SPECIAL FEATURES:

NC-17 Part: Auskopplung der Duschszene Isabel & Jesse

WAS BISHER GESCHAH...

"Es ist jetzt sehr wichtig, Kyle, das du mir zuhörst. Sie wissen, wo ihr seid. Das FBI hat durch irgendwelche Zufälle und Zeugenberichte erfahren, wo ihr euch aufhaltet. Ihr solltet ganz schnell verschwinden! Beeilt euch!"

Mr. Holden?“ Fragend lüftete der grauhaarige Mitfünfziger eine Augenbraue, seine Dienstmütze hing ihm tief ins Gesicht.Der bin ich!“Dann ist dieser Brief hier für sie. Ich bräuchte dafür aber noch eine Unterschrift von ihnen, da es sich hierbei um ein Einschreiben handelt.“

"Max stieß die Tür auf und folgte ihm, als Cal sich plötzlich umdrehte und die Hand drohend gegen ihn erhob, um ihn durch die Luft zu schleudern. Die Spannung im Raum stieg ins unermessliche und Isabel glaubte, nicht mehr atmen zu können. Sie ging davon aus, dass es ihr wie zuvor erging. Doch Max kam Cal zuvor. "Ich befehle dir, uns zu helfen!"

Es tut mir leid, daß wir dich zwingen müssen, Cal!"



Ava war diejenige, die von allen am Besten über ihre Kräfte bescheid wusste. Deshalb sollte sie Liz und Kyle trainieren. Und da Isabels Kräfte sich denen von Kyle und Liz ähnelten, war auch sie mit dabei.

Ava fuhr sich durch die Haare und musterte die beiden Menschen. Es war seltsam, dass sie nun auch Kräfte besaßen. Sie hatte nie für möglich gehalten, dass so etwas mal geschehen könnte. Kyle stand mit seinem Rücken an einer Wand gelehnt. Mit ineinander verschränkten Armen versuchte er, die Gefühle der Anderen irgendwie einzudämmen. Stattdessen wurde der Ansturm stärker und das verwirrte ihn. Angst stieg in ihm hoch. Wie mochte das wohl sein, für den Rest seines Lebens, die Emotionen von Menschen zu fühlen, die in seiner Umgebung waren?

Das war nicht das, was er wollte. Frustriert trat er eine Coladose fort, die in seiner Nähe gelegen hatte.

Isabel blickte ihn prüfend, mit hochgezogenen Augenbrauen, an. Er konnte also wahrnehmen, was sie empfand. Super. Was kam denn noch alles? Konnte er auch noch ihre Gedanken lesen, verschwieg dies aber? Er sollte nicht in ihrem Kopf rumschnüffeln. Kyle war zwar eine Person, die sie mochte und der sie vertraute, aber ein wenig Privatsphäre wollte sie schon für sich haben. Es passte ihr überhaupt nicht, dass Kyle jeden ihrer Gedanken mitbekam.

Liz genoss für einen Moment die Stille, die herrschte und atmete langsam aus. Glück erfüllte sie. Endlich war der ganze Horror vorbei und sie musste nicht mehr die Schmerzen erleiden, die sie fast umgebracht hätten. Auch die Sache mit Max war nun endlich wieder bereinigt. Dieses klärende Gespräch hatte ihnen gut getan. Das war etwas, was sie schon längst hätten tun sollen. Ava stützte die Hände in die Seite.

„Wir können für die Übungen nicht hier bleiben, also lasst uns in einen anderen Raum gehen.“ Sie schritt voraus und die Anderen folgten ihr. Als sie im Hinterzimmer waren, setzten sich Liz und Isabel auf eine Couch, Kyle und Ava blieben stehen. Nervös spielte Kyle mit seinen Fingern und ging im Raum auf und ab. Ava blickte ihn mitleidig an, während Isabel ihre Augen verdrehte. Sie saß dort und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihr Kyles Nervosität auf die Nerven ging. Er spürte die Gefühle in seinem Kopf, als wären es seine eigenen und glaubte, darunter wahnsinnig zu werden. Ein Stöhnen löste sich von seinen Lippen und er schloss seine Augen. Mit einer Hand griff er sich an die Stirn.

Ava ging zu ihm, legte ihm eine Hand auf die Schulter und blickte ihn verständnisvoll an. "Mach dir keine Sorgen, es wird schon alles gut." Ihre warmen Hände beruhigten ihn auf eine Weise, die er unerklärlich fand und er öffnete wieder seine Augen. Sein Blick traf den Ihren. Isabel stand genervt auf. "Können wir jetzt mal anfangen?" Sie verschränkte ihre Arme. Etwas zerknirscht nahm Ava ihre Hand wieder fort und räusperte sich.

"Also, ich werde euch nun erst einmal die Grundlagen erklären." Sie durchquerte den Raum, wie es zuvor Kyle getan hatte.

"Was du hast, nennt man Empathie!" Sie blieb stehen, sah ihn an und ging dann weiter. "Der Begriff Empathie kommt von dem griechischen Wort Empatheia und bedeutet Einfühlung. Darunter versteht man die Fähigkeit eines Menschens, sich in einen anderen hineinzuversetzen und sich über dessen Handeln und Gefühle klar zu werden."

"Das Wesentliche dabei ist, dass du die Gefühle der Anderen wahrnimmst, als wären es deine Eigenen. Dies wird dadurch ausgelöst, dass du dich in sie hineinversetzt und ihr Gefühlsleben nachvollziehst."

Liz hörte interessiert zu. "Also kann er das wahrnehmen, was ich gerade fühle?" Avas Blick schweifte zu Liz und sie blieb stehen. "In gewisser Weise schon. Ja, er nimmt das wahr, was du fühlst, allerdings nicht so stark wie du selbst. Später wird er auch in der Lage sein, die Gefühle den jeweiligen Personen zuzuordnen."

"Nicht nur Gefühle spielen hierbei eine wichtige Rolle, sondern auch Schmerzen. So konnte er zum Beispiel deine Schmerzen spüren, allerdings nur in abgeschwächter Form." Sie ging weiter.

"So ist Kyle ständig den Gefühlen von vielen ausgesetzt und sieht keine Möglichkeit, diese abzustellen. Bei besonders starker Empathie ist er nicht nur in der Lage, das zu empfinden, was in seiner direkten Umgebung ist, sondern vielleicht einer ganzen Stadt." Sie schaute Kyle an.

Isabel setzte sich wieder hin und schlug die Beine übereinander. Er kann also nicht wahrnehmen, welche Empfindungen zu wem gehören. Sie atmete erleichtert auf und schämte sich etwas dafür, dass sie solche Abneigung dagegen verspürte, ihn an ihren Wahrnehmungen teilhaben lassen zu wollen.

Kyle traf ein Schwall Schuldgefühle und er kniff seine Augen zusammen. Zu wem gehören die denn nun? Er blickte sich um. Ava war in ihrem Redeschwall gefangen und Liz hörte voller Interesse zu. Also blieb nur noch Isabel. Oder kommen diese Gefühle gar nicht aus diesem Raum?

Er betrachtete sie eingehend. Ein nervöses Lächeln umspielte ihren Mund und er war sich sicher, dass sie es war. Aufmunternd grinste er zurück, bevor er sich wieder auf Ava konzentrierte.

"Du wirst schon bemerkt haben, dass du es nicht so ohne weiteres abstellen kannst, im Gegenteil. Wenn du dich darauf konzentrierst es abzustellen, dürfte es noch stärker werden." "Ich werde jetzt erklären, wie du die Empfindungen der Personen in deiner Umgebung wahrnehmen und interpretieren kannst. Das ist allerdings schwierig, da Gefühle meist unausgesprochen bleiben."

Isabel kam sich vor, wie in einer Psychologiestunde. Ava war die Lehrerin und Isabel die gelangweilte Schülerin. Sie musste über diesen Vergleich grinsen. "So, dass sollte erst mal als Erklärung zur Empathie reichen." Ava wandte sich Isabel zu. Diese spürte, wie Röte in ihr Gesicht stieg. Hatte Ava mitbekommen, dass ihr langweilig war? Verlegen starrte sie zu Boden und wünschte ihre normale Gesichtfarbe zurück.

Ava musste grinsen und schaute nun zu Liz.

"Kommen wir nun zur dir. Visionen sind kurze Einblicke in eine meist nicht weit entfernte Zukunft. Sie werden oft in Bildern ausgedrückt, die du dann wie in einem Traum in deinem Kopf sehen kannst. Sie laufen vor deinem inneren Auge ab."

Sie fuhr damit fort, durch den Raum zu gehen.

"Meist sind Visionen Hinweise oder Warnungen vor der Zukunft, die dir helfen sollen, Schlimmes abzuwenden oder ein Rätsel zu lösen. Sie kommen plötzlich und meist dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Um Visionen entstehen zu lassen, benötigt es meist nur die Berührung eines Gegenstandes oder einer Person. "

"Visionen sind sehr nützlich, wenn sie richtig angewendet werden. So kannst du uns alle vor einer Gefahr warnen, bevor die ersten Anzeichen zu erkennen sind. Das, was du in letzter Zeit hattest, war unkontrolliert. Es war weder logisch, noch hatte es mit dir selbst oder den Personen in deiner Umgebung zu tun. Es kam daher, dass du das königliche Siegel noch nicht hattest."

Kyle hatte sich hingesetzt und versuchte erst einmal, das, was ihm Ava erklärt hatte, zu verdauen. Dabei hatte er seine Augen geschlossen und hielt sich seine Ohren leicht zu. Isabel schaute ihn besorgt an.

Ava warf Liz ein aufmunterndes Lächeln zu. "Du wirst bald lernen, wie du diese Visionen kontrollieren kannst und uns so eine große Hilfe sein."

Liz nickte dankbar. Sie war froh, dass Ava da war, um ihnen zu helfen. Ava drehte sich besorgt zu Kyle um. Besorgt kniff sie ihre Augen zusammen und schritt auf ihn zu.

Sie nahm seine Hände in ihre. "Hab keine Angst, Kyle. Ich weiß, das es neu für dich ist und du am liebsten wieder mit deinen Gefühlen allein sein willst." Sie setzte sich auf die Lehne des Sofas.

Sie spürte, wie sein Puls raste und bekam mit, wie Kyle hyperventilierte. "Jetzt musst du dich erst mal beruhigen. Atme tief durch." Sie machte es vor. "Liz, kannst du ihm einen Tee holen?"

Als diese in nur wenigen Minuten wiederkam, stellte sie ihm eine Tasse Tee hin. Er trank langsam ein paar Schlucke und bemerkte, wie er ruhiger wurde. "Um die Gefühle beherrschen zu können, musst du so etwas wie eine innere Mauer aufbauen. Du musst dich erstmal nur auf das Wesentliche konzentrieren, deine eigenen Gefühle. Die der Anderen solltest du nur dann zulassen, wenn du es willst."

Kyle atmete tief durch. Er versuchte sich nur auf sich zu konzentrieren. Die Wärme von Avas Hände gingen auf ihn über.

"Mach es ganz langsam, nur eins nach dem anderem." Kyle schaute sie an. Am Anfang empfand er eine gewisse Abneigung gegen sie. Sie erinnerte ihn an die Tess, die ihn verraten und Alex getötet hatte. Irgendwie befand er sich deshalb in einem inneren Zwiespalt.

Er konnte sehen, dass sie nicht wie die Tess war, die sie alle beinahe ins Verderben gestürzt hatte, sondern wie die Tess, die er zu Anfang kennen gelernt hatte, eine liebenswerte und ruhige Person.

Erinnerungen stiegen in ihm hoch. Am deutlichsten hatte er das Bild vom Weihnachtstag im Kopf.

Sein Vater und er hatten nie richtig Weihnachten gefeiert. Bis sie mit im Haus lebte und praktisch zur Familie gehörte. An dem Tag wollten sie beide eigentlich ein Spiel im Fernsehen schauen, aber Tess hatte sie davon abgehalten.

Stattdessen waren sie einkaufen gegangen und hatten alles für ein richtiges Weihnachtsessen besorgt. Tess hatte ihr ganzes Haus dekoriert, alles festlich gedeckt, einen Weihnachtsbaum aufgestellt und dafür gesorgt, dass sie ein rundum schönes Weihnachten hatten. Das war das erste Mal, wo er sich so richtig an diesem Tag wohl gefühlt hatte.

Er erinnerte sich auch daran, wie anziehend er Tess fand, bevor das alles passiert war. Nun betrachtete er Ava aus einem ganz anderem Blickwinkel. Sie ließ seine Hände los. "Und? Funktioniert es ein wenig?"

Kyle lauschte auf sein Inneres. Er konnte noch immer die Gefühle der Anderen spüren, aber er versuchte mit seinen Gedanken eine Mauer aufzubauen. Er fühlte, wie diese Mauer langsam höher wurden und die Empfindungen der Anderen abschirmte, bis er nur noch seine Eigenen wahrnahm. Er musste versuchen, diese innere Blockade aufrecht zu erhalten.

Ava stand auf.

Kyle nickte langsam. "Ja, es scheint ein wenig zu klappen."

Ava seufzte zufrieden und wandte sich Liz zu.

"Du konntest deine Visionen nicht kontrollieren, weil du keine Königin warst. Jetzt, da du das Siegel hast, wirst du mit ein wenig Training dazu in der Lage sein. Ich wurde damals auf Antar darauf vorbereitet, das Siegel zu tragen und so auch die Visionen beherrschen zu können, also kann ich dir mein Wissen weitergeben. Du wirst lernen, wie du sie im Zaum halten kannst und sogar den Zeitpunkt definieren, wann du sie bekommst."

Liz fühlte sich mit Avas Hilfe sicherer.

Isabel setzte sich auf. "Ich kann da auch helfen. Das Traumwandeln dürfte ja so ähnlich sein, wie Visionen. Ich konnte auch zuerst nicht steuern, bei wem ich traumwandle. Es ist kein schlafender, aber auch kein wacher Zustand, eher so ein Mittelding. Nach einiger Zeit konnte ich dann jeden Traum einer bestimmten Person zuordnen und gezielt traumwandeln."

"So wird das auch bei dir sein. Du kannst noch nicht gezielt die Visionen bekommen, aber mit ein wenig Übung geht das." Liz nickte leicht. Sie atmete tief durch, um sich zu konzentrieren. Isabel warf ihr ein aufmunterndes Lächeln zu.

Bald würde sie also in der Lage sein, ihre Visionen zu kontrollieren. Ava stützte ihre Hände in die Hüften. "Machen wir für heute Schluss. Ihr müsst nun erst einmal das, was ich euch erklärt habe, aufnehmen und verstehen.“

"Am besten lassen wir euch jetzt allein, damit ihr darüber sprechen könnt. Habt ihr soweit noch Fragen?" Beide schüttelten den Kopf und Ava nickte zufrieden.

Dann stand Isabel auf und verließ mit Ava den Raum. Kyle schloss seine Augen und lehnte seinen Kopf auf das Sofa. Liz setzte sich neben ihn und tat es ihm gleich.

Liz drehte ihren Kopf zur Seite und schaute ihn an. Ihre Blicke trafen sich. "Wenn du dich an damals erinnerst..." begann er "...ich meine, bevor dich Max geheilt hat...hättest du dir da vorstellen können, dass wir heute in dieser Situation stecken?" "Was? Meinst du, dass ich einmal mit dem König eines anderen Planeten verheiratet sein würde und Alienkräfte besäße?" Sie grinste verschmitzt.

Auch Kyle griente. "Ja, das meine ich."

"Tja, dann antworte ich dir...." Sie tat so, als würde sie überlegen und schüttelte dann den Kopf.

"Nein."

Sie alberten noch ein wenig herum und Liz bohrte ihre Finger in seine Seite, so dass er lachen musste.

Sie beide hatten sich verändert und mussten nun lernen, mit diesen Veränderungen klarzukommen.





Währenddessen in Philadelphia:

Immer noch ruhig,“ murmelte FBI-Agent Carl Williams „in 2 Minuten stürmen wir – sag Howard und Frost Bescheid, sie sollen sich bereit halten.“ Er warf einen kurzen Blick zu dem Agenten, der neben ihm sass und sah, dass sein Befehl prompt ausgeführt wurde.

Er hatte mit den anderen Agenten die ganze Nacht im Auto verbracht, vor dem Haus, in der Kensington Road 31 in Philadelphia, in dem sie die Aliens vermuteten. Durch Zufälle und Zeugenberichte hatte das FBI erfahren, wohin sich die Truppe durchgeschlagen hatte. Williams war verblüfft zu sehen, dass sich die Aliens niedergelassen hatten, aber etwas Besseres konnte dem FBI nicht passieren. Heute würden sie sie schnappen.

Es ist soweit.“

Beide Agenten stiegen aus dem Auto und gingen zielstrebig auf das Haus zu. Niemand sonst war auf der Strasse. Aus der Nebenstrasse stießen Frost und Howard auf sie zu. Am Ende der Kensington Road parkte ein dunkler Van und setzte ein Lichtzeichen. Williams hob kurz die Hand und befahl den anderen „Haltet Euch hinter mir“.

Geräuschlos tasteten sie sich am Haus entlang. Frost und Howard positionierten sich jeweils an beiden Seiten der Haustür und hielten ihre Waffen bereit, während McCarthy und er sich hinter sie stellten.

Fertig“

McCarthy trat die Tür auf und sie stürmten hinein. Das Haus war leer.

Seht in allen Räumen nach!“

Williams Stimme überschlug sich fast vor Fassungslosigkeit. Er war außer sich. Er spürte, wie sein Herz begann schneller zu schlagen und der Schweiß auf seine Stirn trat. Das konnte nicht sein! Die Hinweise, die sie erhalten hatten, waren klar und deutlich. Die Aliens mussten hier sein.

Niemand da, Sir! Es sieht aus, als hätte hier schon lange niemand mehr gewohnt.“ Entgeistert starrte Williams auf die bordeauxfarbenen Vorhänge, bevor sein Blick zu dem abgenutzten, rauen Stoff ging und dann weiter zu den alten abgewetzten Sesseln schweifte, bevor er die, eigentlich für die Müllhalde gedachten, abgenutzten Schränke in Augenschein nahm.

Schauen Sie mal, Sir.“ McCarthy hielt einen Brief in seiner Hand. „Zeig her! Wo hast Du ihn gefunden?“ „Auf dem Tisch, dort am Fenster“ erwiderte McCarthy und übergab ihn Williams, der ihn sofort öffnete und laut vorlas.

....da ihr Wasserverbrauch in den letzten Wochen enorm angestiegen ist, muss ich ihre Nebenkosten um 40 Dollar erhöhen. Mit freundlichen Grüßen...“

Der ist vom Vermieter und an einen gewissen Christian Holden gerichtet.“

Verstört starrte Williams auf den Brief. Er überlegte fieberhaft, seine Gedanken rotierten. Plötzlich steckte er den Brief in seine Jackentasche und schrie: „Wir gehen. Mc Carthy, nehmen Sie Frost und Howard und befragen Sie die Nachbarn - ich will jedes kleinste Detail wissen!“ Die Agenten verließen das Haus in Richtung Nachbarschaft und klopften.

Guten Morgen, Ma`am, FBI“, stellte Williams sich vor und zeigte seine Marke. „Wir suchen die Leute aus ihrem Nachbarhaus. Wissen Sie, wo sie sind?“

Die Frau blickte skeptisch und rief nach ihrem Mann, der mürrisch herbeischlurfte „Was gibt’s? Weshalb stören Sie so früh am Morgen?“

Wir suchen nach den jungen Leuten, die nebenan gewohnt haben.“

Wir wissen nichts! Wenn sie etwas erfahren wollen, reden sie mit dem Vermieter, der hat sich öfters mit ihnen unterhalten als wir“, erwiderte der Mann mürrisch.

Danke, wir brauchen noch ihre Personalien. Halten Sie sich bereit, falls wir noch etwas wissen wollen“, erwiderte Williams.

Komm, Franny!“ entgegnete der Mann und zog seine Frau mit sich.

Die Tür fiel zu und Williams hörte noch schwach „Scheiß FBI. Sollen doch sehen, wo sie ihre Informationen herbekommen.“

McCarthy, kommen Sie, wir müssen zum Vermieter, ein Mr. Eric Weiss!“ befehligte Williams dem Agenten.

Was haben Sie bei den Nachbarn herausgefunden? Reden Sie schon!“ Er war wütend, nein sauer, verdammt sauer.

Die Nachbarn haben so gut wie nichts bemerkt. Sie sagen, die Truppe hätte sich total unauffällig verhalten. Sie seien zu 6 gewesen, 3 Frauen, 3 Männer. Kontakte zu anderen Leuten hätten sie nicht gepflegt. Selbst die Nachbarin, die direkt nebenan wohnt, hat sie fast nie gesehen. Sie sagte, dieser Holden hätte einen netten Eindruck hinterlassen, aber seine Frau sei sehr blass gewesen. Sie wären erst kürzlich hier eingezogen und sie dachte, sie wollten sich niederlassen. Mehr fiele ihr im Moment nicht ein.“

Williams hatte aufmerksam zugehört. Es war nicht viel für den Anfang, aber der Vermieter würde ihnen sicher weiterhelfen können.

Williams und McCarthy fuhren die Strasse hinunter und bogen nach links ab, parkten vor dem Haus und klopften.

Wer macht hier solch einen Krach?“ schrie eine Stimme und die Tür wurde aufgerissen. „Was wollen Sie, Mann?“ Vor den zwei Agenten stand ein Mittfünfziger mit zerzaustem Haar und den Überbleibseln einer anscheinend mit Alkohol durchzechten Nacht.

Williams – FBI. Mr. Weiss, ich habe eine Frage zu den Mietern in ihrem Haus in der Kensington Road 31.“

Was wollen Sie, Mann“, wiederholte der Typ „gewöhnlich unterhalte ich mich nicht mit dem FBI.“

Williams zog einige Fotos aus seiner Jackentasche und hielt sie dem Kerl vor die Nase. „Sind das die Leute, die von Ihnen das Haus in der Kensington gemietet haben?“ fragte er. Auf den Fotos waren Max und die anderen zu sehen – klar und deutlich.

Ich kenne diese Typen nicht. Noch nie gesehen“, erwiderte der Vermieter trotzig und wollte die Tür schließen, doch Williams stellte seinen Fuß zwischen die Tür.

Wir sind noch nicht fertig“, zischte er und zeigte mit seinem Finger auf Max „Sein Name ist Max Evans. Ich frage noch einmal, ist er der Mann, dem sie das Haus vermietet haben?“

Es hat sich niemand unter einem Max Evans bei mir eingenistet“ ,versuchte sich der Vermieter herauszureden.

Williams war plötzlich mit seiner Geduld am Ende. Erst der missglückte Übergriff und jetzt auch noch ein schwachköpfiger Vermieter, der nicht reden wollte. Blitzschnell fasste er den Vermieter an die Gurgel.

Ich will Details, konkrete Details, auf der Stelle...“, fauchte er. Der Vermieter rang nach Luft. „Ja, ja, es ist der Typ, aber sein Name war nicht Max Evans“, presste er heraus.

Williams liess nicht locker. „Weiter!“ befehligte er. „Sein Name war Christian Holden. Er… und seine Frau Jessica Holden haben das Haus gemietet.

Sie...sie waren zu 6. Die anderen..“, er zog kurz Luft „die anderen hießen Jennifer Jackson, Peter Johnson, Laura Stone und, ich glaube, Daniel Meyer“, stammelte er völlig fertig.

Weiter!“ kommandierte Williams und verstärkte seinen Griff.

Sie haben plötzlich vor 3 Tagen das Haus gekündigt, kam mir auch seltsam vor, aber ich habe aufgehört, mir um andere Leute Gedanken zu machen“, stotterte der Vermieter schweißgebadet.

Haben Sie eine Ahnung, wo sie hinwollten?“ „Nein, ich kassierte noch die letzte Miete und wie gesagt, alles andere kümmert mich wenig“, erwiderte der Vermieter kleinlaut. „Ich brauche alles, was sie haben! Sehen Sie in Ihren Unterlagen nach. Sie müssen sich doch das Kennzeichen von ihrem Auto notiert haben.“ Williams ließ nicht locker. „Wenn es unbedingt sein muss“, piepste der Vermieter „aber wir müssen in mein Büro.“ „Gehen Sie voran! Und machen Sie keine Dummheiten!"

Der Vermieter war jetzt total eingeschüchtert. Er schlurfte in sein Büro, mit den Beamten im Schlepptau. Dieses war ein Chaos aus Unterlagen, Aktenordnern, Zigarettenkippen und Flaschen.

Mit zittrigen Händen durchwühlte Weiss seinen Schreibtisch, bis er das richtige Schriftstück fand.

Hier...hier steht das Kennzeichen.“ „Christian Holden.....3579EF – Philadelphia“, murmelte Williams. „Ich notiere mir immer das Kennzeichen für den Fall, dass den Leuten einfällt, über Nacht zu verschwinden“, erwähnte der Vermieter kleinlaut. „Welches Auto fuhren sie?“ „Ich glaube, es war ein dunkelblauer Van, ein älteres Modell – unauffällig eben.“ „Wissen Sie, in welche Richtung sie wollten?“ „Nein, dieser Holden hat einfach nur bezahlt – viel geredet hat der sowieso nie. Alles andere kümmerte mich nicht - wie bereits gesagt.“ „Ich nehme das hier mit“, erwiderte Williams und steckte das Papier ein. „Halten Sie sich bereit, falls wir noch Fragen haben sollten.“

Shit - das hat mir gerade noch gefehlt“, warf der Vermieter ein und verließ zusammen mit den Agenten den Raum. Jetzt musste er sich auch noch mit dem FBI herumschlagen.

Sir, haben Sie noch etwas herausgefunden?“ fragte McCarthy, als Williams auf der Strasse wieder zu ihm stieß. „Ich habe ein Autokennzeichen und werde dies sofort zur Fahnung rausgeben. Kommen Sie, gehen wir.“ Sie kamen am Auto an und Williams griff nach seinem Funkgerät. „Zentrale! Hören Sie, hier ist Williams, ich habe ein Kennzeichen – 3579EF – Philadelphia – ein dunkelblauer Van - geben Sie das sofort in die Fahndung – ich will das Auto, sofort, wenn’s geht!“ Er schrie fast, so musste er sich plötzlich zusammenreißen. Schon wieder waren die Aliens ihnen entwischt.

Und sagen Sie mir sofort Bescheid, wenn sie etwas wissen.“ „Jawohl, Sir“, erklang es am anderen Ende. Sie wollten gerade losfahren, als sich eine Stimme über das Funkgerät meldete „Williams, hören Sie. Wir haben da eine Meldung hereinbekommen. Jemand vom Flughafen in Washington hat ein verdächtiges Fahrzeug gemeldet. Die Beschreibung passt auf das Fahrzeug – das Kennzeichen auch.“ Sollten sie doch noch Glück haben?

Am Flughafen in Washington? Seit wann steht das Auto dort?“ „Das Auto wurde vor 3 Tagen dort abgestellt, Sir. Bisher hat sich niemand mehr um das Fahrzeug gekümmert“ „Niemand soll das Auto anfassen. Wir sind auf dem Weg!“ schrie Williams. Seine Geduld war am Ende.

Jawohl, Sir. Ich gebe sofort Bescheid“, krächzte die Stimme aus dem Funkgerät. „Nach Washington“, murmelte Williams und startete den Motor des Wagens.

Die Agenten erreichten den Flughafen 6 Stunden später. Nachdem sie das Auto inspiziert und nichts Auffälliges gefunden hatten, machten sie sich auf den Weg zu den Schaltern. Sie mussten herausbekommen, in welche Richtung sich die Aliens abgesetzt hatten, und das hieß, alle Fluglisten der letzten 3 Tage durchsehen. Doch so einfach, wie Williams sich das vorgestellt hatte, war es nicht. Die jeweiligen Airlines weigerten sich, ihre Listen herauszugeben.

FBI hin, FBI her. Erst als Williams das Okay von ganz oben lieferte, fügten sich die Airlines widerwillig.

Nun saß Williams mit seinen Agenten in einem eigens für sie hergerichteten Raum und durchforsteten die Listen. Die Luft war stickig, ein Nebel aus Zigarettenrauch hing unter der Decke, der abgestandene Kaffee schmeckte bitter und die Stimmung war auf dem Tiefpunkt . McCarthy spürte, dass sein Chef bald die Geduld verlieren würde und er trieb seine Männer an.

Was ist? Immer noch nichts gefunden?“ schrie er und alle zuckten zusammen. „Wir haben bis jetzt alle kleineren Airlines durch, die ausländischen ebenfalls, wir sind gerade an....“, stammelte Frost.

Sir, Sir, ich glaube, wir haben Glück, Sir....sehen Sie!“ schrie Howard ganz aufgeregt und hielt eine Liste in seiner Hand. „Zeigen Sie her! Zeigen Sie her, Mann, nun geben Sie schon her!“ fauchte Williams.

Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, sein Magengeschwür machte ihm wieder zu schaffen. Er musste die Aliens schnappen, denn sollte diese Aktion von Erfolg gekrönt sein, wäre seine berufliche Laufbahn gesichert. Wenn nicht... Er starrte auf das Papier und las die Namen leise vor „Christian Holden, Jessica Holden, Jennifer Jackson, Peter Johnson, Laura Stone, Daniel Meyer, Flug 706, American Airlines nach Los Angeles.“

Williams raste das Herz. Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Er hatte gehofft, er würde sie finden, aber dass sich die Aliens noch nicht einmal andere Namen zugelegt hatten, damit hatte er nicht gerechnet. Williams konnte sein Glück nicht fassen.

McCarthy, verständigen Sie sofort das FBI in Los Angeles, schicken Sie die Bilder rüber und sagen Sie, dass wir sofort kommen“, wies er seinen Kollegen im scharfen Ton an. McCarthy zuckte zusammen und rannte zum Telefon. Los Angeles. Dort würden sie sie finden!

Mitten in der Nacht

Mit einem erschreckten Stöhnen fuhr Isabel aus dem Schlaf. Der Traum von glücklichen Stunden mit Jesse war so real, dass sie die Nachwirkungen noch spüren konnte. Gerade dies war es, was sie verzweifeln ließ. Doch entschloßen nicht daran zu denken, stand sie auf und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. Ihr Blick fiel auf ihren Ehering, der in ihrer zerwühlten Bettdecke lag und den sie, während ihres Traumes, offenbar abgestreift hatte. Tränen glitzerten in ihren Augen, als sie ihn wieder auf ihren Finger streifte und sich erhob.

Am nächsten Tag

"Wißt ihr, ich habe es ja nicht so eilig und ich genieße den Aufenthalt hier geradezu, aber meint ihr nicht, es sei Zeit die Zelte abzubrechen?" Die anderen gewahrten in Michaels Stimme einen dezenten Hinweis auf seine Ungeduld, die jedoch nachvollziehbar war und den sie dennoch nicht ändern konnten. "Hat überhaupt jemand was dazu zu sagen?"

"In der Ruhe liegt die Kraft?" Kyle grinste ihn vielsagend an. Er konnte Michaels Gefühlslage genau spüren, mit dem Vorteil, dass er seine eigenen Empfindungen herausfiltern konnte. Er war zwar noch im Training, wurde aber mit jedem Tag sicherer.

"Du weißt, dass Ruhe nicht unbedingt meine große Stärke ist, aber mit Kraft kann ich dienen und zwar, wenn eine meiner Fäuste auf deiner Nase landet!"

Beschwichtigend und zum Zeichen der Aufgabe hob Kyle die Hände in die Höhe. "Diese gute Laune heute wieder!" Maria zwinkerte Michael betörend mit ihren dichten Augenwimpern zu, was ihn völlig kalt ließ.

"Ist euch eigentlich klar, was passiert, wenn sie uns erwischen?" Michael klang inzwischen nicht mehr nur ungeduldig, sondern geradezu gereizt.

"Nein, Michael, wir sind nur der Reiselust wegen durch halb Amerika gereist!" Michael fixierte Maria wie einen lästigen Stein unter seinem Schuh, bis sich sein Argwohn gegen Ava richtete, die ihren Einwand leise, aber dennoch konsequent vorbrachte.

"Ich komme nicht mit!" "Was heißt das bitte konkret?" Michael suchte regelrecht nach Ärger. "Das heißt, was es heißt. Ich komme nicht mit. Ich gehöre nicht dazu und ich bin, was die Teameinbindung betrifft, völlig unfähig."

"Entschuldige, wenn ich dich jetzt enttäuschen muss, aber hinsichtlich deiner Freiheitsliebe hast du keine Entscheidungsgewalt. Oder dachtest du, wir wollten kurz Superman spielen, dich da rausholen und unserer Wege ziehen? Ava, wach auf und träum, wenn du Zeit hast zu träumen! Du bist hier um Tess zu ersetzen!"

"Wer denkst du, bist du, um mich aufzuhalten? Ich habe euch nie darum gebeten mich aus dieser Situation zu retten! Und ich werde einen Teufel tun und in Tess´Rolle schlüpfen!" Wütend ballte sie die Fäuste zusammen und knirschte mit den Zähnen.

"Du hast dich aber auch nicht gerade gegen uns gewehrt." "Das nächste Mal weiger ich mich einfach und du kannst dann dein Leben weiterleben!" Ava war kurz davor ihn anzuspringen.

Der Disput wurde weitgehend zwischen Michael und Ava ausgetragen, bis Liz sich einmischte, ihm einen warnenden Blick zuwarf und sie zur Seite zog. Sie hielt es für angebracht, Ava über die Vergangenheit aufzuklären und vielleicht bewog es Ava dazu, ihnen bereitwillig zu folgen.

"Ich nehme an, du weißt nicht, warum dich Michael so drängt mit uns zu kommen. Woher auch? Seine Heftigkeit ist schwer zu verstehen, wenn man nichts darüber weiß. Vielleicht denkst du danach anders." Liz hatte sie an die Hand genommen und in eine ruhige Ecke gezogen, in der sie sich mit ihr niederließ. Natürlich unter den wachsamen Augen von Michael. Liz Stimme hatte einen ausdruckslosen Klang angenommen. Damit gelang ihr etwas, dass sie bis dato für völlig unmöglich hielt, nämlich ihre Gefühle im Zaum zu halten.

"Es ist schon eine Weile her, da bekam ich zuhause Besuch von Max aus der Zukunft. Er klärte mich dahingehend auf, dass ich Max verlassen und alles dazu tun sollte, um ihn mit deinem Double, Tess, zusammenzubringen. Ich tat es, um uns zu retten, uns alle, und es gelang tatsächlich, wenn auch nur kurzzeitig. Tess vervollständigte das Pod Squad, ohne sie waren Max, Michael und Isabel verwundbar."

Ava wagte einen leisen Einwand. "Wenn das so ist, wie du sagst, was ist mit Tess geschehen? Wo ist sie und warum ist sie nciht bei euch?"

Liz seufzte mit verhaltenem Bedauern. Sie vermißte sie nicht, doch ihr Tod hatte sie keinesfalls gefreut. "Sie ist tot. Auch das ist schon einige Zeit her und eine sehr lange Geschichte. Aber ich werde mir die Zeit nehmen und es dir erklären. Mir bleibt wohl auch keine andere Wahl." Liz lächelte Ava an und diese gab das Lächeln verhalten zurück.

"Nachdem ich Max in Tess Arme getrieben hatte, brachte sie Alex dazu, das Buch, welches euch damals mitgegeben wurde, zu übersetzen. Sie hat es geschafft ihm ihren Willen aufzuzwingen. Er... er hat es nicht überlebt!" Ihre Stimme brach. Sie hatte mal davon gehört, dass der Schmerz vergehen oder zumindest, nach einer gewissen Zeit, leichter werden sollte. Das konnte sie nicht bestätigen. Die Lücke, die Alex hinterlassen hatte, konnte nicht gefüllt werden.

Ava registrierte Liz Trauer und respektierte sie. Sie griff nach Liz Glas, goss ein wenig Mineralwasser hinein und gab es ihr. Liz nahm es dankbar an. "Warum hat Tess das getan? Wäre es nicht einfacher gewesen, Alex und euch um Hilfe zu bitten?"Ava verstand nicht, warum ihr Dublikat diesen Weg gewählt hatte, doch ihr Unverständnis sollte bald gelöst werden.

"Nun, Alex war tot, weil sie mit uns ein falsches Spiel trieb. Ich habe sie zwar in Max´Arme getrieben, aber sie hatte ohnehin vorgehabt ihn zu bekommen, mit ihm zu schlafen und schwanger zu werden. Es traf auch tatsächlich ein. Sie wurde schwanger von ihm und wollte mit dem Kind nach Antar zurück, Max, Isabel und Michael im Schlepptau, um sie an Khivar auszuliefern." Ungläubig schnappte Ava nach Luft.Sie hatte Tess nicht getraut und brachte ihr keine großen Sympathien entgegen, doch eine solch große Niedertracht war schwer nachzuvollziehen. Irritiert strich sie sich eine Strähne ihres blonden Haares aus den Augen.

"Khivar! Er hatte also auch seine Finger im Spiel!" Liz nickte. "Ja, und mehr als einmal funkte er dazwischen, aber der Reihe nach. Wir konnten Tess aufhalten, zumindest soweit, dass sie Max, Isabel und Michael nicht mehr mitnehmen konnte. Sie selbst jedoch gelangte mit ihrem Sohn nach Hause und Khivar schaltete sich dann persönlich ein. Er wollte Isabel zurückholen, doch seine Bemühungen blieben erfolglos. Sie konnte sich gegen ihn zur Wehr setzen und blieb somit verschont." Liz erinnerte sich noch genau an Isabels Schilderung, ebenso an die von Max. Sie war froh, dass es glimpflich abgelaufen war.

" Es ist also so, dass wir Tess verloren haben und das Pod Squad nun nicht mehr vollständig war, deshalb bist du der Ersatz. Du bist das Beste, was wir haben, Ava, und es liegt in deiner Hand! Allerdings würde ich nicht sagen, dass wir dich nur deshalb gerettet haben. Ich hoffe, du glaubst mir das!" Liz schaute Ava in die Augen und diese erkannte die Ehrlichkeit darin. Sie hielt Liz keiner Lüge für fähig, jedenfalls keiner um des eigenen Vorteils willen.

"Gut, es erklärt, sicherlich zum Teil, warum ihr mich gerettet habt. Das ist mir jetzt klar geworden. Aber warum, um alles in der Welt seid ihr auf der Flucht? Ich erinnere mich noch gut an die Schilderungen über eure Familien, und wie beschützt ihr aufgewachsen seid, zumindest die Meisten von euch." Sie schenkte Michael einen kurzen, mitleidslosen Blick.

"Haben sie herausgefunden wer Max, Michael und Isabel sind?" "Nein, das ist es nicht, weshalb wir auf der Flucht sind. Ich bin zwar froh, dass sie es nicht so herausgefunden haben, aber es ist alles noch viel schlimmer. Das FBI jagt uns. Wir hatten es bis dahin immer geschafft uns weitgehend bedeckt zu halten. Aber Tess kehrte zurück und das nicht gerade lautlos. Das FBI hatte das Raumschiff in die Airforce Base schleppen lassen und als sie es öffneten, brachte Tess dabei einige Menschen um. Als sie Max ihren gemeinsamen Sohn zurück brachte, lieferte sie uns der Gefahr aus, vom FBI gefangen genommen zu werden."

"Warum kam Tess zurück? Ich meine, sie war ja bei Khivar, dort, wo sie sein wollte!" Ava bemühte sich, Tess Handlungsweise nachzuvollziehen, was ihr erheblich schwer fiel. "Sie war zwar bei ihm, doch dadurch nicht sicherer, denn der hielt sich nicht an seine Versprechungen und trachtete nach dem Leben ihres Sohnes. Sie hatte Angst und kam zurück. Sie wußte, dass Max alles tun würde, um seinen Sohn zu beschützen, vor Khivar und auch vor dem FBI."

"Das erklärt natürlich einiges, aber ich habe in der gesamten Zeit, in der ich jetzt mit euch zusammen bin, kein Baby gesehen. Er ist doch nicht gestorben, oder?" Sie kannte den kleinen Jungen nicht, hoffte aber dennoch, dass er nicht gelitten hatte. "Nein, Zan, so heißt er, ist nicht bei uns. Max hat ihn schweren Herzens bei menschlichen Adoptiveltern zurückgelassen! Dort wird es ihm besser gehen, als bei uns!" Liz erinnerte sich nur zu gut an den Abschied und wie sehr Max gelitten hatte. Es tat ihr immer noch weh an diese Szene zu denken.

"Tess hat zugelassen, dass Max ihn weggibt? Und was ist, wenn der Junge irgendwann seine Fähigkeiten entwickelt? Dann wird er ebenso in Gefahr sein wie ihr!" "Nein. Sie konnte weder etwas befürworten noch ablehnen, zu dem Zeitpunkt war sie schon tot. Was die Erbmasse von Zan angeht, konnten wir ihn beruhigt abgeben. Er ist rein menschlich. Er kann nicht mit Max und den anderen in Verbindung gebracht werden."

Ava überlegte kurz und entschied sich dennoch dafür, zu hören, wie Tess gestorben war. Sie hatte ein komisches Gefühl bei dem Gedanken an Tess Tod. "Was ist mit ihr geschehen?" "Wir haben versucht Tess und den Jungen zu retten. Max und Michael wollten sie mittels ihres Mindwarps durch die FBI-Kontrollstellen schleusen. Doch Tess war aufgrund der unsanften Landung viel zu erschöpft, um ihre Kräfte bei dieser Aktion aufrecht zu erhalten und so mußten sie zurückkehren. In der Zwischenzeit durchsuchte das FBI schon sämtliche Häuser der Stadt und auch für Max und Isabels Eltern war es kein Geheimnis mehr, wer ihre Kinder in Wirklichkeit waren. Doch sie unterstützten sie. Wir harrten nun aus, und hofften, dass wir dem FBI entgehen würden. Tess jedoch entschloß sich dazu, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und weckte mich in der Nacht. Ich sollte sie zu der Airbase zurückbringen. Ich tat es und sie ging hinein. Es gab mehrere Explosionen und im Grunde war es glatter Selbstmord für sie. Sie wußte, was sie tat. Sie wollte die Spur auf sich lenken, damit wir, vor allem ihr Sohn, sicherer waren."

Liz sagte Ava nicht, dass sie und Tess sich ausgesprochen hatten, es war unnötig und half nicht darüber hinweg, in was für einem Dilemma sie steckten. "Danach waren wir an der Reihe. Sie hatten unsere Spur dennoch wie Bluthunde aufgenommen und trachteten nicht nur danach uns in ihre Hände zu bekommen, sondern uns zu töten. Auf der Abschlussfeier hatten sie uns umstellt, doch wir konnten entkommen,auch wenn es knapp war.Wir haben es geschafft, inzwischen nun über Monate hinweg, ihnen aus dem Weg zu gehen. Mit dir, wird die Chance zu entkommen noch ein wenig größer!"

Ava hatte sich zurückgelehnt. Nachdenklich blickte sie Liz an und sie war sich im Klaren darüber, dass sie eine Entscheidung treffen mußte, die sie selbst und die anderen zufriedenstellte.

Maria versuchte indes Michael weiterhin zu beruhigen. Ein Unterfangen von mittlerem Schwierigkeitsgrad, denn Michael war bekannt für seine Impulsivität. Max und Kyle hielten sich zurück. Ersterer wollte nicht wieder einen unnützen Streit provozieren, zumal er Michaels Gründe kannte und verstand und letzterer wollte keine Bekanntschaft mit seiner Kraft machen.

Er fürchtete seine Nase würde das nicht aushalten. "Du solltest es ruhiger angehen lassen! Ich sehe schon ein graues Haar bei dir auf dem Kopf und du bist noch nicht einmal mitte 20!" Sie lachte ihn freundlich an.

"Wenn wir hier nicht bald wegkommen und zwar mit ihr, dann wird keiner von uns mehr mitte 20 werden." Er lief in dem Zimmer hin und her wie ein eingesperrter und durchgeknallter Tiger bis sich ihm seine Freundin in den Weg stellte.

"Spaceboy, locker bleiben! Du gefällst mir mit deiner jetzigen Haarfarbe wesentlich besser. Ich stehe nicht so auf ergraute Mitfünfziger! Wir werden gehen! Bald, wenn alles zu unserer Zufriedenheit geklärt ist. Niemand verfolgt uns bisher. Wir waren die ganze Zeit über sehr vorsichtig und von daher sollten wir mit Ruhe an die Sache rangehen. Es bringt uns überhaupt nichts, wenn wir jetzt überstürzt weggehen und Fehler begehen. Dann können wir sie vielleicht nie wieder gut machen und stehen vor neuen Problemen! Und Ava zu zwingen, würde uns nur mehr Arbeit bescheren. Wir müßten auf sie aufpassen und sie bewachen und sie wäre nicht auf unserer Seite. Das wäre ein Fehler, den wir uns nicht leisten können!" Sie strich sanft über seinen Arm, während er auf sie hinunterschaute.

Er war nicht vollends von ihren Argumenten überzeugt, ganz davon abgesehen, dass er das öffentlich niemals zugeben würde. Er gab jedoch Ruhe,... für den Moment.

Ava schwirrte der Kopf von all den Informationen, die sie soeben erhalten hatte. Sie musste diese erst einmal verarbeiten, aber eines war ihr jetzt schon klar, sie mussten alle zusammen bleiben. Davon hing ihr Leben ab. Sie war wichtig, diese Erkenntnis erwärmte sie und zauberte ein kleines Lächeln auf ihre Lippen. Nur gab es ein Problem.

Ich hab gar keine Papiere.“ Unbehaglich blickte sie zu Max. Nach kurzem Grübeln, stand Max entschieden auf. „Das dürfte kein Problem sein. Cal, du wirst für Ava saubere Papiere besorgen, damit wir keine Schwierigkeiten bekommen. Und du hast dafür nur eine Stunde Zeit. Wir anderen werden in der Zwischenzeit unsere Sachen zusammenpacken.“

Ein verächtliches Schnauben war Cals Antwort. „Bin ich euer Laufbursche, oder was? Nur weil die kleine Schnecke es nicht für nötig hielt, sich Papiere zu besorgen, muss nun ich wieder meinen Kopf hinhalten? Vergiss es!“

Du wi...“ Doch bevor Max weitersprechen konnte, schnitt Liz ihm das Wort ab. „Bitte, Cal, wenn wir die Papiere selbst besorgen könnten, würden wir es auch tun. Aber es geht nicht. Dazu fehlt uns die Zeit und auch die Möglichkeiten. Das ist das Letzte, worum wir dich bitten, danach bist du uns los. Also besorg uns die Unterlagen für Ava.“

Cal kam der Bitte von Liz nach. Schließlich war sie ja jetzt seine Königin und er hatte auch ein wenig Respekt vor ihr. Abgesehen davon war sie die einzige, die ihn nicht befehligen wollte. Alle schauten verwundert zu Liz. Ein ruhiges Wort von ihr und Cal war wie verwandelt, er tat es ohne ersichtlichen Widerwillen. Irritiert sah Max von Cal zu seiner Frau. Die Frage und auch sein eigener Unwillen darüber, dass Liz es so leicht hatte, waren deutlich in Max` Augen zu lesen.

Max, Cal hasst dich. Das hast du mir damals selbst gesagt, als du aus LA zurück kamst. Du hattest alles zerstört, was er sich aufgebaut hatte. Das kann er eben nur schwer vergessen. Er wird immer mit kontra auf dich reagieren. Und du wirst immer darauf anspringen. Das wird sich nicht ändern.“

Und das er sich auf meine Bitte hin sofort in Bewegung gesetzt hatte, kann ich mir nicht wirklich erklären.“ „Aber ich könnte mir denken, wieso. Du bist jetzt schließlich die rechtmäßige Königin von Antar, also muss er auch deinen Befehlen folge leisten!“ schloss Ava. Jeder dachte über die Aussage Avas nach, keiner sagte jedoch etwas dazu.

Fangt an zu packen, damit wir hier schnell weg kommen“, sagte Max noch leicht verärgert und ging dann ins Bad. Die Anderen begannen mit ihrer Arbeit. Kyle folgte ihm, um seine Sachen zu holen, während Max sich gerade Wasser ins Gesicht spritzte.

Hey, Max, verbrauch aber nicht zu viel Wasser, nicht das wir wieder nachzahlen müssen“, scherzte Kyle.

Max, der sich gerade das Gesicht mit einem Handtuch abtrocknete, hielt mitten in seiner Bewegung inne und starrte Kyle erschrocken an. „Mist, wo ist eigentlich das Schreiben vom Vermieter?“ murmelte Max und schritt hektisch ins Schlafzimmer. Er durchwühlte seine Reisetasche, jedoch ohne Erfolg, auch in seiner Jackentasche fand er nichts.

Liz schaute ihn verwundert an. Sie verstand nicht, warum er die Sachen durchsuchte, die sie schon für sie beide gepackt hatte. „Was ist los, Max?“ wollte sie wissen. „Soll das heißen, du weißt nicht, wo er ist?“ fragte Kyle Max schon leicht nervös. „Wo was ist?“ hakte Liz nach. Aber sie wurde ignoriert. „Nein, verdammt“, Max ließ deprimiert die Arme an der Seite hängen. „Wir haben es wahrscheinlich im Haus in Philly liegen lassen.“

Könntet ihr mir freundlicherweise sagen, wovon ihr redet?“ erhob sie ihre Stimme schon leicht verärgert. Endlich antwortete Max ihr „Wir suchen das Schreiben wegen des hohen Wasserverbrauchs von Mr. Weiss.“

Vielleicht hat es ja einer der anderen eingepackt“, schlug sie vor „Wir sollten sie erstmal fragen, bevor wir uns jetzt umsonst verrückt machen.“ „Du hast Recht“, stimmte Kyle zu und öffnete die Verbindungstür zum anderen Zimmer.

Hey, Leute, kommt mal kurz rüber,“ forderte er Maria, Michael, Isabel und Ava auf. „Was gibts denn?“ fragte Michael, als alle versammelt waren. Unbehaglich fing Max an „Hat einer von euch das Schreiben vom Vermieter eingepackt?“ „Ich dachte, du hättest es eingesteckt“, erwiederte Michael. „Genau“, entgegneten auch Isabel und Maria aus einem Mund. „Nein, ich hab es leider auch nicht. Also wurde es doch im Haus vergessen und wird dort noch auf dem Tisch liegen“, seufzte Max. „Und was bedeutet das jetzt?“ Verwirrt blickte Maria ihn an. „Das Schreiben war an mich, bzw Christian Holden, adressiert. Wenn das FBI den Brief findet, hat es unsere derzeitigen Decknamen“, erläuterte Max.

Na toll. Super. Also kann es sein, dass draußen schon das FBI auf uns wartet. Und was jetzt? Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie uns finden.“ Aufgebracht lief Isabel im Zimmer auf und ab.

Ava war nun leicht irritiert. „Wieso so eine Panik? Ihr habt zurzeit Decknamen, die das FBI höchstwahrscheinlich schon längst herausgefunden hat. Wieso ändert ihr dann nicht einfach wieder eure Namen? Das dürfte doch kein Problem sein.“

Stimmt, wir müssen uns neue Namen geben und die ID`s ändern.“ Liz wandte sich an Ava, „Ava, kannst du das für uns machen?“ „Klar, das ist eine Kleinigkeit. Gebt mir eure Ausweise und sagt mir den Namen, den ihr haben möchtet.“ Sie nahm sich Stift und Zettel, um die Namen schon mal zu notieren.

Liz blickte zu Max und fing an. „Frank und Sophia Brooke.“

Ethan Thompson“, folgte Kyle.

Amy McAllister, damit wenigstens etwas an meine Mutter erinnert.”

Jack Burden klingt nicht schlecht”, gleichgültig warf Michael seinen Ausweis auf den Tisch.

Grace Harford“, schloss Isabel

Ok, während Ava die ID´s ändert, beeilen wir uns mit dem Packen. Und sobald Cal wieder da ist, brechen wir auf,“ befahl Max und jeder machte sich an die Arbeit.



In der allgemeinen Hektik, bemerkte niemand, wie sich die Tür öffnete und Cal das Zimmer betrat. Amüsiert ließ er seinen Blick durch den Raum gleiten, bevor er verwundert die Stirn runzelte. Alle schienen es sehr eilig zu haben, ihre Sachen zusammen zu packen. Doch was ihn am meisten irritierte, war Ava.

Sie stand, tief in Gedanken versunken, über den Tisch gebeugt. Plötzlich streckte sie die Hand aus und ein violettes Leuchten verließ ihre Handfläche. Der Tisch blitzte kurz auf, bevor sie sich zufrieden aufrichtete und ihr Werk betrachtete.

Auch ohne genau zu erkennen, was sie in der Hand hielt, wusste Cal was es war. Stellte sich nur die Frage, wieso die anderen ihr so leichtsinnig die Papiere überließen.

Grace Harford“ Erwartungsvoll sah sie auf Isabels gebeugte Gestalt. Als diese nicht sofort reagierte huschte ein unsicherer Ausdruck über ihr Gesicht. „Lonnie, dein…“

Weiter kam sie nicht, denn plötzlich fuhren alle Köpfe zu ihr herum. Aus den Augenwinkeln bemerkte Cal, wie Michael die Augen wütend zusammenkniff und Ava anfunkelte. „Sie heißt Isabel, nicht Lonnie, Vilandra oder wie auch immer du die andere genannt hast.“

Für einen Moment sah es so aus, als würde sie sich wirklich einschüchtern lassen, doch dann lehnte sie sich lässig gegen den Tisch und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich denke ihr Name ist ab sofort Grace. Es wäre besser sich schnell daran zu gewöhnen, andernfalls fliegen wir rasch wieder auf.“

Cal hatte genug. Sein Eindruck, es mit einem Haufen Idioten zu tun zu haben, verstärkte sich immer mehr. Mit seinem Fuß verpasste er der Tür einen Stoß und ließ sie krachend ins Schloss fallen. „Was treibt ihr da?“ Irritiert sah er jeden einzelnen an. „Und was soll das mit dem Namen?“

"Ein Brief mit Max`s alten Decknamen wurde liegen gelassen." Sie zuckte leicht mit den Schultern, als wäre es völlig blanglos. "Mit diesem Namen wird es dem FBI leichter fallen, sie zu finden. Um erstmal wieder untertauchen zu können, ändere ich ihre Namen."

Für eine Sekunde sah er sie ausdruckslos an, doch schon im nächsten Moment brach er in schallendes Gelächter aus. Trotz Michaels wütendem Blick und Max streng zusammengepressten Lippen, dauerte es etwas, bis er sich wieder beruhigt hatte. Immer noch grinsend reichte er Ava einen Umschlag. „Da ist alles drin, was du brauchen wirst, Geburtsurkunde, Pass und einen Führerschein. Ich habe die Papiere auf den Namen Drew Kennsinger ausstellen lassen. Außerdem findest du einen Lebenslauf, den du dir genau ansehen solltest. Darin steht alles, was wichtig ist.“ Er wartete noch einen Moment, bis sie alle Unterlagen auf ihre Vollständigkeit geprüft hatte, bevor er sich der Gruppe zuwandte.

Ich kann wirklich nicht verstehen, wie ein ganzes Volk der Meinung war, dass ihr sie retten könntet.“ Kopfschüttelnd lehnte er sich mit dem Rücken an die Tür. „Ihr werdet doch wohl einen Mietvertrag für das Haus abgeschlossen haben, oder seid ihr dort einfach eingebrochen?“ „Selbstverständlich haben wir Miete bezahlt.“ Max verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn herausfordernd an.

Doch Cal war nicht im Geringsten beeindruckt. „Es dürfte für die Special Unit kein Problem sein, eure Namen vom Vermieter zu bekommen. Selbst wenn er sie nicht freiwillig preisgibt, so werden sie ihn zum Reden bringen. Eure Panik, wegen eines bedeutungslosen Briefes, ist also völlig unnötig. Wichtiger ist, so schnell wie möglich zu verschwinden.“

Für einen kurzen Augenblick herrschte absolute Ruhe im Raum, während jeder die Tatsache zu verarbeiten versuchte, dass sie schon die ganze Zeit ein leichtes Ziel waren. Maria ließ sich mutlos auf einen der Sessel sinken und starrte auf den Boden. „Wieder auf die Straße? Wir haben ja nicht mal einen Wagen.“

Sie hat Recht.“ Kyle sah von Maria zu Max. „Wir sind noch nicht so weit. Liz und ich,… wir können nicht trainieren, wenn wir ständig in einem Auto hocken.“ Nachdenklich kniff er seine Augen zusammen. „Etwas Abgelegenes, Ruhiges wäre genau das Richtige. Ein Ort der möglichst weit weg von hier und uninteressant für Flüchtlinge ist. Und..“ Er hob wichtigtuerisch den Finger. „… wir bräuchten eine Tarnung. Einen plausiblen Grund und einen Decknamen unter dem wir reisen.“

Max` Blick wanderte zu Cal. „Ist das machbar?“

Zuerst hob der Formwandler abwehrend die Hände, doch dann besann er sich schnell anders. Wenn er sie von hier fortbrachte, würden sie ihn in Ruhe lassen. „Ja, in Arctic Village wird im Moment an einer Dokumentation gearbeitet. Vor zwei Wochen ist ein Kamerateam dort hin geflogen. Der Ort ist nur gering bevölkert.“ Er zögerte einen Moment. „Ich habe vor 7 Jahren ein Stück Land dort erworben und ein Haus darauf errichten lassen. Es gibt weder Fernseher noch Radio, aber für eine Weile wäre es eine sichere Unterkunft. Einmal im Jahr ziehe ich mich dort hin zurück, um meine Ruhe zu haben und…“

Du brauchst Ruhe?“ unterbrach Michael ihn. „Du hast nicht einmal menschliche Gefühle, wozu also der Aufwand?“ Michael völlig ignorierend, sah Max den Formwandler an. „Ist es machbar, dass wir als Arbeitsteam für deine Firma reisen?“ Wieder musste Cal sich daran erinnern, dass er sie so loswurde. Dennoch kostete es ihn Überwindung, zustimmend zu nicken. Fast mechanisch zog er sein Handy aus der Tasche und begann zu telefonieren.

Hälst du das wirklich für einen gute Idee, Max?“ Besorgt musterte Isabel Cals Rücken. „Wer garantiert, dass er uns nicht reinlegt?!“ „Das wird er nicht.“ Ungerührt stopfte er ein T-Shirt in die Tasche. „Was macht dich da so sicher?“ Die Arme vor der Brust verschränkt, baute Michael sich vor ihm auf. „Er mag uns nicht und unser Tod wäre auf jeden Fall eine Befreiung für ihn.“

Aber er kann nicht zulassen, dass ihr sterbt.“ Liz drängte sich an Michael vorbei und reichte Max eine Hose. „Es ist in ihm programmiert, dass er euch schützen muss. Außerdem …“, zögernd wanderte ihr Blick zu dem kahlköpfigen Mann. „ … wird er nie ein ruhiges Leben führen, solange wir um unser Leben laufen. Ihm ist mehr daran gelegen uns in Sicherheit zu bringen, als er zeigt.“

Ok.“ Schwungvoll drehte sich Cal zu ihnen um und musterte die kleine Gruppe. „Ein Flughafentaxi ist auf dem Weg hierher. Auf die Schnelle war kein Flug für euch zu bekommen, also werdet ihr den Firmenjet nehmen. Euch wird unterwegs die Möglichkeit gegeben, die nötigsten Dinge zu besorgen.“ Sein Blick wanderte missbilligend über das Loch in Kyles Jeans. „Es ist kalt dort oben, also besorgt euch warme Kleidung.“

Abrupt drehte er sich zu Ava. „Der Pilot wird auf dem Flugplatz von Umiat landen. Manipuliere ihn, aber grill nicht sein Gehirn. Von dort aus müsst ihr euch allein durchschlagen.“ Er reichte Michael eine Karte, auf der eine rote Linie eingezeichnet war. „Es sieht weiter aus als es ist. Maximal zwei oder drei Meilen vom Flughafen entfernt, befindet sich die Hütte.“

Er zog einige Dollarnoten aus der Innentasche seines Mantels und knüllte sie in der Hand zusammen. Für einen Augenblick leuchtete seine Hand auf und als er sie wieder öffnete, lag ein völlig undurchsichtiges Papierknäuel in seiner Hand. „Nutzt eure Kräfte.“ Er warf Max das Knäuel achtlos entgegen, als ein Hupen auf der Straße ertönte.

Für einen Moment war Cal abgelenkt, doch dann ging er schnell zum Fenster und spähte vorsichtig zwischen den Gardinen auf die Straße. „Euer Taxi ist da.“ Amüsiert beobachtete er wie Ava hektisch die restlichen Ausweise änderte, während Isabel und Maria die letzten Kleidungsstücke in die Tasche stopften. Isabel zog gerade den Reißverschluss zu, als er neben ihr auftauchte. „Für diese Landschaft solltest du auf den modischen Aspekt verzichten, Prinzessin.“

Er verzog die Lippen zu einem kalten Grinsen, als Michael sie am Arm mit sich hinauszog. Maria folgte ihnen, ohne einen Blick zurück zu werfen. Ava stand neben der Tür und musterte Cal von oben bis unten. „Falls wir uns nicht mehr sehen sollten…“ Sie hielt einen Moment inne, bevor sie ihn mit kalten Augen ansah. „ … sollte ich mich bei dir bedanken. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der seine Aufgabe mir soviel Perfektion erfüllt.“ Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus und sie klatsche langsam in die Hände, was ihre höhnischen Worte noch unterstrich. „Vielleicht schaffst du es ja das nächste Mal.“

Ohne einen weiteren Blick zurück, drehte sie sich um und verließ das Zimmer. Für einen kleine Weile herrschte verblüffte Stille im Raum. Max riss sich als Erster aus seiner Verwunderung. Für einen Augenblick spielte er mit dem Gedanken es Ava gleich zu tun, doch dann besann er sich eines Besseren. Es gab wichtigeres, als seiner Enttäuschung Luft zu machen.

Du wirst mit niemandem über das reden, was in den letzten Tagen geschehen ist und wo wir uns aufhalten werden. Solltest du dagegen verstoßen, wird meine Rache furchtbar sein.“ „Sicher, eure Hoheit.“ Cal kniff die Augen zusammen und musterte den jungen Mann vor sich abwertend. „Glaub es oder nicht, aber ich kann es kaum erwarten zu vergessen, dass ich euch allen je begegnet bin,… besonders dir.“

Max griff nach Liz` Hand, doch sie entzog sich sofort wieder seinem Griff. Mit einem aufmunternden Nicken bedeutete sie ihm, das Zimmer zu verlassen. Nach kurzem Zögern und immer noch widerwillig, folgte er ihrer Bitte.

Sie wartete, bis die Tür hinter ihrem Mann ins Schloss fiel, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf den Formwandler richtete. „Ich kann verstehen, dass sie ihm nicht gerade wohl gesonnen sind, aber sie sollte auch versuchen zu sehen, welche Last er trägt.“

Cal öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber Liz brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Alles was in den letzten zwei Jahren geschehen ist, hat ihn verändert und ich gestehe, dass ich Seiten an ihm kennen gelernt habe, die ich weder anziehend noch menschlich fand. Sie sind ein Teil von ihm, aber nur ein kleiner.“

Seufzend zuckte sie mit den Schultern. „Er ist nicht immer so.“ Ihre großen Augen auf ihn gerichtet, schien sie auf eine Antwort zu warten. Cal fand es bemerkenswert, dass dieses zierliche Wesen soviel Kraft hatte. „Mag sein, aber ich will ihn nie wieder sehen. Einmal hat er alles zerstört, was ich mir in 50 Jahren aufgebaut habe.

Beim zweiten Mal hat er mich fast umgebracht. Dennoch kann er sich glücklich schätzen, eine so loyale Königin zu haben.“ Ein geheimnisvolles Lächeln erschien in den großen schokoladenbraunen Augen. „Es ist nicht die Königin, die zählt.“

Bevor er reagieren konnte, hatte sie seine Hand ergriffen und einmal kräftig geschüttelt. Dann nahm sie die letzte Tasche vom Bett, warf sie sich über die Schulter und verließ das Zimmer. Die Tür schloss sich leise und von einem Moment auf den anderen wurde ihm klar, dass er wieder frei war …