir je hätte erträumen können…ich weiß jetzt schon, dass unser Kind dich um den Finger wickeln wird.“

„Ich bin’s Pyra, ich stecke nur in dem Körper von Serena Davis.“

„Trägst du das Siegel?“

„Ich bin hier weil ihr alle in Todesgefahr schwebt.“






„Wer bist du?“ verlangte Michael von Pyra, nachdem sie ihren letzten Satz ausgesprochen hatte. Er konnte spüren, dass sie nicht diese Gefahr darstellte, von der sie sprach. Auch wenn er sich nicht an sie erinnern konnte, so schien ihre Anwesenheit ihm vertraut. Ihr Äußerliches weckte keinerlei Erinnerungen – außer, dass sie Liz sehr ähnlich sah – aber ihre Worte und ihre Gestik erinnerten ihn an früher…an Antar.

„Wenn ihr euch an nichts erinnern könnt, ist das eine lange Geschichte“, gab Pyra mit einem Seufzen zu und fuhr sich durch die braunen Haare.

„Du bist auf unserer Seite, stimmt’s?“ wollte Liz wissen, die bereits wusste, dass es so sein musste. Síe wollte es nur noch einmal von ihr hören, damit auch die anderen es wussten. Nicht jeder wusste was Future-Max ihr über Serena erzählt hatte und auch sie selbst wollte endlich erfahren wer diese Frau ihr gegenüber wirklich war.

„Ja, ich bin immer loyal gegenüber dem König gewesen“, kam die Antwort ohne jegliche Verzögerung.

„Ich bin kein König mehr“, warf Max ein und zog Liz an seine Seite. „Wir wollen ein ganz normales Leben.“

„Das ist nicht möglich“, erwiderte der Neuankömmling und lächelte wehmütig. „Ihr könnt kein normales Leben leben, solange Khivar hinter Liz her ist.“

Opening Credits

Nachdem Pyra gesagt hatte, dass Khivar Liz wollte und nicht Zan waren alle ziemlich geschockt gewesen und hatten eine Frage nach der anderen gestellt. Letztendlich hatten sie beschlossen nach oben in das Appartement der Parkers zu gehen. Mitgehen konnten nur die 8 Jugendlichen, die auch bisher alles zusammen durchgestanden hatten. Die Eltern und Connor wurden darum gebeten zu den Evans zu fahren.

Jim und Connor hatten am längsten protestiert, aber Pyra hatte darauf bestanden. Sie hatte sich anfangs sogar dagegen geweigert überhaupt zu reden, wenn jemand im Raum sein würde außer Max, Michael und Liz. „Warum darf denn Liz mitgehen und ich nicht?“ hatte Maria wissen wollen, wurde jedoch nur gemustert und angeschwiegen.

Nun saßen sie aber doch zu neunt im Wohnzimmer der Parkers und fast alle warteten gespannt auf eine Erklärung. „Was haltet ihr davon wenn ich von Anfang an anfange?“

„Gerne“, erwiderte Max, der ahnte, dass sie erst einmal darstellen würde wer sie war und in welchem Bezug sie zu ihnen stand.

„Mein Name ist Pyra und ich bin eine Antarianerin. Ich bin vor sechs Tagen auf der Erde gelandet und kannte die königlichen vier persönlich und bin mit ihnen aufgewachsen."

„Moment mal“, griff Kyle ein, der genauso wie die anderen ihr nicht ganz folgen konnte. „Ava und die anderen sind 1947 abgestürzt, heißt das also, dass du schon uralt bist?“

„Nein, ich bin 25 Jahre alt. Ich werde euch alles genau erklären. Auf Antar vergeht die Zeit nicht so schnell wie hier auf der Erde. Sieben Jahre hier bei euch sind lediglich ein Jahr bei uns gewesen. Das Raumschiff ist also erst vor acht Jahren von Antar abgeflogen, wobei hier bereits 56 Jahre vergangen sind. Ich bin zu dem Zeitpunkt erst 17 gewesen. Auf Antar haben wir gerade das Jahr 2098 und geboren bin ich im Jahre 2073. Kann jeder folgen?“ fragte sie nach und bekam ein einheitliches Nicken.

„Das Königspaar - also die Eltern von Zan und Vilandra - haben jahrelang keinen Thronfolger bekommen. Der General und seine Frau bekamen kurze Zeit nach der Hochzeit Khivar. Er wurde zum Augapfel von allen da das kinderlose Ehepaar Trost in dem Kleinen suchte. Er wurde erzogen wie ein Prinz, bekam Unterrichtsstunden im Palast, durfte auf alle Feiern mitgehen und wurde von gleich vier Personen verwöhnt.“

„Khivar wuchs bei unseren Eltern auf?“ fragte Isabel leise und konnte nicht fassen was sie hörte. Ihr Feind, der sie alle töten wollte wuchs im Palast auf? Und war der Sohn des Generals? Das wäre ja wie, wenn Michaels Kind Max in den Rücken fallen würde. Diese Situation konnte sie sich kaum vorstellen.

„Ja, ich weiß, das sind Informationen, die ihr vielleicht schwer glauben könnt oder euch nicht einmal vorstellen könnt, aber ich werde zum gegebenen Zeitpunkt euch beweisen, dass ich wirklich die Person bin, die ich zu sein behaupte. Ihr müsst euch nur etwas Gedulden, es ist nicht leicht euch alles so darzustellen, wenn ihr euch an nichts erinnern könnt.“ Darüber würde sie mit ihnen auch noch reden müssen, da sie die Gabe besaß Erinnerungen manipulieren zu können. Und vielleicht würden die vier sich an Antar erinnern wollen.

„Als Khivar sieben war bekam das Königspaar unerwartet einen Sohn. Der Kronprinz wurde überall auf Antar gefeiert und die Eltern waren überaus glücklich. Natürlich freuten sich auch der General und seine Frau für ihre besten Freunde, doch Khivar als kleiner Junge konnte nicht verstehen, warum nun er nicht mehr im Mittelpunkt stand. Er wurde immer eifersüchtiger und die Eltern nahmen das am Anfang nicht ernst. Er war ja auch noch ein Kind, also beschwichtigten sie ihn immer wieder, aber ließen ihn dennoch niemals mit dem Prinzen alleine.

„Zwei Jahre später kam Vilandra auf die Welt und die Situation wurde für Khivar nur schlimmer. Er musste sich die Aufmerksamkeit mit zwei weiteren Kindern teilen und fragte sich warum nicht einfach er alleine im Palast leben konnte und warum Zan immer auf dem Schoß des Königs saß und nicht mehr er selbst so oft. Letztendlich bekam Khivar sogar noch eine Schwester als er zehn war - mich.“

Hier stoppte sie nun und wartete auf Fragen, zunächst kam jedoch nichts, bis Max sich zu Wort meldete. „Soll das bedeuten du bist die Schwester von Khivar?“ Pyra konnte jegliche Anspannung im Raum spüren, aber ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Ja, ich bin die kleine Schwester von ihm und inzwischen sein größter Feind. Khivar fürchtet sich nur vor wenigen Antarianern. Das sind Zan, Rath und ich.“

„Warum sollten wir dir das glauben? Vielleicht hat er dich geschickt um uns auszuspionieren?“ fragte Michael misstrauisch nach und hörte mehr auf seinen Verstand als auf seine Instinkte. Diese hatten ihn bereits mehrmals in die Irre geführt.

„Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich euch alle bereits töten können. Ich bin vollblütige Antarianerin und deshalb stärker als ihr alle zusammen, aber ich stehe auf eurer Seite. Ich stehe auf Zans und Raths Seite und ihr werdet sehen, dass es so ist, wenn ich euch die weitere Geschichte erzähle.“

„Wir sind ganz Ohr“, meinte Liz und nahm nichts um sich herum wahr. Sie fand die Geschichte über Max‘ früheres Leben unglaublich interessant und wollte mehr über Khivar, Zan und Antar erfahren. Michael erging es anscheinend ähnlich, da er fragte wie er in das ganze Bild passte.

„Rath war der ein Jahr ältere Cousin vom Kronprinzen. Er war der Sohn vom Bruder der Königin. Er wuchs ebenfalls die meiste Zeit mit uns zusammen auf und später bekam er dann die Position des Generals zugeschrieben, aber dazu komme ich noch.“ Pyra verstummte für einen Moment und fragte sich ob sie ihnen nun ein paar Bilder zeigen sollte. Jedoch blieb sie bei ihrer bildlosen Erzählung, da alle sie so gespannt ansahen.

„Je älter wir wurden desto mehr entfernte sich Vilandra von uns. Khivar war der Älteste und hatte seine eigenen Freunde. Zan war der Prinz und ich die jüngste…da dazwischen kam sie sich wahrscheinlich etwas verloren vor und suchte sich andere Freunde. So blieben Zan, Rath und ich die meiste Zeit für uns. Zu Anfang glaubten wir natürlich, dass immer alles so schön bleiben würde. Wir wussten Zan würde später einmal König werden, wenn sein Vater starb, aber war für uns noch in ferner Zukunft. Doch die Unruhen auf Antar wuchsen und zu dieser Zeit wurde Rath zum Kommandanten, da er Zan am nächsten war und ihn am Besten kannte. Der König selbst verstand nicht warum eine Minderheit unter seinem Volk sich gegen die Monarchie auflehnte, so dankte er ab und übergab den Thron frühzeitig an Zan, weil er hoffte, dass es dadurch aufhören würde.“

„Wie alt war da Max?“ wollte Isabel wissen, die versuchte alles in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen.

„Zan ist 17 gewesen, du warst gerade Mal 15 und warst mitten in der Phase, in der du nur gegen deine Eltern rebelliert hast und ein eigenes Leben wolltest. Das Leben als Prinzessin reichte dir nicht, weil du immer im Schatten des Prinzen standst.

„Zu Anfang war es noch kein großer Unterschied, da Zan erst einmal auf seine Rolle vorbereitet werden musste. Ich war zu jeder Zeit seine Begleiterin und Rath seine rechte Hand. Wir gingen noch immer überallhin zu dritt und manchmal kam auch Vilandra mit. Doch das Volk, dass an die Monarchie glaubte, wollte langsam eine Königin.“

„Und dann kam Ava ins Spiel“, stellte Kyle fest und drückte leicht Avas Hand.

„Ja, die ehemalige Königin sprach ihren Sohn darauf an und sagte ihm, dass er heiraten müsse. Schließt nun alle eure Augen“, bat Pyra und schloss ihre zuerst. „Ich werde euch etwas zeigen, damit danach hoffentlich keine Zweifel mehr an meiner Loyalität existieren.“

Max und Liz machten den Anfang und die anderen folgten alle. Und sobald Kyle, als letzter, seine Augen geschlossen hatte, verschwamm auch schon das Bild vor ihrem inneren Auge…

„Hat sie wirklich gesagt, dass du heiraten musst?“ fragte Rath nach, als Zan ihnen von dem ungewöhnlichen Gespräch zwischen ihm und seiner Mutter erzählt hatte.

„Ja, sie sagte ich muss“, gab dieser zu und blickte in die schwarze Nacht hinein. Sie standen auf dem Dach des großen Palastes und beobachteten die Sterne und Planeten um sich herum.

„Aber du bist doch erst 18 Jahre alt“, warf die 15 - jährige Pyra ein. „Außerdem hast du nicht einmal eine Freundin.“ Sie und Rath tauschten kurz einen Blick aus und Rath sah so aus, als wöllte er etwas sagen, ließ es aber.

„Sie haben schon jemanden ausgesucht. Sie sagen Ava sei eine angemessene Königin und ich würde glücklich mit ihr werden. Und das obwohl ich sie noch nicht einmal richtig kenne. Mir ist da etwas Anderes eingefallen, aber davon wollte meine Mutter nichts hören.“ Die anderen zwei blickten ihn fragend an und er holte einmal tief Luft bevor er weitersprach. „Ich hab ihr vorgeschlagen, dass ich dich“ – er blickte auf seine langjährige Freundin – „zur Scheinkönigin machen könnte, wenn du einverstanden wärst. Dann müsste ich nicht jemanden heiraten, den ich überhaupt nicht kenne.“

Pyra schluckte schwer, bevor sie zu ihrem Freund sah. „Deine Mutter wollte es nicht?“

„Nein, sie sagte, das Volk wäre mit so einer Entscheidung nicht zufriedengestellt. Sie sagte, es müsste etwas Neues geschehen, aber du würdest ja schon immer an meiner Seite stehen. Ich verstehe nicht, warum ich heiraten muss, damit das Volk mich so respektiert wie meine Eltern es wollen.“

Pyra fasste sich ein Herz nachdem sie die ehrlichen Worte von Zan hörte und machte selbst ein Geständnis. Ein kurzer Blick auf den frischen General und dann, „Zan, Rath und ich sind zusammen.“


Pyra öffnete schnell ihre Augen, als die Erinnerungen zu weit voranschritten. Eigentlich hatte sie stoppen wollen, nachdem Zan ihr erklärte, dass sie als Königin nicht ausreichen würde. Jedoch war die Anstrengung zu groß gewesen, die Personen äußerlich so aufrecht zu erhalten, wie sich die anderen es vorstellen konnten. In ihrer Welt erkannte sie die Antarianer an ihrer Aura…und wusste wer sie waren. Hier musste sie sich stark Konzentrieren um für Zan, Rath und sie selbst den Anblick zu schaffen, den sie hier auf der Erde trugen.

„Ihr wart ein Paar?!“ rief natürlich als allererste Maria aus. Es reichte nicht, dass Michael so einen mysteriösen und gefährlichen Eindruck auf sie gemacht hatte, sondern diese Pyra sagte auch noch, dass sie ein Paar gewesen sind.

„Es war mehr eine Art Affäre. Sein Tod beendete alles und seitdem sind für mich 8 Jahre vergangen, aber darum geht es hier nicht. Wir können später darüber reden, jetzt im Moment gibt es Wichtigeres“, stellte Pyra fest, konnte jedoch genauso wie Michael auch nicht in seine Richtung sehen. Sie stellte fest, dass Rath um einiges missmutiger und verschwiegener als Michael gewesen war, dieser schien zwar dieselben Züge aufzuweisen, jedoch nicht in solchem Ausmaße. Die Erinnerungen an ihren Rath schmerzten ihr Herz aber sie versuchte es zu verdrängen. Er war tot, und der vor ihr schien zwar im Moment im selben Alter zu sein, wie Rath damals, aber er war nicht ansatzweise so wie er. Und außerdem war er mit Maria zusammen und sie konnte spüren, dass sie schwanger war. Sie lächelte etwas wehmütig, sie selbst hatte nie Kinder bekommen und würde bestimmt auch keine mehr haben.

„Danach hat Zan Ava geheiratet und Rath und Vilandra haben sich später ebenso verlobt. Vilandra hat diese Zwangsverlobung zerstört, da sie zu dem Zeitpunkt glaubte in Khivar verliebt zu sein. Sie war 17 und er bereits 25 und für sie war es die große Liebe…“ Sie dachte daran, wie Khivar Vilandra auf seine Seite gezogen hatte und Abscheu stieg in ihr auf, jedoch unterdrückte sie diese Gedanken schnell wieder. Diese Isabel vor ihr schien keine Ahnung von alldem zu haben und wirkte in seltenen Momenten wie ein zerbrechliches Wesen – ganz im Gegenteil zur Prinzessin, die immer gefasst und kaltherzig gewesen ist.

„Rath und Vilandra führten tatsächlich eine Scheinverlobung und die Hochzeit kam auch nie zu Stande, da zuvor Vilandra bereits von zu Hause wegrannte und der Krieg kurz darauf ausbrach. Sie traf sich sowieso weiterhin mit meinem Bruder und ich mich weiterhin mit Rath…“ den letzten Satz sprach sie etwas leiser aus, da es Michael ziemlich unangenehm schien. Sie fragte sich ob er sich an noch mehr erinnerte als nur an das von ihr vorgegebene.

„Ich wusste damals nicht was mein Bruder in seiner freien Zeit trieb. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er während dieser Zeiten die Führung der „Opposition“ annahm und immer mehr Anhänger suchte um die Monarchie zu stürzen. Er gewann einige, da viele nicht verstehen konnten, warum sie nun einen so jungen König bekamen. Sie fingen damit an, an der Königsfamilie zu zweifeln und so waren sie eine leichte Beute für Khivar.“

„Aber was glaubten sie denn was Khivar besser machen würde?“ fragte Max nach.

„Er log und versprach ihnen eine Demokratie. Er meinte, er wolle zuerst den König stürzen und dann ein Parlament gründen, in Wirklichkeit wollte er einfach nur regieren.“

„Und zwei Jahre später brach der Krieg aus. Zu diesem Zeitpunkt waren Khivars Pläne kein Geheimnis mehr. Meine Eltern haben versucht ihn davon abzuhalten und haben die meiste Zeit gehofft, dass er aufhören würde, aber er führte immer mehr Revolutionen an. Meine Eltern hörten einmal wie er sagte, dass man mit dem Krieg beginnen müsse, bevor Ava einen Thronfolger gebärt. Sie wollten die königliche Familie warnen und wurden hierbei umgebracht. Mein eigener Bruder hat meine Eltern töten lassen und deshalb bin ich auch der größte Feind den er sich gegenüber stehen hat.“

„Nachdem diese Nachricht eintraf wurden alle Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren und die DNA der königlichen Vier wurde auf die Erde geschickt. Der König mit seiner Frau und die Prinzessin mit ihrem Verlobten. Der Fehler war nur, dass Ava das Siegel nicht trug und das königliche Paar davon nichts wusste. Sie hatten lediglich Zan mit ihr vermählt, hatten aber niemals kontrollieren können ob sie das Siegel von ihm tatsächlich bekommen hatte. Auf Antar bleibt eine Königin kinderlos, solange sie das Siegel nicht erhält. Hier auf der Erde scheint Ava nur schwanger geworden zu sein, weil ihr Hybriden seid. Auf unserem Planeten ist das nicht möglich, denn auf diese Weise wurde gesichert, dass wenn der König Nachwuchs bekommt, es der Thronfolger sein muss.“

Die Biologin in Liz folgte jedem Wort aufmerksam und darauf vielleicht Schlüsse ziehen zu können. Sie wussten nicht viel über Verbindungen zwischen einem Hybriden und einem Menschen und vielleicht könnte Pyra ihr später ein paar Fragen beantworten.

„Der Krieg brach aus und es gab nur einen Versteck an dem man sicher war, von dem Khivar nichts wusste. Khivar kannte den Palast in und auswendig, er wusste alle geheimen Fluchtwege und alle geschützten Räume, es hatte keinen Sinn sich im Palast zu verstecken. Vilandra war zu dem Zeitpunkt nicht mehr auffindbar…und jeder wusste, dass sie auf der Seite von Khivar stand.“

Michael wollte protestieren, denn er hatte sich früher bereits einmal daran erinnert, dass es nicht so gewesen war, jedoch schien Pyra fest von dieser Tatsache überzeugt, also ließ er sie weiterreden.

„Rath brachte mich in das Haus seiner Eltern. In diesem Haus war Khivar noch nie gewesen und kannte sich dort auch nicht aus. Er wollte den König und seine Frau dort sichern, aber Zan weigerte sich sein Volk im Stich zu lassen und Ava wich ihm nicht von der Seite. Sie liebte ihn wirklich, aber leider hatte sie Zans Herz nicht erobern können. Es war seine Zwangslage gewesen, die ihn daran hinderte sein Herz ihr zu öffnen. Ich selbst war 17 und unsterblich verliebt und wollte Rath nicht alleine lassen und auch nicht dort bleiben, aber er zwang mich dazu.“

„Wie denn das? Habt ihr nicht alle Kräfte, sodass ihr sogar durch verschlossene Türen laufen könnt?“ fragte Maria nach.

„Als ich hysterisch wurde und anfing auf ihn einzuschlagen, zerrte er mich in den Bunker, von dem keiner wusste, und sagte mir, dass ich irgendwann seinen Tod rächen würde. Danach schlug er mich nieder und verschloss alle Ausgänge mit seinen Kräften.“

„Konntest du sie nicht öffnen?“ fragte Liz nach.

Pyra schüttelte mit dem Kopf und verdrängte die Gedanken an diesen Moment. „Nein, Rath war vier Jahre älter als ich und je länger man mit seinen Kräften zusammenlebt desto besser kann man sie kontrollieren und vor allem desto stärker sind sie auch. Man bekommt neue hinzu und die, die man hat entwickeln sich immer weiter. Ich konnte den Bunker nicht verlassen und musste dort zurückbleiben.“

„Und wer hat dich dann raus gelassen?“

„Niemand.“

Sie sah in viele verwirrte Gesichter und fasste sich ein Herz. Sie hatte nicht über die Details dieser Tage sprechen wollen. „Als Rath mir sagte, ich würde seinen Tod irgendwann rächen meinte er das genauso wie er es sagte. Denn entweder würde ich den Bunker verlassen indem er wiederkommt und die Siegel aufhebt oder er stirbt und sie werden deshalb unwirksam…Ich verlor mein Zeitgefühl irgendwann und ernährte mich von den Vorräten, die dort immer für alle Fälle gelagert wurden. Ich weiß nicht wie viel später, aber irgendwann gingen die Türen von alleine auf und ich wusste Rath war tot. Und wenn Rath tot war, so konnte Zan nicht weit von ihm gewesen sein.“ Sie nahm ein Schluck von ihrem Wasser, das ihr Liz mit glitzernden Augen auf den Tisch gestellt hatte. Sie konnte sich nur noch an den Moment erinnern, als Max gefangen genommen wurde und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter. Und das war noch lange nichts im Gegenzug zu dem was Pyra erlebt hatte.

„Ich verließ also mein Versteck und machte mich auf die Suche nach irgendjemandem, der mir erklären konnte was passiert war. Ich glaubte, dass mein Bruder auf dem Thron sitzen würde, aber so war es nicht. Von der Königsfamilie gab es keinen Überlebenden und auch Raths Familie war gestorben. Der einzige, den ich finden konnte, der mir dann erzählte was passiert war, war Larek.“

„Du hast Larek gekannt?“ fragte Michael überrascht nach. Er wusste nicht warum, aber an Larek hatte er gar nicht mehr gedacht.

„Ja, Larek war ein treuer Soldat von Zans Vater gewesen. Als Zan zum König wurde, bat der ehemalige König ihn seinem Sohn mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, weil dieser für seine Rolle noch zu jung war. So wurde Larek die zweite rechte Hand von Zan neben Rath und stand beiden zu jederzeit zur Seite. Er war älter und erfahrener und hatte zurückhaltender gehandelt und somit den Anschlag von Khivar überlebt. Er hat mir im Nachhinein erzählt, dass Khivar Zans Eltern getötet hat und ihn damit aus seinem Versteck gelockt hätte. Rath ist ihm natürlich gefolgt und beide sind aus dieser Schlacht nicht mehr zurückgekommen.“

„Geht es Larek gut? Er hat uns lange nicht mehr kontaktiert.“

„Larek ist gestorben“, sagte Pyra eiskalt, weil sie im Moment nichts fühlen wollte. „Über die Jahre hinweg sah ich einen Vater in ihm und Khivar tötete ihn vor meinen eigenen Augen. Deshalb konnten wir euch nicht mehr kontaktieren, da Larek als einziger die Gabe besaß für eine kurze Zeit hier in einen Körper zu schlüpfen.“

„Genau das musst du uns auch noch sagen, wer Serena Davis ist. Hast du sie etwa getötet, als du ihren Körper angenommen hast?“ wollte Kyle empört wissen.

„Nein, das habe ich nicht, aber das ist eine andere Geschichte, lasst mich zunächst weitersprechen. Die Mehrheit des Volkes wehrte sich gegen Khivar, viele waren noch Anhänger des Königs gewesen und andere hielten nicht viel von seinen Methoden. Er konnte aber auch keine Monarchie aufbauen mit sich selbst als König, da Vilandra nicht mehr lebte, ich weiß nicht warum und wieso, aber sie war tot. Und ohne das Siegel konnte niemand rechtmäßig herrschen, also brauchte Khivar einen Thronfolger. Gegen diese Möglichkeit hatte er sich abgesichert und ebenfalls jemanden mit eurem Schiff mitgeschickt, der auf seiner Seite stand. Die Aufgabe bestand darin für alle Fälle einen Thronfolger mit zurückzubringen, falls auf Antar etwas schief laufen sollte. Und es kam tatsächlich so, dass Ava vor wenigen Wochen mit einem Baby zurückkam und mein Bruder glaubte, dass er es endlich geschafft hatte. Denn während des langatmigen Krieges, während ich den Widerstand gegen ihn geführt habe, hat er sein Ziel nicht erreichen können.“

„Vor wenigen Wochen? Das ist bereits mindestens…oh ich hab vergessen, dass das ganz andere Relationen sind“, korrigierte Kyle sich selbst.

„Deshalb waren diese Gedanken des Verrats auch noch so frisch bei dir?“ stellte Ava fest.

„Ja, warum du nicht die Ava sein sollst, die damals nach Antar kam, müsst ihr mir auch noch erklären.

„Doch das Baby, das mit Ava kam war nicht der rechtmäßige Thronfolger. Max und sie hatten scheinbar nie das Ritual vollzogen oder waren nicht ineinander verliebt gewesen.
Auf Antar wird der Neugeborene Prinz immer dem Volk vorgeführt, während sein Siegel aufleuchtet und das ist dann der Beweis dafür, dass er der Kronprinz ist. Dieses Leuchten kann auch kein Antarianer vortäuschen. Danach war Khivar so wütend, dass er versucht hat Ava und das Baby zu töten, woraufhin sie wieder geflohen ist. Wir glaubten schon es sei sein Ende und er würde endlich aufgeben…aber dann hat er erfahren, dass Liz das Siegel trägt und das bedeutet, dass es nun aktiviert ist. Das bedeutet das einzige was Khivar tun muss, ist Zan zu töten, und dann ein Baby mit Liz bekommen. Genau deshalb bereitet er sich darauf vor hierher zu kommen. Er möchte Liz mitnehmen und mit ihr ein Kind zeugen. Denn wenn der König frühzeitig stirbt bleibt das Siegel der Königin aktiv, damit die königliche Familie nicht ausstirbt. Ich kam ihm aber zuvor und habe das Portal genutzt um hierher zu kommen, es dauert eine Weile bis man es erneut öffnen kann. Das sollte uns hier auf der Erde mindestens ein paar Wochen Zeit verschaffen.“

„Aber müsste nicht Vilandra auf Antar, die Königin geworden sein, nachdem Khivar Zans Eltern und Zan selbst getötet hat? Du hast selbst gesagt, dass Ava das Siegel nie erhalten hat?“ Liz versuchte Pyra nicht zu fragen, aber mit so vielen Informationen konnte sie nicht auf Anhieb umgehen.

„Ja, niemand weiß genau, was zwischen den beiden vorgefallen ist. Er muss sie bereits getötet haben, bevor er Zan getötet hat und somit hatte er diese Möglichkeit nicht mehr.“

„Das heißt wir werden niemals erfahren was passiert ist?“ wollte Isabel wissen. Sie wollte wissen ob sie ihren Bruder nun wirklich verraten hatte oder nicht. „Doch es gibt es eine Methode, ihr erzähle euch später davon.“

„Wie viel Zeit?“ unterbrach Michael die Diskussion. „Wie lange dauert es genau bis man das Portal erneut nutzen kann?“ Sie wussten alle mit ungenauen Daten konnten sie nichts anfangen.

„Auf Antar dauert es ungefähr 5 oder 6 Tage. Das ist etwas mehr als ein Monat hier“, erklang die Antwort und schockte jeden im Raum.

Liz, die spürte wie Max sich selbst anfing zu hassen, weil er Liz erneut in Gefahr brachte konnte noch immer nicht alles nachvollziehen, so viele Fragen waren noch ungeklärt und die wichtigste war: „Aber woher wisst ihr überhaupt, dass ich nun die rechtmäßige Königin bin?“

Pyra sah etwas erstaunt in die Runde und erwiderte: „Die Nachricht, dass du das königliche Siegel hast, hatte per Kommunikator Antar erreicht und wurde von der Erde ausgesendet, Liz.“

„Nein, das kann nicht sein. Wir haben die 2 Kommunikatoren bisher nur einmal genutzt.
Auch mussten wir uns damals alle Vier, also auch Tess, zusammen darauf konzentrieren, damit sie überhaupt funktionierten. Nur dadurch erreichte uns die Nachricht unserer Mutter. Ach und nicht nur das, nein, auch die Skins hatten wir damit auf uns aufmerksam gemacht“, warf Max ein.

Sein und aller Blicke schweiften zu Kyle, der grübelnd dazwischen fragte: „Also haben wir einen Verräter unter uns? Ich wollte sagen, als Liz und Max sich des Rituals unterzogen haben, waren wir auf der Flucht gewesen. Tess war doch längst tot, aber vielleicht ist es Cal gewesen…“

„Ich weiß nicht ob hier ein Verräter unter uns ist. Es kann sein...", unterbrach Pyra und sah kurz auf Ava. Aber sie wusste, dass es Ava nicht gewesen sein konnte, dafür war sie nicht böswillig genug, aber aus Reflex war ihr Blick auf sie gefallen. Auch konnte es ihr niemand verübeln, da Ava und Tess identisch aussahen und Pyra erst wenige Stunden gehabt hatte um sich daran zu gewöhnen.

„Aber ich glaube kaum, dass diese veralteten Kommunikatoren, von denen ihr hier sprecht, zur solcher Nachricht tauglich sein konnten. Es muss sich ein bedeutend höher entwickeltes Kommunikationsgerät bei euch befinden, das irgendjemand aktiviert hat?“, meinte Pyra, die Michaels Unruhe verspürte und ihn direkt ansah. „Vielleicht auch nur aus Versehen aktiviert wurde, es muss nicht bedeuten, dass einer von euch meinem Bruder mit Absicht geholfen hat.“

Michael blickte verärgert auf Pyra, weil sie ihn so intensiv ansah. „Was siehst du mich so an? In meinem Besitz ist kein neuartiger Kommunikator.“

„Vielleicht weißt du es nur nicht?“ erwiderte sie und wurde nervös. Was wenn einer von ihnen irgendetwas bei sich trug und Khivar ihnen gerade zuhörte? Er durfte nicht erfahren, dass sie Liz und die anderen gleich gefunden hatte und mit ihnen trainieren würde.

Michael dachte einen Moment nach und meinte dann etwas ruhiger: „Ich hab lediglich ein pyramidenartiges Ding, welches ich damals auf der Airbase gestohlen hab. Es muss mit Tess zusammen angekommen sein, als sie mit Max‘ Sohn zurückkam. Aber es ist nicht oval, sondern pyramidenartig. Die Kommunikatoren hatten eine Eierform. Max, vielleicht sagst du auch mal was? Du weißt doch, dass ich das Ding die ganze Zeit mit mir herumtrage.“

„Wo befindet sich das „ Ding“ jetzt, Rath?“ verlangte Pyra aufgeregt zu wissen und alle Blicke richteten sich auf sie. Ein mulmiges Gefühl beschlich alle, als sie sahen wie nervös Pyra auf einmal wirkte.

Michael grummelte regelrecht, schulterzuckend darauf: „ Es liegt im DeLuca Haus“, und setzte ironisch nach: „Vielleicht hört ja Khivar gerade Marias Mom zu, wie sie ein Strickmuster für einen Babystrampler vor sich hinmurmelt und sich Pläne ausdenkt, wie sich mich loswerden kann?“ Maria stieß ihn daraufhin in die Seite und er fuhr ernst fort: „Was soll denn deine Panik bedeuten? Das ist kein Kommunikator! Aber ja, auf unserer Flucht trug ich es immer bei mir...und habe hier und da mal versucht etwas damit anzufangen, aber es ist nie was passiert.“

„Ja, und durch dein daran Fummeln hattest du den Kommunikator unbewusst aktiviert Rath!“, zischte Pyra und hakte beruhigend nach: „Ändern kann ich das nun nicht mehr. Aber immerhin kann ich ihn deaktivieren. Denn dieses pyramidenartige Objekt ist ein Kommunikator.“

„Was heißt das genau?“, wollte Max wissen.

„Wenn ich richtig informiert bin, war der Überträger etwas defekt, aber man konnte dennoch ein paar Fetzen eurer Gespräche aufzeichnen. Khivar hat dadurch einige Informationen bekommen, er wusste, dass Liz die rechtmäßige Königin war, er wusste von Tess und glaubte, dass sie nun wieder mit euch zusammen arbeitete und schwor Rache.“ Sie sah mitfühlend zu Ava, die eigentlich gar nichts mit dieser Sache zu tun hatte. „Er weiß womöglich auch bereits, dass ihr zurück nach Roswell kommen wolltet und inzwischen hier seit. Es ist gut, dass es nicht hier ist, denn ich habe gar nicht mehr daran gedacht, sonst hätte Khivar alles hören können. Ich möchte nämlich nicht, dass er hört was wir besprechen und dass ich euch so schnell gefunden habe. Er soll überrascht sein, wenn er hierher kommt.“

„Okay, das haben wir jetzt alles verstanden, aber wirst du auch hier sein, wenn Khivar kommt? Du sagst selbst dass du stärker bist als wir alle, kannst du denn in Serena Davis‘ Körper solange bleiben? Was ist wenn nach ihr gesucht wird und sie eine Familie hat, die sie vermisst?“ stellte Isabel mehrere Fragen. Langsam spürte sie die Erschöpfung nach dem langen Tag und es schien niemandem im Raum anders zu ergehen. Und um Jesse sorgte sie sich auch etwas, denn er schwieg bereits, seitdem sie nach oben gegangen waren.

„Ich werde in Serena Davis Körper für immer bleiben müssen. Da ich mich auf einen längeren Aufenthalt vorbereitet habe, musste ich selbst meine Zellen etwas verändern, das heißt auch wenn ich zurück nach Antar gehe muss ich diesen Körper mitnehmen, genauso wie damals Ava angekommen ist. Ich brauche nun diesen Körper auch für immer.“

„Also hast du sie getötet?“ fragte Maria unsicher nach.

„Nein, nicht wirklich. Als ich auf der Erde ankam bin ich vorübergehend in einen Körper geschlüpft. Ich bin nie lange in einem Körper geblieben um Menschen keinen Schaden zuzufügen. Es war lediglich so, dass sie nur ein paar minütige Filmrisse hatten. Danach bin ich ins Krankenhaus gegangen und bin in den Körper eines Arztes geschlüpft.“

„Von einem Mann? Ich würd auch gerne mal in den Körper einer Frau schlüpfen, wenn das möglich ist“, äußerte Kyle sich mit einem Grinsen und zauberte fast jedem ein Lächeln auf die Lippen.

„Du würdest dich nackt vor den Spiegel stellen und dich ununterbrochen selbst anstarren!“ erwiderte Maria und alle lachten außer Kyle. Er zuckte nur mit den Schultern und murmelte etwas vor sich hin.

Pyra erzählte daraufhin weiter und erklärte, dass sie nach einem Körper gesucht hatte, den man bald nicht mehr „brauchen“ würde. Da hatte sie Serena Davis gefunden, die bereits seit vier Monaten im Koma lag. „Das ist doch nicht lange“, hatte Jesse zum ersten Mal empört etwas eingeworfen. Aber Pyra hatte ruhig weitergesprochen. „Serena hatte einen Autounfall gehabt und dabei ihre einzigen zwei Verwandten verloren. Ihre Mutter und ihr Ehemann waren bei dem Autounfall ums Leben gekommen. In ihrem Krankenblatt hatte gestanden, dass die Versicherung nur für ein halbes Jahr die Kosten übernimmt und sie lag bereits seit etwas mehr als vier Monaten im Koma. Ich hatte auch die Erinnerungen des Arztes in dessen Körper ich steckte und wusste, dass sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr aufwachen würde, weil sie für Hirntot erklärt wurde, also bin ich in ihren Körper geschlüpft.“

„Wie hast du uns danach gefunden?“ fragte Max.

„Durch euer Informationssystem, euer Internet. Ich wusste, dass ich nach Max Evans und Liz Evans suchen musste, weil das wusste Khivar und mein Spitzel hat mir diese Informationen geliefert bevor ich hierher gekommen bin. Und von der Stadt habe ich auch schon gewusst und so kam ich hierher und hab angefangen bei Liz‘ Eltern als Kellnerin zu arbeiten. Zwei Tage später seid ihr aufgetaucht, ansonsten hätte ich mich auf die Suche nach euch machen müssen.“

„Und was tun wir jetzt?“

„Ihr erklärt mir zunächst einmal was das mit Ava auf sich hat und alles was mit dem Siegel zu tun hat.“

Max übernahm die Aufgabe des Erzählens und erzählte von dem zweiten Set, das auf die Erde geschickt wurde, wovon Pyra noch nichts wusste. Er brachte eine Kurzform von dem was sie erlebt hatten und erklärte dadurch auch warum Liz und Kyle Kräfte entwickelt hatten. Auch Marias Schwangerschaft kam zur Sprache und dass sie jetzt unkontrollierbare Kräfte aufwies.

„Okay…dann müssen wir gleich morgen anfangen zu trainieren. Ihr Vier seid noch viel stärker, als ihr glaubt. Und Liz und Kyle können auch stärker werden, so können sie zumindest sich selbst etwas schützen auch wenn sie uns keine Hilfe sind. Ich werde euch helfen, nicht nur als euer Trainer sondern auch mit einer anderen Methode für die wirklichen Hybriden. Aber ich denke für heute ist das genug und wir sollten alle schlafen gehen. Ich bin es noch nicht gewohnt soviel zu schlafen, da dieser Körper mehr Stunden an Schlaf braucht als ich früher auf Antar gebraucht habe.“ Sie lächelte dabei etwas und erhob sich von ihrem Platz. Sie wusste, wenn sie jetzt erzählen würde, dass sie die Erinnerungen von den Vier wecken konnte, so würden sie das mit Sicherheit jetzt noch wollen und das würde sie einfach zu sehr erschöpfen.

„Okay, können wir alle nach Hause? Du hast doch gesagt, dass Khivar jetzt auf keinen Fall kommen kann.“

„Ja das stimmt, aber ich weiß nicht ob es der eine oder andere mit mir zusammen durch das Portal geschafft hat. Ich kann sie normalerweise spüren, aber meine eigenen Kräften sind noch etwas durcheinander, in ein paar Tagen erst kann ich euch sicher sagen, ob mir jemand gefolgt ist.“

„Ja, aber bei meinen Eltern passen wir nicht in die Wohnung“, stellte Liz fest.

„Dann tauschen wir mit unseren Eltern. Wir müssen sowieso noch überlegen wie wir ihnen das alles erklären und sie dann vielleicht von hier wegschicken. Meine Mutter hat schon zwanzigmal auf meinem Telefon angerufen“, erklärte Isabel, die immer wieder eine Kurznachricht an ihre Mutter geschickt hatte, damit diese beruhigt war und auch die anderen beruhigen konnte. Auch hatte Liz zwischendrin kurz mit ihrem Vater telefoniert. „Was ist mit Connor?“

„Connor hat noch keine Kräfte, er bleibt bei unseren Eltern. Falls es soweit kommen sollte, dass wir alle wegschicken müssen, können sie zusammen zu ihm in die Hütte gehen.“ Das war Max, der bereits Pläne für die kommenden Tage machte.

„Nach Alaska?“ fragte Isabel überrascht. „So weit?“

„So weit wie es nur geht“, erwiderte Pyra. „Khivar weiß, dass eure Verwandten eure Schwachpunkte sind. Auch sollten Maria und Jesse mit ihnen gehen.“

„Ich gehe auf keinen Fall hier weg!“ rief Maria aus und die Wasserflasche aus Plastik, auf dem Tisch, zersprang in tausend Stücke und spritze alle Anwesenden nass, doch keinem war zum Lachen zumute. „Ich bleibe hier bei euch“, sagte sie diesmal ruhiger.

Und jeder dachte an den Satz von Pyra als sie sagte, dass Rath sie niedergeschlagen habe. Michael könnte niemals Maria zwingen fortzugehen, noch nicht einmal wenn er wusste, dass sie schwanger war. Auch Jesse stellte klar, dass er nicht gehen würde. Er versprach nicht im Weg zu stehen und auch wegzugehen wenn es dann darauf ankommen sollte, aber er würde in Roswell bleiben. Er sprach davon, dass er Isabel bereits einmal fast verloren hätte, als sie angeschossen wurde. Nachdem danach die wichtigsten Fragen geklärt waren, fuhren sie alle zusammen zu den Evans.

Nachdem die Eltern beruhigt und verabschiedet wurden wollten Isabel und Jesse in ihrem alten Zimmer schlafen, Michael und Maria im Gästezimmer und Kyle und Ava machten es sich auf der ausziehbaren Couch im Wohnzimmer bequem. Liz und Max schlugen vor das Schlafzimmer seiner Eltern zu nehmen, damit Pyra in sein Zimmer gehen konnte, aber sie schüttelte nur fest den Kopf. „Da muss ich euch leider alle enttäuschen. Kyle und Ava haben das gut gemacht, nur leider müssen wir alle hier im Zimmer bleiben. Wir können die Matratzen alle hier auslegen, aber bis ich meine Kräfte wieder vollends zurückhabe schlafen wir alle in einem Zimmer.“

Erfreut waren sie alle nicht, aber riefen sich alle die schrecklichen Kriegsbilder ins Gedächtnis, die Pyra ihnen während ihrer Erzählung immer wieder kurz zugeschickt hatte. Khivar und seine Männer waren viel stärker und sie konnten sich eigentlich nur auf Pyras Instinkte verlassen.

„Und wenn die Luft rein ist und dir niemand gefolgt ist?“

„Dann habt ihr noch ein paar Wochen eure Ruhe vor mir, Ava. Aber Ich werde dennoch nur wenige Meter von Liz entfernt schlafen.“

„Ich kann Liz beschützen, meine Kräfte werden immer stärker“, meinte Max, der sich nicht ununterbrochen beobachtet fühlen wollte.

„Darüber reden wir auch noch…also über deine Kräfte. Ich verspreche euch, wenn wir morgen soweit sind, wollt ihr alle zusammen in einem Zimmer schlafen, denn erst dann spürt ihr die Bandbreite eurer wahren Fähigkeiten. Das was ihr jetzt habt, das ist noch gar nichts. Und wenn ihr erst einmal spürt wie es ist, werdet ihr auch aufhören meinen Bruder und seine Anhänger zu unterschätzen.“

Nachdem das verstanden war wünschte Pyra jedem eine gute Nacht und stellte sich ans Fenster und sah hinaus in die Dunkelheit.

Pyra schlief ein paar Stunden und so lange hielt offiziell Michael Wache, aber Max konnte genauso wenig schlafen. Er lag wach und dachte über alles Mögliche nach. Liz schwebte wegen ihm wieder in Gefahr…er drückte ihr einen leichten Kuss auf die Stirn als sie seufzte und sich im Schlaf wand. Ihre Eltern hatten sich auch wieder indirekt belogen. Sie waren alle außer sich gewesen und sie hatten sie beruhigt, indem sie ihnen erklärt hatten wer Pyra war. Jedoch hatten sie ihnen nicht gesagt, dass sie in Gefahr schwebten. Die jetzige Situation wurde so erklärt, dass Pyra nicht wusste ob ihr vielleicht jemand gefolgt war und sie deshalb eine Weile auf der Hut sein mussten, nichts weiter hatte sie gesagt. In solch einem ruhigen Ton, dass alle Erwachsenen ihr geglaubt hatten.

„Schlaf etwas, Rath“, murmelte sie als sie von der Couch aufstand und sich hinstellte.

„Ich bin nicht Rath“, hörte Max die Antwort seines besten Freundes. Pyra versuchte sie mit ihren jetzigen Namen anzusprechen, aber es klappte nicht immer.

„Ich weiß“, kam die leise Antwort, als sie das Wohnzimmer verließ. Max beobachtete Michael, wie er sich zu Maria auf die Matratze legte. Er legte einen Arm über seine Augen und Max war sich eigentlich ziemlich sicher, dass auch er nicht schlafen würde.

Vorsichtig stand er auf und folgte Pyra in die Küche, wo sich diese ein Glas Wasser eingeschenkt hatte und auf einem Stuhl saß. „Pyra, geht es dir gut?“ fragte er leise, weil sie mit dem Rücken zu ihm saß und er sie nicht erschrecken wollte.

Pyra drehte sich nach ihm und lächelte etwas. „Keine Sorge, es geht mir gut. Es ist nur etwas komisch euch wiederzusehen.“

„Aber wir sahen doch nicht so aus, dachte ich?“ warf Max ein, der sich noch unter anderem genau an die Nachricht seiner Mutter erinnerte und sie hatte gesagt, sie hätte mit Absicht diese Form angenommen, weil Isabel und er es gewohnt seien.

„Ja, aber eure Aura ist dieselbe…Zan hatte wie du eine dunkelblaue um sich, so erkennt man sich auf Antar. Und Rath hatte eine dunkelrote, die sehr selten vorkam. Vilandra hat ein helleres Blau und die Königin, also Liz hat ebenfalls ein Hellblau. Doch diese Auren sind in ihrem Ton immer etwas anders, sodass jeder Antarianer eindeutig zu erkennen ist, so etwas gibt es doch hier auch? Ich glaub der Fingerabdruck ist es?“ Max nickte nur und setzte sich neben sie. „Ja und ich erkenne euch daran wieder.“

„Rath und du wart nicht nur eine Affäre oder?“ fragte Max nach, der die betretenen Blicke zwischen Michael und Pyra den ganzen Abend wahrgenommen hatte.

„Nein, nicht nur“, gestand sie und trank dann ihr Wasser aus. „Wir sollten zurück zu den anderen gehen und du solltest schlafen, morgen wird ein anstrengender Tag.“

„Pyra…warte“, rief Max aus und sie hielt inne. Er war sich im Klaren darüber, dass es ihr sicher nicht leicht viel mit ihm in einem Raum zu sein, aber ihn dennoch nicht wie Zan behandeln zu können. „Ich hätte noch ein paar kurze Fragen, danach gehe ich schlafen.“ Er wollte wissen, warum seine Kräfte in letzter Zeit so sehr wuchsen und die anderen drei bei sich selbst aber keine Veränderungen bemerkten. Pyra erklärte ihm, dass wenn der König und seine Königin erfolgreich miteinander vermählt sind, würde das Siegel nicht nur auch auf die Königin übergehen sondern erst richtig aktiviert werden. Genauso wie sie es vorher schon einmal erklärt hatte trug der Sohn von Tess und ihm das Siegel aus diesem Grunde nicht. Und jetzt wo es aktiv war und sozusagen in Liz und ihm zum Leben erwacht war, nährte es Max auch mit weiteren Kräften.

„Dadurch müsstest du sie auch um einiges besser kontrollieren können.“

Max nickte zustimmend und stellte seine nächste Frage. „Was hältst du davon, wenn wir Liz wegschicken? Wir könnten ihr ein Ticket kaufen und sie irgendwohin nach Asien oder sonstwohin schicken, und sie sagt keinem von uns wohin sie geht?“ Max hatte lange über diese Entscheidung nachgedacht. Auch wenn er sich nicht von Liz trennen wollte, war es ihm lieber, wenn sie weit weg in Sicherheit war.

„Das geht nicht Max. Auch Khivar kann eure Anwesenheit spüren. Als ich hier gelandet bin, bin ich nur in Roswell geblieben, weil ich gewusst habe, dass ihr bald kommen würdet. Genauso nimmt Khivar euch wahr und er kann so wie ich, euch an eurer Aura und an euren Kräften unterscheiden. Er wird direkt dorthin gehen wo Liz ist. Sie muss direkt bei uns bleiben, damit ich Khivar töten kann.“

„Du willst ihn töten?“

„Ich werde den Tod von Rath rächen, genauso wie er es gesagt hatte. Ihr seid nicht stark genug um ihn zu besiegen. Ihr werdet zwar sehr viel besser werden, bis er hier ist, aber dennoch ist er nun einmal älter und kein Hybrid. Ich muss ihn töten, er ist mein Bruder und ich kenne seine Schwächen. Hast du noch andere Fragen?“

„Ja, wie willst du uns morgen früh helfen?“

„Ich wecke eure Erinnerungen, wenn ihr damit einverstanden seid. Du hast sicher nichts dagegen, nehm ich an, da du nicht in Ava verliebt warst oder dergleichen. Ava könnte ein Problem damit haben, weil sie sich dann voll und ganz daran erinnern wird, dass sie ihren Ehemann geliebt hat. Und Rath…also Michael wird sich an mich erinnern und Isabel an Khivar. Ich weiß nicht ob die anderen das möchten, zumal ich oft nicht genau beeinflussen kann woran man sich erinnert, wenn ich für euch eure Erdgestalten aufrecht erhalten muss.“

„Und wie hilft uns das dann?“

„Ihr werdet auch ganz genau wissen wie ihr damals mit euren Kräften umgegangen seid, die Kontrolle wird dann nicht mehr schwer sein. Wir müssen sie dann nur noch stärken. Und jetzt geh‘ schlafen, bevor Michael anfängt sich Sorgen um dich zu machen.“

„Woher weißt du, dass er nicht schläft?“ wollte Max aus Neugierde wissen.

„Ich weiß es einfach“, erwiderte Pyra und schwelgte in ihren Erinnerungen. Acht Jahre waren eine lange Zeit, aber manche Wunden waren trotzdem noch nicht verheilt.

„Gute Nacht, Pyra.“

„Versuch zu schlafen, Zan.“

***

Am nächsten Morgen…
(22. Januar: Pyra ist seit 6 Tagen auf der Erde)


Da fast alle sowieso kaum geschlafen hatten waren alle um 8 Uhr aufgestanden und wenige Minuten später war Connor vor der Türe gestanden und hatte ihnen Frühstück aus dem CrashDown mitgebracht. Er war geblieben solange sie alle zusammen gefrühstückt hatten und hatte sich die meiste Zeit mit Jesse unterhalten. Nach dem Essen kam eine gewisse Spannung auf, die ihm zeigte, dass er so langsam gehen sollte.

Inzwischen waren die Jugendlichen wieder alleine und warteten auf weitere Anweisungen und Pläne von Pyra. Es war leicht ihr zu vertrauen, da sie alles was sie sagte mit Erinnerungen belegen konnte und Ava eindeutig sagen konnte, dass es wirklich solche waren und keine Mindwarps. „Ich habe letzte Nacht Max bereits ein Angebot gemacht“, fing Pyra an und zog die volle Aufmerksamkeit auf sich. „Ich kann euch helfen euch an Antar zu erinnern. Alles war ihr bis kurz vor eurem Tod erlebt habt.“

„Ich werde anfangen, ihr könnt euch überlegen ob ihr es tun wollt“, offenbarte Max und nickte Liz zu. „Du weißt, dass das nichts ändern wird. Pyra hat gesagt, dass es uns helfen wird deshalb muss ich es tun.“

„Ich mache es auch“, sagte Isabel ohne zu zögern. Sie brauchte nicht darüber nachzudenken, da der Gedanke eines Verrates an ihr nagte. Und es gab so viele Unstimmigkeiten in der Geschichte, dass sie sich selbst daran erinnern wollte um zu sehen was wirklich passiert war. Entweder würde sie entlastet werden oder mit der Bürde wirklich leben müssen.

Ava meldete sich als nächstes zu Wort und stimmte ebenfalls zu. Sie sagte als Begründung, dass sie sich sowieso bereits an sehr Vieles erinnerte und wusste wie gefährlich so ein Kampf werden konnte, also wollte sie alles tun um ihre Kräfte weiterzuentwickeln.

Zuletzt sahen alle zu Michael, der mit Pyras Anwesenheit die größten Schwierigkeiten hatte. „Michael, keine Sorge, du wirst dich an vieles erinnern, aber nicht an mich“, witzelte Pyra um die Situation etwas aufzulockern. Sie zwinkerte ihm und Maria zu und bat dann Max mit ihr mitzugehen.

„Kann ich mitkommen?“ fragte Liz nach und stand mit Max zusammen auf. Max wartete auf keine Antwort seitens Pyra, nahm ihre Hand in seine und zog sie mit ins Obergeschoss.

„Max sollte es bequem haben“, meinte Pyra und Liz setzte sich daraufhin auf Max‘ Bett, dieser lehnte seinen Rücken gegen sie und wurde fest von ihr umarmt. „Es wird eine unruhige Reise.“

Max erlebte genau das wieder was der Neuankömmling einen Tag zuvor erzählt hatte. Er sah sich, Michael, Pyra und auch die anderen. Seine Eltern und die anderen – und obwohl er ganz genau wusste, dass sie in Wirklichkeit nicht so ausgesehen hatten, so fand er es trotzdem schön sich ein Gesicht vorstellen zu können. Vor allem aber gefiel es ihm, dass er diese Aura sehen konnte, von der Pyra bereits gesprochen hatte. Und je mehr Max sah, desto mehr verschwamm der Gedanke, dass es nur eine Erinnerung war mit der Realität und bald dachte er nicht mehr, dass er sich alles nur vorstellte sondern seine Gedanken verschmolzen mit denen von Zan…

„Rath du musst aufpassen, er muss ganz in der Nähe sein.“

„Zan, geh zurück, ohne dich stirbt die königliche Familie aus!“ schrie Rath über die lauten Geräusche hinweg. Ringsherum konnten sie nur schwarzen Rauch sehen, weil alles brannte. Und das schlimmste war, als der Geruch von verbranntem Fleisch ihnen in die Nase stieg.

„Er hat meine Eltern getötet, ich gehe nirgendwohin!“

„Ava wartet auf dich Zan, du musst umkehren.“

„Sie wird niemals ein Kind von mir bekommen, Rath“, rief dieser. „Ich konnte mich nicht in sie verlieben und deshalb kann sie nicht schwanger werden.“

„Dann verliebst du dich in jemand anderen, aber ohne dich stirbt die Monarchie! Geh zurück!“ Er wurde wütend und schrie und versuchte etwas um sich herum zu erkennen. Aber es war nicht möglich und für eine Millisekunde glaubte er Pyra vor sich zu sehen und passte nicht auf, als ein Blast ihn von hinten auf den Rücken traf. Durch das helle Licht erleuchtet konnte Zan genau sehen was mit seinem Cousin und Kommandanten passierte.

„Raaaaaaaath!“


„Raaaaaaaath!“ schrie Max als er hochschreckte und schweißgebadet zu sich kam.

„Max…Max, du bist hier, zu Hause, in Sicherheit“, sprach Liz hastig als ihr Ehemann wütend und aufgewühlt um sich sah und sich Energiebälle um seine Hände bildeten. Seine glasigen Augen wurden klarer und er sah nicht mehr ins Leere sondern direkt Pyra in die Augen. Er konnte sich haargenau an sie erinnern und verstand jetzt auch warum es ihr so schwer fiel in dieser Umgebung zu sein und sich so stark zurückhalten zu müssen. Als er wieder zu Atem kam, sah er zu Liz auf und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Es geht mir gut, ich…“

„Ich sehe mal nach den anderen“, unterbrach Pyra Max und wollte die beiden etwas alleine lassen. In der Zwischenzeit würde sie jemand anderen „aufwecken“.

***

Nachdem Pyra versichert hatte, dass es Max und Liz gut ging war sie mit Ava zusammen in Isabels Zimmer gegangen. Sie wusste noch am Allermeisten und bei ihr würde es wahrscheinlich nicht so intensiv werden wie bei Max. Auch sie selbst musste nämlich alles nochmal durchleben um es bei ihnen aufzufrischen und nicht an alles wollte sie mehrfach und dreifach erinnert werden. Ava ging sogar alleine mit ihr und wollte niemanden dabei haben. Ava zu helfen belastete Pyra nicht sehr, da sie nicht viel mit ihrem Leben zu tun hatte. Ava kam mit Tränen in den Augen zu sich und Pyra half ihr wieder zurück in die Realität zu finden. „Ich dachte immer ich sei nicht gut genug für Zan gewesen, aber jetzt verstehe ich alles. Es lag gar nicht an mir und er hatte auch niemanden anderen, es war nur diese gezwungene Lage, von der du bereits gesprochen hast. Er ist trotzdem immer nett und zärtlich gewesen“, gestand sich Ava ein. Ihre Betrachtung von Max änderte sich in keinster Weise, aber gegenüber sich selbst änderte sich ihre Einstellung. Nun wusste sie, dass sie nicht der Grund gewesen war und ihre Selbstzweifel minderten sich um Einiges.

Ava ging sogleich mit Pyra zurück und als nächstes kamen Isabel und Jesse mit. Auf diese Zeit war auch Pyra gespannt denn von Vilandras Zeit wusste sie am Wenigsten. Doch Isabel konnte sich nicht entspannen und Pyra konnte keine Verbindung zu ihr aufbauen. „Isabel, du musst dich beruhigen und du musst mir vertrauen“, sagte Pyra leise. Jesse lag auf dem Rücken und Isabel lag in seinen Armen, aber konnte sich nicht fallen lassen.

„Wovor hast du Angst?“ wollte die Antarianerin von ihr wissen.

„Was ist, wenn es wirklich stimmt? Was ist wenn ich Max wirklich hintergegangen habe?“

„Das wärst nicht du, Isabel. Das waren Zan und Vilandra, also auch wenn sie ihn damals verraten hat, dann hat das nichts mit euch zu tun. Inzwischen bin sogar ich soweit und glaube an dein gutes Herz. Du darfst nicht an dir selbst und an deinem Bruder zweifeln, hier auf dieser Welt kann euch nichts trennen, gleichgültig was wir jetzt in deinen Erinnerungen sehen werden.“

Eine einzelne Träne wanderte über Isabels Wange, aber sie wischte sie sich entschlossen weg und legte ihre Wange auf Jesses Brust. „Ich liebe dich, Isabel.“

„Ich dich auch, Schatz“, erwiderte sie und streichelte über seine Brust. „Ich bin soweit, Pyra, wir können anfangen.“ Sie schloss die Augen und wurde Sekunden später in den Bann einer anderen Welt gezogen…

„Khivar, diese Menschen sprechen davon, dass du meinen Bruder töten willst“, schrie Vilandra. „Hast du nicht gesagt, du willst eine Demokratie einführen und meinen Bruder davon überzeugen, dass das besser ist?“

„Natürlich habe ich das gesagt und so machen wir es auch. Ich könnte doch deinem Bruder so etwas niemals antun.“

„Du hast ihn schon immer gehasst! Ich weiß genau, was ich gehört habe. Sie sagten ich sei ein Brutkasten für dich, damit ich dein Kind mit dem Siegel gebären kann, nachdem du Zan ermordet hast!“ Vilandra weinte nicht, aber ihre Stimme zitterte dennoch vor Wut, als sie vor ihrem Liebhaber stand und ihn zur Rechenschaft zog. Sie hatte den Palast verlassen, das stimmte, aber sie hatte ihrer Familie niemals schaden wollen. „Sie sagen es wird einen Krieg geben.“

„Nein, Liebling, das wird es nicht“, versuchte Khivar sie zu beschwichtigen, aber sie fiel darauf nicht rein.

„Ich will nach Hause Khivar. Nachdem du alles friedlich gelöst hast, können wir wieder zusammen sein, aber jetzt will ich nach Hause.“

„Vilandra, du kannst mich nicht verlassen“, meinte Khivar, der die Prinzessin auf keinen Fall verlieren durfte. Hier war sie sicher, aber wenn sie zu ihrer Familie zurückkehren würde bestand die Gefahr, dass sie bei einem Anschlag auch starb und so würde sie ihm nichts bringen.

„Sie sagen die Wahrheit, hab ich recht?!“ Sie feuerte einen Blast auf ihren bisherigen Freund ab, aber traf ihn nicht, da er sich mit einer Schutzblase davor schütze. „Du verdammter Bastard! Du willst meine Familie töten! Bevor ich dein Kind austrage bringe ich mich lieber selbst um!“ Sie versuchte zu fliehen, aber wusste, dass sie keine Chance hatte. Außerhalb ihres Raumes waren die ganzen Anhänger von Khivar und seiner Bewegung und würden sie niemals gehen lassen. Also versuchte sie eine mentale Verbindung zu ihrem Bruder aufzubauen um ihn vor Khivars Plänen zu warnen, doch sie hatte ihn in letzter Zeit solange blockiert, dass es ihr nicht gleich gelang. Khivar, der ihre Konzentration bemerkte konnte nicht erlauben, dass sie seine langjährigen Pläne durchkreuzte. Mit einer Kurzschlussreaktion griff er sie an…


Isabel kam wieder zu sich und die Tränen wollten kein Ende nehmen. Sie murmelte immer nur, dass sie es nicht gewesen war. Und im nächsten Moment löste sie sich von Jesses Umarmung und rannte die Treppen hinunter ins Wohnzimmer, wo inzwischen die anderen alle versammelt waren. „Max, ich wollte dich warnen“, rief sie aus und fiel ihm um den Hals. Sie lachte dabei gleichzeitig und auch die anderen mussten über ihre Reaktion lächeln. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte erzählte sie von dem was sie gesehen hatte und dass sie wirklich in Khivar verliebt gewesen ist, aber er sie nur benutzt hatte. Und letztendlich hatte er sie aus dem Affekt heraus umgebracht, weil er nicht wollte, dass sie seine Pläne durchkreuzte.

Während Isabel erzählte ruhte sich Pyra etwas aus und versuchte ihre Kräfte zu konzentrieren, denn bei Michael musste sie aufpassen und versuchen seine Erinnerungen an sie selbst herauszufiltern. An diese wollte sie selbst nicht denken, denn sie hatte Rath schon mehrere Jahre nicht mehr gesehen und wollte nicht an frühere Zeiten erinnert werden. „Michael, ich bin soweit“, verkündete sie, als sie glaubte, dass es in Ordnung war. Dieser stand auf ohne auf sie zu sehen und lief ihr hinterher, bis er bemerkte, dass Maria ihm nicht folgte.

„Kommst du nicht?“ wollte er wissen, als er auf sie zurückblickte.

„Nein, geh du nur“, erwiderte diese und lächelte ihm zu. „Ich warte hier auf euch.“ Sie brauchte sich um Michael keine Sorgen machen, aber sie wollte Pyra die Möglichkeit geben alleine mit Rath in ihren Gedanken zu sein und sich vielleicht auch von ihm zu verabschieden. Sie wusste, es würde sie in den Wahnsinn treiben, wenn Michael sie so zurückgelassen hätte wie Rath das damals mit ihr gemacht hatte.

***

„Pyra…du kamst kaum in meinen Erinnerungen vor. Immer nur, wenn wir zu dritt waren, aber nie alleine“, stellte Michael fest, nachdem er zu sich gekommen war. Und diesmal war auch Pyra außer Atem gewesen und keuchte nach Luft, als sie sich wieder beruhigte. Mit Michael war sie bisher am längsten „unterwegs“ gewesen, da es einfach langsamer voranging, wenn es so viel Konzentration erforderte.

„Ja, ich habe versucht diese zu meiden. Das musst du alles nicht wissen, es ist nicht wichtig für dein jetziges Leben.“

„Hast du bei den anderen auch Ausnahmen gemacht?“

„Nein, Ava wurde schon immer mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und Max und Isabel hatten nichts zu verlieren.“

„Ich habe auch nichts zu verlieren“, erwiderte Michael. „Denn meine Erinnerungen werden nichts an meinem Leben ändern. Ich liebe Maria und unser ungeborenes Baby, ich möchte nur wissen, wie es damals gewesen ist. Du brauchst dich nicht zurückhalten, außer es ist dir unangenehm und du möchtest nicht erneut an die Zeit mir Rath denken.“ Pyra überlegte für einen Moment und nickte bevor sie erneut ihre Augen schloss…

„Warum musst du denn Vilandra heiraten?“ fragte Pyra verwirrt, als Rath ihr diese Neuigkeit überbrachte.

„Das Volk akzeptiert mich nicht als den General sagen mein Onkel und mein Vater. Es heißt ich sei nicht nah genug am König dran und sie denken, wenn ich die Prinzessin heirate ändert sich das.“

„Wirst du es tun?“ wollte Pyra von ihm wissen und stand auf um auf und abzulaufen.

„Komm her, setz dich wieder zu mir“, wollte Rath und klopfte neben sich auf das Bett. Sie setzte sich aber nicht und blieb vor ihm stehen.

„Ich muss es tun, Pyra. Ich kann zu solchen unsicheren Zeiten Zan nicht im Stich lassen.“

„Ich hasse dieses Leben“, fluchte sie und drehte sich weg von ihrem Freund. Tränen füllten ihre Augen und sie versuchte sie zu verbergen. Rath und sie waren nicht so ein Paar. Sie zeigten keine Gefühle und sie weinten mit Sicherheit nicht. Sie hatte bisher kein einziges Mal vor ihm geweint und dass sie jetzt gegen ihre Tränen kämpfen musste machte sie unglaublich wütend. Mit geballten Fäusten drehte sie sich zu ihm um und fing an zu fluchen. Nachdem sie sich etwas abgeregt hatte meinte sie nur: „Warum bist du auch der Kommandant?! Kann das nicht jemand anderes sein? Dass Zan König wurde konnten wir nicht verhindern, aber warum kannst du nicht einfach ganz normal sein?!“

„Pyra, sprich nicht so laut“, sagte Rath harsch und stand ebenfalls auf. Sie befanden sich im Palast wo Pyra ihr Zimmer neben das von Zan besaß. Zan und Ava waren nicht da, das wusste er, aber es konnte dennoch sein, dass jemand sie hören würde.

„Du hast mir gar nichts zu sagen!“ erwiderte sie wütend und wischte sich unbewusst die Tränen aus dem Gesicht, die ihr über die Wangen liefen.

„Es wird sich nichts ändern!“ erwiderte er mindestens genauso wütend. „Jetzt treffen wir uns doch auch heimlich, das wird dann genauso sein. Vilandra und ich sind wie Geschwister, wir werden einfach nur eine Scheinehe führen.“

„Das ist mir egal“, schrie sie zurück und schlug auf ihn ein, bis er sie an den Armen packte und zudrückte.

„Beruhige dich! Du wirst dir nur selbst weh tun“, sagte er gefährlich leise und stieß sie von sich. Er war wütend, ja, und aufgebracht, aber gegen diese Leidenschaft, die sich in ihm bildete konnte er nichts tun. Sie so aufgebracht und so entflammt zu sehen reizte seine Sinne. Sie kam wieder, fluchte und bezeichnete ihn mit verschiedenen Ausdrücken.

„Pyra! Du weißt nicht was du sagst“, meinte er und hielt ihre Hände fest, als sie gegen seine Brust schlugen.

„Du weißt nicht was du tust! Du willst eine andere heiraten! Du willst hier im Palast einziehen, als der Mann einer anderen.“ Und als er einen Moment locker ließ, zog sie ihre Hand aus seiner und verpasste ihm seine erste und letzte Ohrfeige, die er je in seinem Leben bekommen hatte. Sie holte erneut aus, aber diesmal war er vorbereitet und hielt ihre Hand fest, bevor sie ihn treffen konnte. Und dann sahen sie sich einen Moment lang in die Augen. Seine dunkelrote Aura um ihn herum wurde noch dunkler und ihr violett verdunkelte sich ebenfalls.

Sekunden später senkte Rath seine rauen Lippen auf ihre und küsste sie so, wie er sie noch nie geküsst hatte. Er hatte sich bisher nicht wirklich an sie herangewagt, weil sie erst 16 Jahre alt war und er ihr Zeit lassen wollte, sich an ihn zu gewöhnen, aber hier stand sie nun, vor ihm, und Wut und Leidenschaft brannten in ihren Augen, sodass er sich nicht mehr zügeln konnte. „Lass mich los“, presste sie hervor und versuchte ihn von sich zu schieben, aber er ließ sie nicht los. Er drehte sich mit ihr zusammen um und drückte sie dann gegen das Bett.

„Ich kann dich nicht loslassen, Pyra“, murmelte er gegen ihren Hals und legte sich zwischen ihre Beine. „Du kannst all deine Wut an mir auslassen…“ Und Pyra tat genau das, war er ihr vorschlug, denn ihre Wut verwandelte sich in Leidenschaft…


Als Michael wieder erwachte sah er direkt zu Pyra, die errötet vor ihm saß. Er hatte ihren ersten Kuss, ihr erstes Mal und ihre weiteren Male – einfach alles gesehen. Er hatte gespürt was Rath gespürt hatte, wenn er sich heimlich mit ihr im Palast getroffen hatte. Vilandra hatte sie meistens gedeckt, aber dennoch hatte er spüren können wie gefährlich es jedes Mal gewesen war. Und er hatte gefühlt, dass Rath wirklich in Pyra verliebt war. Er hatte vielleicht eine komische Art gehabt es ihr zu zeigen, genauso wie er auch die meiste Zeit war, nur schlimmer, aber sie hatte es dennoch immer gewusst und ihn genauso geliebt. Er hoffte nur, dass auch Maria immer wusste, wie sehr er sie liebte.

„Du bist wütend“, stellte Michael fest und stand auf.

„Ja, das bin ich.“

„Er konnte dich nicht küssen, Pyra. Wenn er es getan hätte, hätte er dich nicht zurücklassen können“, verteidigte Michael Raths Handeln, als er Pyra im Bunker zurückließ. Er schlug sie nieder ohne sie vorher zu küssen.

„Er hat sich nicht von mir verabschiedet, obwohl er sich sicher war, dass wir uns nicht mehr sehen.“

„Er hat es innerlich getan, Pyra. Er konnte es nur nicht, weil er dich sonst mitgenommen hätte und somit du auch gestorben wärst.“ Sie schwiegen beide für einen Moment, bis Pyra den Mund aufmachte, aber kein Laut von sich gab. „Was ist los?“

„Nichts, ich hatte nur…es ist nichts.“ Sie stand auf und wollte den Raum verlassen, aber hielt sie am Handgelenk fest.

„Du kannst nicht loslassen, nicht wahr? Du kannst es nicht weil du dich nicht von ihm verabschieden konntest.“ Sie senkte nur den Blick und sah zur Seite. „Wenn du willst kannst du dich jetzt von ihm verabschieden.“

„Du bist nicht Rath“, wiederholte sie seine Worte aus der Nacht.

„Ja, aber wenn du zurückgehst zu den Erinnerungen und dort einfach eine weitere einbaust…wenn du das möchtest helfe ich dir dabei.“ Und Pyra nahm das Angebot mit Tränen in den Augen an, schloss ihre Augen und kehrte zurück zu dem Moment, als Rath sie zurückließ. Und diesmal senkte er seine Lippen auf ihre und flüsterte ein leises „Leb wohl“ und in diesem Moment berührten sich Michaels und Pyras Lippen für eine Millisekunde.

„Ich danke dir“, flüsterte sie danach. „Was wird Maria dazu sagen?“ fragte sie unsicher.

„Warum glaubst du ist sie nicht mitgekommen?“ Er lächelte sie an und ging dann aus dem Zimmer. „Sie weiß, dass du keine Gefahr für sie bist.“

Nach kurzen Erzählungen von ihren Erfahrungen drängte Pyra jeden aufzubrechen. Sie fragte nach einem passenden Trainingsort und bekam ein einheitliches Nicken. In die Wüste würde es gehen, sagte Max. In einer geschlossenen Gruppe gingen sie zum Van, der vor dem Haus der Evans stand. Pyra bestand noch immer darauf, dass es sein konnte, dass man sie verfolgt hatte, also musste jeder von ihnen vorsichtig sein. Und auch Jesse und Maria mussten mit hinaus in die Wüste fahren, denn sie waren die Schwachpunkte von Isabel und Michael.

Maria konnte es sich nicht verkneifen und murmelte zu Liz: „ Ich hab ja nichts gegen Morgengymnastik, aber ich bin mal gespannt, wie das Training in der Wüste wird. Und eigentlich müsste ich ja Pyra hassen, aber irgendwie scheint sie nett zu sein, aber irgendwie ist sie auch die Exfreundin von Michael…die Exfreundinnen muss man doch immer hassen.“

„Ja“, lachte Liz leise und flüsterte beunruhigt: „Sieh mal einige der Evans Nachbarn schauen wieder neugierig herüber. Das ist schon so, seit wir wieder in Roswell sind“, gestand sie und blickte finster zu den Nachbarn hinüber, die schnell wieder hinter den Vorhängen verschwanden. Ihre Eltern hatten ihnen erzählt, dass sie nach der Abschlussfeier nur so mit Fragen überhäuft wurden. Jim hatte die Menschen beruhigen können, denn auch wenn er keine Sheriff mehr war, so glaubten sie ihm trotzdem noch. Er hatte den Bewohnern erzählt, dass die Kinder womöglich mit anderen verwechselt wurden, aber diese Sache sich schnell geklärt hätte und sie jetzt auf einer Reise durch die Staaten seien. Auch hatten die restlichen Eltern diese Geschichte bestätigt und munter und fröhlich von den Abenteuern ihrer Kinder erzählt. Sie hatten sich lediglich eine Pause vor dem College gönnen wollen, hatte es in ihren Mündern geheißen. Aber dennoch war das Gerede groß gewesen und die Leute wurden natürlich wieder neugierig, wenn die Kinder ein halbes Jahr vor Collegebeginn wieder zurückwaren und mit sich einen jungen Mann mitbrachten und jetzt auch noch eine weitere Frau.

Die Freundinnen fuhren aus ihrer vertraulich, leisen Unterhaltung, da Pyra nebensächlich sagte: „Diesem Gerede und den Spekulationen einiger Bewohner Roswells hab ich ein Ende gemacht. Sie werden sich nicht mehr recht an die komischen Befindlichkeiten der Abschlussfeier erinnern können. Liz, für sie ist jetzt deine und Max’ Hochzeit das Gesprächsthema Nummer 1, verstehst du? Ich meine, schließlich seid ihr als Ehepaar von eurer Reise zurückgekehrt und bald werden sie nur noch über Marias Schwangerschaft sprechen.“

„Tatsächlich?“, murmelte Liz und ergriff die Hand von Max, die er ihr aus dem Heck des Van’s entgegen reichte. „So etwas kannst du?“ Sie wurde neugierig, aber bekam keine richtige Antwort von Pyra und sah dann auf ihren Ehemann. „Sag doch etwas dazu. Du hast doch das eben gehört gehabt, was Pyra von sich gab.“

„Was soll ich denn sagen, Liebes? Dass Pyra mehr Alien als ich ist, das wissen wir alle bereits oder was möchtest du hören?“, meinte er grinsend.

„Ich möchte doch nur wissen, was sie alles kann. Diese Luftblase um sie herum war auch erstaunlich gewesen, so konnte sie sich rundherum schützen, du kannst das bisher nur mit einem Schild.“

„Bald kann er das auch“, meinte Pyra und unterbrach die Unterhaltung, die von dem Paar auf einer geringen Lautstärke gehalten wurde, damit eben Pyra sie nicht hören würde.

Daraufhin schweigen alle und die Fahrt ging ab in die umliegende Wüste der Kleinstadt, in diese das Fahrzeug zielsicher von Kyle gelenkt wurde.

***

„Okay, die Pause ist vorbei!“ rief Pyra und setzte ihre Mütze auf. Dieser Winter auf der Erde machte ihr schwer zu schaffen. Auf Antar war es immer nur warm, da der Planet drei Sonnen um sich besaß und niemals kalt wurde. Sie fröstelte und fuhr sich über das Gesicht. Ihre Nase fühlte sich an wie ein Eiszapfen.

„Das waren doch erst 5 Minuten, Pyra“, protestierte Kyle, aber stand dennoch auf. So langsam fühlten sie sich alle in ihrer Umgebung besser. Sie gewöhnten sich aneinander und die Vier, die sich jetzt an ihr früheres Leben erinnern konnten, waren sowieso vertraut mit Pyra. Auch hatten Liz und Maria schnell einen Anschluss zu ihr gefunden. Maria zickte zwar ab und zu noch, weil sie genau sah wie Pyra manchmal Rath in ihrem Freund erkennte, aber es war nicht weiter tragisch. Jesse hielt sich etwas zurück und sorgte für die Getränke und die Häppchen zu essen, da das Training doch mehr anstrengte als angenommen.

Sie waren in ihrem Van, den sie noch besaßen hinaus in die Wüste gefahren und hatten dort Ziele aufgestellt. Die ersten Tage würden damit vergehen überhaupt das Zielen zu lernen. „Es bringt nichts stark zu sein, wenn man sein Ziel nicht trifft. Eine Sekunde mehr kann euch das Leben kosten. Wenn ihr schießt müsst ihr auch treffen!“ hatte Pyra gesagt und hatte die Ziele aufgestellt. Alles was sie in die Finger bekam, Stifte, Münzen, Flaschen – einfach alles was herum lag.

„Wie soll ich denn einen Flaschendeckel treffen?“ hatte Michael empört wissen wollen. Natürlich konnte er einfach den ganzen Stein sprengen, wo der Deckel drauf lag, aber die Trainerin wollte auch Präzision. Keiner von ihnen durfte ein Fünkchen ihrer Energie verschwenden.

„So“, hatte Pyra erwidert und ohne ein jegliches Zucken oder einer Handbewegung war der Deckel in die Luft gegangen. „Wenn du das nicht kannst, musst du eben üben“, war ihre Feststellung gewesen und seitdem sprengte Michael einen Stein nach dem anderen und eine Flasche nach der anderen, aber er schaffte es dennoch nicht seine Kräfte zu zügeln.

„Ich dachte es wird einfach wenn wir uns erinnern können, mir hilft das bisher gar nicht“, stellte er nach einer Weile fest.

„Es wird euch noch helfen, ihr müsst euch gedulden. Ihr werdet schnell dazu lernen, lasst euch selbst ein paar Tage Zeit“, erklärte Pyra und konzentrierte sich die meiste Zeit auf Liz. Auch wenn sie es als ihre Aufgabe sah es zu verhindern, so konnte es doch passieren, dass ihr Bruder Liz alleine erwischen würde und für diese Fälle musste Liz lernen sich solange schützen zu können bis sie oder Max sie finden würden.

„Liz, wo leuchtet dein Siegel auf?“

Verwirrt blickte Liz auf ihre neue Freundin und verstand nicht was sie meinte. „Was meinst du mit wo leuchtet es auf?“

„Nachdem ihr das Ritual vollzogen habt wurden eure Siegel aktiviert, sie müssen sich jetzt irgendwo in eurem Körper platziert haben. Das ist bei jedem Königspaar anders.“ Max trat nun auch hinzu und hörte gespannt auf das Gespräch.

„Es war auf ihrer Stirn zu sehen, als wir das Ritual vollzogen haben.“

„Nein, nein, das ist immer so. Also Max, du kannst deines bestimmt aufleuchten lassen. Wo ist es?“

Max, der wusste, dass es eigentlich in seiner Hand sein musste hob seine Hand und öffnete das Innere. Genau dort hatte es aufgeleuchtet, als er es Michael wieder abgenommen hatte. Und genau dort kam es auch wieder zum Vorschein. Max wusste nicht ob es Zufall war oder nicht, aber das war jetzt auch nicht wichtig.

„So jetzt musst du über Liz‘ Körper fahren und warten bis ihr Siegel darauf reagiert.“ Max tat genau das und suchte Liz Körper ab. Sie hatte ihre Jacke ausgezogen und sah gespannt auf Max‘ Hand, der über ihre Arme, Beine und ihren Bauch fuhr. Zuletzt blieb er an ihrer Brust stehen und sah etwas verschämt zu Pyra.

„Hier muss es sein.“ Und dort war es tatsächlich. Als Liz ihr Pullover in die Höhe hob und ihre Brust Max und Pyra offenlegte, leuchtet das Siegel über ihrer linken Brust auf und wurde zu einem kleinen Teil noch von ihrer Unterwäsche bedeckt. „Ist es nicht kalt?“ fragte Max nach, der sah dass seine Frau keinesfalls eine Gänsehaut bekam. Sie schüttelte nur den Kopf und zog sich wieder an.

Pyra war zufrieden und fuhr mit ihrer Rede fort. „Wenn du also spürst, dass deine Kräfte dich im Stich lassen oder du in Gefahr bist, dann musst du dich auf das Siegel konzentrieren. Zum einen schützt es dich dann von alleine und zum anderen leuchtet es dann in Max‘ Hand und er kann eindeutig spüren wo du dich befindest.“

„Aber Max und ich können doch kommunizieren?“

„Telepathisch? Ja das könnt ihr, aber versucht es mal jetzt.“ Pyra blockierte es und wartete darauf bis sich Max und Liz wieder zu Wort melden würden. „Es funktioniert nicht und ich verstehe inzwischen auch wieso. Nachdem Khivar Vilandra getötet hat, hat er versucht diese Gabe zu lernen und hat es geschafft. Ich habe immer noch eine Verbindung mit meinem Bruder, deshalb kann ich das auch.“

„Deshalb willst du gegen ihn kämpfen? Weil du ihn einschätzen kannst? Aber er kann das doch bei dir bestimmt genauso“, stellte Max fest und fürchtete um Pyras Leben.

„Ja, er kann das auch. Aber er wird niemals wissen können was es bedeutet hat Rath zu verlieren. Mein Bruder ist niemals verliebt gewesen und kann sich nicht vorstellen welch ein Hass in meinem Herzen vergraben ist.“

Und so machte Pyra immer wieder die Runde und zeigte jedem von ihnen etwas. Mit Ava verbrachte sie am wenigsten Zeit, da die anderen ihren Vorsprung erst einmal aufholen mussten. Sie beherrschte ihre Kräfte gut und stärker war sie auch, erst in ein paar Tagen würden die anderen auf demselben Stand sein wie sie.

„Pyra, kann ich dich kurz sprechen?“ unterbrach Maria ihre Beobachtungen und trat an ihre Seite.

„Natürlich“, erwiderte diese und ermahnte Kyle noch einmal, da sie spürte, dass er gerade die Gefühle der anderen las.

„Ich kann es eben nicht kontrollieren“, rief dieser aus und entschuldigte sich dann dafür, dass er in die Privatsphäre der anderen drang.

„Ich wollte dich nur etwas wegen der Schwangerschaft fragen, du hast es ja bereits gewusst.“

„Ja, ich konnte es fühlen. Was willst du mich denn fragen?“ Pyra lächelte dabei und streichelte Marias Arm. Sie wusste, dass die kleine Blondine Angst hatte und keine wirklichen Antworten auf ihre Fragen bekam. Niemand kannte sich mit so einer Schwangerschaft aus und Maria fühlte sich wie ein Versuchskaninchen.

„Nur falls es dir nichts ausmacht, ich meine es ist mit bewusst, dass Michael für dich genauso sein muss wie Rath und er sah ja auch so aus…“

„Maria, du bist etwas durcheinander. Rath sah nicht so aus wie Michael, ich habe euch diese Bilder nur in euren Köpfen geformt, damit ihr euch Antar vorstellen konntet. Mich erinnert nur seine Aura an ihn, sonst nichts. Seine Art und wie er lebt unterscheidet sich total von Rath. Verstehst du? Er führt hier ein ganz anderes Leben und auch wenn er sich jetzt an alles erinnern kann, so erinnert er sich an das Leben eines anderen…Michael ist nicht Rath, du kannst mit mir über alles sprechen.“

„Ich wollte nur wissen, ob du mehr weißt über so eine Schwangerschaft? Ist es normal? Wird es schlimmer werden und das wichtigste ist, bin ich in der Lage dieses Baby auszutragen?“ Sie setzten sich zusammen auf einen Stein und blickten auf die anderen, die sich gegenseitig berieten und sich halfen.

„Keine Sorge, du solltest das Baby einwandfrei austragen können, Tess konnte das auch, und ein Hybrid und ein Mensch unterscheiden sich in der Hinsicht nicht viel. Auch sollte die Schwangerschaft zum größten Teile normal verlaufen, nur dass man auf Antar nur 6 Monate austrägt. Es kann also vielleicht sein, dass du das Baby nicht ganze 9 Monate austrägst.“

„Okay, dann können wir immer noch behaupten, dass ich schon viel länger schwanger bin und dass es eine Frühgeburt ist, das wissen die Menschen hier in Roswell dann sowieso nicht mehr so genau. Woher weißt du denn schon so viel über die Menschen, wenn du erst seit knapp einer Woche hier bist?“

„Ich habe das Gedächtnis von Serena Davis und dadurch habe ich dieses Allgemeinwissen. Das ist gut, denn ansonsten wäre ich hier bei euch wie ein neugeborenes Baby.“

„Pyra?“ wurden die beiden von Kyle unterbrochen, der am Rande eines Zusammenbruchs stand. Er musste sich ununterbrochen darauf konzentrieren nur Pyras Gefühle zu lesen, das hatte sie ihm gesagt, aber noch immer konnte er nichts filtern. Es war alles ein reines Durcheinander und er glaubte auch, dass es an dem Tag nichts mehr werden würde. Immerhin hatte er es zuvor schon einmal geschafft Liz‘ Gefühle zu filtern, als sie ihr Gedächtnis verloren hatte, aber bei Pyra schien es nicht so leicht zu funktionieren.

„Ja, Kyle?“

„Hören wir bald auf?“ Sie waren erst mittags aufgebrochen, da es eine Weile gebraucht hatte bis alle sich wieder beruhigt hatten, nachdem ihre Erinnerungen an Antar „geweckt“ wurden. Aber trotzdem war es inzwischen ziemlich spät und schon seit geraumer Zeit dunkel.

„Ja wir machen eine weitere Pause.“

„Eine Pause?!“ riefen Kyle und Maria gleichzeitig aus. „Wir wollen nach Hause“, gestand Maria. „Es ist kalt und alle sind erschöpft.“

Pyra sah in die Runde und bemerkte tatsächlich die erschöpften Gesichter. „Na gut, dann machen wir morgen weiter.“ Alle sammelten erleichtert ihre Sachen auf, als sie munter weitersprach. „Heute war ja auch der erste Tag, der kann so ruhig sein, aber morgen müssen wir uns dann ranhalten.“

Ruhig? Erklang es in den Köpfen der anderen. Und im nächsten Moment merkten sie, dass sie wirklich noch nicht den Ernst der Lage begriffen hatten, außer Max und Michael, die bereit gewesen wären weiter zu trainieren. Aber diese Frau vor ihnen kam direkt aus einem Krieg, der bereits 8 Jahre lang andauerte und sie selbst hatten Ausschnitte daraus gesehen.

„Lasst uns morgen ziemlich früh anfangen“, meinte Isabel und alle nickten ihr nur zu, als sie in den Van stiegen. Die letzten ruhigen Tage waren vorbei und das Chaos ging erneut von vorne los. Würden sie irgendwann wieder ein normales Leben führen? Keiner wusste eine Antwort auf diese stumme Frage.