Written by: Liz Evans


Was bisher geschah:


„Gott, ich mutiere zu einem Alien!“

Hinter dem Fenster war alles weiß. Decke, Wände, Boden…

„Ich hatte eine Vision. Cal versucht Max und die anderen zu töten. Ich muss rein und sie sofort warnen.“

„Den Laden in die Luft sprengen. Alles vernichten. Alle Akten, alle Aufzeichnungen, alle Laborergebnisse…“

Kyle presste plötzlich seine Lippen auf ihre und zog sie an sich.

„Wo zum Teufel ist Liz?!“

„Ist sie nicht bei euch gewesen?“

***

Für einen Augenblick herrschte Totenstille.

Keiner wagte es jemandem in die Augen zu sehen oder auch nur ein Wort von sich zu geben. Doch in der nächsten Millisekunde drehte sich Max in Richtung der brennenden Basis und schrie laut: „Sucht sie! Sofort!“

„Max, um Gottes Willen, Max…“ wimmerte Maria und Tränen liefen ihr über die Wangen. „Was ist wenn sie…was wenn…“

„Nein, das ist sie nicht. Ich kann sie spüren, sie ist da drin.“ Er rannte zurück und hob die Hand um das Feuer zu löschen. Ava und Michael reagierten gleich und halfen ihm dabei. Isabel, die noch immer zu aufgelöst war blieb sitzen, weinte nun aber noch stärker und klammerte sich an Jesse.

Nach einer gewissen, für Max unendlich langen, Zeit ging das Feuer aus, doch der dicke, schwarze Rauch schwebte noch immer über ihnen. „Sie muss irgendwo hier sein“, stellte Max fest und lief in die Trümmer. Kyle, Ava und Michael waren ihm dicht auf den Fersen. Maria wurde harsch von Michael angewiesen sich von den Trümmern fernzuhalten.

Ava blieb im nächsten Moment stehen und zeigte auf etwas. „Was ist denn das? Da leuchtet etwas.“ Schnell begaben sie sich an den Ort woher das Licht kam. Es drang unter dem Schutt heraus und mit hastigen Bewegungen räumten sie alles zur Seite, was ihnen die Sicht versperrte.

Und da lag sie – leblos und blutend.






Max erstarrte. Seine Liz. Eingehüllt in einer leuchtenden Blase, die beschützend um sie schwebte. Dennoch konnte er das Blut sehen. Er konnte sich nicht mehr bewegen, erstarrt stand er neben ihr und betrachtete ihre leblose Gestalt. Was wenn er sich nun doch geirrt hatte? Vielleicht konnte er sie gar nicht spüren sondern hoffte es nur?

„Liz?“ flüsterte Ava als Erstes und streckte ihre Hand nach ihr aus. Doch sie konnte das Schutzschild nicht durchbrechen und zog ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. „Es geht nicht weg.“

Max kniete sich neben seine Frau und als er das Schutzschild berührte verschwand es. „Liz?“ sagte er in einer gebrochenen Stimme und legte seine Hand an ihre Kopfwunde. „Oh Gott…“ Er heilte ihre Kopfverletzung und nahm sie dann auf seine Arme. Sie lebte. Und das war das einzig Wichtige was im Moment zählte, denn alles andere konnte er verkraften.

„Geht es ihr gut?“ wollte Kyle wissen, als er neben neben Max herlief und mit besorgten Augen auf Liz herabsah. „Du hast sie geheilt, warum wacht sie nicht auf?“

Keiner wusste mehr wie die nächsten Minuten vergingen. Isabel saß mit Jesse am Boden. Connor lag bewusstlos neben ihnen. Max saß mit Liz in seinen Armen wenige Meter von ihnen entfernt und weinte. Maria hockte ihm gegenüber und strich Liz immer wieder durch die Haare und weinte ebenfalls. Michael versuchte sie zu beruhigen, indem er neben ihr kniete und ihr beruhigende Worte zuflüsterte. Kyle beobachtete alles mit Tränen in seinen Augen und hielt Avas rechte Hand fest. Die linke Hand presste diese gegen ihren Mund um die aufkommenden Emotionen zu unterdrücken. Noch einen Verlust hätten sie alle nicht überstanden.

„Max?“ Ein zartes Hauchen war Marias, normal so temperamentvolle, Stimme. „Kannst du sie nicht wecken? Damit ich ihre Stimme hören kann und weiß, dass es ihr gut geht?“

Max der sich inzwischen wieder etwas beruhigt hatte, legte seine Hand an Liz‘ Stirn um eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Doch er kam nicht dazu sie zu wecken, weil ein lautes „Verdammt“ ihn unterbrach.

„Cal!“ rief Michael aus, als er ihn in dem sich auflösenden Rauch erkannte.

Cal hob überrascht seine Augen und sah der jungen Gruppe in die Augen. Sie lebten alle. Manche schienen traurig, manche unbewegt und zwei sahen aus, als würden sie… irgendetwas stimmte nicht. Vielleicht war der Grund derselbe, warum sie auch das Feuer frühzeitig gelöscht hatten. Aber den Schaden, den er dem FBI zufügen wollte, hatte er dennoch verursacht. „Schön, dass es euch gut geht“, murmelte er und dachte genau das Gegenteil. Er hätte schneller sein müssen, dann wäre er sie nun ein für allemal los geworden.

„Schön, dass es uns gut geht?!“ erwiderte Kyle laut und alle sahen verwirrt zu ihm. Bis auf Maria, die noch immer mit ihrer Freundin am Boden saß und Cal finster anblickte. Max war inzwischen aufgestanden und hatte sich neben Michael gestellt. Er wusste Liz ging es gut, oder zumindest, dass sie außer Lebensgefahr war. Vielleicht war es sogar besser wenn sie noch etwas länger schlief. „Du wolltest alle umbringen!“ unterbrach Kyle harsch seine Gedanken. Was ging hier vor sich?

„Kyle wovon redest du?“ Max‘ Blick und seine Stimme verlangten eine Antwort. Noch immer saß der Schock über Liz’ Zustand tief. Und Kyle konnte alle seine Gefühle spüren. Die Wut, die er in erster Linie gegenüber sich selbst verspürte. Er hätte wissen müssen, dass Liz nicht auf ihn hören würde und anders handeln sollen. Nur wie?, dachte sich Kyle. Warum lud sich Max immer solche Lasten auf die Schultern? Er war auch wütend auf ihn, das konnte er spüren. Warum auch nicht? Er hatte es nicht einmal geschafft seine Ehefrau bei sich zu behalten, obwohl sie ihm anvertraut wurde.

„Liz hatte eine Vision, bevor sie zu euch rein gerannt ist. Sie sagte, Cal wolle das Gebäude in die Luft sprengen und euch töten.“

„Kyle, wir wussten, dass er das Gebäude sprengen wollte. Er war so abgemacht“, entgegnete Michael ruhig, doch etwas nagte an ihm. Er wollte es sich nicht eingestehen, da Nasedo bereits ein Verräter gewesen war und er hoffte, dass es diesmal anders ablaufen würde.

„Nein nein, der Kleine hat schon Recht. Ich wollte das Gebäude zerstören und euch darunter begraben. Ein für allemal.“ Cal war wie immer ruhig und hielt seine Wortwahl knapp. In einem Atemzug sprach er von seinem Mordplan und zuckte nicht einmal mit der Wimper. Der Unterschied zwischen einem vollblütigen Alien und einem Hybriden kam hier zum Vorschein. Cal besaß einfach kein Gewissen. Er konnte ein Dutzend Menschen töten und einen Witz darüber reißen. Er versuchte sogar seine eigenen Schützlinge umzubringen. „Es war geplant, dass ihr ums Leben kommt, nicht die Königin.“

„Sie ist nicht tot, du Bastard!“ schrie Maria von ihrem Platz aus und drückte Liz noch fester an sich. Du würdest schon lange nicht mehr am Leben sein, wenn Liz gestorben wäre. Nicht so lange Max am Leben ist.

„Welch ein Glück“, erwiderte Cal sarkastisch. Kein anderer sprach ein Wort. Nicht einmal Michael, der normalerweise nie zu geschockt war um etwas zu sagen.

„Aber du kannst uns doch gewollt gar nicht töten?“ protestierte Ava schwach. Sie waren von Verrätern umgeben, erst Rath und Lonnie, die Zan umgebracht hatten und nun Cal, der sie alle töten wollte.

„Deshalb war dies ja der perfekte Plan. Ich hätte euren Tod nicht aus eigener Hand verursacht und hätte meinen Eid umgangen. Das einstürzende Gebäude hätte euch getötet, und ich musste es nur zum Einstürzen bringen. Max hat mir das sogar befohlen.“

„Einen Dreck hat er!” schrie Michael. „Du hättest das machen sollen, nachdem wir das Gebäude verlassen haben du Mistkerl.” Er ballte die Fäuste und lief auf ihn zu, als Max ihn mit einer Hand am Arm hielt und daran hinderte.

„Du hättest sie fast umgebracht!“ presste Max hervor und warf einen Blick auf Liz‘ blasses Gesicht. „Ich wusste nicht, dass du uns so sehr hasst. Ich hatte geglaubt Liz hätte einen Draht zu dir gefunden.“

„Es geht nicht um den Hass, eure Hoheit. Es geht darum, dass wir durch euch immer wieder auffallen. Ihr konntet nicht einfach ruhig bleiben und unter den Menschen leben. Nein, ihr musstet ja eine Horde von Leuten dazu bringen euch zu verfolgen. Doch wo passe ich da mit rein? Erst verliere ich alles, weil du mich zu etwas zwingst was ich gar nicht möchte. Alles was ich mir in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut habe…puff und alles weg.“ Er hob die Hände in die Luft und wand sich von ihnen ab. „Ihr habt es überlebt, schön und gut für euch, schlecht für mich. Aber ab jetzt werdet ihr mich nie wieder finden können. Keine Adresse, kein Telefon, lasst mich mein Leben leben und lebt ihr eures. Jetzt wo alles vernichtet ist könnt ihr wieder nach Hause und braucht meine Hilfe nicht mehr.“ Noch einmal wand er sich um und sah seinem König direkt in die Augen. „Wir gehen nun geschiedene Wege eure Hoheit.“

Keiner konnte oder wollte ihn am Gehen hindern. Zu geschockt, verwirrt standen sie alle da und sahen ihm hinterher. Mit einem gelassenen Gang begab er sich zu seinem Wagen und setzte sich ans Steuer. Er warf keinen einzigen Blick hinter sich, als er den Motor zündete und nur noch sagte: „Beeilt euch und verschwindet. Ansonsten finden euch das Militär und die Feuerwehr hier, wenn sie kommen und der ganze Trubel geht von vorne los. Der heutige Tag soll nicht umsonst gewesen sein.“ Er hatte sich die Warnung verkneifen wollen, doch seine Gene hatten es nicht zugelassen. Er war und blieb nun einmal der mitgeschickte Beschützer, auch wenn er das schon lange nicht mehr sein wollte.

***

Max kam schnell zu sich und sah sich um. Bisher war nichts in der Gegend zu erkennen. „Los alle in den Van. Michael hilf‘ du Isabel mit Jesse. Kyle, Ava helft Connor hoch und bringt die beiden zum Kofferraum.“

„Was ist mit Liz?“ wollte Maria panisch wissen.

„Liz trage ich.“ Mit Leichtigkeit hob er sie auf seine Arme und trug sie zum Wagen.

„Wo bringt ihr mich hin?“ murmelte Connor, der immer wieder bewusstlos wurde und wieder zu sich kam. Seine Beine knickten ein, sodass Kyle und Ava ihn festhalten mussten. Ebenso erging es Jesse.

„In Sicherheit“, erwiderte Kyle die Frage und hob ihn in den Kofferraum. „Wer fährt?“

Max sah einen Moment alle an und blickte dann auf Liz in seinen Armen hinab. „Isabel bleibt bei Jesse, Kyle du bleibst bei ihr und kümmerst dich um Connor. Michael du fährst und Ava du musst mit nach vorne, falls wir deine Kräfte brauchen.“ Er schwieg einen Moment und sah Marias kleine Hand, die in Michaels Sweatshirt festgekrallt war. Sie war völlig aufgelöst und konnte nicht aufhören zu weinen. Er konnte es verstehen, sie hätte fast ihre beste Freundin und ihren Freund verloren. Er schloss für einen Moment seine Augen und traf dann eine Entscheidung. „Maria du gehst mit nach vorne. Setz dich zwischen Michael und Ava. Ich gehe mit Liz auf die Rückbank.“

Michael kletterte hastig hinters Steuer und drückte Marias Hand bevor er den Motor startete und raus in die Dunkelheit fuhr. Er war froh Maria neben sich zu haben und zu wissen, dass sie sicher war. Dennoch fragte er sich warum Max sich so entschieden hatte und hoffte, dass es die richtige Entscheidung war. Denn bisher waren immer Max, Ava und er selbst vorne gefahren. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihm aber, dass der Ehemann erneut vor den Anführer gerückt war. Im Falle eines Angriffes mussten sie es ohne Max schaffen.

„Liz? Du musst aufwachen.“ Liebevoll strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie lag mit ihrem Oberkörper auf seinem Schoß und atmete ruhig. Doch er wollte sie nicht länger schlafen lassen, er wollte in ihre Augen sehen. Er wollte ihre Stimme hören und sich vergewissern, dass es ihr auch wirklich gut ging. Er legte seine rechte Hand an ihre Schläfe und baute in der nächsten Sekunde eine Verbindung zu ihr auf. Doch irgendwie schien alles leer zu sein. Er fühlte sich als wäre er in einem Raum gefangen, in einem dunklen Raum aus dem keine Informationen strömten. „Was ist denn jetzt los?“ murmelte er und wollte es erneut versuchen, als ein Seufzer ihn unterbrach. Liz kam langsam zu sich und stöhnte leise, als sie ihr Gesicht an seinen Bauch drückte und ein Lächeln sich auf ihre Lippen legte. Er lächelte ebenfalls und sein Herz füllte sich mit seiner Liebe. „Liz? Liebes, kannst du mich hören?“

Liz blinzelte mehrmals als sie endgültig ihre Traumwelt verließ und gewöhnte sich an die Dunkelheit im Wagen. Sie fühlte sich, als hätte ein Lastwagen sie überrollt und schob ihre Hand an ihre Schläfe, wo sie bis vor kurzem noch eine blutende Wunde gehabt hatte. „Was…was ist hier denn los?“ gab sie in einer erschöpften, verwirrten Stimme von sich.

„Ich bin so froh, dass es dir gut geht“, sagte Max und drückte sie an sich. Er fühlte ihr Herz schlagen und schloss erleichtert seine Augen. Als er sie wieder öffnete sah er in Marias lächelndes Gesicht, die sich umgedreht hatte und das Pärchen liebevoll ansah.

Doch das Lächeln erlosch auf ihren Gesichtern, als Liz gegen Max drückte und ihn von sich schob. „Was ist hier los?!“ verlangte sie zu wissen und befreite sich aus der Umarmung. Sie rutschte ans andere Ende der Rückbank und drückte ihren Rücken gegen die Seitenwand des Vans. „Wer zum Teufel seid ihr?“ Ein schmerzvolles Seufzen löste sich aus ihrer Kehle und sie langte sich erneut an den Kopf. Isabel und Kyle sahen geschockt auf Liz und auch Maria und Ava hatten sich voll umgedreht. Nur Michael hielt seine Augen auf die Straße gerichtet und fuhr so schnell er konnte.

„Liz, Liebes, wovon redest du?“ fing Max an und streckte die Hand nach Liz aus, aber sie schlug sie weg und schüttelte wild mit dem Kopf.

„Komm‘ nicht näher. Was mache ich hier? Und wo bin ich? Wer seid ihr eigentlich? Habt ihr mich gekidnapped?“

„Liz! Komm‘ mal wieder runter“, rief Kyle und erntete einen Blick, den er nicht wiedererkannte. Im Moment sah er nicht Liz vor sich oder zumindest kam es ihm so vor. Und dann öffnete er die Blockade in sich um zu spüren was hier vor sich ging. „Sie hat Schmerzen“, stellte er laut fest und nutzte seine Kräfte. „Und ich schwöre euch, sie hast Angst vor uns.“

„Wie sie hat Angst? Doch nicht vor uns?“ staunte Isabel, weil Jesse nun erschöpft eingeschlafen war und sie sich auch auf die anderen konzentrieren konnte.

„Liz…“ versuchte Max es erneut und rutschte etwas näher.

„Liz?“ wiederholte diese und zog die Augenbrauen in die Höhe. „Wer ist Liz?“

Die Verwirrung wuchs im Van und sorgenvolle Falten legten sich über Max‘ Stirn. „Liz, du bist Liz. Liz Evans.“

„Nein, ich heiße nicht Liz“, widersprach sie und sah in das beängstigte Gesicht von Maria. Was war in diesem Wagen los? Aber sie würde kein Teil davon werden, diese Menschen würden sie sicher gehen lassen und sie würde nach Hause gehen. Nach Hause… die Kopfschmerzen wurden stärker als sie über ihren Wohnort nachdachte. Es konnte doch nicht sein, dass sie ihre Adresse vergessen hatte, aber darum würde sie sich erst kümmern, wenn sei frei war.

„Wie heißt du dann?“ wisperte Maria und erneut bildeten sich Tränen in ihren Augen.

„Ich heiße…ich…“ Liz stockte und sah auf ihre Hände hinab. „Mein Name…“ und dann füllten sich ihre Augen ebenfalls. „Oh Gott, ich weiß meinen Namen nicht mehr“, flüsterte sie und wischte sich über die nassen Wangen. „Ich…i-ich hab‘ keine Ahnung was ich hier mache oder wer ihr seid…oder wer ich bin“, gestand sie schmerzerfüllt.

„Du bist meine Frau, Liz. Du und ich sind verheiratet. Ich bin’s…“ Und als ihm einfiel, dass sie nicht einmal seinen Namen wusste, fügte er hinzu: „Ich bin es…Max. Erkennst du mich denn nicht wieder?“

Sie schüttelte nur den Kopf und wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht.

„Max, sie scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben. Du kannst ihre Amnesie sicherlich heilen“, schlug Ava vor und lächelte Liz ermunternd zu. „Keine Sorge, Max kümmert sich schon um dich“, meinte sie in einer sanften Stimme und folgte Michaels Anweisung sich wieder nach vorne zu drehen. Es war dunkel und er konnte alleine nicht alles erkennen, da sie ihre Schweinwerfer gedimmt hatten.

Max‘ Herz brach in Stücke, als er sich seiner Frau nähern wollte und sie zusammenzuckte. „Bitte, komm‘ nicht näher“, bat sie ihn und er schloss gequält seine Augen. Sonst sagte sie immer…Max, komm zu mir. Max… Wie sie normalerweise seinen Namen immer sagte ließ ihn erschauern. Nun, wusste sie ihn noch nicht einmal.

„Okay, ich bleibe genau hier. Aber ich muss dich an deiner Schläfe berühren um dir zu helfen. Du musst mir vertrauen.“

„Du musst mir vertrauen, Liz.“

„Ich vertraue dir, Max. Daran hat es nie gefehlt…“


„Nein, bitte fass‘ mich nicht an.“ Sie sackte in sich zusammen und weinte wieder. Wo war sie? Und wo war ihre Familie? Wer war ihre Familie? Je mehr Fragen sie sich stellte, desto mehr Kopfschmerzen bekam sie und wurde hysterischer. Was ist wenn diese Leute sie gehen lassen würden, was sie ja eigentlich wollte? Wo würde sie hingehen? Zu wem würde sie gehen? War dieser Max wirklich ihr Ehemann? Sie schluchzte laut und erzitterte am ganzen Körper.

„Max, du musst sie beruhigen“, flüsterte Maria.

„Liz, nur einen Moment, wirklich, danach wirst du dich an alles erinnern.“

„Wie willst du das machen?“ schrie sie ihn an und weinte nur noch mehr. „Du kannst mir nicht helfen!“

„Liz, ich kann dir helfen, du musst es nur zulassen.“ Er versuchte gut auf sie einzureden, aber es machte sie nur noch wütender. Maria versuchte sie zu beruhigen, aber es brachte nichts. Und als Max erneut nach ihr greifen wollte schlug sie um sich und ihre Hände leuchteten grün.

„Oh Gott…“ sagte sie nur schockiert und sah sich das Unglaubliche an. „Was habt ihr mir angetan?“

„Max, du musst etwas tun“, meinte Maria genauso hysterisch und deutete auf die panische Liz, die so aussah, als würde sie gleich aus dem fahrenden Wagen springen.

„Es tut mir Leid, Liz“, wisperte Max, hielt ihre Arme fest und presste seine Hand an ihre Schläfe und eine Sekunde später schlief Liz erneut.

„Was hast du getan?“ wollte Kyle laut wissen, dem es gar nicht gefiel, wenn sie ihre Kräfte untereinander anwendeten.

„Ich hab sie in den Schlaf geschickt. Wenn ich es nicht getan hätte, hätte sie entweder sich selbst verletzt oder mit ihren Kräften einen Schaden angerichtet. Jetzt kann ich sie in Ruhe heilen.“

Sie leuchtet so wie Maria, wollte Kyle antworten, aber entschied sich dagegen. Sie selbst schien es durch die Sorge um ihre Freundin vergessen zu haben und er wollte ihre Probleme im Moment nicht noch vergrößern.

„Es funktioniert nicht.“

„Was?“ Das war Ava.

„Ich kann keine richtige Verbindung zu ihr aufbauen. Es ist alles irgendwie…leer in ihrem Kopf. Ich kann sie nicht heilen wenn ich nicht reinkomme… Es ist eine mentale Verletzung, ein Selbstschutz, den ich nicht aufheben kann.“ Seine Stimme brach am Ende und er vergrub sein Gesicht in Liz‘ Halsbeuge, da er sie auf seinem Schoß platziert hatte und sie fest umarmte. Er konnte Liz nicht verlieren, das wusste er. Er würde tun was er konnte um sie zurückzuholen. Zurück zu ihm.

Alle wussten nur zu gut was Max‘ Worte bedeuteten. Ihre Liz, die sie bisher gekannt hatten war vielleicht auf eine ungewisse Zeit verschwunden, wenn nicht für immer, wenn er keinen anderen Weg finden würde zu ihr durchzukommen.

***

Ein paar Stunden später, als sie bereits die Staatsgrenze überquert hatten hielten sie an. Connor und Jesse waren zwischenzeitlich immer wieder aufgewacht. Je mehr Zeit verging desto länger konnten sie wach bleiben, bis die Medikamente in ihrem Körper sie erneut in den Schlaf schickten. Jedes Mal stellte Connor andere Fragen, war jedoch zu schwach um auf Antworten zu beharren. Sie sagten ihm jedes Man, dass sie ihn in Sicherheit bringen würden und dem glaubte er. Alles war besser als in den Händen dieser Agenten zu sein.

„Wo sind wir jetzt?“ wollte Maria wissen, als sie aus dem Fenster sah und nichts erkennen konnte. Es war noch immer stockdunkel, aber sie wollten eine Bleibe finden, bevor der Tag anbrechen würde. Zunächst einmal würden sie sich verstecken und abwarten was passieren würde. So einen Brand konnte man nicht vertuschen, ohne dass es die Menschen mitbekamen.

„In Colorado“, erwiderte Michael und forderte alle auf, auszusteigen. Max nahm erneut Liz auf die Arme und er ging um Isabel zu helfen. „Maria, nimm die letzten Essenvorräte aus dem Wagen.“ Sie verließen alle den Wagen und liefen auf die Scheune zu, für die sich Max und Michael entschieden hatten. Sie waren bereits an mehreren vorbeikommen, doch jedes Mal war die Farm zu dem die Scheune gehörte in unmittelbarer Nähe gewesen. Bei der ersten wo dies nicht der Fall war, hatten sie angehalten.

Innen bemerkten sie, dass es keine Tiere gab, aber viel Heu und etwas Stroh. Ava streute an zwei Stellen Stroh auf dem Boden aus und sie legten die beiden Verletzten darauf. Im Moment schlief Connor, doch Jesse war wach und sein Kopf lag in Isabels Schoß. Er hob die Hand an ihre Wange und zuckte zusammen als Schmerzen in ihm explodierten. „Warum tut das so weh?“ Er begutachtete seine rechte Hand und sah etwas Oranges um seine Hand gewickelt und er erinnerte sich wieder. „Die Schusswende! Dieser Carter hatte mir in die Hand geschossen.” Dann eine Pause. „Ist das dein Schal?“

„Max wird sie heilen, Schatz. Er hätte es sofort getan, aber er war noch zu schwach und danach mussten wir so schnell fliehen.“ Im Wagen hatte Jesse die meiste Zeit geschlafen und sie hatte ihm mit ihren Kräften seine Schmerzen fast nehmen können. „Max?“ erklang ihre Stimme leise in der kleinen Scheune und alle Augenpaare richteten sich auf sie. „Könntest du Jesses Wunden heilen? Ich weiß du hast…du bist…“ Ihre Augen wanderten zu Liz‘ Gestalt, die neben Max auf dem Boden lag. Er kniete neben ihr und hatte sie beobachtet, bis seine Schwester nach ihm gerufen hatte.

Max begab sich neben Jesse und heilte seine gröbsten Wunden. Er untersuchte ihn auf innere Verletzungen und nickte dann. „In ein paar Stunden bist du so gut wie neu. Ich habe die Schnittwunde in deinem Gesicht zum größten Teil geheilt, sie wird nicht schmerzen. Aber wenn du nichts dagegen hast würde ich die Narbe vorerst so lassen bis ich Liz aufwecke und ihr alles erkläre. Sie soll sehen wie ich die Narbe verschwinden lasse.“

Jesse nickte nur und fragte Isabel was denn mit Liz los war sobald Max sich von ihnen abgewendet hatte. Als nächstes kniete er neben Connor nieder, der bei Ava und Kyle auf dem Boden lag. „Ich glaube er hat die meisten Schnitte am Rücken“, erklärte Ava und sie setzten ihn auf, damit Max es sich ansehen konnte.

„Was ist passiert?“ murmelte Connor, der zu sich kam und sich umsah. Er erkannte den Ort nicht wieder, aber sah dann in Kyles vertrautes Gesicht, der ihm in den letzten Stunden immer wieder gesagt hatte, dass er in Sicherheit war. Keiner antwortet ihm, nur Ava drückte seine Hand, als Max seinen Rücken wieder in Ordnung brachte. Kurz darauf legte er seine Hand an die lange Schnittwunde auf seiner Brust. „Was? Was macht er da?“ fragte Connor geschockt und sah an sich hinab. Er sah wie Max‘ Hand leuchtete und kurz darauf seine offene Wunder verschwand. „Wer zum Teufel seid ihr?“ wollte er wissen und machte große Augen.

„Du wirst wieder gesund“, sagte Kyle. „Wir erklären dir alles später.“

„Nein, ich will es jetzt wissen. Wie konnte er das tun? Halluziniere ich immer noch? Carter, du dreckiges Schwein, ist das so eine Reality Show? Willst du, dass ich anfange wirklich an so etwas zu glauben?“ Er sah hin und her und tat so, als gäbe es noch etwas, was er nicht sehen konnte. „Geh und such deine Aliens selber, ich glaube nicht an so etwas.“

„Connor, Carter ist tot. Du bist jetzt hier mit uns, in Sicherheit. Max, kannst du noch die Drogen in seinem Blut neutralisieren? Ich denke er hat mehr bekommen als Jesse.“ Max tat worum er gebeten wurde und begab sich dann erneut auf die Beine, er schwankte etwas, nachdem er seine Kräfte so oft und intensiv eingesetzt hatte. Ein letztes Mal drehte er sich dennoch zu einem bewussten Connor um. „Warte noch etwas, dann erkläre ich dir alles. Hab‘ keine Angst vor uns.“

„Ihr habt mir das Leben gerettet“, antwortete dieser nur und schloss erschöpft seine Augen. Er hatte Liz am Boden gesehen und wusste zwar nicht was passiert war, aber er konnte die Aufruhr verstehen. „Ich kann warten. Aber könnte ich etwas zu trinken haben?“ Kyle gab ihm Wasser von der letzten Flasche, die sie hatten. Nachdem Connor etwas getrunken hatte zogen sie ihm Michaels Jacke an. Jesse trug bereits die von Max.

„Maria, wie geht es dir?“ fragte Max die zierliche Blondine, die neben Liz saß und ihr über das Gesicht streichelte. Michael saß mit gespreizten Beinen hinter ihr und lehnte seine Stirn an ihren Rücken. Er schien als könnte er ein paar Stunden Schlaf gebrauchen.

„Mir geht es gut“, erwiderte sie leise und versuchte zu lächeln.

„Maria, vielleicht solltest du ihnen jetzt erzählen was passiert ist“, warf Kyle ein. An Marias großen Augen bemerkte er, dass sie es vergessen hatte.

„Was ist passiert?“ wollte Michael sofort wissen und rutschte zur Seite, damit er sie ansehen konnte.

„Als ihr in der Basis ward sind komische Sachen passiert“, gestand sie ohne jemand Bestimmtes anzusehen.

„Komisch?“ erklangen Max‘ und Michaels Stimme gleichzeitig. „War etwas mit Liz?“

Maria schüttelte den Kopf und stand auf. Ihre schwitzenden Hände rieb sie an ihren Beinen und konnte nicht ruhig stehen bleiben. „Die Lampe im Wagen ist geplatzt und der Airbag wie ihr gesehen habt auch.“ Michael nickte nur zustimmen, der den aufgegangen Airbag bemerkt hatte aber ihn in der Eile einfach nur geschrumpft hatte. „Ich dachte erst Kyle sei es gewesen…ihr wisst ja wie nervös er wird wenn er ängstlich ist.“ Sie versuchte einen Witz zu machen, weil sie an ihre eigene Situation nicht denken wollte. Es machte ihr Angst und sie fürchtete, dass ihr dasselbe passieren würde wie Liz damals, als sich ihre Kräfte zum ersten Mal gezeigt hatten. Vielleicht würde sie Michael ebenfalls nicht mehr berühren können? Und vielleicht würde er sogar aus diesem Grund erneut einen Rückzieher machen und sich vor ihr verschließen.

„Ich war es nicht“, stellte Kyle nur fest. „Und außerdem war ich auch nicht ängstlich, ich habe mir lediglich Sorgen gemacht.“ Ava schenkte ihm ein Lächeln, doch die anderen zogen die Aufmerksamkeit erneut auf sich.

„Wer war es dann?“ wollte Max wissen. Eigentlich wollte er gleich zu Liz und sie wecken und mit ihr reden, aber solange dieses nicht geklärt war, konnte er nicht. Denn er wollte keine Unterbrechung wenn es soweit sein sollte. Er hatte nur eine Möglichkeit seine Frau zurückzuholen und das war ihr Vertrauen zu gewinnen.

„Ich bin es gewesen“, meinte Maria leise und Michael sprang sofort auf die Beine.

„Was soll das heißen?! Ich bin es gewesen.“

„Meine Hände haben grün geleuchtet, es war genauso wie damals, als es bei Liz angefangen hat.“

„Willst du mir damit sagen, dass du Kräfte entwickelst?“ Michael sah aus, als würde er gleich umfallen und die anderen schwiegen nur. Max kratzte sich angespannt an der Augenbraue. Es schien als würde sich diese Diskussion in die Länge ziehen.

„Ich denke, dass könnt ihr vorerst ohne mich besprechen. Entschuldigt.“ Er begab sich an Liz‘ Seite.

„Ja, Michael, ich denke, dass ich wirklich Kräfte entwickle, aber ich weiß nicht wieso. Ich meine Liz und Kyle wurden von Schusswunden geheilt, aber mir ist noch nie so etwas geschehen.“ Kyle hörte den beiden zu und beobachtete gleichzeitig Isabel und Jesse. Jesse sah nämlich geschockt auf seine Hand und Isabel nickte nur.

„Denkst du, dass mir das auch passieren könnte?“ fragte Jesse in einer ruhigen Stimme. Es gab keine Privatsphäre in dieser Scheune, so wie es fast immer war. Im Van konnten sie nicht ein Wort sagen, ohne dass es mindestens zwei weitere Personen hörten und hier konnten sie sich genauso wenig unterhalten. Er setzte sich auf und drehte allen anderen den Rücken zu, immerhin würde er sich und Isabel so etwas abschirmen. Er legte die Beine um sie und stützte seine Stirn an ihre.

„Es kann gut sein, Jesse. Liz und Kyle haben Kräfte entwickelt, es würde mich wundern, wenn es bei dir anders sein sollte.“

„Warum siehst du mich nicht an? Ich habe dich nun schon so lange nicht mehr gesehen. Warum siehst du mir nicht in die Augen?“ In Wirklichkeit waren nur drei Tage vergangen, seit er Isabel gesehen hatte, aber ihm kam es wie eine halbe Ewigkeit vor.

„Ich wollte dich unbedingt von diesem Chaos fernhalten und nun wirst du direkt mit hineingezogen. Es tut mir so Leid…“

Jesse küsste sie zärtlich auf die Lippen und brachte sie zum Schweigen. „Liebling, ich wäre gestorben wenn ihr mich nicht gerettet hättet. Ich verdanke dir und den anderen mein Leben.“

„Du wärst gar nicht in Gefahr gewesen, wenn ich dich nicht besucht hätte.“ Sie sah auf in seine Augen und sah sein kleines Lächeln. „Was ist? Worüber lächelst du?“

„Ich denke zurück an deinen Besuch. An die schönen Stunden, die wir zusammen verbracht haben. Musst du nicht lächeln, wenn du daran denkst?“ Ein breites Grinsen legte sich über ihre Lippen, was sie nicht verhindern konnte. „Und im Moment danke ich Gott für diese Wunden und dafür dass Max mich geheilt hat. Denn nun könnt ihr mich nicht mehr zurücklassen, gleichgültig wohin ihr, du, gehst, ich werde mitgehen.“ Er drückte Isabel an sich und ließ sie erneut an seiner Brust weinen. „Shh…nicht mehr weinen, jetzt ist alles vorbei und wir bleiben zusammen.“


„Woher willst du wissen, dass du es gewesen bist? Vielleicht hat Kyle die Lampe zum Platzen gebracht. “ Michaels laute Stimme zog erneut Kyles Aufmerksamkeit auf sich. Michael schien verärgert, denn Marias scheinbar neuen Kräfte passten ihm überhaupt nicht ins Konzept.

„Hörst du mir denn nie zu?“ beschwerte Maria sich. „Ich sage doch, dass meine Hände grün geleuchtet haben!“ Zur Betonung schob sie ihre Hände in die Luft, aber es passierte nichts Ungewöhnliches. „Das ist der Vorführeffekt. Frag‘ doch Kyle, er hat es mit eigenen Augen gesehen.“ Sie wand sich an diesen, der ein paar Meter von ihnen entfernt stand und ihnen offensichtlich zuhörte. „Dir glaubt er bestimmt.“

„Ich weiß nicht wie, aber sie sagt die Wahrheit, Michael. Ihre Hände haben grün geleuchtet, es sah genauso aus, wie damals, als Liz ihre Kräfte bekommen hat.“

„Vielleicht hat Max dich doch einmal geheilt? Denk gut nach“, forderte Michael sie auf.

„Spaceboy, hältst du mich für bescheuert? Wenn Max das getan hätte, dann wüsste ich das. Ihr sagt doch ihr habt immer Visionen dabei, und ich hatte noch nie eine…außer von dir“, gab sie mit einer leisen Stimme zu und ließ sich neben ihm nieder, denn inzwischen saß er auf einem Heuhaufen.

„Warum hast du es mir nicht gleich erzählt? Es sind Stunden vergangen seit wir losgefahren sind. Du hast die ganze Zeit neben mir gesessen, denkst du nicht, dass das wichtig ist?“

„Ich habe mir Sorgen um Liz gemacht“, gestand Maria die halbe Wahrheit und sah sich nach den beiden um. Liz saß auf dem Boden und Max kniete neben ihr. Er sprach leise auf sie ein und sie konnte genau sehen, wie er seine Hand ausstrecken und sie berühren wollte, aber er konnte nicht. Sie legte ihre Hand auf Michaels Knie, weil sie den Anblick nicht ertrug. Sie konnte sich nicht vorstellen ihren Michael zu vergessen. Niemals. Er ignorierte jedoch ihre Hand, aber zog immerhin sein Knie nicht weg. „Michael?“

„Du sagst nicht die ganze Wahrheit.“

„Ich habe es dir doch gesagt. Es war wegen Liz…“

„Nein, das stimmt nicht. Kyle hat es angesprochen und dann musstest du es sagen. Denkst du ich höre nicht das Zittern in deiner Stimme? Du lügst vielleicht nicht, aber du sagst auch nicht die ganze Wahrheit“, stellte er fest und schob diesmal sein Knie weg.

„Ich hatte Angst.“

Lange Zeit sagten sie beide nichts, aber dann brach er das Stillschweigen. „Ich weiß und ich bin Schuld.“ Genau davor hatte sie Angst gehabt. Leicht schüttelte sie den Kopf und drückte seine Hand. Und diesmal berührte er ihr Bein mit seinem und drückte sich näher an sie.

„Sieh‘ wovor ich Angst hatte.“ Daraufhin hob sie ihren Blick und presste ihre Lippen auf seine. Und eine wohlbekannte Vision erschauerte seinen Körper, als er seine Hand an ihren Hals legte und den sanften Kuss erwiderte.

*

Maria lief auf Michael und Max zu und hörte wie Michael sich selbst als schlecht bezeichnetet. Im nächsten Moment drehte dieser sich zu ihr und sein Gesichtsausdruck zeigte keinerlei Emotionen. „Verschwinde hier.“

Maria, die damit nicht gerechnet hatte erwiderte ein „Was meinst du damit?“ und folgte ihm, als er sich von den anderen entfernte. Sie wollte bei ihm bleiben und die letzten Minuten mit ihm zusammen verbringen, bevor sie gehen und Nasedo retten würden.

„Es ist gefährlich“, erwiderte Michael und blieb nicht stehen. Er hatte eben einen Menschen umgebracht, er fragte sich warum sie überhaupt noch mit ihm sprach. Wie sie sich ihm noch nähern konnte, nachdem was er getan hatte?

Doch Maria ließ nicht locker. „Es war immer gefährlich. Was ist jetzt auf einmal anders?“ wollte sie von ihm wissen. Sie konnte nicht verstehen, warum er sich wieder zurückzog. Vor ein paar Stunden war noch alles in Ordnung gewesen. Als er sich auf die Suche nach Max und Liz gemacht hatte, war alles noch in Ordnung gewesen.

Michael wurde etwas lauter und antwortete: „ Nein,
ich bin gefährlich. Weißt du, ich meine… ich kann es nicht kontrollieren, wenn ich solche Dinge tue wie mit Pierce. Ich möchte auf keinen Fall riskieren, dass du dabei bist wenn so etwas wieder passiert.“ Er wollte sie nicht verletzten, aber er sah keinen anderen Ausweg.

„Warte!“ Sie fasste sein Handgelenk, als er gehen wollte. „Tu mir das nicht an Michael, bitte, du brauchst mich jetzt mehr denn je zuvor, verstehst du?“ Sie sah ihn mit ihren großen Augen an und bat ihn insgeheim darum aufzuhören. Sie wollte für ihn da sein, genauso wie sie wollte, dass er für sie da sein würde.

Doch hier kam der sture Michael Guerin wieder zum Vorschein, der niemand an sich heran ließ. „Nein ich brauch‘ niemanden.“

„Aber ich vielleicht, hast du schon mal daran gedacht?“ Erneut hielt sie ihn auf und übersah Michaels Geste, als er seine Augen für einen Moment schloss. Seine Mauer um sich herum fing an zu bröckeln, aber er würde es schaffen und Maria von ihm entfernen. Sie hatte etwas Besseres verdient und keinen Mörder. „Ich meine sieh dir Max und Liz an, die können es kaum ertragen wenn man sie trennt. Aber du, du kannst mich einfach so wegwerfen, warum Michael, warum?“

Wieso konnte er nicht widerstehen? Wieso musste er in ihre Augen sehen und daraufhin die Wahrheit sagen. „Vielleicht weil ich dich zu sehr liebe, Maria.“ Noch einmal blickte er ihr tief in die Augen, denn danach gab es kein Zurück mehr. „Leb wohl.“

*


„Maria…“, sagte Michael leise und hielt sie weiterhin an der Wange fest. „Du denkst ich würde dich verlassen?“ er sprach noch leiser, in der Hoffnung, dass die anderen nicht jedes Wort verstehen würden.

„Du willst immer nur das Beste für mich und Michael ich weiß, dass du mich liebst…ich habe nur Angst, dass du mich genau deshalb wieder wegschickst. Ich möchte hier bleiben, bei dir.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie ihre Hand an seine Brust drückte und sein Sweatshirt festhielt. „Deshalb wollte ich es dir am Anfang nicht sagen…ich hatte einfach Angst, dass du…“

„Nein, das werde ich nicht. Ich meinte lediglich, dass ich Schuld an dem Schlamassel bin, da ich hier der Alienhybrid bin und nicht du. Ich lasse dich nicht gehen, Maria. Inzwischen würde ich dich nicht einmal mehr gehen lassen, wenn du es selbst wollen würdest.“


Kyle, Ava und Connor kamen sich wie Voyeure vor. Isabel und Jesse saßen sich auf dem Boden gegenüber, redeten und tauschten immer wieder Küsse miteinander aus. Maria und Michael saßen auf einem Heuhaufen und sie hatte ihr Gesicht gegen seine Brust gedrückt. Einen Arm hatte er um sie gelegt und strich ihr immer wieder durch die Haare.

Max und Liz hingegen saßen nicht nahe beieinander, sondern einen halbe Meter getrennt. Sie saß im Schneidersitz auf dem Boden und Max kniete vor ihr und sprach leise aber bestimmt. Auch ihn konnte man hören und Ava und Kyle schwiegen die meiste Zeit, damit Connor Max‘ Worten lauschen konnte. Vielleicht würde es danach Max erspart bleiben noch einmal mit Connor zu sprechen und ihm zu erklären woher er stammte und was er war.

„Kyle? Kyle?“

„Ja?“ erwiderte Kyle etwas verwirrt und wand den Blick von Max und Liz ab. „Was ist?“ Ava saß dicht neben ihm und sah ihn besorgt an.

„Connor ist wieder eingeschlafen, ich glaube, das was er gehört hat, hat ihn wieder erschöpft. Geht es dir gut?“ wollte sie von ihm wissen.

„Ja mir geht es gut. Ich mache mir nur Sorgen um Liz. Sie war schon immer vorsichtig und misstrauisch, und jetzt hat sie auch noch ihr Gedächtnis verloren. Ich weiß nicht ob Max sie dazu bringen kann ihm zu vertrauen.“

Ava tätschelte ihm den Rücken und nickte zuversichtlich. „Das wird er. Sie ist die Königin und sie beide sind mit dem Siegel verbunden. Wenn es jemand schafft, dann Max.“ Sie gähnte kurz danach und hielt sich die Hand vor den Mund. „Wie können die alle noch so fit sein? Ich bin schrecklich müde.“ Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es schon nach drei Uhr nachts war. Schon bald mussten sie sich überlegen, was sie am nächsten Tag machen würden.

„Willst du dich etwas hinlegen? Ich bin nicht müde.“ Er klopfte mit einem Lächeln auf sein Bein und Ava nahm dankend an. Sie legte sich neben ihn auf die Seite und platziere ihre linke Wange auf seinem rechten Bein. „Ist es bequem?“

„Mhhh…“, erwiderte sie nur und schloss die Augen. Er deckte sie mit seiner Jacke zu und strich ihr die Haare aus dem Gesicht, damit er sie betrachten konnte. Sie sah Tess so ähnlich, sie sahen genau gleich aus, und dennoch hatte Ava andere Gesichtszüge. Sie waren freundlicher, vertrauter, einladender. Bei Tess hatte er einen Bruderinstinkt nach einer Zeit entwickelt, doch bei Ava war das ganz anders. Das was er mit ihr tun wollte, das tat kein Bruder mit seiner Schwester. Seine Phantasien nahmen freien Lauf, als er sie ansah. Er hoffte, dass sie sich bald irgendwo niederlassen würden und versprach sich selber, wenn es soweit war würde er Ava zu einem Date ausführen. Sie hatte noch nie eines und er würde ihr zeigen wie schön es sein konnte.

***

In der Zwischenzeit…

Max ließ Michael vorerst mit Marias Problem alleine. Er fühlte sich nicht in der Lage zuzuhören und etwas dazu zu sagen. Sein Inneres war hohl, solange er nicht wusste ob er seine Liz zurückholen konnte. Zunächst einmal musste er mit ihr reden, sodass sie ihm glauben würde. Er würde ihr ihr einziges gemeinsames Hochzeitsbild zeigen und darauf hoffen, dass sie sich ihm langsam öffnen würde. Und vielleicht war dies der Weg, auch ihre Gedanken zu öffnen. Dann würde er nochmal versuchen sie zu heilen.

Er legte seine Hand an ihre Schläfe und trat dann einen Schritt zurück. „Liz? Wach auf, Liz“, sagte er leise und fuhr ihr durch die Haare. Doch sobald sie im Schlaf seufzte zog er seine Hand zurück und wartete darauf, dass sie zu sich kam. Diesmal war sie ruhiger und blickte gleich auf ihre Hände hinab. Sie leuchteten nicht mehr und nach und nach erinnerte sich an alles, was im Wagen geschehen war.

„Wo sind wir hier?“ wollte sie wissen, als sie auf dem Boden etwas weiter nach hinten rutschte. Noch immer fühlte sie sich so schlecht und die Kopfschmerzen hatten auch nicht nachgelassen.

„Wir haben angehalten um die Verletzten zu versorgen“, erklärte Max, der ihr nicht sagen wollte, dass sie auf der Flucht waren, oder sich zumindest vorerst noch verstecken mussten. Er musste zugeben, dass er über Cals Worte lange nachgedacht hatte und es für keine schlechte Idee hielt vielleicht wieder zurück nach Roswell zu gehen. Aber zuvor mussten sie Liz‘ Situation klären.

„Welche Verletzen?“ fragte Liz. Für sie sahen alle vollkommen in Ordnung aus. Einer lag am Boden und beobachtete sie unverschämt. Zwei saßen neben ihm und taten nicht viel, als durch die Gegend zu sehen. Der Mann blickte auf das Pärchen, das rechts von ihnen nebeneinander saß. Es war die Blondine, die sie im Van mit Tränen in den Augen angesehen hatte. Auf der anderen Seite saßen ebenfalls eine Blondine, die sie sehen konnte und vor ihr ein dunklerer Mann, den sie nur von hinten sah. Keiner schien wirklich verletzt zu sein.

„Komm mit.“ Max stand auf und streckte die Hand nach ihr aus, doch Liz wollte seine Hilfe nicht. Sie bemerkte den schmerzerfüllten Blick von Max nicht, als sie sich selber auf die Beine rappelte und ihm dann folgte. „Jesse, darf ich kurz“, meinte er und unterbrach die Umarmung des Ehepaares.

Isabel wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und sah Liz lächelnd an. „Geht es dir besser?“ Als sie keine Antwort bekam sprach sie weiter. „Ich bin Isabel, Max‘ Schwester. Ich bin deine Schwägerin und das ist mein Mann, Jesse.“

„Liz, sieh her“, forderte Max sie auf und Liz wand den Blick zu ihm. Er zeigte auf eine lange Narbe auf Jesses Gesicht. Danach legte er seine flache Hand darauf und mit einem kurzen Aufleuchten verschwand die Narbe.

„W-was?“ Liz schreckte zurück und machte ein paar Schritte rückwärts. Wegrennen wollte sie, doch Max fasste sie am Arm und hinderte sie daran.

„Liz…? Liz, du musst die Augen aufmachen, du musst versuchen mich anzusehen“, erklang Max‘ panische Stimme in ihrem Kopf. Sekunden später formte sich das dazugehörige Bild vor Liz‘ Augen, dass sie nicht glauben konnte.

*

Max presste seine Hand auf Liz‘ Schusswunde und heilte sie in kürzester Zeit. Erschöpfung spiegelte sich in seine Augen wieder, als er tief in Liz‘ Augen sah. „Jetzt ist alles wieder gut. Jetzt ist alles wieder gut.“ Er warf seine Autoschlüssel Michael zu und vermischte dann Ketchup mit Liz‘ Blut. „Du hast beim Umfallen eine Flasche zerbrochen und dich mit Ketchup bekleckert. Verrate der Polizei nichts.“ Danach rannte er aus dem CrashDown und Liz konnte ihm lediglich hinterher sehen.

*


„Bin ich das gewesen?“ wisperte sie, als Max sie losließ und sie wieder zu sich kam. „Wurde ich angeschossen?“ Sie breitete die Arme aus, als würde sie sich stützen wollen, aber in der Umgebung gab es nichts woran sie sich festhalten konnte. Max nahm ihren Arm und führte sie weg, bevor sie sich auf den Boden fallen ließ und schwieg. „Was ist hier eigentlich los?“ fragte sie letztendlich und zog ihre Bluse hoch. Sie blickten beide auf ihren narbenlosen Bauch und danach in die Augen. „Wer bist du?“

„Wir sind verheiratet Liz, wir haben letzten Sommer geheiratet, gleich nachdem wir die Schule beendet haben“, erzählte Max und kniete sich vor sie. „Ich bin dein Ehemann, du musst mir vertrauen.“

Liz schüttelte wild ihren Kopf. „Nein, das geht nicht. D-du kannst Dinge, die sonst niemand kann. Das ist nicht normal. Warum lächelst du?“

„Was ist so toll am normal sein?“ Er fing sich gleich wieder und fing an zu erzählen. Ungläubig schüttelte Liz immer wieder ihren Kopf, wenn Max von Hybriden sprach und von ihren Kräften. Doch er baute immer wieder sein Schutzschild auf um es ihr zu beweisen. Es leuchtete nur schwach, da er seine Kräfte noch sammeln musste, aber es erfüllte den Zweck. Liz‘ Proteste verstummten jedes Mal und sie hörte weiter zu.

„Ihr seid also nicht von ihr.“ Sie nickte zwar, aber es schien kein gläubiges Nicken zu sein. „Und ich leuchte auch grün, woran liegt das?“

„Du hast Kräfte entwickelt nachdem ich dich geheilt habe. Zusätzlich werden sie verstärkt weil du die rechtmäßige Königin von Antar bist.“ Er hatte ihr bereits von seiner Abstammung erzählt und dass er der einmal im früheren Leben Zan gewesen war.

„Königin? Ich bin doch keine Königin!“ protestierte Liz.

Max öffnete seine rechte Hand und ließ das Mal, das ihn kennzeichnete in seiner Handfläche aufleuchten. Dort war es platziert, seitdem er es von Michael übernommen hatte. „Du hast dasselbe“, murmelte er leise, damit es die anderen nicht hören würden. „Es sieht nur etwas anders aus.“

„Wo? Auch in der Hand?“ Sie war beeindruckt und zu Max‘ Freude schien sie ihm zu glauben.

„Es hat keinen bestimmten Platz, es leuchtet dort auf, wo ich es möchte. Ich kann es über deinen Körper wandern lassen“, er räusperte sich und errötete im Gesicht, „das haben wir bemerkt, als wir…“ Mit jedem Wort wurde er leiser und flüsterte letztendlich: „Du weißt schon. Das Siegel reagiert nur auf mich und deshalb kann nur ich es zum erleuchten bringen.“ Sein Herz füllte sich mit Stolz, da er sagen konnte, dass Liz seine Frau war und sie würde es immer bleiben. Sie trug sein Mal in sich und jedes Mal wenn er es sah drohte er vor Glück zu sterben. Nur diesmal wurde sein Glück durch Liz‘ Amnesie getrübt.

„Kann ich es sehen?“ Ihre großen Augen blickten neugierig in seine.

„Natürlich“, erwiderte er und setzte sich ebenfalls auf den Boden; seine Knie taten ihm langsam weh. Er streckte die Hand nach ihrer aus und wartete darauf, dass sie den nächsten Schritt tat. Vorsichtig legte sie ihre Hand in seine und sah zu wie er mit seiner rechten Hand über ihren Handrücken fuhr und somit ihr Siegel zum Leuchten brachte. Ihr „V“ war ein helleres Blau als seines und von zwei ineinander gehenden Kreisen umgeben. „Liz, glaubst du mir jetzt?“ Langsam stieß er gegen die Grenze seiner Kräfte. Er war stärker geworden und wurde es noch immer, seitdem sie das Ritual zwischen ihnen durchgeführt hatten, aber dennoch wollte er sich nicht vollends verausgaben. Er brauchte seine Kräfte noch um Liz zu heilen.

„Wer sind die anderen?“

„Isabel ist meine Schwester wie sie bereits sagte, und Michael ist der auf dem Heuhaufen. Mein früherer Kommandant auf Antar und mein bester Freund auf der Erde.“ Michael nickte ihnen zu, denn alle beobachteten sie. Sie hatten einfach nicht wegsehen können, als Max den Beweis ihrer antarianischen Ehe zum Vorschein gebracht hatte. Es beeindruckte sie noch immer, wie die Male aufleuchteten und aufeinander reagierten.

„Jesse ist der Ehemann von Isabel, sie war die erste von uns die geheiratet hat. Maria ist Michaels Freundin und gleichzeitig deine beste Freundin. Du hast sie in unser Geheimnis eingeweiht, nachdem ich es dir erzählt habe.“ Maria lächelte etwas zaghaft zurück, als Liz sie anlächelte.

„Da vorne liegt Connor, jemand der uns allen noch fast fremd ist, aber uns in einer sehr gefährlichen Situation geholfen hat. Wir haben ihn und Jesse zusammen gerettet. Daneben sitzt Kyle, ein guter Freund von uns allen.“ Er musste ja nicht erwähnen, dass sie vor langer Zeit einmal mit Kyle ausgegangen war. „Und die kleine Blonde, die neben ihm schläft ist Ava, die vierte von uns.“

„Deine frühere Ehefrau?“ fragte Liz weiter und Max gab ein Seufzen von sich. Sie schien wirklich nichts mehr zu wissen, denn meist huschte ein Schatten über ihr Gesicht wenn sie über sein vergangenes Leben sprachen und über seine frühere Ehe.

„Ja, sie ist ihr Dublikat.“ Er drehte sich wieder so, dass die anderen nur seinen Rücken sehen konnten. „Glaubst du mir jetzt?“

„Wir sind wirklich verheiratet?

„Ja.“ Erfreut.

„Und ich bin eben dem Tod entkommen?“

„Ja.“ Nicht mehr so erfreut.

„Kannst du mir denn helfen? Also kannst du mir mein Erinnerungsvermögen zurückgeben?“ Sie sah so unschuldig, so verletzlich aus, dass Max sie am liebsten an sich gedrückt und geküsst hätte, aber das konnte noch warten.

„Wenn du es willst.“ Er beugte sich etwas weiter vor, aber noch immer brach sein Herz bei ihrem Anblick. Instinktiv lehnte sie sich wieder zurück. „Hast du etwa Angst vor mir?“ wisperte er und sorgevolle Falten legten sich über seine Stirn. „Liz, du musst mir glauben, ich könnte dir nie etwas tun.“

„Sind wir glücklich gewesen?“

„Ja, sind wir, Liz. Sicher wir haben kein einfaches Leben geführt und führen noch immer keines, aber wir waren glücklich miteinander. Gibst du mir deine Hände…“ Er streckte seine aus und wartete auf ihre Entscheidung. Um sie zu ermutigen lächelte er sie liebevoll an. Einen Moment später platzierte Liz ihre Hände in seinen. „Danke, Liz.“ Er tätschelte ihre Hände und hob sie dann an ihre Wangen. Für ihn war das eine vertraute Geste, doch für sie etwas völlig Fremdes. Verschämt senkte sie die Augen auf den Boden und er glaubte seine Liz‘ darin zu erkennen. Er konnte nicht widerstehen und hauchte einen Kuss auf ihre Stirn. „Es tut mir Leid“, sagte er gleich daraufhin doch sie verspannte sich nicht. Sie wurde nur noch röter und hob ihren Blick nicht. „Hab keine Angst wenn du Visionen bekommst, du wirst Momente aus unseren gemeinsamen Leben sehen. In wenigen Sekunden ist es vorbei.“

Er hoffte nur, dass es wirklich klappen würde. Er hoffte, dass er nicht wieder in einem leeren, dunklen Raum landen würde. Mit ihrem Einverständnis würde er es vielleicht schaffen ihr Gedächtnis in Ordnung zu bringen.

*

„Okay“, erwiderte sie sanft und legte ihre Hand an seine Wange. „Okay. Ich vertraue dir und bleibe hier.“ Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen und drückte einen Kuss auf seine Lippen.

*

„Zum Flughafen?“ fragte der Taxifahrer, als er neben Max und Liz anhielt.

„Nein“, erwiderte Max an Liz‘ Stelle, doch konnte ihr seine Meinung nicht aufzwingen.

„Doch, ich will zum Flughafen. Sie sind spät dran“, antwortete sie.

„Liz, steig‘ nicht in den Wagen“, ordnete Max in einem unsanften Ton an und baute sich vor Liz auf.

„Könnten Sie die nehmen?“ Liz ignorierte ihn und gab dem Fahrer zwei ihrer Taschen.

Die letzte entriss ihr Max und warf sie in seinen Jeep. „Los, steig‘ in meinen Wagen“, forderte er sie auf. Warum musste sie immer so stur sein und konnte nicht einfach tun, was er ihr sagte?

„Was hast du denn vor, willst du mich da reinwerfen?“ erwiderte Liz sarkastisch und nahm ihre Tasche aus seinem Jeep. Er schien ein vollkommen anderer geworden zu sein. Max, der sich früher nicht einmal getraut hatte ein paar Worte mit ihr zu wechseln stand nun vor ihr und erteilte Befehle.

„Du musst auf mich hören.“

*

„Lass deine Hände schön liegen“, wisperte sie und küsste ihn unterhalb des Bauchnabels. Hier befand sich einer seiner empfindlichsten Stellen, was sie schon vor einer Weile erfahren hatte. Sie wollte ihn zurecht weisen, als er seine Hände wieder hob, aber ließ es, als ihr Ehemann eine Hand in ihrem Haar vergrub und mit der anderen ein Kissen unter sein Haupt schob.

„Was machst du da?“, fragte Liz und sah zu ihm hinauf und der Anblick brachte Max fast über die Grenze. Sie kniete zwischen seinen Beinen…ihr weiches Haar streichelte seinen nackten Körper und er konnte die Rundung ihres Pos erkennen.

*

Max und Liz fuhren stillschweigend im Jeep, bis er die Spannung nicht mehr aushielt und an den Straßenrand fuhr. Liz sah ihn etwas verwirrt an und fragte nur: „Max, warum hältst du an?“

Es fiel ihm nicht leicht darüber mit Liz zu sprechen, aber er wollte, dass sie Bescheid wusste. Er konnte nicht gehen ohne es ihr zu sagen. „Weil ich dir etwas sagen möchte. Es geht um Tess und mich…“

„Ich weiß, ihr seid jetzt zusammen“, unterbrach Liz ihn, weil sie nichts davon hören wollte. Es verletzte sie schon genug, da brauchte sie es nicht noch aus seinem Mund zu hören.

„Es ist mehr als das. Unsere Beziehung ist…wir habe miteinander geschlafen.“

Du bist selber Schuld, dachte Liz sich, aber ihr Herz brach dennoch in tausend Stücke. Hier stand der Junge vor ihr, den sie geheiratet hätte. Mit dem sie ihr erstes Mal erlebt hätte. Doch sie hatte es so gewollt, weil er es so gewollt hatte und nun war ihr Ziel erreicht. Sollte sie nicht ein Erfolgserlebnis verspüren? Nein. Es fühlte sich an, als würde sie keine Luft mehr bekommen. Sie brachte lediglich ein „Oh“, hervor.

Am liebsten wollte er sie in seine Arme ziehen und nie wieder über Tess und das Baby nachdenken. „Und Tess ist schwanger.“ Er wusste, er hatte sie verloren, er würde gehen und sie würde ihn hassen. Das Gefühl drohte ihn von innen heraus zu ersticken.

„Sie ist…“ Liz konnte seine Worte nicht wiederholen, weil sie damit beschäftigt war ihre Tränen zu unterdrücken.

„Liz…“ fing er an und wollte sich entschuldigen, aber sie wand sich von ihm ab und sah zur anderen Seite.

„Lass uns fahren.“

„Liz…“

„Lass uns fahren, jetzt sofort.“ Traurig startete Max erneut den Motor und fuhr weiter.

*

Ein geheimnisvolles Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Wir waren in meinem Zimmer, auf deinem Balkon …“ Tiefe Röte überzog seine Wangen. „Einmal sogar auf dem Lehrertisch im Chemiezimmer.“

Er blinzelte leicht und ließ seine Finger über ihren Hals in ihr Haar wandern. „Egal wo ich bin, ich nehme immer deinen Duft wahr. Ein Hauch von Vanille und Erdbeere.“ Sein Blick fiel auf die weichen, glänzenden Lippen. „Und dann kann ich nur noch an dich denken.“

*

„Ich werd‘ lieber gehen“

„Wieso?“

„Weil alles anders werden würde, wenn ich jetzt nicht gehe.“ Und nach ein paar weiteren Sätzen küssten sich Max und Liz zum ersten Mal. Max konnte nicht glauben wie wundervoll sie sich anfühlte…sein erster Kuss und er teilte ihn mit Liz Parker. Das Mädchen, das er schon so lange von weitem beobachtet hatte. Und sie konnte nicht glauben wie anders es sich bei ihm anfühlte…es war ein ganz neues Gefühl, was er in ihr verursachte.

An diesem Abend fühlten sie etwas, was sich in ihre Herzen einbrannte.

*

Max befürchtete gleich Liz küssen zu müssen. Sie drückte sich an ihm vorbei und ihr Duft stieg ihm bis ins Gehirn. „Und wir sind Freunde?“ sagte er dann. Er wollte an alles andere denken, als an ihre sinnlichen Lippen und ihren zierlichen Körper. Außerdem trug sie die CrashDown Uniform…was ihn bereits in den Wahnsinn trieb.

„Ja, wir sind Freunde“, erwiderte sie schlicht und ließ sich nichts anmerken. Max‘ Blick ließ ihr Herz schneller schlagen.

„Nur Freunde?“ Etwas lag in seiner Stimme, dass sie zu nichts zuordnen konnte. Sie stimmte ihm zu und drückte sich mit den Erdbeeren in der Hand erneut an ihm vorbei. Doch diesmal kam sie nicht weit, weil Max ihren Arm festhielt sie umdrehte und dann ohne zu zögern seine Lippen auf ihre presste. Es war kein sanfter, zurückhaltender Kuss, und so ganz und gar nicht zu Max passend, aber er war leidenschaftlich. Er raubte ihnen beiden die Sinne.

*


***

Alle sahen gespannt auf Max und Liz, als er ihren Kopf zwischen seinen Händen hielt. Einige Sekunden später ließ er los, aber nahm sie in seine Arme als sie ein Stück nach vorne kippte. „Liz?“

„Mhh…“ erwiderte sie nur und schmiegte sich an seine Brust. Ein erleichtertes Seufzen war von Max‘ Seite zu hören und auch alle anderen lächelten leicht. Isabel schüttelte den Kopf, natürlich schmiegte sie sich gleich an Max, was denn auch sonst? Die beiden konnte man nicht voneinander trennen.

„Wie geht es dir?“ fragte Max leise um sie nicht aufzuschrecken.

„Gut, wie soll es mir gehen?“ meinte sie und setzte sich auf um ihn anzusehen. Sie fühlte sich etwas müde, aber ansonsten schien alles bestens zu sein. Sie sah sich um und erkannte die Scheune nicht wieder. „Bin ich eingeschlafen, als wir hierher gefahren sind?“ Dann entdeckten ihre Augen Jesse und einen schlafenden Connor. „Hey, da seid ihr ja. Max, ich kann mich an die Rettung gar nicht erinnern, was ist passiert?“

Max erzählte es ihr in der Kurzfassung und Liz und Maria umarmten sich für einen Moment. „Es tut mir Leid, dass ich dich nicht erkannt habe“, entschuldigte sich Liz mit einem Grinsen in der Stimme. „Wie konnte ich dich nur vergessen?“

„Das frage ich mich auch“, murmelte Michael daneben und erntete einen Schlag auf die Brust.

„Und du bist nicht wütend?“ wollte Liz wissen, als sie sich erneut an Max wandte. Dieser stand dicht hinter ihr, aber berührte sie nicht. Sie spürte seine Wärme, seine Liebe durch ihre Verbindung. Aber keine Wut, keine Ärgernis.

„Warum sollte ich wütend sein?“ Verwirrt zog er die Augenbrauen in die Höhe.

„Weil ich in die Basis gerannt bin, obwohl ich versprochen hatte es nicht zu tun.“

„Shh“, protestierte Max und zog sie in seine Arme. Er küsste sie auf ihren Scheitel und streichelte unentwegt ihren Rücken. „Du bist hier bei mir, und du weißt wer ich bin, mehr will ich im Moment nicht.“ Sie entfernten sich von den anderen soweit es ging. Er schob sie wenige Zentimeter von sich um sie anzusehen. „Ich kann nicht wütend sein, Liz. Vielleicht morgen oder übermorgen aber nicht jetzt. Die Angst war einfach zu groß, dass ich dich verloren hätte.“ Seine Stimme brach und sein Körper erzitterte unter seinen Worten.

„Ich bin hier“, meinte sie sachte um ihn zu beruhigen. „Wie habe ich es überlebt?“

Max drückte einen Kuss auf ihre Stirn und murmelte etwas Unverständliches. Danach erklärte er ihr genauer was passiert war. „Du hattest eine Schutzhülle um dich. Als wir dich gefunden haben wollte Ava sie durchbrechen, aber es ging nicht. Als ich es versucht habe hat sie sich aufgelöst und ich konnte deine Kopfwunde heilen.“

„Warum bei ihr nicht?“ Die Neugierde in Liz konnte man nie stillen. Vielleicht hätte sie doch Wissenschaftlerin werden sollen, aber es war für nichts zu spät.

„Ich weiß es nicht, vielleicht schützt dich das Siegel? Und da wir wissen, dass es nur auf mich reagiert…“ er errötete etwas, als er an die vielen Male dachte, und auch an das eine Mal vor wenigen Minuten.

„Und wie geht es jetzt weiter, Max? Was machen wir jetzt, wo wir Jesse und Connor befreit haben?“

„Ich weiß es nicht, Liz. Darüber denke ich die ganze Zeit nach, wenn ich nicht an dich denke.“

***

Der nächste Morgen…
(15. Januar 2003)

Ava wachte als erstes auf, da sie bereits am längsten schlief und eigentlich selten ruhig schlafen konnte. Erst bemerkte sie, dass Kyle und Connor nicht in der Scheune waren. Kyles Jacke hatte unter ihrem Kopf als Kissen gelegen. Verwirrt sah sie sich um und entdeckte die anderen, die alle noch schliefen. Die Türe stand einen kleinen Spalt offen sodass sie erkennen konnte, dass die Sonne aufging. Alles schien noch bläulich, da die Nacht erst jetzt zu Ende ging. Es musste kurz nach sechs Uhr morgens sein.

Gähnend stand sie auf und dehnte ihre Glieder. Der Boden war unbequem, aber sie war so müde gewesen, dass sie es kaum gespürt hatte. Ihr Blick schweifte zu Max und Liz. Anscheinend hatte er es geschafft sie zu heilen, da sie in seiner Armbeuge lag und ihr Gesicht an sein Herz drückte. Er hatte beschützend die Arme um sie gelegte und schlief friedlich.

Jesse und Isabel lagen Rücken an Rücken. Isabels Wintermantel lag schräg über ihnen, sodass jeder gegen die Kälte geschützt war. Ava wunderte sich, dass Michael noch schlief, oder überhaupt schlief. Er lag auf der rechten Seite und hatte seinen Arm ausgestreckt, welcher nun für Maria als Kissen diente. Sie lag mit dem Rücken an seine Brust gepresst und hielt seine linke Hand fest, die um sie geschlungen war.

Erleichtert, dass es allen gut ging suchte Ava nach etwas Essbarem. Sehnlichst wünschte sie sich ein Bad und hoffte, dass sie hier bald verschwinden würden. Als sie feststellte, dass es nichts mehr zu Essen und auch nichts mehr zu Trinken gab, kamen Kyle und Connor in die Scheune gelaufen. „Wo seid ihr gewesen?“ fragte sie.

„Guten Morgen“, meinte Kyle fröhlich. „Wir waren für kleine Jungs.“

„Warum so glücklich?“ erwidere Ava, lächelte jedoch ebenfalls.

„Vielleicht weil ich die ganze Zeit nachgedacht habe und zu dem Schluss gekommen bin, dass Cal einmal etwas Richtiges gesagt hat. Wäre es nicht schön nach Hause zu gehen? Nach Roswell?“ Er blieb dicht vor ihr stehen und sah den Schatten, der sich über ihre sonst so lieblichen blauen Augen legte. Doch noch bevor er sie fragen konnte was los war unterbrach Connor sie mit einem gemurmelten „Guten Morgen.“

„Ich hab‘ Hunger“, äußerte sich Kyle, der nichts weiter in die Situation interpretierte.

„Wir haben nichts mehr“, erklärte Ava. Sie sprachen nicht besonders leise, da alle anderen auch langsam aufwachen mussten. Sie mussten dringend besprechen wie es weitergehen sollte. Zu zweit klärten sie Connor über alles auf, was er in der vergangenen Nacht verschlafen hatte. Gefasst nahm er es auf und ließ sich Avas Kräfte demonstrieren. Auch er atmete erleichtert aus, als Kyle ihm sagte, Liz würde sich wieder erinnern.

„Ich dachte du würdest dich über ihre Amnesie freuen“, lachte Kyle. „Dann hättest du mit Max zusammen um ihr Herz konkurrieren können, verheiratet hin oder her.“ Ava lächelte ebenfalls aber Connor machte nur große Augen.

„Nein, nein ich bin froh, dass sie alles wieder weiß. Er hat mir das Leben gerettet, da werde ich ja wohl noch den Anstand haben mich von seiner Frau fernzuhalten. Und außerdem ist er ein Alienkönig, ich denke mit so jemandem legt man sich nicht an, oder?“ Am Ende schlich sich auch ein kleines Lächeln auf seine Lippen, als er hörte was er da von sich gab.

„Das will ich aber auch hoffen“, erklang Max‘ Stimme hinter ihnen, als er seine Kleider zurecht strich. Er und Michael waren bereits aufgewacht und die anderen schienen auch nicht mehr im Tiefschlaf zu sein. Michael hatte sich aufgesetzt aber rieb sich noch den Schlaf aus den Augen doch Max war schon munter. „Weckt alle auf, wir haben viel zu besprechen“, ordnete er an.

***

Michael, Liz und Ava waren in der nächstgelegenen Stadt, Grand Junction und hörten sich nach Neuigkeiten um, während sie ihren Essensvorrat auffüllten. Die Farbe des Vans hatten sie verändert und auch die Kennzeichen. Nun waren sie gebürtige Einwohner dieser Stadt. Ein Markt war mitten in der Stadt aufgebaut und viele Touristen waren unterwegs, es war der beste Ort um etwas herauszufinden. Die drei waren ein komisches Trio, aber dennoch das Beste wofür sie sich entschieden hatten.

„Warum Grand Junction? Warum fahren wir nicht einfach weiter, entfernen uns mehr und hören uns dann um?“ wollte Maria wissen, die nicht länger hier bleiben wollte. Ihr Motto war: Je ferner man der Gefahr war, desto besser.

„Grand Junction ist nahe der Staatsgrenze zu Utah. Wenn es schon Gerüchte gibt, werden sie sicherlich dort kursieren. Die Interstate 70 ist gut befahren und führt direkt an der Basis vorbei hierher“, erklärte Max und studierte die Karte, die vor ihm auf dem Boden lag.

„Okay, dann essen wir und was machen wir danach? Wir können nicht in dieser Scheuen bleiben“, kommentierte Kyle das Gespräch zum ersten Mal.

„Das überlegen wir uns danach. Erst einmal müssen wir uns umhören und etwas essen.“ Alle nickten und nun kam die Frage auf, wer runter in die Stadt fahren würde. Ava meldete sich freiwillig, da sie als einzige das Mindwarping beherrschte.

„Ich könnte auch mitgehen“, schlug Liz vor. „Vielleicht bekomme ich eine hilfreiche Vision. Sie kommen ja fast immer dann, wenn Gefahr droht.“

Max sah von der Idee nicht begeistert aus aber nickte. „Okay, dann gehen wir zu dritt“, beendete er das Gespräch und klappte die Karte zusammen. „Wir sollten uns beeilen.“

„Maxwell? Kann ich dich einen Moment sprechen?“ äußerte sich Michael und hinderte ihn am Gehen. Sie verließen die Scheune um wirklich unter vier Augen zu sein. „Ich halte es für keine gute Idee wenn du gehst. Ich sollte die beiden begleiten“, stellte er fest und wartete auf Max‘ Reaktion.

„Warum? Ich will Liz nicht alleine lassen.“

„Du lässt sie nicht alleine, Max. Ich bin dabei, denkst du nicht ich würde sie mit meinem Leben beschützen? Genauso wie ich von dir erwarten würde Maria mit deinem Leben zu schützen. Würdest du das nicht tun?“

„Du weißt, dass ich das würde“, erwiderte Max und verschränkte die Arme vor der Brust. „Warum willst du mitgehen?“

„Meine Kräfte sind geeigneter fürs Auskundschaften. Wenn etwas schief gehen sollte, kann ich angreifen und uns schützen.“ Noch ein paar Minuten verbrachten sie von der Gruppe entfernt und kamen zu dem Entschluss, dass Michael mit in die Stadt fahren würde. Liz hielt es ebenfalls für eine gute Idee, da sie Michael inzwischen ihr Leben anvertrauen würde. Und für Ava machte es auch keinen Unterschied. So brachen die Drei auf, mit der Abmachung, dass sie spätestens in vier Stunden wieder da sein würden.

„Wir bleiben verbunden“, rief Max ihnen hinterher und tippte sich vielsagend an die Stirn. „Liz, achte darauf.“ Sie nickte mit einem Lächeln und winkte ihm aus dem Fenster. Ich würde dich überall hören, Max, übertrug sie ihm mental.


„Liz, hattest du eine Vision?“ Liz verneinte Michaels Frage und lief weiterhin durch den Markt. Man glaubte gar nicht wie viele Informationen man bekam, wenn man auf jedes Gespräch hinhorchte. Doch bisher war nichts Nützliches oder Schädliches dabei gewesen.

„Sind wir hier nicht mitten in der Wüste?“ wunderte sich Ava. „Warum gibt es hier soviel frisches Obst?“ wollte sie von den anderen beiden wissen. Michael zuckte nur mit den Schultern, doch Liz konnte ihr antworten. Sie war ja schon immer gut in der Schule gewesen und Geographie war nicht besonders schwer.

„Wir befinden uns hier im Tal des Colorado Rivers, das bedeutet, dass…“

„Shh, shh“, hörte sie Michael sagen und verstummte. Er lauschte einem Gespräch von zwei Männern, die an einer Gabelung standen und sich anscheinend verabschiedeten.

„Mein Bruder arbeitet doch bei der Feuerwehr, keine Angst die Gerüchte es sei ein Anschlag gewesen stimmen nicht. Anscheinend gab es eine Explosion und der Grund ist ein Unfall gewesen. Ein Leck in den Gasleitungen soll es verursacht haben. Das Gebäude kann man ja wieder aufbauen, aber es soll keine Überlebenden geben, sie sind alle bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.“

„Na los, gehen wir“, meinte Michael und zog die beiden Mädeln mit sich. „Habt ihr alles gekauft was ihr haben wolltet? Wir sind seit über drei Stunden unterwegs? Wie müssen zurück oder Maxwell rennt los um seine Frau eigenhändig zu suchen.“ Ein Lächeln lag auf seinen Lippen, genauso wie auf Liz und Ava ihren. Sie hatten gehört was sie hören wollten und die Quelle, ein Feuerwehrmann, schien perfekt zu sein. „Auf nach Hause.“

„Es ist eine Scheune, Michael“, meinte Ava kopfschüttelnd und folgte ihm zum Van.

„Ich meinte vielleicht wirklich nach Hause, Ava. Wenn uns niemand mehr verfolgt und die Basis komplett abgebrannt ist, haben wir nichts mehr zu befürchten.“

„Meinst du wirklich? Wir können zurück…und ich sehe meine Eltern wieder?“ fragte Liz zaghaft, die ihre Hoffnungen nicht aufkommen lassen wollte. Vielleicht dachte Max ganz anders darüber und sie wollte keine allzu große Enttäuschung verspüren. Aber sie konnte nichts dagegen tun. Hoffnung kam trotzdem in ihr auf und sie malte sich hundert verschiedene Treffen mit ihren Eltern aus. Vielleicht würden sie tagsüber ankommen, dann würde ihre Mutter das Geschirr aus ihrer Hand fallen lassen, wenn Liz das CrashDown betreten würde. Oder vielleicht würden sie nachts ankommen und ihr Vater würde versuchen Max mit einem Baseballschläger zu schlagen, weil er ihn für einen Einbrecher halten würde. „Lasst uns schnell zurück fahren“, sagte sie enthusiastisch und hüpfte auf den mittleren Sitz.

„Ich sagte nicht, dass wir bleiben können, Liz. Aber vielleicht könnt ihr alle eure Eltern besuchen bevor wir weiterfahren. Ich meine wir sind ja eigentlich schon fast in Roswell, ein Staat weiter und wir sind da. Wir müssen Jim anrufen, vorsichtig sein, aber vielleicht ist es eine Möglichkeit.“ Liz betrachtete Michael im Seitenprofil, da sie direkt neben ihm saß. Er sah aufmerksam auf die Straße und lenkte den Wagen sicher zurück zur Scheune. Er schien sich zu verändern, sie konnte sich noch an den Michael erinnern, der an ihrem Abschlusstag alleine fliehen wollte. Der, der immer wieder aus Roswell weggehen wollte, weil es sowieso kein zu Hause für ihn war. Michael Guerin wurde langsam erwachsen.

„Aber du wirst auch Amy DeLuca sehen“, warf Liz ein, die es sich nicht verkneifen konnte.

Michael grollte unüberhörbar und warf einen Blick auf sie. „Hör‘ auf, oder ich ändere meine Meinung und stimme gegen eine Rückkehr.“ Seine Mundwinkel zogen sich aber leicht nach oben, denn auch wenn er Mrs. DeLucas Zorn fürchtete, so wusste er, dass Maria überglücklich sein würde ihre Mutter zu sehen. Sie war mit ihm gegangen ohne sich zu verabschieden und er wollte ihr und ihrer Mutter mindestens ein Treffen ermöglichen.

Und als Liz ihn von ihrer niedrigeren Positionen aus anlächelte, weil er in seiner Größe neben ihr saß und ihr ein sicheres Gefühl gab beschlich sie ein Gefühl, dass sie bereits kannte. Ein Gefühl, dass sie gegenüber Maria hegte.

Geschwisterliebe.

Sie fühlte sich, als würde sie neben ihrem großen Bruder sitzen und alle Last fiel von ihren Schultern, weil sie wusste, dass sie bei ihm in Sicherheit war.

***

Auf dem Menü standen frisches Brot, Butter, Käse, Tee und viel Wasser, als sich die Gruppe zusammen auf den Boden setzte um zu essen. Daneben gab es noch genüg Äpfel und Birnen für alle. Der Kofferraum des Wagens war voll mit denselben Sachen, die sie auf ihrer weiteren Reise essen würde. Die vier Hybriden wärmten jeweils das Wasser auf und brachten es zum Kochen bevor sie die Teebeutel in die frisch gekauften Tassen gaben.

„Das wäre ja praktisch, wenn ich diese Kräfte entwickle“, witzte Connor, als er sich ein Brot schmierte. „Dann hätte ich bei meinen Jagdausflügen nichts mehr zu Fürchten.“ Sie lachten halblaut darüber und aßen. Keiner hatte bisher gemerkt, wie hungrig sie waren.

„Was machen wir jetzt?“ äußerte Isabel sich, als sie alle satt waren, aber noch genüsslich ihren Tee tranken. „Jetzt wo wir alle wieder zusammen sind und das FBI uns nichts mehr anhaben kann.“

Max drückte die Hand seiner Schwester, die zu seiner linken saß. Er freute sich darüber ihre Stimme mit so viel Lebensgeist zu hören. In den letzten zwei Tagen hatte sie nicht viel gesprochen und die letzte Nacht war er mit Liz beschäftigt gewesen. Doch jetzt konnte er das Leuchten in ihren Augen erkennen. Sie hatte ihren Mann wieder und war wunschlos glücklich. Doch, einen Wunsch hatte sie vielleicht trotzdem, dachte er sich. Und er wusste was es war. „Was willst du tun, Isabel? Was wünscht du dir?“

„Jesse ist bei mir und ich bin glücklich“, dafür bekam sie einen Kuss auf ihre linke Schläfe, „aber ich würde gerne unsere Eltern wiedersehen, du nicht?“

„Natürlich würde ich sie auch gerne sehen. Was ist mit euch?“ Er sah in die Runde.

„Du kennst meine Meinung“, flüsterte Liz und ihre Augen füllten sich sofort mit Tränen.

Maria konnte nichts sagen, sondern lächelte nur. Michael sprach an ihrer Stelle. „Also, wenn ich irgendwann einmal versuchen sollte Mrs. DeLuca dazu zu bringen mich zu mögen, dann sollte ich das sobald wie möglich tun. Denn ich denke, je länger sie Maria nicht sieht desto größer wird ihre Wut auf mich.“ Max lächelte seinen Freund dankbar an. Bei keinem einzigen hatte er Protest erwartet, lediglich bei ihm.

„Und was machen wir mit Marias neuartigen Kräften?" wollte Kyle wissen. Die meisten hatten es wieder vergessen und verdrehten nun die Augen.

„Hoffen wir, dass es bereits verschwunden ist", erwiderte Maria, die bisher nichts zerstört hatte.

„Vielleicht hattet ihr einfach nur zu lange keinen Sex?" warf Kyle ein und alle lachten bis auf das Pärchen. Maria lief rot an und Michael schien über den Gedanken ernsthaft nachzudenken.

„Um das Problem kümmern wir uns, sobald wir zurück sind. Inzwischen wissen unsere Eltern sowieso Bescheid, also müssen wir es nur vor Fremden geheim halten und das müssten wir überall." Er sah weiter zu Connor. „Und du?"

„Ich könnte ein paar neue Gesichter vertragen. Solange wir nicht wissen was passiert, sollte ich mit euch zusammen bleiben“, stellte Connor fest. „Auch wenn ich dann das neunte Rad am Wagen bin“, fügte er mit einem Grinsen hinzu. „Vielleicht sollten wir mal eine hübsche Frau retten, die im Sterben liegt.“ Erneut erntete er lächelnde Gesichter. Er fing an diese Gruppe zu mögen und es war ja nicht so, dass er einen festen Job hatte oder eine Familie.

„Kyle, dich frage ich gar nicht erst“, meinte Max und blickte weiter direkt in Avas Gesicht. „Ava, was hältst du von der Idee zurück nach Roswell zu gehen? Niederlassen würden wir uns sowieso, würde dich Roswell stören?“ Er wollte keinesfalls jemanden übergehen und wusste, dass alle zurückwollten, aber Ava hatte keinen Grund nach Roswell zu gehen. Wohl eher würde Roswell schlechte Erinnerungen bei ihr wecken.

„Vielleicht komme ich für ein paar Tage mit und reise dann alleine weiter.“

Kyle schlug alle beim Nachfragen. „Wie?! Du willst alleine reisen? Warum bleibst du nicht einfach in Roswell? Wo wir alle sind?“ Ava sah zu ihm auf und erneut sah er den Schatten über ihren Augen. „Ist es wegen damals? Wegen Lonnie und Rath?“ Alle anderen versuchten so zu tun, als würden sie nicht hinhören, aber es war unmöglich, da sie in einem Kreis beieinander saßen.

„Ich habe keinen Platz in Roswell, Kyle“, erwiderte Ava ruhig. „Ich habe dort keine Familie, ich bin auch nicht dort aufgewachsen. Eure Eltern werden nur Tess in mir sehen…“, fing sie an, aber Kyle unterbrach sie indem er für einen kurzen Moment seine Lippen auf ihre drückte. Kichern konnte man von den anderen vernehmen.

„Wir sehen alle nicht Tess in dir und die anderen wissen zwar, dass sie uns verraten hat, aber sie haben sie immer nur als ein nettes Mädchen kennengelernt. Es wird ihnen nicht schwer fallen Tess zu vergessen und dich in ihrer Mitte aufzunehmen und zu lieben, so wie alle anderen es tun“, murmelte er am Schluss und erntete ein breites Lächeln. „Alle anderen“ wurde nicht näher definiert.

„Dann komme ich gerne mit“, verkündete Ava, die es nicht erwarten konnte in einem bequemen Bett zu schlafen. Und davor würde sie ein heißes Bad nehmen, wenn es möglich war.

„Okay, dann ist hiermit die Rückkehr beschlossen“, meinte Max und legte seinen Arm um Liz‘ Schultern. „Wir gehen nach Hause.“

Kyle sprang auf die Beine, schoss einen Arm in die Luft und sagte lauthals: „Auf nach Roswell!“ und war umgeben von 8 weiteren Menschen beziehungsweise Hybriden, oder mutierte Menschen oder noch zu mutierenden Menschen, die mit ihm zusammen glücklich lachten.