written by: Hilde von der Insel, Liz Evans & Buddha-boy

SPECIAL FEATURES:

Kyle/Ava Adult Auskopplung - was Kyle darf...


Ich bin Liz Evans und habe ein paar wunderschöne Tage hinter mir. Auch wenn sie nicht ganz sorgenfrei gewesen sind, waren sie doch sehr schön. Zuerst habe ich mein Gedächtnis wiederbekommen und die Nacht dann in Max‘ Armen verbracht. Ich habe ihm die Brust gestreichelt und ihm immer wieder gesagt, dass auch, wenn ich mein Gedächtnis verloren habe, ich mich im tiefsten Inneren an ihn erinnern konnte, denn sonst hätte ich ihm nicht ohne Weiteres vertrauen können. „Liz, du hast nicht einmal mehr meinen Namen gewusst“, hat er erwidert, aber es mit Humor genommen.

Der nächste Morgen wurde noch besser. In der Stadt haben wir erfahren, dass die Basis komplett zerstört wurde und es keine Überlebenden gab. Ich habe ein Ziehen in meinem Herzen gespürt, das gebe ich zu, immerhin waren es Menschen, die dabei gestorben sind. Aber sie waren auch hinter uns her, und lieber sehe ich diese Menschen sterben, als dass ich meinen Ehemann und meine besten Freunde verliere. Ist nicht jeder Mensch irgendwo in seinem tiefsten Inneren ein Egoist? Ich denke schon.

Nachdem ich mit Michael und Ava zurück zu unserem provisorischen Unterschlupf kam, haben wir einstimmig beschlossen zurück nach Roswell zu fahren. Das war der wunderbarste Augenblick überhaupt und ich habe vor lauter Freude ein paar Tränen vergossen. Maria ebenso, wir waren die einzigen beiden obwohl Isabel auch so aussah, als würde sie gleich weinen. Kyle und Michael sind danach erneut in die Stadt gefahren und haben von einem Münztelefon aus Kyles Vater angerufen. So ganz ohne Informationen wollten wir nicht losfahren. In Roswell schien glücklicherweise nichts Ungewöhnliches passiert zu sein, während unserer Abwesenheit. Keine Alienjäger, keine Agenten. Alles ruhig und Jim Valenti hielt eine Rückkehr für relativ ungefährlich. Dies war der letzte Anstoß für uns.

Bis zum Abend sind wir in der Scheune geblieben. Michael, Ava und Isabel wollten sich ebenfalls ausruhen, weil sie ihre Kräfte in der vergangenen Nacht so stark eingesetzt hatten. Max ging es gut, obwohl er die größte Anstrengung hinter sich hatte. Er lächelte mich nur an und meinte, dass so eine außerirdische Ehe auch seine Vorteile hatte. Erst dann wurde mir bewusst, wie oft, ausdauernd und präzise er seine Kräfte inzwischen anwenden konnte. Mit früher kann man das gar nicht mehr vergleichen.

Bei Einbruch der Dunkelheit fuhren wir los und überquerten in wenigen Stunden die Grenze zu New Mexiko. Auf dem Weg dahin entschlossen wir uns jedoch dazu ein paar Tage Zeit zu schinden, um nicht direkt nach so einem Aufsehen erregenden Ereignis, wie der Explosion einer Militärbasis wieder in Roswell aufzutauchen. Ich hielt dies zwar für ein wenig übertrieben, doch Max und Michael konnten nicht vorsichtig genug sein. Und letzten Endes gaben wir ihnen Recht. Es ging schließlich um unsere Sicherheit und unser Leben. Außerdem hatten wir unsere Eltern über ein halbes Jahr nicht mehr gesehen, da kam es auf diese paar Tage nun wirklich nicht mehr an.

In Albuquerque haben wir daher Zwischenstopp gemacht, uns ein kleines Motel gesucht und für ein paar Tage niedergelassen. So konnten wir auch Ausschau nach etwaigen Verfolgern halten, denn diese wollten wir nicht hinter uns her nach Roswell führen und zusätzlich unsere Eltern gefährden. Doch glücklicherweise blieb alles ruhig. Alle hingen in diesen paar Tagen den eigenen Gedanken nach. Isabel und Jesse verließen ihr Zimmer kaum. Kein Wunder. Isabel schien endlich wieder glücklich – ihr Strahlen, wenn wir sie zu sehen bekamen, freute uns alle sehr. Ich kann mich noch genau an die vielen Stunden erinnern, an denen sie einfach nur vor sich hin gelebt hatte. Die stillen Stunden wenn sie mit im Zimmer saß, doch mit ihren Gedanken meilenweit entfernt war. Jetzt ist sie kaum wieder zu erkennen und hat ihren Lebenswillen zurück.

Kyle, Ava und Connor verbrachten viel Zeit zusammen in der Stadt und außerhalb des Motels. Kyle, der sich besser hier auskannte wollte Ava ausführen, aber Connor hängte sich immer an sie ran, weil er uns drei Pärchen nicht stören wollte. Jedes Mal musste ich mir ein Grinsen verkneifen, wenn ich Connor mit den beiden sah. Es war ziemlich deutlich an Kyles Gesicht abzulesen, dass er lieber mit Ava allein gewesen wäre.

Wir übrigen vier haben uns in den Tagen oft zum Essen zusammen gesetzt und geredet. Bei diesen Gelegenheiten erzählte Maria beiläufig davon, dass sie ab und zu wieder grün geleuchtet hatte. Als ich aber nachfragte, wann genau diese Symptome aufgetreten waren, wurden sie und Michael rot und verweigerten eine klare Antwort. Ich konnte es mir auch so denken. Die beiden nutzten die Zeit allein in ihrem Zimmer wohl genauso, wie Max und ich und Jesse und Isabel. Warum auch nicht? Dieses unerklärliche Leuchten meiner besten Freundin blieb uns jedoch auch weiterhin ein Rätsel für das wir keine Lösung fanden.

Die meiste Zeit verbrachten Max und ich jedoch allein in unserem eigenen Zimmer oder saßen vor der Türe auf einer kleinen Bank. Wir zogen uns warm an und saßen Arm in Arm da. Wir verbrachen viel Zeit damit, über meinen Beinahe-Tod unter den brennenden Trümmern der Basis zu sprechen. Über die Ängste, die er dabei verspürt hatte und über Cals schrecklichen Verrat. Er hat mir gebeichtet, dass er ihn für einen kurzen Moment umbringen wollte, aber es sich in der nächsten Sekunde anders überlegte. „Ich war nur froh, dass es dir gut ging“, hatte er geflüstert und seine Wange an mein Herz gelegt. „So froh.“ Eine Nacht lang haben wir uns nur festgehalten und uns unterhalten. Am nächsten Tag konnten wir die Finger nicht voneinander lassen (er sieht mich gerade an und eine Frage legt sich über seine Augen: ‚Warum lächelst du?‘). Er hat meinen Körper verwöhnt, als hätten wir uns Monate nicht gesehen. Er wollte alles wieder gutmachen, was ich in den Visionen gesehen habe, als ich mein Gedächtnis zurück bekam. Er gestand mir auch, dass er mir eigentlich nur schöne Bilder zuschicken wollte, aber dass dabei auch das ein oder andere weniger schöne reingerutscht war. Ich habe ihm gesagt, dass es okay ist. Es ist schließlich unsere Vergangenheit und wir können sie nicht löschen, lediglich akzeptieren und das habe ich schon lange getan. Mit all den schönen und weniger schönen Dingen.

Um noch mal auf Maria zurück zu kommen, ihre Symptome haben über die Tage nicht nachgelassen und ich hätte mir gerne eine Blutprobe von ihr angesehen, aber das war ohne die nötige Ausstattung nicht möglich. Letztendlich haben wir drei lange Tage in Albuquerque verbracht und uns dann entschlossen weiterzufahren. Ich wollte unbedingt weiter, weil Marias Geburtstag immer näher rückte und ich mir dachte, es würde ihr gefallen, ihn in Roswell mit ihrer Mutter und ihren Freunden zu feiern. Maria war sowieso schon meistens schlecht gelaunt und stritt sich oft mit Michael, aber das war ja nichts Ungewöhnliches. Meiner Meinung nach ist es sowieso nur Vorspiel für die beiden, da sie nach jeden Streit für ein paar Stunden verschwunden sind. Auch das hat sich nicht geändert.

Aber nun genug erzählt von den letzten Tagen.

Im Moment sitze ich neben Max im Wagen und mein Herz schlägt wie wild. Wir sind nur noch ein paar Minuten von Roswell entfernt. Ich werde zwar meine Eltern nicht sofort sehen können, da wir beschlossen haben zuerst den Sheriff zu treffen, um wirklich zu prüfen, ob es sicher für uns ist, aber das mindert meine Aufregung trotzdem kein bisschen.

Wir sind zurück in Roswell.

Da wo alles begonnen hat.

Opening Credits

Es war kurz vor Mitternacht, als die Gruppe schließlich in Roswell eintraf. Die Straßen der Kleinstadt lagen verlassen und dunkel. Nur der orange Schein der Laternen und vereinzelter Leuchtreklamelichter von verschiedenen Geschäften sendeten etwas Helligkeit aus.

Isabel lenkte den Van sicher durch die Stadt in die Straße, die zu Jim Valentis Haus führte. Sogleich breitete sich Unruhe im Wageninnern aus, und niemand konnte länger stillsitzen. Denn allen, außer Connor und Ava, war diese Gegend wohl bekannt und vertraut.

Eine bestimmte Geborgenheit erfüllte gleichermaßen Max, Liz, Maria, Michael, Kyle und Isabel, sogar Jesse verspürte eine Emotion des Zuhause seins. So fühlte es sich an, wenn man endlich wieder heimkehrte.

Max und Liz saßen händchenhaltend auf der Rückbank. Beide waren nervös und beiden schlug das Herz bis zum Hals. Und beide dachten in diesem Augenblick genau das gleiche: Was würden ihre Eltern sagen, wenn sie plötzlich wieder vor ihnen standen? Und dann auch noch verheiratet. Würden sie sich über das Wiedersehen genauso freuen, wie ihre Kinder? Hoffentlich würde alles gut gehen und sie konnten sie wirklich schon bald wieder sehen. Beide beteten, Jim möge nicht noch im letzten Moment schlechte Nachrichten für sie haben.

Durch Michaels Gehirn schossen zwar ähnliche Gedanken, doch er blieb weiterhin wachsam und skeptisch, auch wenn er sich insgeheim genauso über die Rückkehr nach Roswell freute, wie die anderen auch. Er konnte seine Beschützerrolle einfach nicht ablegen und sorgte sich um seine Freunde. Vor allen Dingen natürlich um Maria. Er warf ihr einen verstohlenen Blick zu – sie saß zwischen ihm und Isabel auf dem Beifahrersitz und zappelte nervös herum. Er wusste, dass sie das Wiedersehen mit ihrer Mutter gleichzeitig herbeisehnte, aber auch ein bisschen Angst davor hatte. Wie würde ihre Mutter reagieren, wenn sie ihr von den Veränderungen erzählte, die sie in letzter Zeit durchmachte? In einer seltenen mitfühlenden Geste, legte er ihr den Arm um die Schultern und drückte sie an sich.

Maria schaute ihn überrascht, doch auch dankbar an. Er schien genau zu wissen, dass sie jetzt ein bisschen Trost und Aufmunterung gebrauchen konnte. Wenn sie doch nur ein Fläschchen Zypressenöl dabei gehabt hätte für ihre Nerven. Aber ihr Vorrat war schon lange aufgebraucht und so musste halt eben Michael herhalten, um sie zu beruhigen. Was, wenn sie ehrlich war, viel besser war als ein Öl. Nervös kuschelte sie sich an ihn.

Isabel und Jesse machten ähnliches durch, wie die anderen. Auch sie wussten nicht, was sie erwarten und wie das lang ersehnte Wiedersehen verlaufen würde. Grenzenlose Freude und tiefe Beunruhigung wechselten sich in ihrem Inneren ab. Ablenkung fanden sie in einer kurzen Berührung, als Isabel ihre Wange gegen Jesses Hand schmiegte, die er von hinten auf ihre Schulter gelegt hatte. Augenblicklich ging es beiden besser, doch dann sagte Isabel in die angespannte Stille: „Wir sind gleich da.“

Die Spannung im Wagen wurde fast sichtbar.

Kyle, der all die Emotionen der anderen, durch seine empathischen Kräfte spüren konnte, konnte dieses Übermaß an Gefühlen kaum aushalten und wandte sich daher dem einzigen Menschen zu, von dem er so gut wie gar nichts aufschnappte. Connor. Weil er sich von den Gefühlen der anderen und auch von seiner eigenen Anspannung ein bisschen ablenken wollte grinste Kyle zu Connor: „So wie ich meinen Dad kenne, erwartet er uns bestimmt schon vor der Haustür. Er hat garantiert, seit Stunden hinter irgendeinem Fenster seinen Posten bezogen.“ Sie hatten erneut bei seinem Vater angerufen, bevor sie in Albuquerque losgefahren waren, um ihm ihre ungefähre Ankunftszeit mitzuteilen.

Niemand ging auf den kleinen Scherz von Kyle ein, dazu waren alle zu nervös und deshalb konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf das Mädchen neben sich und Connor im hinteren Teil des Vans. Die Emotionen, die von ihr ausgingen waren stärker, als die der anderen und es war nicht Nervosität und Anspannung, die er zu spüren bekam, sondern Angst. Sie hatte Angst vor dem ersten Zusammentreffen mit seinem Vater. Kyle wusste warum. Sie sah aus wie Tess und Tess war in Roswell nicht mehr sehr willkommen. Wie würde sein Vater reagieren, wenn er sie sah?

In wenigen Sekunden würden sie es erfahren, da Isabel bereits langsamer fuhr und Kyle von Weitem sein altes Hause erkennen konnte. Plötzlich war seine eigene Nervosität überwältigend und um sich und Ava ein wenig Halt zu geben, legte er einen Arm fest um ihre Schultern. Im nächsten Moment kam der Wagen zum Stehen.

Kaum, dass der Wagen anhielt verließen alle, bis auf Connor, den Van. Sie sahen Jim entgegen, der tatsächlich vor dem Haus auf sie gewartet hatte. Er hatte nicht einmal genau gewusst, wann genau sie ankommen würden. Immerhin hätte unterwegs irgendetwas Unvorhergesehenes passieren können, das ihre Ankunft hätte verzögern oder ganz verhindern können. Aber glücklicherweise, wie Jim nun mit grenzenloser Erleichterung feststellte, war nichts dazwischen gekommen.

Sie alle standen ihm heil und gesund gegenüber.

Ava versteckte sich leicht hinter Jesse, sich hinter Kyle zu stellen hatte sie sich nicht getraut, auch wenn sie sich in seiner Nähe ein bisschen besser fühlte. Er würde ganz sicher sofort zu seinem Vater laufen und ihn als erstes begrüßen.

Ihre Vermutung traf ein, als Jim seinen Sohn in eine innige Umarmung schloss und gar nicht mehr loslassen wollte. Die weitere Begrüßung ging freudig, aber auch zügig vonstatten. Niemand wollte eine auffällige Szene für neugierige Nachbarn veranstalten. Außerdem wollten die anderen ihre Eltern ebenfalls so schnell wie möglich wieder sehen.

Jim, der die Ungeduld spüren konnte, versicherte ihnen schnell, dass es sicher in Roswell war. Keine auffälligen Aktivitäten in den letzten Tagen. Offensichtlich sahen die Behörden keinen Zusammenhang zwischen der Explosion der Militärbasis und den Teenagern aus Roswell.

„Ihr könnt mir später alles erzählen“, sagte er mit beherrschter Neugier und schaute auf den unbekannten Connor, der im Van geblieben war.

So kam es, dass wenig später nur noch Jim, Kyle und Ava vor dem Valenti-Haus standen, während die anderen davon fuhren. Jim warf der zierlichen Blondine neben seinem Sohn wachsame und leicht verstörte Blicke zu. Die Ähnlichkeit zu Tess war verblüffend und beunruhigend. Er hatte einmal ein Mädchen mit diesem Gesicht in sein Haus gelassen und es hatte in einem Mord geendet. Kein Wunder, dass er misstrauisch war. Er versuchte es jedoch so gut wie möglich zu verstecken, als er die beiden hinein führte.

Ava schaute sich nervös um. Jims Blick war ihr nicht entgangen. Sie fühlte sich unwohl in seiner Gegenwart. Und er in der ihren wohl auch, denn er verschwand sofort in der Küche und rief über die Schulter: „Die Eltern werden sich alle sehr freuen. Setzt euch, ich mache nur schnell das Essen warm. Ich habe zwar nicht mit einem zusätzlichen Gast gerechnet, aber für uns drei wird es schon reichen.“

„Dad, du solltest doch nichts vorbereiten. Wir haben gegessen bevor wir losgefahren sind“, protestierte Kyle, doch Jim winkte ab.

Ava fühlte sich noch unbehaglicher. Es war offensichtlich, dass Kyles Vater sie nicht hier haben wollte. „Kyle, ich scheine deinen Vater zu stören. Vielleicht ist es besser wenn ich in ein Motel gehe oder so…“ fing sie an, doch Kyle unterbrach sie sofort.

„Hör‘ auf so etwas zu sagen“, verlangte er. „Mein Vater wird schnell erkennen, dass du nicht so bist wie Tess. Da brauchst du dir keine Sorgen machen.“

Und genauso wie es Kyle prophezeit hatte, gewöhnte sich Jim ein wenig an Avas Äußeres während sie zusammen am Tisch saßen und ihre Spaghetti aßen. Sein Misstrauen ließ merklich nach, als er sich abwechselnd von den beiden erzählen ließ, was sie erlebt hatten, wobei sie nicht sehr viel über Avas Rettung sprachen. Es schien ihr unangenehm zu sein und lieber lenkte sie das Gespräch auf andere Themen. Letztlich stellte Jim fest, dass von dem Mädchen an seinem Tisch offenbar keine Gefahr ausging. Sie mochte aussehen wie Tess, doch das war auch schon die einzige Ähnlichkeit.

Es dauerte lange, die Erlebnisse der letzten Monate zu schildern und Ava und Kyle waren bald zu müde, um weiter erzählen zu können. Sie wollten nur noch ins Bett, denn reden konnten sie am Morgen auch noch, schließlich blieben sie ja jetzt für länger in Roswell. Ava bekam eine alte Jogginghose von Kyle und ein T-Shirt, nachdem er sie in sein ehemaliges Zimmer geführt hatte. „Hier kannst du schlafen“, sagte er knapp und wünschte ihr eine gute Nacht.

„Bleibst du denn nicht hier?“ wollte sie von ihm wissen und hielt ihn am Arm fest.

Kyle wand sich überrascht um, da er nicht geglaubt hatte, dass Ava ihn fragen würde. Und im nächsten Moment stellte er auch fest, dass mehr ihre Unsicherheit sie fragen ließ als ihre Sehnsucht. „Es ist schon okay. Das Bett ist nicht besonders groß und ich weiß wie sehr du dich auf ein gemütliches Bett gefreut hast.“ Noch immer spürte er ihren festen Griff an seinem Arm. „Ava, es ist in Ordnung. Ich kann sehen, dass er dich mag“, stellte Kyle fest und versuchte sie zu beruhigen. Es schien zu funktionieren, denn ihr Griff lockerte und nach ein paar Sekunden ließ sie ihn los.

„Aber ich möchte dich nicht aus deinem Zimmer werfen“, protestierte Ava, aber er legte ihr den Finger an die Lippen.

„Kein aber. Es ist okay. Die Couch bringt mich nicht um, das bin ich gewohnt“, sagte er und drehte sich an der Türe noch einmal um. „Ich würde morgen gerne mit dir ausgehen, wenn du einverstanden bist. Ich habe mir fest vorgenommen, dich um eine Verabredung zu bitten, sobald es wieder in bisschen ruhiger geworden ist und das ist es jetzt endlich. Außerdem würde ich dir gerne Roswell zeigen. Wir könnten irgendwo essen gehen und ein paar Stunden Spaß haben. Allein, ohne Connor diesmal. Wie ein ganz normales Paar.“

Ava schien sich wohler zu fühlen und lachte über seine Bemerkung über Connor, doch dann wollte sie erstaunt wissen: „Wir sind ein Paar?“

Es legte sich ein verschämtes Grinsen auf Kyles Gesicht, aber eine Antwort blieb er ihr schuldig. Er küsste sie auf die Wange und zog dann die Tür hinter sich zu. Er schüttelte den Kopf und warf sich danach auf die Couch. Nicht einmal die Einladung zu einem Date war normal zwischen ihnen.

***

Bei den Evans‘…

Max, der nun den Van lenkte, setzte Michael und Maria vor dem DeLuca-Haus ab und ermahnte beide, dass sie nicht vergessen sollten, am nächsten Vormittag um 11 Uhr ins CrashDown zu kommen. Sie hatten mit Jim die Abmachung getroffen, dass sie sich am nächsten Morgen alle treffen und gemeinsam über die letzten Monate sprechen wollten.

Maria, die mit Michael ausgestiegen war, drehte sich abrupt herum und stotterte aufgeregt durch die geöffnete Beifahrertür: „Wollt ihr nicht noch mit rein kommen?“ Es war deutlich herauszuhören, dass sie ihrer Mutter lieber mit den anderen zusammen gegenüber getreten wäre, als nur mit Michael an ihrer Seite. Max, Liz, Isabel und Jesse, die Amy DeLuca und ihr unberechenbares Temperament kannten, grinsten verstohlen.

„Nein, sorry, aber uns steht noch dasselbe bevor wie euch. Da müsst ihr nun alleine durch. Wir haben gegen das FBI gekämpft, glaubt ihr nicht, dass ihr da Amy DeLuca alleine schafft?“ entgegnete Max halb ungeduldig, halb belustigt. Marias und Michaels Münder klappten auf. Max hatte sie durchschaut. Aber sie protestierten nicht weiter, als Liz auf den leeren Beifahrersitz kletterte, die Tür zuschlug und sie mit einem letzten Winken und Grüßen an Amy davon brausten. Jeder wollte so schnell wie möglich nach Hause, dafür mussten sie Verständnis haben.

Der Van steuerte nun den vorletzten Stopp in dieser Nacht an. Das Haus der Evans in der Murray-Lane.

Die Anspannung im Wagen schien wieder zu wachsen und Liz legte sanft eine Hand auf Max’ Oberschenkel, als sie seine Aufgeregtheit spürte. Es war nicht mehr weit. Nur noch um eine letzte Kurve, dann waren sie da.

Für Max und Isabel war das Wiedersehen mit ihren Eltern genauso, wie sie es sich ausgemalt hatten. Auf ihr Klingeln waren die Lichter im dunklen Haus angegangen und kurz darauf stand Philipp Evans, verschlafen und in einem Morgenmantel in der Tür. Er hatte kaum Gelegenheit zu begreifen, wer da auf seiner Schwelle stand, als Dianes verwuschelter Blondschopf hinter ihm auftauchte, sie neugierig über seine Schulter späte und dann einen erstickten Schrei losließ.

Eine Sekunde später gab es eine innige Umarmung zwischen Eltern und Kinder. Jesse und Liz hielten sich im Hintergrund, um das Wiedersehen nicht zu stören, doch sie hatten nicht mit den Evans gerechnet, die sie ebenfalls fest in die Arme zogen, nachdem sie sich von ihren Kindern gelöst hatten. Es war ein tränenreiches Wiedersehen und Max und Liz hatten Schwierigkeiten sich kurz darauf überhaupt noch einmal von Diane und Philipp loszureißen, um zu den Parkers zu fahren.

Denn Diane und Philipp wollten sich verständlicherweise nicht mit einer kurzen Begrüßung zwischen Tür und Angel zufrieden geben, nachdem sie ihren Sohn eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatten. Doch Max blieb standhaft, auch wenn es ihm schwer fiel, seine Eltern gleich wieder zu enttäuschen. Er hatte Liz versprochen, sie zu ihren Eltern zu begleiten und den Parkers alles zu erklären. Außerdem hoffte er, sie würden ihm erlauben die Nacht bei ihnen zu verbringen, da er nicht von seiner Frau getrennt sein wollte. Er konnte Diane und Philipp schließlich damit beruhigen, dass sie sich alle am nächsten Morgen schon wieder im Crashdown sehen würden. Dann konnten sie nach Herzenslust soviel reden, wie sie wollten.

Isabel, die selbst total aus dem Häuschen war, endlich nach langer Zeit wieder mit ihren Eltern zusammen sein zu können, rettete die Situation und schob ihre Eltern einfach ins Haus. Sie winkte zaghaft Liz und Max hinterher, die zum Van eilten, und schlug sogleich die Haustüre zu, als auch Jesse und Connor im Flur standen.

Gar nicht auf das leichte Aufbegehren ihrer Eltern eingehend, die sich über das abrupte Gehen von Max und Liz beschwerten, warf Isabel sich erneut in die Arme ihrer Mutter und presste sich eng an sie. Sie ließ ihren Freudentränen freien Lauf, als ihr Dad seine Arme um sie und ihre Mum schloss.

Jesse, den diese Szene sehr berührte, schluckte seine Freudentränen herunter und führte Connor, der etwas verlegen herum stand ins Wohnzimmer. Dort angekommen, sagte er leise: „Wir geben ihnen noch ein paar Minuten, okay? Ich kenne Isabel und weiß, dass sie jetzt nicht gestört werden will. Darauf hat sie schließlich eine Ewigkeit warten müssen.“

Wenig später...

Philipp und Diane legten ihre anfängliche Befremdung, die sie automatisch gegen den hochgewachsenen, gutaussehenden, fremden Mann gehegt hatten, ab, als Isabel ihnen Connors Anwesenheit erklärte. Sie und Jesse beteuerten, dass er ein guter Freund war und das reichte den Eltern als Erklärung.

Nachdem sich alle im Wohnzimmer auf Sofas und Sesseln versammelt hatten, unterrichtete Isabel ihre neugierigen Eltern von den Geschehnissen der vergangenen Monate. Sie erzählte ihnen aber nur die halbe Wahrheit, da sie ihre Eltern nicht unnötig beunruhigen wollte, was auch im Sinne von Jesse war.

Ihr Bericht beinhaltete nur die Flucht vor dem FBI und dem Militär. Am liebsten hätte sie auch das weggelassen, doch ihre Eltern waren nicht dumm. Sie wussten von der Special Unit, von den Agenten. Es war schließlich erst sieben Monate her, dass eine Gruppe Soldaten in dieses Haus eingedrungen war, auf der Suche nach Tess und dem Baby. Diane und Philipp kannten die Gefahren und sie anzulügen hätte daher keinen Sinn gemacht. Trotzdem entsetzte es die beiden, von wilden Verfolgungsjagden durch Schnee und Eis Alaskas, und gefährlichen Schießereien zu hören. Darum beeilte Isabel sich auch ihnen gleich mitzuteilen, dass vom FBI nun keine Gefahr mehr ausging, nach ihrem letzten großen Vernichtungsschlag. Isabel war froh, dass ihre Eltern den Bericht ziemlich schweigend hinnahmen. Es gab nur wenige Zwischenfragen und sie konnte einige unschöne Details, wie Jesses und Connors Erlebnisse im weißen Zimmer, Avas Folterung durch Lonnie und Rath und den Tod der Dupes vorerst weglassen.

Alle Sorgen und Furcht war sowieso vergessen, als Isabel ihren Eltern mitteilte, dass sie nun, da alle Gefahren gebannt waren, vorhatten wieder in Roswell zu leben. Ein schöneres Geschenk hätte man den beiden nicht machen können.

Innerlich hoffte Isabel sehr, dass ihre Aussage sich bewahrheiten sollte. Hoffentlich würden sie nie wieder vom FBI und vom Militär bedroht werden. Hoffentlich konnten sie endlich ein ganz normales Leben führen. Na ja… so normal wie Halb-Alien-Halb-Mensch-Hybriden es eben konnten.

***

„Glaubst du wirklich wir sollen klopfen?“ flüsterte Michael vor dem Haus der DeLucas.

„Michael, es ist noch nicht so spät.“

„Maria, es ist kurz vor Mitternacht. Das ist spät.“

„Meine Mum geht immer spät ins Bett, außerdem brennt das Licht im Schlafzimmer noch“, erwiderte Maria nur und hob ihre Hand um gegen die Türe zu klopfen. „Es wäre viel schlimmer, wenn wir einfach reingehen würden und sie uns für Einbrecher hält.“

Michael hielt noch einmal ihre Hand fest und schüttelte den Kopf. „Sie wird ausflippen, wenn wir ihr von deinen Veränderungen erzählen.“ Er befürchtete, dass sie ihn sogar rausschmeißen würde und ihrer Tochter verbieten würde ihn je wieder zu sehen. So war Amy DeLuca nun einmal.

„Dann sagen wir es ihr einfach nicht, Michael, zumindest nicht heute. Und wenn ich mich zusammenreiße passiert vielleicht auch gar nichts und sie wird nicht gleich in Ohnmacht fallen.“ Hoffnungsvoll sah sie auf ihre Hände. „Ich denke aber, dass es okay ist. In den letzten Stunden ist nichts passiert.“

„Schön. Aber bitte versuch‘ nichts zu sprengen und vor allen Dingen keine Tasse, die sie grade in der Hand hält.“ Er zog die Augenbraun in die Höhe und sah seiner Freundin in die Augen. Diese lächelte verschämt und kratzte sich an der Augenbraue. Er deutete auf ein Ereignis am vorigen Tag hin.

Da hatten sie zusammen am Waldrand gesessen mit zwei Tassen Kaffee in der Hand. Irgendjemand schien auf der Jagd zu sein und als ein Schuss fiel erschreckte sich Maria so sehr, dass die Tasse in Michaels Hand in tausend Stücke sprang. Glühend heißer Kaffe war ihm über die Finger gelaufen und er hatte schreckliche Schmerzen gehabt, während Maria vor Schock nur unverständliches Zeug von sich gegeben hatte, bis sie zurück am Motel waren und Max Michaels Hand heilen konnte. Seitdem fürchtete Michael immer das Schlimmste, aber Maria, so unglaublich es klang, winkte immer nur ab. Irgendwas stimmte nicht mit ihr und Michael hoffte, dass sie die Situation bald klären würden.

„Ich klopfe jetzt“, meinte Maria fest entschlossen. „Sie kommt bestimmt gleich.“ Sie warteten wenige Sekunden, bis das Licht unten in der Diele anging.

„Wer ist da?“ ertönte Amy DeLucas Stimme hinter der Türe und Marias Herz raste vor Aufregung.

„Mom?“ wisperte sie leise und drückte Michaels Hand.

Die Türe ging schlagartig auf und vor ihnen stand Amy DeLuca, in einem Morgenmantel und mit geschocktem Gesichtsausdruck. „Maria?!“ rief sie aus und warf die Arme um ihre Tochter. „Oh Gott, du bist es wirklich“, sagte sie fröhlich.

„Ja, Mom, wir sind wieder da“, erwiderte Maria und erstickte an ihrer eigenen Stimme. Mutter und Tochter weinten zusammen, bis Michael nicht anders konnte und sich räusperte.

„Michael!“ wiederholte Amy ihren Ausruf und drückte ihn ebenfalls an sich. Dieser hob etwas verwirrt die Arme an den Rücken der kleineren Frau und sah Maria an. ‚Was ist hier los?‘ wollte er stumm von ihr wissen. „Ich bin so froh, dass es euch beiden gut geht. Kommt, kommt rein. Habt ihr kein Gepäck?“

Maria und Michael lächelten verlegen und zeigten auf die zwei sehr kleinen Taschen, die Michael in der Hand hielt. „Wir haben nicht viel“, erwiderte er und folgte ihr ins Haus. Erneut zog Amy ihre Tochter in die Arme und schickte Danksagungen in den Himmel.

Eine Minute später setzen sie sich ins Wohnzimmer und Amy setzte sich zwischen die beiden. Es wurde eng, aber keiner sagte etwas. Da geht’s los, dachte Michael. Ich darf sicherlich nicht einmal neben ihr sitzen, geschweige denn ein Zimmer mit ihr teilen. „Ich bin so froh euch zu sehen. Wo habt ihr gesteckt? Warum habt ihr seit Weihnachten nicht mehr angerufen? Maria, du müsstest doch wissen, welche Sorgen ich mir mache.“

„Mom“, unterbrach Maria ihre Mutter sanft. „Es ist okay. Wir sind hier und wir gehen auch nicht so schnell wieder. Wir bleiben hier, verstehst du?“

„Denkst du, ich würde euch noch einmal gehen lassen? Diese Idioten können von mir aus kommen und versuchen euch hier zu holen. Aber vorher müssen sie sich mit mir anlegen. Ich lasse nicht zu, dass euch etwas geschieht.“

„Mrs. DeLuca, das FBI ist nicht mehr hinter uns her. Wir sind jetzt in Sicherheit, deshalb sind wir zurückgekommen.“

„Wirklich?“ fragte Amy überrascht. Dann gewann ihre mütterliche Ader die Oberhand und sie sagte bestimmend: „Kommt mit in die Küche, ich mache euch etwas zu essen. Wann habt ihr zuletzt gegessen? Wo wart ihr eigentlich?“

„Mom, du fängst schon wieder an“, warnte Maria ihre Mutter mit einem kleinen Lächeln. Danach setzten sie sich zusammen an den Esstisch und Amy machte ihnen Sandwiches. Abwechselnd erzählten die beiden Neuankömmlinge von ihren Erlebnissen. Zunächst berichteten sie von Philadelphia und von Liz‘ Problemen. Amy DeLuca schüttelte immer wieder den Kopf und drückte ihre Tochter an sich, als sie über die Flucht aus Arctic Village aufgeklärt wurde. Genauso wie die Evans, erfuhr auch sie nicht alles bis ins kleinste Detail, aber genug, um sich die Gefahr deutlich zu machen, in der ihre Tochter und die anderen geschwebt hatten. Amy brach sogar in Tränen aus, als Maria erzählte, dass sie Liz um ein Haar bei der Explosion der Basis verloren hatten.

„Mom, wein doch nicht. Es ist alles in Ordnung. Du weißt doch, dass Max Menschen heilen kann. Einen besseren Schutzengel konnten wir uns gar nicht wünschen“, sagte Maria und strich ihrer Mutter beruhigend über den Rücken. Diese saß schockiert auf dem Küchenstuhl und wusste nicht was sie erwidern sollte. Im Moment dachte sie nur daran, wie schwer es ihre Tochter und ihre Freunde gehabt haben müssen. Und sie hatten sich mit Problemen herumschlagen müssen, wie die meisten Menschen sie nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen erlebten. Probleme, die kein Teenager in diesem Alter haben sollte.

„Und euch geht es wirklich gut?“ fragte sie deshalb noch einmal nach und sah die beiden begutachtend an. Sie nickten und Maria entschuldigte sich kurz darauf um auf die Toilette zu gehen.

„Geht es ihr wirklich gut?“ erkundigte sich Amy bei Michael, sobald sie allein waren.

Er dachte daran, dass er lügen musste, aber es ging nicht anders. Amy würde sich verrückt machen, wenn sie von ihrem derzeitigem Problem erfahren würde. „Ja, es geht ihr wirklich gut“, erwiderte er und lächelte leicht, um sie wirklich davon zu überzeugen. Danach fiel ihm etwas ein, was er sich vor einiger Zeit schon vorgenommen hatte zu tun, wenn er Marias Mutter wiedersehen würde. Jetzt war der Moment gekommen: „Mrs. DeLuca, ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen.“

„Wofür?“ fragte sie überrascht und sah ihn mit ihren großen Augen an. Sie erinnerten ihn in diesem Augenblick ganz an Maria.

„Dafür, dass Ihre Tochter ohne ein Wort gegangen ist, dass sie wegen mir aus Roswell geflohen ist. Wegen mir haben Sie sich monatelang Sorgen um sie gemacht.“

„Das ist wahr, Michael, ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Aber ich habe nicht dir die Schuld gegeben.“ Sie stockte einen Moment, sah den ungläubigen Blick in Michaels Augen und verzog den Mund zu einem halbherzigen Grinsen. „Okay, ich geb’s ja zu, ich habe dir die Schuld gegeben, bis ich Liz‘ Tagebuch gelesen habe. Das hat mir die Augen geöffnet. Ich habe plötzlich soviel verstanden. All die Geheimnisse, die sie vor mir gehabt hat, ergaben plötzlich einen Sinn. Ich hatte endlich die Antworten auf all die vielen Fragen, die mich schon seit Jahren quälen. Und ich habe auch erfahren, dass die Beziehung zwischen dir und meiner Tochter nicht nur eine unbedeutende Jugendliebe ist. Liz hat die letzten drei Jahre sehr ausführlich niedergeschrieben und es war nicht schwer herauszulesen, dass ihr zwei trotz eurer Unterschiede perfekt zusammen passt. Ihr seid zwar kein normales Paar, aber du machst mein kleines Mädchen glücklich und das ist die Hauptsache…“

„Mom?“ Beide wanden sich nach Maria um, die im Türrahmen stand und in die Küche blickte. „Hast du was dagegen, wenn wir jetzt schlafen gehen?“ Maria wollte ihrem Freund weitere zu emotionalen Szenen, wie diese ersparen und hatte ihre Mutter deshalb unterbrochen. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, dass ihre Mutter plötzlich so verständnisvoll war.

„Nein, natürlich nicht, Schätzchen. Dein Zimmer ist noch genauso, wie es war, lass mich nur dein Bett frisch beziehen.“ Sie verschwand schnell in Marias Zimmer.

„Glaubst du sie wird uns in einem Zimmer schlafen lassen?“ fragte Michael und steckte seine Hände in die Hosentaschen. Auch er war ein bisschen geschockt von den ruhigen, bedeutungsvollen Worten, die Amy grade zu ihm gesagt hatte. Er hatte mit Geschrei und Anschuldigungen gerechnet, nicht mit Verständnis. Er war jedoch zu müde, um länger darüber nachzudenken. Er wollte nur noch schlafen – schlafen in einem richtigen Bett, mit Maria an seiner Seite.
„Sie scheint mit allem überraschend gut klarzukommen. Vielleicht hat sie nicht einmal etwas dagegen“, meinte Maria gähnend.

„Wogegen?“ wollte Amy ahnungslos wissen, als sie mit einer Decke und einem Kissen in der Hand hinauskam. „Michael, die sind für dich.“ Sie platzierte die Sachen auf der Couch im Wohnzimmer und sah dann zu den beiden. „Was? Habt ihr ernsthaft geglaubt ich lasse euch in einem Zimmer schlafen?“

„Nein, Mom, haben wir nicht“, erwiderte Maria lachend und gab Michael einen Kuss. „Gute Nacht.“

Er erwiderte nur ein Gemurmel und war nicht sehr erfreut, als Marias Türe zuging. Kurz darauf ging auch Amy in ihr Zimmer, aber schloss die Türe nicht ganz. Ein kleiner Spalt blieb offen und seufzend zog Michael seinen Pullover und seine Jeans aus. In seinem weißen Unterhemd und blauen Shorts legte er sich auf die Couch und deckte sich zu. Ein Blick auf die Uhr zeigte 2.35 Uhr. Er war todmüde, aber er konnte trotzdem nicht einschlafen.

Michael wand sich auf die andere Seite und wieder auf die andere. Es war bereits 3 Uhr nachts. Falls er vorhatte sich wirklich mit den anderen am nächsten Morgen im Crashdown zu treffen, dann musste er jetzt endlich einschlafen. Aber das war nicht so einfach. Etwas fehlte…

Genervt warf er die Decke von sich und setzte sich auf. Leise schlich er in den Flur und sah, dass aus Amy DeLucas Zimmer kein Licht mehr kam. Mit leisen Schritten begab er sich an Marias Türe und schlüpfte lautlos ins Zimmer.

„Sie wird dich töten“, murmelte Maria verschlafen, als er hinter ihr ins Bett kroch. Sie schien nicht besonders überrascht, als er zu ihr unter die Decke schlüpfte. Fast automatisch hob sie den Kopf damit er seinen Arm darunter schieben konnte.

„Shh…schlaf weiter“, flüsterte er und schmiegte sich an ihren warmen Körper. „Ich gehe zurück bevor sie aufwacht.“

„Jetzt bin ich schon wach“, protestierte Maria und drehte sich um damit sie ihn ansehen konnte. In der Dunkelheit blitzten ihre Zähne auf, als sich ihr Mund zu einem Lächeln verzog. Ihre Hand wanderte unter sein Unterhemd und streichelte ihn sanft. „Ich habe mich schon gewundert wo du bleibst“, flüsterte sie und drückte ihren Körper an seinen.

„Maria, deine Mutter schläft ein paar Meter weiter, wir können nicht“, protestierte Michael schwach, als seine Hände bereits an ihr Gesäß wanderten.

„Ich möchte aber“, meinte sie und platzierte ihre Lippen an seinem Hals. „Du nicht?“

Ein Grollen löste sich aus seiner Kehle, als er sie auf den Rücken rollte und sich zwischen ihre Beine legte. „Du bist unersättlich, weißt du das?“

„Das sagst du“, erwiderte sie in einem gewissen Ton.

„Ja, aber ich bin es schon immer gewesen. Irgendwie bist du in den letzten Tagen unersättlich.“

„Stört es dich?“

„Ganz und gar nicht“, murmelte er gegen ihre Lippen. Seine Müdigkeit war mit einem Schlag wie weggeblasen.

Kurz vor Morgengrauen ging Amy ins Bad und konnte nicht anders als ins Wohnzimmer zu sehen. Wie erwartet lag Michael nicht mehr auf der Couch. Sie machte einen Schritt auf Marias Zimmer zu, aber überlegte es sich im nächsten Moment anders. Kopfschüttelnd und mit einem Lächeln begab sie sich in ihr eigenes Schlafzimmer und schloss die Türe.

***

Bei den Parkers...

Max parkte den Van in der Hintergasse des Crashdown Cafés. Nachdem er und Liz aus dem Wagen gestiegen waren, sah er wehmütig die Feuerleiter hoch, die zum Balkon von Liz‘ Zimmer führte. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er an die Tage dachte, an denen er hier oft heimlich hochgeklettert war. Ihm schoss der verrückte Gedanke durch den Kopf, dass sie sich über die Feuerleiter in Liz‘ Zimmer schleichen konnten und erst am nächsten Tag ihre Eltern begrüßen könnten.

Doch seine Gedanken wurden unterbrochen als er verblüfft seiner Frau hinterher rannte, die die Gasse entlang lief. Er holte sie schnell ein und hielt sie am Arm fest. „Hey, was ist denn? Wo willst du hin? Ich dachte wir klopfen jetzt an die Tür deiner Eltern.“

Sie zog ihn einfach mit sich und erwiderte eindringlich: „Ich möchte zuerst zu einem Münztelefon. Max, ich finde es besser meine Eltern telefonisch zu wecken. Wir sollten sie auf unseren Anblick vorbereiten und nicht überfallen. Verstehst du?“

Liz wurde ungeduldig, als er sie aufhielt und grummelte: „Nein, ich verstehe nicht. Das hätte dir ein bisschen früher einfallen können. Wir stehen doch schon vor ihrer Tür...“

„Ja, aber ich hab begriffen, warum Maria wollte, dass wir erst einmal alle zu ihrer Mom mit hinein sollten. Weißt du, deine Eltern sind von dir und Isabel persönlich in euer „Geheimnis“ eingeweiht worden. Meine Eltern und Marias Mutter wissen doch nur aus meinem Tagebuch davon. Und bitte sag jetzt nichts von diesem kurzen Telefonat von Weihnachten. Ich finde es ist besser, wenn wir unsere Ankunft so ankündigen.“ Erstaunt über ihre kurze Rede fiel Max kein gescheites Gegenargument ein und er folgte ihr notgedrungen.

Im Nachhinein war Max froh, dass seine Frau ihre Eltern „aufgeweckt“ hatte, denn als beide nach dem Telefonat vor der Hintertür des Cafés der Parkers ankamen, wurde diese sofort nach kurzem Klingeln geöffnet. Beide wurden abwechselnd von der überglücklichen Nancy und einem ebensolchem Jeff in Umarmungen gezerrt. Die Parkers machten jedoch beide, dank dem Telefonat, einen recht gefassten Eindruck.

Schließlich konnte sich Max aus Jeffs Umarmung lösen und machte hastig die Tür hinter ihnen zu, die noch sperrangelweit aufgestanden hatte. Er hatte mit solch einer überschwänglichen und freudigen Begrüßung seitens Liz’ Eltern nicht gerechnet. Denn auch, wenn er Liz’ Leben gerettet hatte, so brachte er sie doch seitdem auch ständig wieder in Lebensgefahr... was sicherlich auch ihren Eltern zu bedenken gab.

Max zuckte sogar erstaunt zusammen, als Liz’ Vater ihm einen leichten Schulterklaps verabreichte und freundlich offenbarte: „Jetzt gehen wir nach oben und unterhalten uns. Nancy und ich haben tausend Fragen. Liz , Max geht schon mal vor, wir kommen sofort nach, holen nur noch rasch ein paar Knabbereien. Ihr habt sicher Hunger nach der langen Fahrt.“

„In Ordnung Daddy,“ sagte Liz.

Abermals, wie schon als sie unbedingt zuvor zu einem Münztelefon wollte, ließ Max sich von Liz wegziehen und folgte ihr die Treppe hoch. Am oberen Treppenabsatz angekommen flüsterte seine Frau jedoch leise: „Warte.“

Max drehte sich ebenso wie Liz wieder um und beide blickten nach unten. Sie sahen Liz’ Eltern, die sich eng umschlungen aneinander festhielten, auf die Couch des Hinterzimmers sanken und dann heftig weinten. Mitgenommen ließen nun auch sie ihren Freudentränen ihren Lauf. Max nahm Liz in seine Arme und drückte sie fest an sich. „Siehst du, deshalb wollte ich uns telefonisch ankündigen“, murmelte sie gegen seine Brust.

Wenige Zeit später, als Liz und Max sich auf die Couch im Wohnzimmer gesetzt und die Parkers gegenüber in zwei Sesseln Platz genommen hatten waren die Tränen wieder versiegt und Jeff und Nancy freuten sich darüber, als ihre Tochter und ihr Schwiegersohn die hastig zubereiteten Häppchen vertilgten und dabei immer wieder genüsslich von der lang entbehrten Crashdown-Cherry-Cola tranken.

Danach erzählte Liz was in den vergangenen Monaten geschehen war. Ohne, dass es abgesprochen gewesen war, offenbarte sie fast das Gleiche, wie Isabel es ihren Eltern erzählt hatte. Auch sie berichtete nur das Nötigste, und beruhigte ihre Eltern damit, dass sie sich erfolgreich gegen das FBI und das Militär zur Wehr gesetzt hatten. Rasch lenkte sie danach das Gespräch auf ihre Hochzeit mit Max. Sie gab ihrem Mann einen dankbaren Blick, als er dazwischen redete:

„Liz war eine wunderschöne Braut. Wir haben ein paar Fotos gemacht, die können wir Ihnen später zeigen. Ich liebe Liz... sehr... und danke Ihnen für ihre Tochter.“

In Liz‘ Augen blitzten Tränen auf, als Jeff und Nancy eines Mundes ergriffen antworteten: „Wir danken dir, Max. Ohne dich wäre unsere Lizzie nicht mehr hier... Nicht mehr am Leben.“ Zum ersten Mal bekamen die Eltern die Möglichkeit Max‘ für seine gute Tat zu danken und nutzten diese.

Danach breitete sich ein seltsames Schweigen unter den vier Personen aus. Jeder schien seinen eigenen Gedanken hinterher zu hängen und die nachdenklichen Gesichter zeigten, dass alle an den Tag dachten, an dem Max Liz‘ das Leben gerettet hatte.

Die Stille wurde von Nancy aufgehoben, die leise seufzend, aber auch hoffnungsvoll meinte: „Lasst uns nun schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag. Ihr bleibt doch für länger, oder? Schätzchen, in deinem Zimmer ist alles beim alten geblieben. All deine Sachen sind noch genauso, wie vor eurer Flucht. Wir haben nichts verändert.“

Liz stand sogleich auf und umarmte ihre Mutter: „Danke Mom. Wir sind wirklich erledigt. Kommst du Max?“

Max atmete erleichtert auf, als er Liz in ihr altes Zimmer folgte. Die Parkers hatten keine Szene gemacht und die Beziehung zwischen Liz und ihm akzeptiert. Und sie schienen auch überhaupt keine Einwände zu hegen, ihn mit ihrer Tochter im gleichen Zimmer schlafen zu lassen. Natürlich, er und Liz waren zwar verheiratet und hatten streng genommen das Recht jederzeit und überall zusammen zu sein, doch das bedeutete ja nicht, dass die Parkers auch damit einverstanden sein mussten. Aber wie es aussah hatte Max sich ganz umsonst Sorgen gemacht. Seine neuen Schwiegereltern akzeptierten ihn und das war angesichts seiner nicht immer einfachen Vorgeschichte mit Jeff schon ein kleines Wunder.


Überpünktlich um 11 Uhr trafen Isabel und Jesse, Maria und Michael, Kyle und Ava sowie Connor im CrashDown ein. Von den Eltern fehlte noch jede Spur.

Im Cafe’ der Parkers hatte sich im vergangenen halben Jahr nichts geändert. Das Diner strahlte dieselbe Gemütlichkeit und das anheimelnde Ambiente aus, das ihnen gewohnt und vertraut war. Es war ziemlich gut besucht, da viele Leute ein verspätetes Frühstück oder verfrühtes Mittagessen einnahmen. Die Gruppe der Neuankömmlinge erntete mehr als einen neugierigen Blick und es wurde leise getuschelt. Immerhin waren sie damals nach der Abschlussfeier unter dramatischen Umständen aus der Stadt verschwunden und ein halbes Jahr fortgeblieben. Und jetzt tauchten sie wie aus heiterem Himmel wieder auf. Natürlich gab es deshalb Gerede, damit hatten sie gerechnet und sie versuchten es so gut wie möglich zu ignorieren. Irgendwann würden sie sich eine gute Geschichte für all die neugierigen Einheimischen einfallen lassen müssen, wurde ihnen klar, die ihre Abwesenheit erklärte.

Nach einer kurzen Begrüßung, bei der auch Connor mit Jeff Parker bekannt gemacht wurde, setzten sich alle in zwei angrenzende Nischen, die extra für sie freigehalten worden waren. Jeff verschwand sogleich wieder in der Küche.

Sobald sie saßen und sich gründlich in dem wohl vertrauten und lieb gewonnenen Raum umgesehen hatten, meckerte Maria: „Na toll, wir sind alle pünktlich. Nur Max und Liz, die den „weitesten“ Weg haben, sind noch nicht da.“

Michael ergriff ihre Hand, die sie demonstrativ verärgert auf die Tischplatte schlug, und drückte sie sachte. „Die kommen bestimmt gleich“, sagte er um sie zu besänftigen. „Kyle, wo ist dein Dad?“

„Bei seiner Arbeit als Deputy. Hast du vergessen, dass in Roswell trotz allem, was wir erlebt haben, das Leben seinen normale Gang geht?“ antwortete Kyle ihm.

Isabel, die mit Jesse und Connor in der Nachbarnische platziert war, beugte sich über die Rücklehne der angrenzenden Bank ihnen zu, und offenbarte ein bisschen irritiert: „Ihr werdet kaum glauben, was meine Eltern sich ausgedacht haben. Heute Morgen beim Frühstück haben sie uns mit der Nachricht überrascht, dass sie ein verspätetes Hochzeitsessen für Max und Liz geben wollen. Wir alle sind natürlich eingeladen, aber stellt euch vor, sie haben mir verboten bei den Vorbereitungen mitzuhelfen und sind jetzt Zuhause und kümmern sich ganz allein um alles. Ohne mich.“

Leises Kichern war am Tisch zu hören. Jeder, der Isabel kannte, wusste, wie gerne sie sich in jede Art von Planung stürzte. Kein Wunder, dass sie verärgert war, weil man sie ausgeschlossen hatte. Michael interessierte sich jedoch nicht für Isabels gekränkten Stolz, als ihm ein Gedanke durch den Kopf schoss und er sich sogleich über die Rückenlehne zu Isabel beugte und aufgeregt wisperte:

„Das geht nicht! Morgen ist der 21., also Marias Geburtstag. Max und Liz sollen sich einen anderen Tag für ihr blödes Essen aussuchen…“

Wieder erklang Gekicher am Tisch, als Isabel irritiert zurück flüsterte: „Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass das Essen an Marias Geburtstag stattfinden soll. Nein, das Fest ist heute Abend. Aber ich muss mich ja über dich wundern Michael, dass du Marias Geburtstag nicht vergessen hast, wie früher immer. Alle Achtung. Könntest du jetzt vielleicht deinen Ellbogen von der Rückenlehne nehmen? Du reißt mir ja fast alle Haare aus.“

„Sorry“, meinte er nur und setzte sich wieder gescheit hin.

Isabel schüttelte ihre lange blonde Mähne nach vorne, die sie zuvor schwungvoll über ihre Schultern geworfen hatte. Sie strich sich durch die Strähnen und brachte ihre Haarpracht wieder in Ordnung. Danach wand sie sich an Maria. „Du, wo ist eigentlich deine Mom?“

„Das weißt du nicht? Meine Mutter hat von deiner Mutter heute Morgen den Auftrag für einen Kuchen bekommen. Jetzt kann ich mir auch denken, was das sollte. Vermutlich handelt es sich dabei um den Hochzeitskuchen für das Essen heute Abend?“ Einen Moment schwieg Maria und suchte erneut nach zwei vermissten Personen. „Eins sag ich euch, wenn Liz und Max nicht bald kommen, dann geh‘ ich in Liz’ Zimmer und sieh nach, wo die bleiben!“

***

Liz, die schon fertig angezogen im kleinen Bad neben ihrem Zimmer stand, stemmte ihre Hände in die Taille. Sie redete ungeduldig zu Max, der gerade geduscht hatte und mit einem Handtuch, das locker um seine Hüfte geschlungen war, vor dem Spiegel stand und sich rasierte. „Jetzt mach mal ein bisschen schneller mit dem Rasieren. Kannst du nicht einfach kurz mit der Hand drüber fahren und es ist sauber? Die anderen sind bestimmt schon alle im Café und warten auf uns.“

„Wir wären nicht zu spät dran, wenn wir nicht beide verschlafen hätten. Und das wäre nicht passiert, wenn du letzte Nacht nicht unbedingt dein Bett mit mir hättest einweihen wollen. Ich bin also nicht Schuld“, entgegnete er grinsend. ´

„Du hast mir unsere Fotos gezeigt!“ entgegnete sie und meinte ihre Hochzeitsfotos. „Du weißt doch, dass ich es nicht lassen kann, wenn ich die Bilder sehe und an die Nacht denken muss.“ Sie grinste etwas und erinnerte sich an ihre erste gemeinsame Nacht. Obwohl sie schrecklich müde gewesen waren, hatte sie ihn verführt. Außerdem hatte sie die erste Nacht, die sie als verheiratetes Ehepaar in ihrem Zimmer verbrachten zu etwas Besonderem machen wollen. Und es war ihr auch gelungen. Max hatte sich nicht beschwert. Und da sie ein halbes Jahr auf der Flucht vor den Bundesbehörden gewesen waren, waren sie es mittlerweile gewohnt mit wenig Schlaf auszukommen.

Max drückte schnell einen leidenschaftlichen Kuss auf Liz‘ Mund und zog sich rasch an. Augenblicke danach gesellten sie sich zu den anderen, die schon ungeduldig im CrashDown versammelt waren und auf sie warteten. Liz war froh, als sie erkannte, dass sich im Café nichts verändert hatte, während ihrer Abwesenheit. Eine kleine Änderung gab es jedoch. Und das war die neue dunkelhaarige Kellnerin, mit der Liz beinahe zusammenstieß, als sie zu ihren Freunden lief. Liz lächelte sie automatisch an, als sie die vertraute, grüne Uniform sah, in der das Mädchen steckte. Sie wollte es nicht zugeben, aber selbst die schrecklichen Uniformen mit den grässlichen Antennen hatte sie vermisst. Die Kellnerin schien noch nicht lange im CrashDown zu arbeiten, das erkannte Liz gleich daran, wie unsicher sie das Tablett mit den Bestellungen darauf hielt. „Miss Davis, das Essen von Tisch 7 ist fertig“, hörte Liz die Stimme ihres Vaters aus der Küche rufen. Sie nickte der Kellnerin aufmunternd zu und eilte hinter Max her zu den anderen.

Wie erwartet wurden einige Bemerkungen und auch der ein oder andere anzügliche Witz über ihre Verspätung gemacht. Liz fragte sich, ob es so offensichtlich war, womit Max und sie sich die Zeit vertrieben hatten und sie wurde ein wenig rot bei dem Gedanken. Auch fiel ihr auf, dass Maria mürrischer und gereizter war, als sonst. Ob das Wiedersehen mit Amy DeLuca nicht ganz so harmonisch abgelaufen war, wie gehofft? Nun ja, die kleine Party, die sie zusammen mit Isabel für Marias Geburtstag geplant hatte, würde sie vielleicht aufheitern.

Als Isabel aber kurz darauf die Bombe von dem geplanten Hochzeitsessen platzen ließ, verschwendete Liz keinen Gedanken mehr an Maria. „Das ist ja nicht zu fassen. Oh, mein Gott Max, ich kann es nicht glauben, deine Eltern veranstalten ein Essen für uns?“

Auch Max war ziemlich verblüfft. Das Wiedersehen verlief wirklich besser als erhofft. Zuerst die Parkers, jetzt noch seine Eltern. Es war schön, dass seine und Liz‘ Ehe von allen akzeptiert wurde.

„Ja, da ist wirklich nett von unseren Eltern“, erklärte Isabel seufzend. „Vor allen Dingen, weil sie mir verbieten mitzuhelfen, weil sie denken, ich muss mich noch von den Strapazen der letzten Wochen erholen. Wenn sie wüssten, dass sie mir damit keinen Gefallen tun. Wenigstens konnte ich sie dazu überreden das Essen heute Abend abzuhalten und nicht morgen.“

Liz tauschte einen vielsagenden Blick mit Isabel. „Ja, das hast du gut gemacht. Das erinnert mich übrigens daran, dass ich noch etwas mit dir alleine bereden wollte. Komm doch mal mit ins Hinterzimmer“, bat Liz geheimnisvoll. Sogleich verschwanden die beiden durch die Schwingtüre.

„Was haben die zwei denn vor?“ fragte Ava, Jesse dabei ansehend. Worauf er unwissend, wie alle anderen auch, nur die Schultern hochziehen konnte. Die neue Kellnerin trat an den Tisch und fragte derweil nach den Bestellungen.

Maria schubste Max leicht an und fragte neugierig: „Es ist schön mal bedient zu werden statt selber zu bedienen. Glücklicherweise scheint Mr. Parker Ersatz für Liz und mich gefunden zu haben, denn ich habe keine Lust so bald wieder hier anzufangen. Ich frag‘ mich nur, wo die Neue herkommt und wie sie in diesem Kaff gelandet ist, sie scheint nicht von hier zu sein, sonst müssten wir sie doch kennen.“

„Solange Max nicht die Versuchung verspürt eine weitere Crashdown-Kellnerin zu heilen, kann es uns egal sein wo sie her kommt,“ brummte Michael.

„Wieso sagst du das?“ fragte Max stirnrunzelnd.

„Vielleicht weil sie eine entfernte Ähnlichkeit mit Liz hat“, entgegnete Kyle grinsend. „Und wir alle wissen doch, dass du eine Schwäche für zierliche Brünette in diesen Uniformen hast.“

Alle am Tisch lachten daraufhin, sogar Max.


Im Hinterzimmer des Café...

Liz umarmte stürmisch ihren Vater, als er ihrer Bitte sofort nachkam, sobald sie ihm davon erzählte. Sie hatte ihn darum gebeten, das Lokal am nächsten Tag zu schließen damit sie Marias Geburtstag darin feiern konnten.

Isabels Augen glänzten vor Vorfreude. Wenn ihre Eltern sie schon nicht an der Planung des Hochzeitsessens beteiligten, dann konnte sie sich wenigstens in die Vorbereitungen zu Marias Party stürzen und das tun, was sie immer schon gerne getan hatte. Organisieren.

Liz erkannte gleich, dass sie Isabel das Feld am besten allein überließ. Marias Party war bei ihrer Schwägerin in guten Händen, das wusste sie. In Gedanken war sie außerdem viel mehr mit der Feier beschäftigt, die die Evans für sie und Max geplant hatten. Als sie Max vor einem halben Jahr geheiratet hatte, hatte es aus mehreren Gründen keine anschließende Feier gegeben. Aber das würde jetzt nachgeholt werden. Liz hatte bis zu diesem Moment nicht gewusst, wie viel ihr diese kleine Geste bedeutete. Es würde schön sein, mit all ihren Freunden und ihrer Familie das glücklichste Ereignis in ihrem Leben nachzufeiern. Auch wenn Isabel sie noch einmal daran erinnerte, dass es „nur“ ein Essen war und keine großartige Feier, als sie ihre Schwägerin nach der angemessenen Garderobe für den Abend fragte.


***

Es war tatsächlich nur ein Essen. Aber Diane und Philipp hatten mit Nancys Hilfe in sagenhaft kurzer Zeit ein wahres Festmahl auf die Beine gestellt. Amys improvisierter Hochzeitskuchen bildete das Prunkstück der ganzen Tafel. Die fünfzehn Gäste um den langen Tisch im großen Esszimmer der Evans griffen reichlich zu. Connor hatte freiwillig angeboten den Kellner für den Abend zu spielen, um sich so für Dianes und Philipps Gastfreundschaft zu bedanken. Es war eine ungewohnte Arbeit für den Wildhüter, aber es machte auch Spaß. Er überlegte sogar zwischenzeitlich, ob er nicht als Kellner im CrashDown anfangen sollte. Immerhin brauchte er ja jetzt einen neuen Job. Und diese dunkelhaarige, hübsche, neue Kellnerin war ihm gleich ins Auge gefallen. Es konnte bestimmt nicht schaden, sie ein bisschen näher kennen zu lernen.

Die Stimmung um den Tisch war fröhlich und ausgelassen. Es war das allererste Mal, dass die ganze Gruppe zusammen saß und ohne Geheimnisse offen reden konnte. Ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl machte sich breit und alle lauschten lächelnd, als Liz und Max, von den Eltern dazu gedrängt, noch einmal von der kleinen Zeremonie erzählten, bei der sie vor einem halben Jahr den Bund der Ehe geschlossen hatten. Hochzeitsfotos machten daraufhin die Runde und in Nancys und Dianes Augen blitzten Tränen der Rührung auf, als sie die glücklichen Gesichter auf den Hochglanzbildern sahen.

Nach dem Essen wurde die Stimmung noch ausgelassener, als die Hochzeitsgesellschaft ins Wohnzimmer umzog, schnell einige Möbel beiseite geschoben wurden und zur Musik von der Stereoanlage getanzt wurde.

Liz und Max machten natürlich den Anfang. Trotz ihrer normalen Kleidung - Liz in einem roten Kleid und Max in Shirt und Jeans - gaben sie ein schönes Brautpaar ab. Jeder konnte sehen, dass sie den anderen liebten. Und zeitweise schien es, als würden sie ganz in ihrer eigenen kleinen Welt versinken und alles und jeden um sich herum vergessen.

Die anderen Paare folgten dem Beispiel der beiden, sogar Ava und Kyle, die zuerst noch ein bisschen unsicher waren, jedoch schnell ihre Hemmungen ablegten. Nur Maria und Michael beteiligten sich nicht. Beide saßen auf der Couch, die an eine Wand gerückt worden war, um Platz zu schaffen.

Michael, dem Marias Teilnahmslosigkeit nicht gefiel, sagte verunsichert: „Was ist los? Ich tanz‘ sogar mit dir wenn es sein muss.“

Sie sah ihn bekümmert an und erwiderte: „Das ist keine gute Idee. Ich würde zwar wirklich gerne mit dir tanzen, aber ich fühle mich irgendwie nicht gut. Macht‘s dir was aus, nach Hause zu gehen?“

„Jetzt schon?“ fragte er überrascht. „Das ist die Hochzeitsfeier deiner besten Freundin.“

„Ich weiß. Aber ich habe so ein komisches Gefühl. Und ich denke es könnte durchaus gleich passieren, dass ich wieder anfange grün zu leuchten. Und diese Showeinlage will ich heute Abend bestimmt nicht liefern. Nicht vor meiner Mom und den Evans und Parkers. Damit würde ich Liz nur das Fest ruinieren.“

„Verdammt“, fluchte Michael und stand auf. „Dann lass uns gehen. Ich hole deine Jacke, dann kannst du dir die Ärmel über die Hände ziehen, falls es wieder losgeht. Draußen müssen wir noch vorsichtiger sein. Niemand darf irgendetwas bemerken.“

Keiner der anderen bemerkte, dass sich die beiden kurz darauf aus dem Wohnzimmer schlichen. Nur Connor sendete ihnen einen nachdenklichen Blick nach, als er mit einem Tablett frischer Getränke aus der Küche kam und sah, dass beide so früh das Haus verließen.

Und gleich darauf entdeckte er auch noch Ava und Kyle, die Michaels und Marias Beispiel folgten und sich heimlich zur Tür schlichen. „Sagt mal, wo wollt ihr denn alle hin? Habt ihr noch was anderes vor, von dem ich nichts weiß? Ich dachte wir feiern heute Max‘ und Liz‘ Hochzeit.“

Ertappt drehte sich das Paar um. Kyle fluchte leise, weil er befürchtete Connor würde ihm schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Musste der Kerl immer dann auftauchen, wenn er mit Ava allein sein wollte?

„Wir wollen nur ins Kino“, gestand Ava halb schuldbewusst, halb kichernd, weil sie Kyles Fluch gehört hatte.

„Ausgerechnet heute?“ fragte Connor verständnislos.

„Ja heute. Ich hab‘s Ava versprochen. Und du kümmerst dich jetzt besser wieder darum, dass die Gläser nicht leer werden“, meinte Kyle und schob ihn bestimmend in Richtung Wohnzimmer. Doch in seiner Geste lag nichts Boshaftes, er war lediglich etwas ungeduldig, weil er Angst um seine Abendplanung hatte.

„Schon gut, schon gut. Kein Grund gleich grob zu werden“, antwortete Connor. „Viel Spaß ihr zwei“, rief er ihnen noch zu, als die beiden aus dem Haus „flohen“.

***

„Du hättest dir dein Geld sparen können“, lachte Ava, als sie zwei Stunden später aus dem Kino kamen. Sie wanderten Hand in Hand die Straße entlang und genossen die frische Abendluft. Sie waren warm eingepackt, aber die Temperaturen in Roswell ließen sie nicht frösteln.

„Der Film hat dir nicht gefallen? Warum denn nicht? Ich finde Keanu Reaves ist ein toller Schauspieler“, erwiderte Kyle und ahmte eine seiner Bewegungen nach. „Dass er nach Matrix noch einen Volltreffer landet hätte ich trotzdem nicht gedacht.“

„Ich hätte mir lieber eine Komödie angesehen“, meinte Ava und regte sich innerlich immer noch über den Film „Constantine“ auf. Solche absurden und unwirklichen Sachen waren nicht ihr Geschmack. Ihr Leben war schon kompliziert genug.

„Bin ich dir etwa nicht witzig genug?“ Entgeistert blieb Kyle stehen und hob die Arme in die Luft. „Das fasse ich einfach nicht! Ich glaube wir sollten aufhören uns zu treffen, ich möchte dich nie wieder sehen.“ Er grinste dabei und hielt wieder Avas Hand.

Einen Moment lang verdunkelten sich Avas Augen und ein Schatten legte sich über ihre Gesichtszüge. In der nächsten Minute fasste sie sich wieder und versuchte die Situation zu retten. „Kyle, wir wohnen im selben Haus“, meinte sie lachend und sie liefen weiter. So ging es den kurzen Weg lang bis sie bei den Valentis ankamen. Sie scherzten und alberten herum und amüsierten sich köstlich. Er öffnete ihr die Türe und ließ sie leise eintreten, bevor er sich an ihr vorbei schlich und lauschte ob sein Vater bereits da war.

„Ich glaube er ist noch immer bei den Evans, die feiern sich sicherlich noch.“ Er brachte Ava an ihre Zimmertüre und blieb dann vor ihr stehen. „Den Gute-Nacht-Kuss gibt es ja meistens vor der Haustüre beim ersten Date, aber bei uns ist eben nichts Normal.“ Er drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen und trat dann sofort einen Schritt zurück. Solange sie auf der Flucht gewesen waren, hatte er seine Bedürfnisse und Wünsche zur Seite schieben können. Aber nun waren sie zusammen unter einem Dach und besaßen plötzlich wieder Privatsphäre. Das konnte gefährlich werden.

„Was ist?“ fragte sie leise und trat einen Schritt näher. „Willst du denn heute nicht in deinem alten Zimmer schlafen?“ Kyle hatte zwar Recht behalten und sie fühlte sich inzwischen viel wohler, aber dennoch verstand sie nicht, warum Kyle auf die Couch beharrte.

„Ava…wir sollten besser nicht in einem Zimmer schlafen“, protestierte Kyle schwach und seine Stimme klang eine Oktave tiefer als zuvor.

„Warum nicht?“ wollte sie unschuldig wissen und erneut legte sich eine gewisse Unsicherheit über ihre Gesichtszüge.

„Wir hatten erst ein Date. Wir sollten es langsamer angehen lassen“, meinte Kyle, der Avas Motive falsch verstand.

Ava nahm dies falsch auf und fühlte sich von Kyle ungewollt. „Okay, ich möchte nicht, dass du etwas tust was du nicht möchtest“, resignierte sie und wand sich um.

„Was ich nicht möchte?“ wiederholte er ihre Worte und drehte sie zu sich um. „Was möchte ich nicht?“

„Ja, vielleicht hast du es dir ja nach unserem Date anders überlegt mit dem Paar sein.“ Sie sah ihm dabei nicht in die Augen.

Kyle starrte sie überrascht an. „Wie kannst du so was nur denken? Ich finde dich wunderbar und witzig und sexy und zum ersten Mal seit… seit sehr langer Zeit fühle ich mich wieder zu einer anderen Person hingezogen. Der einzige Grund, warum ich dir noch nicht die Kleider vom Leib gerissen habe, ist, weil ich weiß, dass du nie eine richtige Beziehung gehabt hast. Mit Verabredungen und Kino und Gute-Nacht-Küssen. Und ich dachte du solltest die Chance bekommen all das nachzuholen, was du verpasst hast, bevor es ernst zwischen uns wird.“

„Aber ich will das alles nicht“, schüttelte Ava den Kopf. „Im Augenblick will ich nur in deinen Armen liegen und mich wohl fühlen. Bisher habe ich mich bei niemandem so geborgen gefühlt…und bei dir möchte ich einfach, dass du da bist, dass du…du…“ Sie errötete und legte ihre kleinen Hände an seine Brust.

Kyle schluckte, doch als er ihre Wärme durch sein Shirt spürte, konnte er sich nicht länger beherrschen. Es war so lange her und hier stand eine wunderbare, attraktive junge Frau, die sich nichts sehnlicher wünschte, als mit ihm zusammen zu sein. Welcher Mann konnte da schon widerstehen.

Ihre Lippen pressten sich aufeinander und Hände begannen über Körper zu streicheln und unter Kleidungsstücke zu schlüpfen. In einem Knäuel aus Armen und Beinen stolperten sie in Kyles Schlafzimmer, ihre Münder lösten sich dabei keine Sekunde voneinander. Mit dem Fuß schlug Kyle die Tür hinter ihnen zu und fummelte blind am Türknauf, bis das Schloss eingerastet war. Jetzt waren sie wirklich ungestört.

Kaum, dass Kyle die Tür seines Zimmer verriegelt hatte, kam er zu sich und löste sich atemlos von Ava. „Tut mir Leid, aber dir kann man nun mal nicht widerstehen“, flüsterte er gegen ihre Lippen. Er hatte sie nicht so überfallen wollen, aber manchmal konnte man gegen seine Triebe nichts unternehmen.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen“, erwiderte Ava freundlich und suchte nach ihren Schlafkleidern, damit keine unangenehme Stille entstehen würde. Sie wusste selber nicht was eben zwischen Kyle und ihr passiert war. Einen Moment lang hatten sie noch ein ernstes Gespräch und im nächsten Moment lagen sie sich in den Armen und konnten nicht aufhören sich zu küssen.

Wenige Sekunden später lag Ava in Jogginghose und Shirt neben einem kaum bekleideten Kyle. „Erzähl mir von deiner letzten Freundin“, schlug sie vor und drehte sich auf die Seite, damit sie ihn ansehen konnte.

„Das willst du nicht wissen“, erwiderte Kyle mit einem Lächeln und dachte an Liz, die seine letzte feste Freundin gewesen war. Er hatte sich nach ihr mit anderen Mädchen aus seiner Schule getroffen, aber es waren immer nur ein paar Tage gewesen, die er mit ihnen verbracht hatte. „Und ich werde dich nicht fragen, ob du mir von deinem letzten Freund erzählen möchtest“, meinte er grinsend und spürte die Eifersucht, die sich in ihm verbreitete.

Ava wirkte auf einmal abwesend und schloss ihre Augen. Kyle fragte sie was denn los sei. „Zan war mein erster und letzter Freund bisher“, erzählte sie ihm. „Aber ich merke nun, dass alles zwischen uns nicht wahr gewesen ist.“

„Warum denn nicht?“ wollte Kyle wissen, der davon nichts gewusst hatte. Er hatte sich bereits gedacht, dass Zan und sie sicherlich etwas miteinander hatten, da auch Rath und Lonnie ein Paar gewesen waren. Und die Vier hatten sich immer nur zu viert aufgehalten.

„Zan und ich konnten uns an unsere Vergangenheit erinnern und fühlten uns anfänglich verpflichtet zusammen zu sein. Rath und Lonnie waren sowieso unzertrennlich. Mit der Zeit habe ich Gefühle für Zan entwickelt, zumindest habe ich das damals geglaubt. Ich glaubte wirklich an unsere Bestimmung, aber er nicht. Am Anfang lief alles gut, bis die anderen zwei angefangen haben von dem Gipfeltreffen zu sprechen.“ Er nickte nur um ihr zu zeigen, dass er ihrer Erzählung folgen konnte. „Zan wollte dort aber nicht hin. Er traute den anderen nicht und auch wollte er nicht zurück nach Antar. Die anderen haben versucht mich etwas gegen ihn aufzuhetzen und haben mir erzählt, dass er sich mit anderen treffen würde.“ Tränen füllten ihre Augen, aber sie ließ sie nicht zu. Tapfer erzählte sie weiter, von dem was sie erlebt hatte. „Erst dann begann ich sein Desinteresse an mir zu verstehen. Er wollte immer nur weg, wollte unterwegs sein und anfassen wollte er mich auch nicht…“

„Ihr habt nicht?“ flüsterte Kyle, der nicht anders konnte.

„Doch das schon…“ wisperte sie ebenfalls und errötete vor Scham. Zum ersten Mal sprach sie über ihre Vergangenheit mit Kyle und fühlte sich etwas unwohl.

„Was war es dann?“ fragte er nach und rutschte etwas näher.

„Er ließ mich oft alleine und wenn er doch zu mir kam, dann passierte alles sehr schnell. Bei Zan gab es keine Zärtlichkeiten, kein Vorspiel. Es war immer schnell vorbei und ich sehnte mich immer nach mehr. Ich dachte, ich würde ihn lieben und wollte, dass er dasselbe für mich empfindet.“ Sie wagte einen Blick in Kyles Augen und sah darin nur Verständnis ihr gegenüber. Er wanderte mit seiner Hand und ihr Shirt und streichelte sanft ihre weiche Haut. „Denk‘ bitte nicht, dass Zan ein schlechter Mensch gewesen ist. Es war nur, dass ich nicht die Richtige für ihn gewesen bin, aber er mich trotzdem nicht alleine lassen wollte. Er hat seinen grausamen Tod nicht verdient.“

„Er hätte dich trotzdem nicht so verletzen dürfen“, widersprach Kyle, der Zan nicht verstehen konnte. Wenn man Ava bei sich hatte…neben sich, wie konnte man sie dann nicht lieben? Er verbannte den Gedanken und drückte Ava einen Kuss auf die Stirn.

„Seitdem habe ich Schwierigkeiten damit jemandem zu vertrauen. Rath und Lonnie haben dabei auch nicht geholfen.“

„Mir kannst du vertrauen“, flüsterte Kyle in ihr Ohr.

„Ich möchte dir vertrauen“, erwiderte sie ehrlich und legte die Arme um ihn, als er sich etwas über sie beugte und seinen Körper an ihren presste. Danach tauschten sie eine Kuss aus und noch einen. Immer wieder sahen sie sich in die Augen und ihre Hände wanderten über den Körper des anderen.

„Ava…wenn ich aufhören soll, musst du nur „Stop“ sagen“, versicherte er ihr zu, als er auf ihr lag und eben noch ihren Hals liebkost hatte. „Wir machen genau das, was du möchtest.“ Sie erwiderte nichts, aber zog seinen Kopf erneut zu sich. Ihre Zungen spielten miteinander, als Kyle ihr Shirt hochzog und eine Hand über ihre rechte Brust legte. „Darf ich das?“

Auskopplung: Was Kyle darf…

***

Am nächsten Morgen…
(21. Januar: Marias Geburtstag)

„Meine Mutter scheint noch zu schlafen.“ Maria saß auf ihrem Bett und beobachtete ihren Freund, der neben ihr lag und im Halbschlaf vor sich hin döste.

„Scheint so“, murmelte er und platzierte seinen Arm über den Augen, um die hinein strahlende Sonne von sich abzuwenden. „Wir waren ja auch eine Weile auf.“ Sie hatten sich eine lange Nacht voller Zweisamkeit gegönnt nachdem sie vom Haus der Evans abgehauen waren. „Lass uns noch ein bisschen weiterschlafen.“ Nach so einer „ausführlichen“ Feier in der Nacht konnte er nicht verstehen, dass sie so früh bereits fit sein konnte. Er hatte sie immerhin bis spät in die Nacht nicht schlafen lassen.

„Ich hab‘ Hunger, lass uns aufstehen“, schlug sie vor und sprang aus dem Bett. „Wir haben ewig kein Frühstück mehr zusammen vorbereitet. Nein noch besser, du solltest mir mein Frühstück ans Bett bringen.“ Ihr Grinsen war deutlich in ihrer Stimme zu hören. „Immerhin habe ich heute Gebuuurtstag.“ Sie sprang auf dem Bett auf und ab und das wollte sich Michael nicht entgehen lassen.

Er schob seinen Arm zur Seite und sah sie mit einem Auge an. „Warum bist du so aufgedreht? Du bist eben erst aufgewacht.“ Sie forderte ihn erneut auf aufzustehen und zog sich ihre Unterwäsche an. Michael warf einen genaueren Blick auf Maria und fragte sich was los war. Sie schien von innen heraus zu strahlen und schon wieder bewegte sich ein Körperteil von ihm aufwärts. „Lass uns noch etwas hier bleiben.“ Sie hatte Geburtstag, ja, das wusste er, aber hier schien noch etwas ganz Anderes zu passieren. Und er hatte ein Geschenk unter der Bettdecke für sie.

„Michael, ich habe Hunger.“

„Ich auch. Auf dich.“

„Michael, steh auf! Ich mein‘s ernst. Ich will Frühstück.“

Er verdrehte die Augen, stand aber gehorsam auf. Maria begab sich direkt in die Küche und Michael ging ins Bad mit dem Versprechen einen Moment später da zu sein.

Nur fünf Sekunden später, er stand grade mit heruntergelassenen Shorts vor der Kloschüssel und wollte sein Geschäft verrichten, hämmerte sie jedoch schon an die Badtüre: „Michael! Michael! Mach auf“, rief Maria hysterisch. Michael zog seine Shorts wieder hoch und riss die Badezimmertüre auf.

„Was ist denn los?“ Er beobachtete sie dabei, wie sie mit einer Hand vor dem Mund zur Toilette rannte und sich dann nach vorne beugte. Eine Sekunde später entleerte sie ihren Magen. Er verzog das Gesicht und drehte sich ein Stück zur Seite. Das war nicht grade sehr appetitlich und er spürte, wie auch ihm flau im Magen wurde. Die plötzliche Übelkeit verwandelte sich jedoch in einen kalten Knoten der Furcht, als Maria zur Toilettenpapierrolle griff, und ein grüner Blitzstrahl ihrer Hand entfuhr. „Shit!“ rief er aus und versuchte Maria zu helfen, als ihre neuen Kräfte ihren Körper durchrüttelten.

Die Rolle, an der sich Maria versuchte festzuhalten, drehte sich hektisch und Toilettenpapier flog durchs ganze Zimmer. Als das Papier dann auch noch Feuer fing, kam Michael wieder zu sich, schnappte sich ein Zahnputzglas, das auf der Ablage des Waschbeckens stand, füllte es mit Wasser und kippte es über den kleinen Brandherd, der daraufhin sofort ausging.

Maria starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und schlug entsetzt die Hände vor den Mund, doch ein weiterer Energieblitz entsprang ihren Fingern. Michael hatte grade noch Zeit den Kopf zur Seite zu werfen, um ihm auszuweichen, als hinter ihm der Spiegel über dem Waschbecken getroffen wurde und in tausend Stücke zersprang. Jetzt sah Maria richtig panisch aus und Tränen füllten ihre Augen.

„Das soll aufhören, Michael!“ schrie sie ängstlich. Erschöpft saß sie am Boden des Badezimmers und fragte sich wie sie das Abstellen könnte. Sie hatten sich bereits gewundert, warum sich die Anomalitäten in ihrem Körper in der Nacht nicht gemeldet hatten. Scheinbar war es die Ruhe vor dem Sturm gewesen, denn so schlimm war es noch nie gewesen. Und es musste ja ausgerechnet so kommen, wenn sie bei ihrer Mutter zu Hause waren.

„Das wird es nur, wenn du dich wieder beruhigst.“

„Wie soll ich mich denn beruhigen, wenn ich alles um mich herum zerstöre?“ wollte sie verzweifelt von ihm wissen.

„Wir finden schon raus, was mit dir nicht stimmt, ganz sicher…“

„Was ist hier los?“ wollte Amy DeLuca wissen, als sie ins Bad kam und sich vor einem Schlachtfeld wiederfand.

Michael und Maria schauten erschrocken auf. Der entsetzte Blick aus den Augen ihrer Mutter genügte Maria, um ihre Übelkeit erneut aufflammen zu lassen.

„Mom, ich… oh Gott“, stöhnte sie und beugte sich hektisch über die Kloschüssel.

„Mein Gott! Mein kleines Baby ist schwanger!“

Michael öffnete bereits den Mund um wild zu protestieren, als Maria zu ihm aufsah und sie sich einen Moment anblickten, synchron sprachen sie etwas aus, das Amy ganz und gar nicht hören wollte: „Oh, Shit!“

Und mit dieser Erkenntnis meldeten sich Marias Kräfte erneut zu Wort und die Fließen, auf denen sie saß und sich abstützte bekamen riesige Risse.