written by: Spacegirl Liz Evans, Thalia, Cordyfan, Ivy, & Angel

WAS BISHER GESCHAH...

"... wir alle wissen, wie schlecht es Liz geht und wir alle wissen, dass es von Vision zu Vision schlimmer wird."

"Ein paar Monate vor Alex` Tod bekam ich abends Besuch. Max ist aus der Zukunft zu mir gekommen."

"Ava!" Mit Mühe richtet Liz sich auf. "Sie wird entführt. Wir müssen ihr helfen!"

Die Frau, die neben ihr steht, küsst den Mann leidenschaftlich, während dieser sein Opfer genau betrachtet. "Tu es!" Mit einem bösartigen Grinsen, das seinem Punkeraufzug gerecht wird, holt er aus ...

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Er trifft sie mit der Faust auf die Wange. Ihr Kopf schießt zur Seite und sie verzieht schmerzvoll das Gesicht. Aus ihrem Mund spritzt Blut, es läuft ihren Hals hinunter und tropft auf ihre Kleidung. Da sie an ihren Händen am Stuhl gefesselt ist, kann sie es nicht wegwischen.

Tränen, ob aus Angst, Verzweiflung oder Schmerz, steigen ihr in die Augen und kullern ihre Wangen hinunter.

Sie schaut aus verquollenen Augen zu ihren Peinigern hinauf. Die Frau lächelt und das Gesicht des Mannes schmückt ebenfalls ein boshaftes Grinsen. Er hatte seine ganze Abneigung ihr gegenüber in diesen Schlag gelegt. Aus der Wunde quillt noch immer Blut.

Sie spuckt das Blut aus ihrem Mund, zusammen mit einem ausgefallenen Zahn und trifft dabei den Schuh der Frau.

Deren Gesicht verzieht sich wütend und sie holt aus ihrer Hosentasche ein Messer.

„Pass bloß auf, was du tust!" Sie nähert sich ihr und hält die Spitze des Messers an ihren Hals.

„Lass das, Lonnie." Rath geht auf sie zu und nimmt ihr das Messer aus der Hand. „Wir wollen sie doch nicht sofort töten, oder?" Er grinst, küsst sie und leckt sich dann über den Finger, an dem er sich geschnitten hatte, als er ihr das Messer abgenommen hatte.

Lonnie lächelt, während sie sich ausmalt, wie sie Ava noch quälen könnten. Ihr Grinsen weitet sich, als ihr eine Idee in den Sinn kommt. Sie geht zu einem Schrank und holt aus einer Schublade eine Schere heraus.

Mittlerweile reichen Avas Haare bis zur Rückenmitte, die lila Strähnchen sind nur noch an den Haarspitzen zu erkennen, ansonsten ist es das natürliche Blond.

Lonnie stellt sich hinter den Stuhl. Sie nimmt Avas Haare in die Hand und schneidet sie so kurz, wie sie zu New Yorks Zeiten beim Gipfeltreffen waren. Nur jetzt sind sie ja blond.

Erneut sammeln sich Tränen in Avas Augen, als sie spürt, wie ihre Haare gekürzt werden.

Lonnie lächelt und zieht an ihren verbliebenen Haaren. Ava schreit schmerzhaft auf und ihr Kopf fällt in ihren Nacken. Vor Schmerz verzerrt sich ihr Gesicht. Dann verliert sie das Bewusstsein ...


Isabel blickte aus dem Fenster des Autos. Die Landschaft flog an ihnen vorbei, während sie wieder zurück zum Motel fuhren. Es war einige Zeit still, die Isabel nutzte und Michael von der Seite beobachtete. Er starrte dem Taxifahrer auf den Hinterkopf, seine Mundwinkel waren nach unten verzogen und seine Stirn in Falten gelegt. Es war nicht zu übersehen, dass er wütend war und sich gegenüber dem Taxifahrer versuchte zusammenzureißen.

Er war einfach zu impulsiv und sie erkannte, dass er nicht mehr lange ruhig bleiben würde.

Michael wandte seinen Blick ab und schaute ihr in die Augen. Herausfordernd sah Isabel ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Sie wusste, dass Michael bei seinen Gefühlen erst einmal Dampf ablassen musste. Wenn sie am Motel ankamen, war es dafür zu spät. Michael würde bestimmt unkontrolliert herumschreien, wenn sie ankamen und das wollte sie nicht. Das führte zu nichts als Chaos. Die Situation war ohnehin schon genug angespannt.

Trotz seiner Wut, schaffte es Michael seiner Stimme einen ruhigen Klang zu verleihen: „Ich werde nachher mit Max über Cal reden müssen. Sein Verhalten ist nicht zu entschuldigen."

„Nein, das ist es sicher nicht. Aber du musst versuchen, ihn zu verstehen." Isabels Stimme wurde weich und sie legte eine Hand auf seine Schulter.

Er streifte die Hand ab und sah Isabel verständnislos an. „Wie kannst du so etwas sagen? Weißt du nicht, was er gerade eben mit uns gemacht hat? Er hat uns aus seiner Wohnung geworfen. Und das meine ich wörtlich. Außerdem will er uns noch nicht einmal helfen, scheut auch nicht davor zurück, jemanden umzubringen. Und das unterstützt du?" Michael war laut geworden und als er fertig war, schüttelte er seinen Kopf

„Es ist nicht richtig, was er mit uns gemacht hat. Da stimme ich dir, wie schon gesagt, zu. Aber du musst seine Haltung uns gegenüber verstehen. Max war nicht gerade freundlich zu ihm, ob nun gezwungenermaßen oder nicht, Cal hat durch uns nicht unbedingt ein einfaches Leben. Er hat alles aufgeben müssen." Sie blickte zum Taxifahrer, denn sie mussten aufpassen, was sie sagten.

„Aber das ist kein Grund, uns so zu behandeln. Sein Verhalten ist wirklich nicht zu entschuldigen. Er ist dazu verpflichtet, uns zu helfen. Ich bin nicht Schuld an seinem Leben. Es ist sein Schicksal, uns zu beschützen."

Sie bogen in die Straße, in der sich das Motel befand, ein und Isabel gab es seufzend auf, ihn zu beruhigen. Es hatte ja eh keinen Sinn. Derweil rümpfte sie über die heruntergekommene Gegend die Nase. An jeder Ecke standen überfüllte Mülltonnen und beim Aussteigen stieg ihr sofort der Geruch nach verfaulten Lebensmitteln in die Nase.

Michael gab dem Taxifahrer Geld und musterte ihn von der Seite. Ob er erahnen konnte, was sie meinten? War er jemand vom FBI? Michael schüttelte seinen Kopf und schloss die Wagentür mit einem Schwung. Er fühlte sich, als ob er paranoid wäre.

Erneut überkam ihn Wut. Die ganze Situation ging ihm gehörig auf die Nerven. Er atmete laut aus und drehte sich zu Isabel um. Das Taxi entfernte sich und war bald nicht mehr zu sehen. Er ging an ihr vorbei auf das Motel zu und sie folgte ihm mit gesenktem Kopf.

*****

Liz lag noch immer auf ihrem Bett. Sie hatte die Beine an sich gezogen und die Augen geschlossen. Jammern erfüllte den Raum. Maria hatte sich neben sie gesetzt und strich ihr beruhigend über die Stirn.

Maria selbst war völlig verzweifelt. Sie konnte mit der Situation nicht umgehen. Was sollte sie tun? Wie konnte sie Liz helfen? Sie war überfragt und Angst zeichnete ihr Gesicht. Sie war sich sicher, lange würde Liz diese Situation nicht mehr aushalten.

Max und Kyle hatten das Zimmer betreten. Max hielt sich zurück. Auch er hatte Angst um sie, sie war schließlich seine Frau und er liebte sie. Aber er wusste nicht, ob er ihr momentan vertrauen konnte. Sie hatte ihn verletzt, indem sie ihm etwas Lebenswichtiges verschwiegen hatte. Er verstand nicht, wie sie das hatte tun können. Sie hatte damit das Vertrauen zwischen ihnen zerstört. Helfen konnte er ihr nicht, deshalb blieb er stehen und blickte nur mit sorgenvollem Gesicht auf Liz hinab.

Kyle rieb sich das Gesicht und lief im Zimmer auf und ab. Was konnten sie tun?

Nun blieb ihnen nur die Hoffnung, dass Cal bereit war, ihnen zu helfen. Vielleicht war dieser in der Lage, Liz die Schmerzen zu nehmen, die drohten, sie umzubringen. Kyle glaubte nicht, dass sie das noch lange durchstehen würde.

Liz öffnete ihre Augen, als die Vision vorbei war und richtete sich vorsichtig auf, dabei hielt sie mit beiden Händen ihren Kopf fest. Die Schmerzen waren etwas weniger geworden und so konnte sie das Wichtigste erzählen, was sie gerade gesehen hatte.

Sie lehnte sich an die Wand und streckte ihre Beine aus. Maria zog sie an sich, drückte sie und streichelte über ihr Gesicht.

Isabel und Michael traten in diesem Moment in das Zimmer.

„Ich muss euch etwas Wichtiges erzählen." Liz sprach leise und Max fragte sich, ob sie wirklich etwas gesagt hatte.

Kyle war stehen geblieben und Isabel ließ sich in einen Stuhl fallen.

„Jetzt schieß schon los!", entgegnete Michael aggressiv.

Liz senkte den Kopf, sie spürte die Abneigung und es zerrte zusätzlich an ihren Nerven, was ihre Freunde jetzt für sie empfanden. Am meisten litt sie unter Max` Verhalten. Er war immerhin ihr Ehemann und sie hatte alles, was ihr lieb war, für ihn aufgegeben. Tränen stiegen in ihre Augen. Sie spürte Maria neben sich, die sie noch näher an sich drückte.

„Geht es vielleicht noch etwas freundlicher?" Maria warf Michael einen bösen Blick zu „Komm Süße, sag uns, was du Wichtiges zu sagen hast."

„Hattest du wieder eine Vision?" Kyle sah sie fragend an.

„Ja. Ich habe Ava gesehen, die von Rath und Lonnie gequält wird. Rath hat sie ins Gesicht geschlagen. Sie blutet. Sie leidet." Liz stiegen Tränen in die Augen. „Sie ist in einem schlechten körperlichen Zustand. Man sieht ihr an, dass sie vollkommen verzweifelt ist und ich denke, dass ihr Körper weitere Folter nicht mehr lange mitmacht. Rath und Lonnie sind böse, haben keinerlei Mitleid und sind skrupellos. Als die Vision über mich kam, hat Lonnie Ava gerade mit einem Messer bedroht und es ihr an die Kehle gehalten." Liz schluckte, Tränen rannen über ihre Wangen.

"Sie sieht so aus, als ob sie am ganzen Körper Schmerzen hätte, zudem hat sie noch vollkommen verquollene Augen, aus denen sie nicht mehr richtig sehen kann. Rath und Lonnie wollen sie langsam umbringen. Sie wird noch furchtbar darunter leiden. Sie peinigen sie ohne Rücksicht und haben ihre langen Haare abgeschnitten. Nun sieht sie aus wie Tess." Sie sah dabei Max an, dessen Gesichtsausdruck hart wurde. Dann sah sie Schmerz in seinen Augen. Er schien sich durch Ava an Tess und ihren gemeinsamen Sohn zu erinnern.

Liz blickte schnell weg und schluckte erneut.

„Wenn Rath und Lonnie sie nicht jetzt umbringen, wird sie unter ihren starken Verletzungen schmerzvoll sterben. Wir müssen ihr helfen, sonst ist es zu spät." Liz blickte in die Runde.

Maria hatte Liz die ganze Zeit in die Augen gesehen. Die Situation hier kam der von Ava ein wenig gleich. Auch Liz würde früher oder später an diesen heftigen Visionen, die mit Schmerzen in Verbindung standen, zugrunde gehen. Ihr Körper war schon völlig abgemagert, ihre kurzen schwarzen Haare hatten ihren Glanz verloren. Tiefe Augenringe zeichneten sich unter ihren sonst so glänzenden Augen ab. Sie wirkte zu jeder Zeit erschöpft und in sich gekehrt. Tiefe Falten hatten sich auf ihre Stirn gezeichnet. Sie drückten Schmerz und Trauer aus. Maria konnte Liz kaum ansehen. Sie wandte ihren Blick ab. Liz hatte Recht, sie mussten Ava helfen. Vielleicht wurden dann Liz` Schmerzen weniger.

Schweigen erfüllte den Raum, niemand sagte etwas.

Kyles Gesichtsausdruck konnte Liz nicht deuten, ebenso wenig Isabels und Michaels. Kyle und Isabel schauten ein wenig mitleidig, sagten jedoch nichts. Michaels Mimik war eher wütend. Liz konnte nicht sagen, warum er so sauer war. Lag es an ihr, der Situation, in der sie sich befanden oder gab es mehr? Wahrscheinlich von allem etwas.

Sie traute sich fast nicht, Max anzublicken. Zu groß war die Angst, dass er sie wieder abweisen würde.

Dennoch, seine Augen trafen ihre. Max schaute schnell weg. Er hatte die ganze Zeit an der Wand gelehnt. Nun hatte er sich zu seiner völligen Größe aufgerichtet und ging in die Mitte des Raumes.

„Na, dann bin ich ja froh, dass uns Cal helfen wird." Er fixierte Michael und Isabel in Erwartung guter Neuigkeiten.

Michael atmete tief ein und schloss die Augen. „Nein, das wird er nicht."

„Wie meinst du das?" Max sah ihn fragend an.

„Das, was ich gerade gesagt habe. Er wird uns nicht helfen. Wir haben versucht, mit ihm zu reden, aber er hat uns im hohen Bogen aus seinem Haus heraus geworfen. Im wahrsten Sinne des Wortes!“

Max` Augen weiteten sich. „Wie habt ihr denn mit ihm gesprochen? Du bist bestimmt wieder einmal unfreundlich geworden, nicht wahr, Michael? Ich hätte das selbst tun sollen." Max schüttelte den Kopf.

„Was soll das heißen? Ich wäre unfreundlich? Er hat uns vollkommen ignoriert. Wir haben versucht, anständig mit ihm zu reden." Michael brüllte.

„Er wollte uns gar nicht helfen. Wir haben wirklich erst in aller Ruhe mit ihm geredet." Isabel sprach mit ruhiger Stimme.

„Und was habt ihr dann gemacht?"

„Wir haben ihn bedroht und mit dir gedroht. Das du kommen und es ihm befehlen würdest."

Max wurde wütend und stöhnte auf. „Das kann doch nicht wahr sein. Könntest du dich nicht einmal etwas zusammenreißen?" Er schrie Michael an. „Weißt du eigentlich, was er für mich aufgegeben hat? Er hat keinen Geschmack mehr. Alles, was er sich mühsam erarbeitet hatte, nachdem er nach Jahren seinen Geschmackssinn wenigstens ansatzweise wiedererlangte, ist nun weg. Wie hätte er denn reagieren sollen?"

„Ist das etwa ein Grund, seine Kräfte gegen uns einzusetzen und uns aus seinem Haus zu werfen? Er hat sogar damit gedroht, das Pod Squad umzubringen. Stellst du dich jetzt etwa auf seine Seite?" Michael baute sich vor ihm auf.

„Du hast wieder einmal die Kontrolle über dich verloren und völlig überreagiert. Du bist Schuld, dass er uns jetzt nicht hilft."

„Ich? Du hast ihn doch schamlos für deine Zwecke ausgenutzt. Du bist doch derjenige, der ihn dazu gezwungen hat, etwas zu tun, was er nicht wollte. Durch dich hat er doch das alles verloren. Du bist Schuld daran, dass er uns nun in dieser aussichtslosen Lage, wo wir seine Hilfe dringend gebrauchen könnten, nicht hilft."

„Das habe ich doch alles nur getan, um meinen Sohn zu retten!" Er schrie erneut.

„Und was hat das gebracht? Nichts! Und jetzt, wo du ihn hättest haben können, hast du ihn weggegeben."

Liz konnte wahrlich die Luft knistern hören. Das hätte Michael nicht sagen dürfen, denn es war Max` Schwachpunkt. Sie blickte in sein Gesicht und konnte pure Wut, aber auch Trauer lesen. Am liebsten wäre sie nun aufgestanden und hätte ihn umarmt. Aber dies gelang aus mehreren Gründen nicht. Erst einmal konnte sie es nicht, weil ihr ganzer Körper schmerzte und sie wohl umfallen würde, wenn sie sich erhob und dann war da zwischen ihnen diese verzwickte, angespannte Situation, die irgendwie unlösbar schien. Zudem kam noch, dass Max momentan ziemlich aufgebracht war und kurz davor stand, zu explodieren.

„Wie kannst du das nur sagen?" Max ging auf Michael los und dieser schien einer Konfrontation nicht abgeneigt zu sein.

Kyle reagierte blitzschnell, ebenso wie Isabel. Sie gingen dazwischen. Er packte Michael und sie Max.

Maria blieb bei Liz sitzen, die hörbar laut eingeatmet hatte. Sie konnten nun keine weitere Aufregung gebrauchen. Trotz mehrmaliger Versuche ihre Stimme ruhig zu halten, vermasselte sie es vollkommen, als sie sich selber schreien hörte. „Könntet ihr euch nicht mal ein wenig zusammenreißen und auf das Wichtige konzentrieren? Das kann doch nicht wahr sein, ihr benehmt euch wie kleine Kinder!" Maria war aufgestanden, während sich Liz die Ohren zuhielt.

Maria schloss ihre Augen und setzte sich wieder. Alle anderen fanden auch einen Sitzplatz und beruhigten sich ein wenig.

Isabel holte Luft. Sie wollte noch mal in aller Ruhe erzählen, was passiert war.

„Also, noch mal von vorn. Wir sind mit dem Taxi zur Villa gefahren. Als wir dort ankamen, hat Cal uns sofort erkannt. Er hat uns in sein Haus gelassen und wir haben uns hingesetzt. Erst lief alles sehr ruhig ab, obwohl Cal schon von Beginn an eine Abwehrhaltung uns gegenüber gezeigt hatte. Doch als wir um Hilfe baten, wie du es uns gesagt hattest, hat er angefangen, uns zu ignorieren. Er hat uns gar nicht mehr großartig zugehört und das hat uns wütend gemacht. Es ist immerhin wichtig, dass wir Liz und Ava helfen." Sie sah dabei Liz an.

„Wir haben versucht, zu beschwichtigen, aber er hörte uns einfach nicht zu. Also haben wir mit dir gedroht. Das du kommen würdest, um ihn zu zwingen, das zu tun, was wir wollten. Die Situation eskalierte, als er noch immer nicht helfen wollte und Michael hat etwas überreagiert. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen. Es war jedoch schon zu spät und Cal hat uns mit seinen Kräften heraus geworfen.“

Sie erinnerte sich schmerzhaft daran und hielt sich ihren Rücken. Sie hatte garantiert eine Prellung. Später würde sie Max bitten, diese zu heilen.

„Dann hat Michael ihm gedroht, dass dies noch nicht das Ende sei und dass du kommen und ihm befehlen würdest, Ava und Liz zu helfen." Sie blickte Max in die Augen, der sich wieder unter Kontrolle hatte.

„Cal hat dann gedroht, das Pod Squad zu töten, zur Not auch durch andere. Daraufhin wollte Michael ihn angreifen. Ich konnte ihn noch zurückhalten und danach haben wir uns auf den Rückweg gemacht.

Schweigen erfüllte wieder den Raum. Alle dachten über das gerade gehörte nach.

Liz fand als Erste die Sprache wieder.

„Es ist wirklich wichtig, Ava zu helfen. Sie leidet furchtbar. Wir können nicht mehr tatenlos zuschauen, mit oder ohne seine Hilfe. Vielleicht kann sie uns auch beistehen und nützlich sein. Mit Cal`s Hilfe wäre es sicher leichter, aber wenn er überhaupt nicht will, sollten wir ihn nicht mehr weiter dazu zwingen." Liz schaute in die Runde.

Max blickte ihr in die Augen, die Bedeutsamkeit der Situation wurde ihm bewusst.

„Ich kann ihm befehlen, uns zu helfen." Er blickte ihr sicher in die Augen.

*****

Der Morgen graute, die Vögel zwitscherten und nichts wies auf künftige Gefahren und zwischenmenschliche Probleme hin. Isabel und Max hatten das Motel schon vor Sonnenaufgang verlassen und konnten nun durch die Fenster die prächtigen Farben, die sich von der Erde erhoben, beobachten. In den ersten Minuten der Taxifahrt sagte niemand ein Wort, doch dann brach Isabel als Erste die Stille.

„Denkst du, dass wir es schaffen werden?"

„Wir müssen, denn eine andere Wahl haben wir nicht. Cal wird auf mich hören, es wäre das erste Mal, wenn er es nicht täte. Er wird nicht anders können." Max starrte auf seine Finger, die ineinander verschränkt waren. Er hatte so vieles zu bedenken und doch schlichen seine Gedanken immer wieder zu Liz und zu ihrem Befinden.

„Ich lasse mich zu leicht ablenken. Denk jetzt nur an deine Aufgabe.“

Isabel fühlte förmlich, wie Max sich mit den Sorgen um Liz innerlich wand, doch diese Bürde konnte sie ihm nicht nehmen. Er mochte wütend auf sie sein, aber lieben tat er sie immer noch, zumindest hoffte sie das.

„Was meinst du, ob Ava sich sehr verändert hat?“ Isabel dachte häufig an das Ebenbild von Tess.

„Nun, ich hoffe nicht. Ava ist nicht Tess. Wir müssen mit ihr den Neuanfang wagen, ob wir wollen oder nicht.“

„Du bist ihr dankbar, aber trauen tust du ihr nicht ganz, oder?“ Isabel sah es ihm an.

„Die Zeit wird es zeigen, ob ich ihr trauen kann. Sie hat uns immerhin geholfen. Alles Weitere müssen wir abwarten.“ Max hätte ihr gern mehr dazu gesagt, doch er konnte nicht. Auch wenn Ava und Tess nicht ein und dieselbe Person waren, so hatte Ava doch Tess` Aussehen und das erinnerte ihn unweigerlich an das unaussprechliche Intermezzo mit Future-Max und die Folgen. Er konnte - nein - er wollte es nicht!

Die Taxifahrt kam Isabel mit Michael länger vor, was vermutlich daran lag, dass sie sich nicht mit ihm unterhalten hatte, und mit Max war die Zeit im Nu vergangen. Dieses Mal fühlte sie sich sicherer, was nicht unbedingt an ihrer Begleitung lag, sondern an dem Nebeneffekt seiner Erklärung.

Als sie ausgestiegen waren, stellte Max fest, dass sich nichts wirklich verändert hatte. Das Haus war noch genauso prunkvoll wie vorher. Er fragte sich, ob er sich jemals an den Anblick gewöhnen würde. Das Wissen, niemals in einem derartigen Gebäude wohnen zu müssen, stimmte ihn nicht unbedingt traurig. Das Einzige, was er jemals anstrebte, war ein ruhiges Leben. Dazu gehörten keine prunkvollen Villen.

„Gehen wir hinein?" Isabel riss ihn aus seinen Gedanken.

Er nickte kurz und mit ernstem Gesicht, die Augenbrauen zusammengezogen. Als sie an der Haustür angekommen waren, betätigte Isabel den Klingelknopf. Sie mussten nicht lange warten. Cal öffnete ihnen persönlich die Tür und als er sie am Eingang stehen sah, wollte er sie wieder zuschieben, doch Max stemmte sich dagegen und stellte einen Fuß zwischen Tür und Angel.

„Was wollt ihr hier? Ich habe doch schon gesagt, ich werde euch nicht helfen." Die Panik in Cal`s Stimme war unüberhörbar, als die Tür nachgab. Abrupt drehte er sich um und ging ihnen voraus.

„Du bist dazu verpflichtet, uns zu helfen!"

Max stieß die Tür auf und folgte ihm, als Cal sich plötzlich umdrehte und die Hand drohend gegen ihn erhob, um ihn durch die Luft zu schleudern. Die Spannung im Raum stieg ins unermessliche und Isabel glaubte, nicht mehr atmen zu können. Sie ging davon aus, dass es ihr wie zuvor erging.

Doch Max kam Cal zuvor. "Ich befehle dir, uns zu helfen!"

Cal ließ tatsächlich seine Hand sinken und Isabel traute ihren Augen nicht.

„Es funktioniert wirklich.“ Ihr Mund war aufgrund der Spannung und Erwartungshaltung trocken geworden.

„Kommt mit!" Cal`s mürrisches Brummen war kaum zu vernehmen, doch sie folgten ihm willig ins Innere des Hauses. Bei der Bar angekommen, goss sich Cal einen Eistee mit Zitrone ein. Auch wenn er weder Gerüche wahrnehmen konnte, noch ausgeprägte Geschmacksnerven besaß, gab er sich doch gern der Illusion hin, dieses Getränk gegebenenfalls genießen zu können oder es zu brauchen, um seine Nerven zu beruhigen. Er füllte das Glas fast randvoll und schüttete es ohne jegliche Regung hinunter, nur um sich dann sogleich das nächste einzugießen. Erst danach drehte er sich zu seinen ungebetenen Gästen um, die scheinbar ruhig und gelassen warteten, bis er soweit war. Sie hatten sich zwischenzeitlich in die bequemen Sessel gesetzt, die an die Bar grenzten.

„Es tut mir Leid, dass wir dich zwingen müssen, Cal!" Max` Stimme drückte Bedauern aus, dennoch verriet sie eine ungewöhnliche Stärke und Festigkeit, die bei seinem vorigen Besuch noch nicht zu hören war. Er hatte sich offenbar weiterentwickelt.

„Ha! Es tut dir Leid!" Die Stille war greifbar, bis er erzürnt weiter sprach. „Es tut ihm tatsächlich Leid. Wie schön für ihn! Dafür kann ich mir viel kaufen." Er kippte den Eistee wieder in einem Zug hinunter und knallte das Glas auf die marmorne Theke seiner Bar. "Wenn es dir Leid tut, warum tust du es dann? Warum bringst du das Leben von anderen in Gefahr? Warum ziehst du sie in Dinge hinein, die sie weder kontrollieren noch beeinflussen können? Es tut dir nicht Leid, du bemitleidest dich doch nur selbst!" Ihm war aufgrund der Wut und der beginnenden Hitze des Tages der Schweiß ausgebrochen. Aber er fühlte es kaum.

„Ich habe Fehler gemacht, vielleicht unverzeihbare, aber sie sind passiert und ich kann sie nicht ungeschehen machen, ob ich nun wollte oder nicht!" Max` Stimme klirrte beinahe vor Kälte. Er wusste nur zu gut, was alles passiert war, es musste nicht ständig wiederholt werden. Es reichte durchaus, wenn es sich wie eine unendliche Litanei in seinem Kopf abspulte.

„Na schön, raus mit der Sprache, welches Ei hast du dir dieses Mal ins Nest gelegt?" Er grinste süffisant.

„Es geht um Liz, sie ..." Max wurde rüde von Cal unterbrochen.

„Ist das nicht die kleine Zuckerschnecke, der du hinterher sabberst?" Er zog eine Grimasse. Er trachtete wirklich danach Max in Rage zu versetzen, doch der nahm es mit gelassener Ruhe zur Kenntnis.

„Meine Frau Liz hat durch meine damalige Heilung ihrer Schusswunde ungeahnte Kräfte entwickelt, die für sie nicht kontrollierbar sind. Sie hat Visionen bis hin zur Schmerzgrenze. In ihnen sieht sie Menschen oder auch Aliens, wie Ava, die in Gefahr geraten sind. Und laut ihrer Schilderung ist Ava wichtig für das Fourth Square. Ohne sie sind wir nicht vollständig!"

„Woher willst du das wissen? Die Visionen könnten doch auch Einbildung sein?"Cal verstand das Problem nicht.

„Die Visionen sind definitiv kein Ausbund ihrer Phantasie, sondern dass, was wirklich geschieht, wenn nicht eingegriffen wird. Außerdem ist es eine klare Tatsache, dass wir nur zu viert eine Einheit bilden können. Ich selbst habe das in der Zukunft gesagt." Die Erinnerungen an Liz` Erzählung über Future-Max überrollten ihn förmlich und er fuhr sich mit einer Hand über sein angespanntes Gesicht.

„Uiuiui. Seit wann kannst du denn in die Zukunft schauen? Gehört Wahrsagen neben deinen heilenden Fähigkeiten zu deiner neuesten Sensation?" Cal goss sich erneut Tee ein. Dass seine Gäste vielleicht ebenso durstig waren, überging er gekonnt. Er wollte unhöflich sein.

Max erzählte die Geschichte über sich selbst und Liz höchst ungern, zumal es bedeutete, etwas wieder auszugraben, was noch tief auf seiner Seele lastete. Isabel sagte nichts bisher, war stille Zuhörerin und auch jetzt ergriff sie nicht das Wort, sondern legte nur die Hand auf Max` Schulter.

„Vor einiger Zeit bin ich aus der Zukunft gekommen, um Liz dazu zu bringen, dass ich mich von ihr abwende und mich in Tess verliebe. Die Zukunft wies darauf hin, dass Tess uns verlassen würde, da sie nie vollständig akzeptiert wurde und ich in Liz verliebt war. Durch sie aber verlören wir unsere Kräfte. Michael und Isabel würden sterben und mit ihnen die gesamte Welt. Liz hat schließlich geschafft, was sie sich vorgenommen hatte. Wir waren getrennt und ich mit Tess zusammen. Doch Tess hatte uns belogen, sodass wir im Endeffekt ohne sie dastanden. Aber es gibt noch Ava, durch sie wären wir wieder komplett." Er versuchte keinerlei Emotionen zu zeigen, was ihm nur zur Hälfte gelang.

„Ach, und wieso erzählst du das erst jetzt? War das ne Neuigkeit? Hast du bei deinem letzten Besuch unter einer fortgeschrittenen Amnesie gelitten oder wie soll ich mir das jetzt vorstellen? Oder hattest du mal wieder die Engstirnigkeit besessen und es für dich behalten?"

„Es ist nichts von alledem!" Max sah Cal gerade heraus in sein Gesicht. „Auch wenn du dir noch so sehnlich mein Scheitern wünschst, es war meine Frau, die es mir über einen großen Zeitraum verschwiegen und mich somit belogen hat und es nur erzählte, weil sie praktisch durch uns gezwungen wurde."

„Ts, das ist ja die Krönung. King Mighty fühlt sich in seiner Ehre verletzt. Wenn es so passiert ist, wie du sagst, was hätte sie tun sollen? Hätte sie dich darüber informieren sollen? Dir wäre es doch egal gewesen, du hättest nichts über dein persönliches Glück gestellt, und das wusste sie scheinbar. King Mighty am Boden, wie köstlich!" Cal lachte lauthals und hielt sich den Bauch, aber weder Max noch Isabel war zum Lachen zumute, eher zum Weinen. Daher brachte es sie auch beide auf, dass Cal alles so gelassen sah und auf Max und auch auf sie hinunter schaute und seine Witze riss.

Es entging ihm keineswegs, dass ihm beide frostige Blicke zuwarfen und die Wut in Isabels und auch Max` Augen deutlich gestiegen war.

„Also schön“, lenkte er ein, „warum sollte ich euch helfen?"

„Weil du für uns zuständig bist. Du bist für unser aller Schutz verantwortlich! Es ist also auch deine Aufgabe, für Avas Schutz zu sorgen!"

„Ava! Wer ist das schon! Sie ist eine billige Kopie, eine Reproduktion von schlechter Qualität!" Er wedelte wegwerfend mit seiner Hand. Seine Meinung über Ava spiegelte außerdem sein Gesichtsausdruck wieder.

Das war für Max eindeutig zuviel. Er erhob sich erregt aus den weichen, einladenden Sesseln, kam Cal aber keinen Schritt näher.

„Cal, das ist kein Wunsch und auch keine Bitte von mir, uns zu helfen, sondern ein Befehl!"

„Du lernst es nie, was? Immer wieder spannst du andere Leute für deine Zwecke ein. Du befiehlst und jeder springt, aber so geht das nicht immer! Du lässt zu jeder Tages- und Nachtzeit den König heraushängen!" Der hasserfüllte Blick, den er Max zuwarf, sprach mehr Bände als jedes Wort, doch Max erwiderte den Blick ungerührt.

„Also, wirst du uns nun helfen?"

„Nein!" Cal spie dieses eine markante Wort beinahe aus.

„Ja." Sie musterten sich weiterhin mit Blicken, jederzeit bereit, aufeinander loszugehen, bis Cal den Blick senkte und somit zu verstehen gab, dass er kapitulierte. Er ging mit ihnen und warf keinen Blick zurück.

*****

Im Motel dagegen, bei Michael, Maria, Kyle und Liz gab es derweil andere Probleme zu bewältigen.

Michael war noch zu aufgewühlt, um weiterhin still sitzen zu bleiben.

„Spaceboy, wenn du so weiter machst, dann hast du eine Spur in den Teppich gelaufen, und wenn du dir viel Mühe gibst, dann bricht der Boden darunter durch und du fällst in den ersten Stock. Vielleicht in die Arme einer schönen Frau!?" Sie grinste ihn begütigend an und umfasste mit ihren Händen sein Gesicht, wodurch er gezwungen war, stehen zu bleiben. "Aber das kann nicht sein, denn ich bin ja nicht im ersten Stock, sondern neben dir! Sieh mich an, Michael, wenigstens einen Moment!"

Er schaute ihr tatsächlich ins Gesicht, murrend zwar, riss sich aber auch nicht los. Er mochte ihre Berührung, auch wenn er es selten zugab.

„Maria, du bist eine wandelnde Nervensäge. Wir sind in Schwierigkeiten und alles was Max und ich in schöner Regelmäßigkeit bewerkstelligen, ist uns zu streiten und anzuschreien. Das ist einfach perfekt. Wie immer eigentlich. Ich frage mich, warum ich mich überhaupt darüber aufrege?" Michael versuchte nicht ernsthaft, sie abzuschütteln, doch er ergriff ihre Hände und seine Augen wurden merklich dunkler. „Du solltest mich besser in Ruhe lassen!"

„Warum sollte ich das denn tun?" Sie spürte eine schwindelnde Erregung aufsteigen. Sie war ähnlich wie im Flugzeug und doch wieder anders. Dieses Mal war es nichts Reinigendes und Spontanes, passend nach einem saftigen Streit, sondern rau und ruhelos.

„Weil ich nicht weiß, wie ich reagiere, wenn du mich küsst." Er wartete nicht länger ab, sondern ergriff ihr Handgelenk und zog sie zur Tür. Für ihr allzu privates Stelldichein brauchten sie keine Zuschauer, doch war Maria ob der plötzlichen Flucht nach vorn dennoch geschockt. Sie warf Kyle und auch Liz, die von alledem nichts bemerkten, einen hilflosen Blick zu. Erst als sie tatsächlich bei der Tür angekommen waren, bemerkten sie, dass mit Liz etwas nicht stimmte.

Kurz zuvor:

Kyle hatte nur Augen für Liz, die so tat, als würde sie schlafen. Sie brauchte die Ruhe mehr als alles andere. Die Visionen und auch die Streitereien erschöpften sie und das Schlimmste war, dass es alle wussten und sie entweder bemutterten oder bemitleideten. Sie hasste schon das Erste abgrundtief, doch das Zweite war ihr ebenso zuwider. Es war nichts, was ihr half, das Problem mit den Visionen in den Griff zu bekommen oder ihr Leben in Bezug auf Max wieder in normale Bahnen zu lenken. Sie spürte zudem oder dachte es zumindest, dass Max sich mit jedem weiteren Tag von ihr entfernte und das raubte ihr das letzte bisschen Kraft, die sie brauchte, um die Visionen wenigstens mit klarem Verstand zu überstehen.

„Kyle, bitte, du brauchst nicht die ganze Zeit bei mir zu sitzen. Ich bin im Moment nicht ganz auf der Höhe, aber ich liege noch nicht auf dem Totenbett. Also schnapp dir was zu essen und schau dir irgendein langweiliges Footballspiel an." Das Lächeln misslang gründlich, doch sie gab sich redliche Mühe, was Kyle anerkannte.

„Ich habe vorhin schon gegessen, in aller Eile, ich geb’s zu, aber der Fraß hier in diesem Motel ist mit schlechtem Hundefutter zu vergleichen. Der Fernseher ist hinüber, also wird das nichts, mit dem langweiligen Footballspiel. Ich unterhalte mich lieber mit einer langjährigen, alten Freundin, die gerade nicht ganz auf der Höhe ist." Er zwinkerte ihr umständlich zu und sah in dem Augenblick aus, wie eine alte, verkrampfte Eule, was Liz zu aufgeregtem Kichern verleitete.

Es erstarb mit einem leisen Röcheln, was Kyle dazu brachte, erschreckt aufzuschreien und Maria und Michael veranlasste, das Zimmer nicht zu verlassen. Liz` Augen lagen in tiefen Höhlen und die dunklen Ränder traten durch die verdrehten Pupillen noch stärker hervor, als ohnehin schon. Kleine Äderchen in ihren Augen waren durch die Anstrengung schon zerplatzt und Maria, die nun wie Kyle an ihrer Seite wachte, vermutete, dass es mehr werden würden. Ihre Atmung war hektisch und unregelmäßig.

„Sie hat schon wieder eine Vision!" Kyles Angst war so greifbar, wie Marias Verzweiflung, über die Tatsache, nichts tun zu können. Auch Michael fühlte sich unwohl in seiner Haut. Damit er nicht an Ort und Stelle fest wuchs, öffnete er die Fenster, um sich und den anderen, vornehmlich Liz, frische Luft zu gönnen. Wenigstens das konnte er tun.


Es ist früh am Morgen, es riecht nach Sommer und schwüler Hitze. Das Straßenschild ist genau zu erkennen, auch wenn es vor Schmutz und Dreck nur so starrt. Ein Buchstabe fehlt, doch der Name ist eindeutig zu erkennen: Jefferson Blvd.
Ein spitzer hoher Schrei ertönt, der aber von niemandem, außer den Peinigern, vernommen werden kann. Die Gegend ist einsam und verlassen, und genau so fühlt sich Ava. Ihr Bild verwackelt und ein Haus oder eine Lagerhalle taucht auf. Auf einer der Außenwände ist eine Nummer an der Hauswand. Sie trägt die Nummer 2344.


Dann war das Bild verschwunden und Liz sank tiefer in die Kissen. Diese Vision war Kraft raubender als alle zuvor, aber wenigstens hatte sie einen Anhaltspunkt, wo Ava sich aufhielt und ein zufriedenes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, doch die Augen behielt sie aufgrund der Erschöpfung geschlossen.

*****

Cal führte Isabel und Max zur Limousine, ohne auch nur ein Wort mit ihnen zu wechseln. Die Spannung zwischen den beiden Männern war fast greifbar, man hätte meinen können, sie würde nie vergehen. Isabel fühlte sich wie zwischen zwei Kampfhunden, die sich um einen Knochen stritten. Nur das dieser Knochen in dem Fall für einen der beiden der freie Wille bedeutete und für den anderen die Hilfe für seine Frau und die Einlösung einer alten Schuld.

Der Chauffeur hielt Cal die Wagentür auf und sah die beiden Begleiter des mächtigen Hollywood Produzenten abschätzend an.

Bevor Cal einstieg, drehte er sich zu Max und Isabel um und sah sie mit hasserfülltem Blick an. In seinen Augen stand deutlich, dass er sowohl ihn als auch Isabel liebend gern aus dem Weg schaffen würde. Er war jedoch an seine genetische Codierung und an den Schwur, den er vor so vielen Jahren geleistet hatte, gebunden.

"Ich nehme an, dass King Mighty standesgemäß haust, oder wohin soll ich euch begleiten?", fragte Cal mit gerade genug Verachtung in der Stimme, um Max möglicherweise zu reizen, sodass er etwas Unüberlegtes tat.

„Lieber würde ich in einem Kampf mit diesem arroganten, kleinen Kind, was sich für allmächtig hält, sterben, als auch nur eine weitere Minute meines erbärmlichen Lebens damit zuzubringen, auf diese Rotznasen aufzupassen.“

Max beachtete Cal`s Tonfall nicht weiter und gab ihm nur die Adresse des Motels, in dem sie sich zurzeit aufhielten.

"Mein Gott, konntet ihr euch keinen schäbigeren Ort aussuchen? Ach ja, ich vergaß, ihr seid auf der Flucht. Ihr versteckt euch vor den Menschen wie Kanalratten und in genau solchen Behausungen lebt ihr offenbar auch. Du scheinst wirklich nur ein billiger Abklatsch deines früheren Selbst zu sein. Damals, da warst du ein mächtiger Mann, der über das Leben von Menschen entschieden hat, in dem du eine Münze geworfen hast, doch sieh dich heute an. Der einst so mächtige König von Antar lebt in stinkenden Motels. Und warum? Nur weil er, wie auch in der Vergangenheit schon, nie auf andere hört, sondern immer nur stur seinen eigenen Weg geht."

Diese Worte trafen Max mehr als er dachte, denn auch wenn er Cal dazu zwang, ihnen zu helfen, so sah er sich nie selbst so, wie Cal ihn beschrieb. Aber insgeheim wusste er, dass es stimmte. Wenn er Liz damals nicht eigenmächtig geheilt hätte, wären sie heute nicht dort, wo sie jetzt waren. Und wenn seine Zukunftsversion Liz nicht mit seiner Bitte das Herz heraus gerissen hätte, dann wäre er niemals mit Tess zusammen gekommen. Vielleicht wäre dann heute alles anders und dieser Schatten würde nicht immer noch wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen hängen. Sowohl er als auch Liz hatten in der Vergangenheit Fehler gemacht, jedoch erst diese kalten und harten Worte von Cal hatten ihn das erkennen lassen.

Doch jetzt war nicht die Zeit zum Grübeln und mit einer Handbewegung wischte er die Bedenken beiseite.

"Ich sehe, du kennst mich offenbar doch nicht so gut, wie du glaubst. Ich liebe Liz und sie liebt mich. Und ich bin bereit, alles zu tun, um meiner Frau zu helfen. Und jetzt steig in den Wagen, damit wir zu ihr fahren können", befahl Max kalt.

Isabel, die bisher nur eine Zuschauerin war, sah ihren Bruder an. Es war das erste Mal, seit das mit Future-Max erwähnt wurde und dass Max die Wörter Liebe und Liz in einem Satz gebrauchte. Sie wusste zwar, dass nichts die beiden wirklich trennen könnte, immerhin hatten sie unzählige Dinge gemeinsam durchgestanden, doch hatte sie ihren Bruder auch noch nie wirklich so wütend erlebt, wie er in den letzten Tagen war.

Schweigend stieg Isabel in die Limousine und auch Max folgte schließlich. Er wollte eben etwas sagen, als Cal ihm zuvor kam.

"Du sprichst von Liebe. Dann frage ich dich, warum hast du es dann mit einem Alienhybriden getrieben? Und wenn deine Frau dich so sehr liebt wie du sagst, warum hat sie dir das von der Zukunft nicht schon damals erzählt? Ihr beide verdient einander! Eure ganze Liebe ist auf Lügen, Falschheit und Verrat aufgebaut. Ich werde dir was sagen, King Mighty, ich habe es satt, immer dann herhalten zu müssen, wenn du Scheiße baust. Ich bin es leid, dieses Leben als euer aller Beschützer. Ich will und ich kann nicht mehr so leben. Du behandelst die Leute, als wären sie dein Eigentum, doch das sind sie nicht. Zumindest ich bin es nicht. Ich werde euch nicht helfen und nichts, was du sagst, kann meine Meinung ändern", sagte Cal mit hasserfüllter Stimme.

"Ich wusste doch, dass es nichts bringen würde. Wir vergeuden nur unsere Zeit", seufzte Isabel resignierend.

Doch Max sah von Cal zu seiner Schwester und dann wieder zurück zu Cal.

"Formwandler, ich befehle dir, uns zu helfen. Ich befehle dir, uns solange zu helfen, bis wir dich nicht mehr brauchen", sagte er entschlossen.

"Das wirst du noch bereuen, Max Evans", murmelte Cal und sah für einige Zeit aus dem Fenster.

Max schaute seine Schwester an und seine Blicke schienen zu sagen, dass er doch Recht hatte und sie ihre Zeit nicht verschwendeten.

Cal`s Augen richteten sich auf die nobel Boutiquen von Beverly Hills, die an ihnen vorbei zogen.

Dann plötzlich blickte er Max und Isabel an und die beiden konnten seine Wut, Zorn, aber auch Schmerz in seinem Gesicht lesen.

"Das ist das letzte Mal, dass ich euch helfe. Das schwöre ich. Ich werde die Verantwortung loswerden, die auf meinen Schultern lastet. Ich bin zwar selbst nicht in der Lage, euch zu töten, aber andere. Ihr seid nicht unverwundbar, keiner von euch! Ich werde euch, für dass, was ihr mir angetan habt, zahlen lassen. Ich werde dafür sorgen, dass sich der mächtige König von Antar zum letzten Mal in mein Leben eingemischt hat. Glaubt mir, es gibt andere Mittel und Wege, doch ihr werdet nicht noch mal meine Wege kreuzen", zischte er bedrohlich leise. "Außerdem ist es sinnlos, denn Ava ist nicht Tess, sie ist nur eine billige Kopie und was deine Frau angeht, so ist sie nur ein Menschenweib und spielt im großen Gesamtplan keine Rolle. Eigentlich hätte sie das mit euch niemals erfahren dürfen, aber wie es immer so ist, King Mighty hat sich was in den Kopf gesetzt und alle anderen müssen darunter leiden.“

Nach einiger Zeit, die sie nun schweigend in der Limousine verbrachten, erreichten sie das Motel und Max, Isabel und Cal stiegen aus.

Cal sah sich angewidert um und sog dann laut hörbar die Luft ein. Max` Stimmung sank immer mehr, wenn das noch möglich war. Er hatte genug von Cal`s ständigen Sticheleien.

*****

Inzwischen lag Liz völlig erschöpft im Motelzimmer des Pod Squad.

Ihre Augen waren geschlossen, doch sie schlief nicht, sondern versuchte, ihren inneren Frieden wieder zu finden. Diese Visionen hatten von Mal zu Mal an Intensität zugenommen und langsam hatte sie das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie daran wirklich zugrunde gehen würde.

Maria und Kyle kümmerten sich um Liz und versuchten, ihr soweit wie möglich, zu helfen, doch eigentlich waren sie ziemlich hilflos. Das Einzige, was sie tun konnten, war Liz soweit zu beruhigen, dass sie nicht immer an diese Visionen dachte. Es musste doch ein Mittel dagegen geben und sie hofften beide, dass es Max gelingen würde, Cal zu überzeugen, ihnen zu helfen. Immerhin war er der Einzige auf diesem Planeten, der annähernd wusste, was mit Liz passierte.

Plötzlich öffnete Liz ihre Augen und richtete sich mühsam auf.

"Was ist den, los, Chica?", fragte Maria, die sich neben sie auf das Bett gesetzt hatte. Besorgnis flackerte für Sekunden in ihrem Gesicht auf.

"Sie sind wieder da. Max, Isabel und ...", sagte Liz, doch ehe sie den Satz beenden konnte, wurde die Tür aufgerissen und Max stürmte herein. Ihm folgte eine etwas überrascht wirkende Isabel und eine dritte Person, die ziemlich gelangweilt schien.

Max stürzte auf das Bett und schubste dabei Maria etwas unsanft zur Seite.

Während er sich neben Liz setzte, sah ihn Maria etwas verwundert an.

"So viel Fürsorge habe ich in den letzten Tagen vermisst, Eure Hoheit", sagte sie nicht ohne eine große Portion Sarkasmus.

Diese Aussage schien dem Fremden zu gefallen, da er zu lächeln begann.

"Einmal King Mighty, immer King Mighty", murmelte er vor sich hin.

Doch die Fürsorge, die Max in dem Moment zeigte, bewies Cal, dass er doch nicht immer nur King Mighty war. Er hatte eine Schwachstelle und die war seine Frau Liz.

Während Cal die Situation mit seinem Lächeln beobachtete, merkte er, dass Liz offenbar eine wesentlich bessere Wahl als Königin war, als es Tess je hätte sein können. Er fragte sich nur insgeheim, ob sie auch sämtliche antarianischen Rituale vollzogen hatten, doch ein kurzes Aufstöhnen von Liz zeigte ihm, dass dem offenbar nicht der Fall war. Liz war zwar kein richtiger Mensch mehr und durch die Ehe mit Max nun Königin, doch diese Kinder schienen gar nichts über Antar, dessen Bräuche und Gepflogenheiten zu wissen.

Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, sich an Max zu rächen. Er bräuchte ihm gar keinen körperlichen Schmerz zuzufügen, es reichte offensichtlich schon, dass seine Frau litt. Cal wusste genau, was Liz zur Heilung benötigte, er würde jedoch dieses kleine Geheimnis noch eine Zeit für sich behalten. Es könnte noch einmal ein nützliches Druckmittel werden, falls Max sich entschließen würde, doch noch ein weiteres Mal gegen Cal zu stimmen und gegen jede Stimme der Vernunft zu hören.

Max strich Liz einige Haare aus der Stirn und sah sie mit einem besorgten Gesichtsausdruck an. Er wollte eben etwas zu Cal sagen, als er registrierte, wie jemand hinter ihn trat. Er drehte sich um und war doch etwas verwundert.

Hinter ihm stand Cal und auch wenn er und Max nie Freunde würden, so zeigte er doch Respekt gegenüber Max` Frau.

"Wenigstens einmal in deinen beiden Leben hast du etwas Vernünftiges getan, Eure Hoheit", sagte Cal und die förmliche Anrede triefte nur so vor Sarkasmus. "Wie ich sehe, hast du weise gewählt, was deine Frau angeht. Ich kann nur hoffen, dass ihr beide wusstet, worauf ihr euch da eingelassen habt", sagte Cal und er meinte damit nicht die Ehe selbst, sondern die Gefahr, der Liz sich aussetzte.

"Aber ihr habt nicht bedacht, was es für euch insgesamt bedeutet. Na, das macht jetzt auch nichts. Also, warum bin ich noch mal hier?", fragte Cal schließlich in seiner betont lässigen und coolen Art.

Max ignorierte diese weitere Spitze von Cal und strich Liz nur beruhigend über den Arm.

"Das ist ja ganz schön, dass ihr euch so toll versteht, aber wir haben immer noch ein oder zwei Probleme zu lösen. Also könntet ihr euren kleinen Wettbewerb auf später verschieben und euch auf das Jetzt konzentrieren?", sagte Kyle sichtlich genervt von der ganzen Situation und nicht ohne Zynismus.

"Er hat Recht. Wir haben Probleme zu lösen. Also sollten wir das auch machen. Ich hab es langsam satt, wie ihr beide euch verhaltet. Ihr benehmt euch wie Kinder, die um ein Spielzeug streiten", sagte Isabel und warf sowohl Max als auch Cal einen warnenden Blick zu, der keinen Widerspruch duldete.

„Das hilft uns nicht weiter, Leute!" Mit einem frustrierten Schrei verschaffte Maria sich Gehör. „Liz braucht Hilfe." Ihr Blick wanderte zu Cal. „Jetzt!"

„Ich dachte, er ist hier, um uns mit Ava zu helfen. Wenn es ihr wirklich so schlecht geht, wie unsere Kristallkugel sagt, haben wir nicht viel Zeit. Ich denke, sie ist so wichtig?" Michael sah Liz mit zusammengekniffenen Augen an.

„Er hat Recht." Isabel stellte sich demonstrativ neben Michael.

„Ich fasse es nicht." Wütend sah Kyle sich in der kleinen Runde um. „Ihr wollt Liz einfach hier lassen? Vielleicht überlebt sie nicht mal, bis wir Ava haben. Was dann? Läuft das auch unter „Ein weiterer hinnehmbarer Verlust!"?

Max schüttelte den Kopf. „Wie können wir ihr helfen?" Sein Blick wanderte zu Cal. „Wir haben nicht viel Zeit."

„Nein." Die schwache Stimme ließ alle anderen schweigen. „Ava … ihre Zeit läuft ab." Gequält schloss sie die Augen. „Du hast einmal gesagt, dass es richtig war, mich in dein Leben zu lassen und ich bitte dich jetzt, mir zu vertrauen, Max."

Erschöpft öffnete sie die Augen. „Ihr müsst ihr helfen und zwar schnell."

Cal ließ sich auf einen Stuhl fallen und sah sich gelangweilt um. „Wenn ihr euch einig seid, könnten wir vielleicht endlich anfangen. Meine Zeit ist kostbar."

„Es dauert so lange es dauert." Kyle warf ihm einen finsteren Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit auf Liz richtete. „Aber wenn wir Ava wirklich zuerst retten sollen, müssen wir uns beeilen."

Michael schlug die Hände zusammen. „Wir brauchen Informationen. Einen Plan … irgendetwas, das uns einen Vorteil verschafft."

„Was wisst ihr überhaupt?" Cal sah Max herausfordernd an.

"Nicht viel. Wir wissen, dass Lonnie und Rath sie haben. Sie ist in dem alten Lagerhaus 2344 auf dem Jefferson Blvd."

„Und damit wollt ihr arbeiten?" Kopfschüttelnd stand Cal auf. „Ihr unterschreibt euer Todesurteil."

„Blaupausen." Kyle sah aufgeregt auf. „Wir bräuchten die Blaupausen von dem Haus. Wenn wir eine Vorstellung haben, wie es gebaut ist, können wir besser planen."

„Und wo willst du die her bekommen? Es ist nicht so, als könnten wir in das Bauamt hinein marschieren und uns nehmen was wir brauchen." Isabel seufzte frustriert.

„Wir nicht." Max` Blick wanderte zu Cal. „Aber wenn ein berühmter Produzent die Unterlagen für ein neues Projekt einsehen will, dürfte das kein Problem sein."

Cal`s Mundwinkel verzogen sich. „Selbst dann dauert es eine Woche."

„Die habt ihr nicht mehr." Liz rollte sich zusammen und vergrub ihr Gesicht in einem Kopfkissen. „Beeilt euch."

„Dann mach es möglich." Max fuhr auf und baute sich vor Cal auf. „Besorge mir die Blaupausen und alle Informationen, die es zu diesem Lagerhaus gibt. Du hast 2 Stunden."

Mit einem widerwilligen Grunzen hievte Cal sich aus dem Stuhl. „Ganz wie sie wünschen, Eure Majestät." Ohne ein weiteres Wort verließ er das Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.

„Das war merkwürdig." Maria musterte Max mit einer Mischung aus Abneigung und Bewunderung, bis ihr Magen sich mit einem lauten Knurren meldete. „Jemand sollte etwas zu essen besorgen und dann sollten wir uns ausruhen. Wir helfen niemandem, wenn wir einschlafen."

„Einverstanden." Kyle stand auf und ging zur Tür. „Chinesisch, mexikanisch oder was soll es sein?"

„Pizza." Isabel folgte ihm. „Ich komme mit. Ich kann etwas frische Luft vertragen."

Zwei Stunden und vier Pizzen später herrschte eine trügerische Stille im Raum. Max lief nervös auf und ab, starrte immer wieder auf seine Uhr.

„Du machst mich wahnsinnig, Max. Setz dich bitte hin." Beschwörend sah Isabel ihren Bruder an. „Er kommt auch nicht schneller, wenn du hier herum tigerst."

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Cal betrat das Zimmer, versteckt hinter Papierrollen und Akten. Er stieß die Tür mit dem Fuß hinter sich zu und ließ die Unterlagen auf den Tisch fallen. „Das ist alles."

Ruhig entledigte er sich seines Mantels, während Kyle die Kopien der Grundrisse des Hauses auf dem Tisch ausbreitete.

„Warum gleich drei?" Fragend sah Isabel von der Akte auf, die sie in der Hand hielt.

"Eine für jedes Geschoss, Goldlöckchen." Gleichgültig wandte Cal sich ab.

„Sie sind im ersten Geschoss." Kyle sortierte die Blätter neu und starrte darauf. Michael trat neben ihn.

„Die Pfeiler in der Halle bieten gute Deckung." Sein Blick wanderte zu Cal. „Welche Fähigkeiten haben Lonnie und Rath und wie stark sind sie ausgeprägt?"

„Die gleichen wie ihr, aber wesentlich ausgereifter. Während ihr ein gemütliches Leben in Roswell geführt habt, haben sie gekämpft. Ihr Alienteil ist stärker ausgeprägt, ihre Erinnerungen klarer."

„Du meinst, sie wissen, was wir in unserem ersten Leben konnten?"

„Selbstverständlich! Die Erinnerungen waren in einem zu hohen Maß in ihre DNS implantiert. Darum haben sie auch euch erschaffen."

„Den Historienkurs können wir ein anderes Mal belegen." Michael sah von den Blaupausen auf. „Jetzt ist nur interessant, die Schwächen von den beiden zu kennen."

„Rath`s einziger Schutz ist der Angriff. Sein Blast ist weitaus stärker als deiner." Cal nickte Michael leicht zu. „Ihr seid verletzlich wie jeder andere Mensch. Das ist die einzige Schwachstelle. Erschießt sie."

„Was?" Maria sprang entsetzt auf. „Egal, was sie getan haben, ihr könnt die beiden doch nicht einfach so erschießen."

Mit zwei Schritten war Michael bei ihr und legte ihr beruhigend die Arme auf die Schultern. „Das werden wir nicht." Er sah mit einem gequälten Ausdruck zu Max. „Ich habe doch Recht, oder?"

„Nicht, wenn es zu verhindern ist."

„Unbegreiflich, dass ein ganzes Volk auf eure Führung gehofft hat. Was wollt ihr denn mit ihnen machen? Sie gefangen halten? Dafür reichen eure Kräfte nicht." Er sah sich in dem Hotelzimmer um. „Und ihr habt auch nicht die Räumlichkeiten dafür."

„Das reicht." Isabel richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und funkelte die Männer wütend an. „Wir brauchen einen Plan und dann etwas Schlaf."

„Sie hat Recht." Kyle sah sich müde in der Runde um. Alle waren blass und hatten Ringe unter den Augen. Die Erschöpfung der Reise war ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben.

„Ok, dann machen wir es so." Max lehnte sich über die Blaupausen und wartete bis alle um den Tisch versammelt waren …

Das graue Licht des Morgens fiel durch das Fenster. Im Raum herrschte angespannte Stille. Max sah verloren aus dem Fenster, als Kyle neben ihn trat. „Es ist Zeit. Wir sollten aufbrechen, bevor Maria und Liz aufwachen."

Aus dem Augenwinkel sah er Michaels zustimmendes Nicken. Mit einem Seufzer schloss er die Vorhänge und trat zurück. Sein Blick wanderte zu der geschlossenen Tür, die zum Schlafzimmer führte. Dort lag Liz in Marias Armen.

Der Streit des letzten Abends war fürchterlich gewesen und zum Schluss hatten die beiden sich zurückgezogen. Es schmerzte ihn, zu wissen, dass es vielleicht die letzte Möglichkeit gewesen war, sich mit Liz auszusprechen. Jetzt, angesichts der Tatsache, dass er den heutigen Tag vielleicht nicht überlebte, gab es so vieles, was er ihr sagen wollte … Dinge, die sie unbedingt wissen musste.

Unbewusst machte er einen Schritt auf die Tür zu, doch Kyle hielt ihn zurück. „Dafür ist auch später noch Zeit."

„Er hat Recht, Max." Isabel legte ihm den Arm um die Schulter und sah ihn ruhig an. „Wir sollten gehen. Je schneller wir wieder da sind, desto eher kannst du mit ihr reden."

Schweigend ging Michael an ihnen vorbei und öffnete die Zimmertür. Mit einer einladenden Handbewegung forderte er alle auf, mit ihm das Zimmer zu verlassen. Mit einem geschlagenen Seufzen nahm Max seine Jacke und folgte Michaels einladender Handbewegung, ihm zu folgen.

Auf der Straße begrüßten sie die ersten Sonnenstrahlen des Morgens. Welche Ironie, dass ein neuer strahlender Tag anbrach, wenn sie in einen Krieg zogen. In Gedanken versunken entfernte sich die kleine Gruppe vom Hotel, nicht die unmittelbare Gefahr bemerkend.

*****

Lonnie trat aus dem Schatten, sobald sie sich weit genug entfernt hatten. Ein verruchtes Lächeln auf den Lippen, steuerte sie zielstrebig auf das Zimmer zu, aus dem sie gekommen waren.

Es war schon erstaunlich, was manchen Erdlingen im Kopf herum ging. Auf ihren Spaziergängen durch die Träume anderer, hatte sie schon vieles gesehen, aber vor zwei Nächten war es das erste Mal, dass sie gerufen wurde. Die kleine Brünette … ihr Kopf war so voll, dass sie wahrscheinlich nicht einmal wusste, dass ihr Unterbewusstsein schrie.

Zuerst war alles durcheinander gewesen und Lonnie wollte sich zurückziehen, doch dann kam ein Bild, dass sie nur wenige Stunden vorher selbst gesehen hatte. Ava – das Haus in dem sie im Moment lebten – wie Rath sie schlug. Und es drängte sie, mehr zu erfahren. Woher sollte die Kleine das wissen? Also war sie geblieben …in der wirren Welt von Liz Parkers Kopf. Sie schien ein Sprachrohr für etwas zu sein und Lonnie machte sie zu einem für ihre eigenen Bedürfnisse.

Man brauchte kein Hellseher zu sein, um herauszubekommen, dass sie Visionen empfing. Was schwieriger war, war herauszubekommen, was sie tun wollten. Doch dank des Zustandes von Liz Parker kamen alle Informationen an. Sie schien immer zwischen Schlaf und Bewusstlosigkeit hin und her zu schwanken. Das ideale Opfer, um die anderen in Schach zu halten.

Sie trat in das Zimmer. Im gleichen Moment riss jemand eine andere Tür auf. Die kleine Blondine blieb geschockt stehen und starrte sie an, bevor sich ein lauter Schrei von ihren Lippen löste. Lonnie schoss quer durch den Raum und blieb vor ihr stehen. Die Blondine verstummte erschrocken und starrte sie ängstlich an. Ein grausames Lächeln erschien auf dem Gesicht des Aliens. „Was mache ich jetzt mit dir …?"

*****

„Wir sollten uns aufteilen." Michael ließ seinen Blick über die abgeblätterte Fassade schweifen. „Es könnte jemand hier sein, der ihnen hilft."

„Kommandeur Rath fängt langsam an zu denken." Ein kaltes Grinsen erschien auf Cal`s Lippen.

„Das können wir jetzt nicht gebrauchen." Max sah beide warnend an. „Michael hat Recht. Kyle, Isabel, ihr geht mit Michael. Versucht Ava zu finden und sie rauszuholen. Keine Heldentaten."

„Was machen wir, wenn wir sie treffen?" Fragend sah Isabel ihren Bruder an.

„Töten, wenn ihr überleben wollt." Cal zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Entweder ihr oder sie."

Michael öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch Max kam ihm zuvor. „Geht einfach. Nach Liz` Vision ist Ava im ersten Stock. Findet sie und holt sie raus. Um Lonnie und Rath können wir uns später Sorgen machen.

Etwas unschlüssig musterte Michael Cal, doch Isabel zog ihn mit sich in das Innere des Hauses. Schweigend folgte Kyle den beiden. Je näher sie dem ersten Stock kamen, desto stärker fühlte er eine Bedrohung. Er wappnete sich innerlich gegen einen sofortigen Angriff, doch nichts dergleichen geschah.

Michael zog die Tür auf und ging in den Raum. Isabel und Kyle folgten ihm. An der Tür blieben sie stehen.

Der Raum war gute 40 Meter lang und halb so breit. Vier schmale Säulen waren verteilt und verhinderten so die freie Sicht. Etwas unruhig schaute Kyle zu Michael. Dieser stand still wie eine Statue und sah sich mit zusammengekniffenen Augen im Raum um. Spürte er es auch?


Ein leises Wimmern zog ihre Aufmerksamkeit auf den hinteren Teil des Raumes. Ein Stück blonden Haares verschwand gerade hinter einer der Säulen. Kyle sog scharf die Luft ein. Gefahr … Gewaltbereitschaft … ein freudiges Warten.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er, wie Isabel einen Schritt auf Ava zuging. Sein Arm schoss vor und hielt sie fest … und das nicht zu früh.

Plötzlich schoss Ava an ihnen vorbei und wurde mitsamt Stuhl gegen die Wand geschleudert. Das Holz splitterte unter und hinter ihr und sie selbst sank zu Boden wie eine Puppe.

Wieder wollte Isabel ihr helfen, doch bevor sie auch nur einen Schritt machen konnte, erschien Rath. Ein maliziöses Grinsen erfüllte sein Gesicht. Mit einer kontrollierten Bewegung streckte er den Arm aus.

Angewidert und wider Willen fasziniert beobachtete Michael, wie sein Dupe Avas scheinbar leblose Gestalt die Wand empor schleifte. Nur ein schwaches Stöhnen löste sich von ihren Lippen, dann sank ihr Kopf auf die Brust.

„Lass sie runter." Isabels Stimme jagte Kyle einen Schauer über den Rücken und stand völlig im Gegensatz zu den Schwingungen, die er von ihr empfing.

Ein boshaftes Lachen, gefolgt von einem lasziven Blick, ließ sie einen Schritt zurücktreten. „Wir warten." Er warf einen Blick auf sein Opfer. „Hoffentlich hält sie noch lange genug durch, um euch verrecken zu sehen."

„Ich fass es nicht. Ich verdiene Millionen und krieche im Dreck rum, wie ein herrenloser Hund." Angewidert stieß Cal ein feuchtes Stück Pappe zur Seite. Der schwere Geruch von Urin hing in der Luft und Max versuchte so flach wie möglich zu atmen, um sich nicht zu übergeben. „Sag mir doch noch mal, was ich hier mache." Mit zusammengekniffenen Augen musterte Cal den jungen Mann.

„Wir wollen Ava helfen." Max atmete tief durch, um seinen Unwillen nieder zu ringen, nur um angeekelt das Gesicht zu verziehen. „Sie braucht unsere Hilfe."

„Woher wollt ihr wissen, dass sie nicht so ist wie Tess. Was wollt ihr machen, wenn sie nicht bei euch bleiben will. Sie ist genauso wie Lonnie und Rath. Loyalität ist für sie ein Fremdwort, wahrscheinlich genauso wie Freundschaft. Antar ist ein toter Planet. Bleibt hier. Lebt euer Leben und genießt, was die Erde euch bieten kann." Zufrieden sah er, wie Max nachdenklich in die Ferne starrte. „Für jemanden wie sie, würde ich mein Leben nicht aufs Spiel setzen."

Langsam richtete Max seinen Blick auf ihn. „Doch, das wirst du, genauso wie für jeden anderen, der hier ist von uns. Ich will, dass jeder lebend hier herauskommt. Ich befehle dir, Ava und uns alle gegen Rath und Lonnie zu schützen … mit deinem Leben, wenn es sein muss."

Cal`s Knurren ignorierend, steuerte er zielstrebig auf die Treppe zu. „Und jetzt komm. Die anderen werden bereits auf uns warten."

Zögernd trat Max auf die erste Stufe. Irgendetwas stimmte nicht. Es war zu ruhig. Er drehte sich zu Cal um und wollte etwas sagen, doch dieser stieß ihn unsanft zur Seite und ging eiligen Schrittes an ihm vorbei. „Ich will hier nicht den ganzen Tag versauern."

Zügig stieg er die wenigen Stufen zu der massiven Metalltür hinauf und Max musste sich beeilen, um ihm zu folgen. Ohne sich vorher zu vergewissern, dass die Luft rein war, stieß Cal die Tür auf und trat in den Saal.

Max war dicht hinter ihm und konnte gerade noch zurückweichen. Instinktiv streckte er die Hand aus und schützte sich mit seinem Schild.

Rath trat einen Schritt zurück und grinste boshaft. „Denkst du wirklich, dass mich das aufhalten kann?"

Versucht seinen Gegner nicht aus den Augen zu lassen, tastete Max nach Cal, der bewusstlos am Boden lag. Er wollte etwas erwidern, als eine Bewegung aus den Augenwinkeln ihn ablenkte.

Michael rannte durch den Raum, seinen Arm ausgestreckt und die Augen konzentriert zusammengekniffen. Nur wenige Meter vor Rath blieb er stehen. Doch bevor er reagieren konnte, wurde er von einem zischenden Geräusch abgelenkt. Um dem Blast zu entkommen sprang er zur Seite. Doch der Schuss verfehlte sein Ziel nicht. Mit Wucht wurde Michael gegen die Wand geschleudert. Nach Luft japsend, blieb er still sitzen und versuchte, seinen Angreifer auszumachen.

„Kann ich dich nicht mal ein paar Minuten allein lassen?" Mit einem genervten Ausdruck trat Lonnie in den Raum.

Kyle schob Isabel etwas weiter an der Wand entlang, um möglichst viel Abstand zu ihrem Gegner zu bekommen. Erst als sie weit genug weg waren, nahm er sie genauer in Augenschein. Das starke Gefühl von Schmerz und Verzweiflung überkam ihn. Er kniff die Augen zusammen und bemerkte erst jetzt die scheinbar leblose Gestalt in Lonnies Armen. „Liz" Er wollte zu ihr gehen, aber Isabel hielt ihn fest.

Mit einem zufriedenen Lächeln sah Lonnie sich im Saal um. „Genau, die Königin." Sie verzog das Gesicht angewidert. „Kaum zu glauben, dass sie über ein ganzes Volk herrschen sollte."

Max hatte sich aufgerichtet und starrte sie an. „Lass sie los. Sie hat nichts damit zu tun." Er kniff einen Moment die Augen zusammen. „Wo ist Maria?"

„Ist das die kleine Blonde?" Abwertend zuckte Lonnie mit den Schultern. „Sie stand mir im Weg und ich habe das gemacht, was ich immer tue, wenn ich ein Problem hab. Ich beseitige es!"

Sie ließ den Blick durch den Raum schweifen. „Es ist wirklich traurig. Wenn ich nur daran denke, dass IHR die königlichen Vier sein sollt, wird mir übel." Lässig lehnte sie sich gegen die Wand. „Die Kleine hier …", sie schüttelte Liz leicht, „… ihr Hilfeschrei war so laut, dass sie meine Träume gestört hat. Es war wie eine Einladung euch zu belauschen."

Sie schnaufte empört. „Ihr seid so dumm, sie allein zu lassen! Das muss man sich mal vorstellen!" Lonnie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. „Ein Tipp für dein nächstes Leben. Weihe nie die Schwachen in deine Pläne ein."

Andächtig sah sie auf die Gestalt in ihren Armen. „Sie hat alles klar und deutlich weitergegeben. Ich musste nur abwarten, bis ihr euch auf den Weg macht." Etwas unwillig zog sie die Augenbrauen zusammen. „Blondie war aber schon eine Überraschung, nicht dass ein Mensch mich aufhalten könnte."

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Michael sich aufrappelte. Wackelig lehnte er sich gegen die Wand. Seine Augen brannten vor Zorn, als er den Arm ausstreckte und auf sie zielte. Mit einem Lachen trat Lonnie einen Schritt zur Seite, sodass Michaels Angriff ins Leere ging.

„Tz tz tz, eigentlich hatte ich nicht vor dich zu töten." Ihr Blick ging zu Rath, der ihr ein anzügliches Grinsen zuwarf. „Aber scheinbar muss ich dir eine Lektion erteilen." Ihr Arm schoss vor und Energie schoss aus ihrer Hand.

Zu geschwächt, um mit einem Sprung auszuweichen, ließ Michael sich einfach zur Seite fallen … war aber nicht schnell genug. Ein brennender Schmerz breitete sich in Windeseile in seiner linken Seite aus. Das dunkle Shirt wurde feucht und klebrig von seinem eigenen Blut. Nur vage nahm er die Geschehnisse um ihn herum wahr, als er zusammenbrach.

Max rannte auf seinen Freund zu, als er ihn stürzen sah. Jede Vorsicht vergessend, lief er genau in Rath`s Schusslinie. „Max, pass auf!" Kyles Stimme schien von überall gleichzeitig zu kommen und es dauerte einen Augenblick, bis er die Warnung auch wirklich verstand. Blind riss er den Arm hoch und ließ sein Schild erscheinen … keinen Moment zu spät.

Die Kraft, die dagegen prallte, hätte ihn sicher das Leben gekostet. Mit einem Keuchen sank er neben Michael auf die Knie. Panisch konstatierte er, wie der Fleck sich immer weiter ausbreitete. Bemüht, sie beide zu schützen, hielt er einen Arm weiter oben, während er gleichzeitig versuchte, eine Verbindung herzustellen, um wenigstens die Blutung zu stillen.

Ein weiterer Blast traf seinen Arm. Max biss die Zähne zusammen, als er den scharfen Schmerz spürte und presste seine Hand fester auf Michaels Wunde.

„Neeeeeiiiiiiiiiinnnnnnnnnnn." Liz` Schrei ließ Lonnie verblüfft nach unten schauen. Vorher wie ein Messer zusammengeklappt, schnellte Liz` Körper auseinander. Ihr Kopf schlug hart gegen die Nase ihrer Entführerin und ein deutliches Knacken ließ keinen Zweifel daran, dass sie gebrochen war. Mit einem Heulen, dass eher an ein Tier, als an einen Menschen erinnerte, ließ Lonnie sie fallen.

Isabel gab Kyle einen kräftigen Stoß in Richtung Rath, bevor sie sich auf ihr Dupe stürzte. Für einen Moment stand er unschlüssig da, doch dann entdeckte er Cal. Mit grimmiger Miene rappelte dieser sich auf. Offenbar hatte der Schlag nicht gerade dazu beigetragen, seine Stimmung zu heben. Entschlossen ging er auf den Punk zu.

Rath schien ihn bemerkt zu haben, denn er ließ von Max und Michael ab. Mit einem mordlustigen Glitzern in den Augen, drehte er sich zu Kyle um, bereit ihn zu töten.

Je näher er kam, desto deutlicher wurde es, dass Ava ihre Augen geöffnet hatte. Mit letzter Kraft hob sie ihren Arm und rammte ihn Rath in die Rippen. Überrascht ließ er sie fallen, gerade als Kyle die beiden erreicht hatte. Bevor er jedoch eingreifen konnte, traf ihn ein kräftiger Schlag in den Rücken.

Rath wurde mit aller Gewalt gegen eine Wand geschleudert. Als er sich wieder aufrappelte, tropfte Blut von seinen Lippen. Cal stand wie ein Racheengel vor ihm. „Ich hätte euch gleich töten sollen. Ihr seid die Inkubationskapseln nicht wert, die sie für euch gemacht hatten." Mit einer Hand presste er Rath die Kehle zu. „Sie wussten, dass ihr defekt wart … nicht menschlich. Zerstörung und Hass ist das Einzige, was ihr mit euch bringt. Ihr habt nie verstanden, die Schönheit dieses Planeten zu würdigen." Mit hassverzerrtem Gesicht drückte er fester zu.

„Max!" Kyles Stimme hallte durch den Raum und Max brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. „Hol Liz!" Er starrte einen Augenblick auf seine blutverschmierten Hände, bevor er sich aufrappelte und auf seine Frau zustürzte. Nur vage nahm er wahr, wie seine Schwester sich mit Lonnie auf dem Boden wälzte, um die Oberhand zu gewinnen.

Seine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf die zierliche Brünette, die nur wenige Meter vor ihm auf dem Boden lag. Geschwächt sank er neben ihr auf den Boden. Eine Bewegung, die er nur aus den Augenwinkeln wahrnahm, war die einzige Warnung. Schnell duckte er sich über den leblosen Körper. Im nächsten Augenblick zischte ein Energiestrahl über ihm vorbei und schlug in die Wand ein. Schnell hob er Liz auf die Arme und versuchte Kyle zu finden.

Das war schwerer, als er gehofft hatte. Der Raum füllte sich langsam mit Staub und Qualm, aufgewirbelt durch die Blasts, die Isabel und Lonnie austauschten. Blind stolperte er den Raum entlang und bemühte sich, Kyles Husten zu folgen.

Rath wollte nicht kampflos aufgeben. Lonnie hatte er aus den Augen verloren … wusste nicht, ob sie noch lebte. Sie sollten zahlen … alle zusammen.

Er hob den Arm und zielte genau auf den Bauch des Formwandlers. Cal hatte sein Vorhaben durchschaut und ließ einen Moment von ihm ab, um der Attacke auszuweichen. Rath nutzte dies und entzog sich dessen Reichweite. Nur knapp verfehlte der Blast sein Ziel.

Erbost schleuderte Cal ihn zu Boden. Ein schmerzerfüllter Schrei löste sich von Rath`s Lippen, als seine Rippen beim Aufprall brachen. Keuchend lag er am Boden und versuchte den Schmerz zu verdrängen. Er hatte es fast geschafft, als sich eine Hand auf seine Stirn legte.

Verwundert drehte er den Kopf und sah in Michaels Augen. Bevor er etwas sagen konnte, spürte er unbändige Hitze, die sich von seinem Kopf aus auf den ganzen Körper ausbreitete. Mit einem letzten Schrei ging er in Flammen auf.

In der Zwischenzeit hatte Max seine Frau sicher zu Kyle gebracht. Er versicherte sich, dass sie alle sicher außerhalb der Schusslinie waren, bevor er sich aufrichtete.

Seine sonst so warmen Augen verhärteten sich bei dem Bild, was sich ihm bot. Isabel lehnte gegen einem Pfeiler und versuchte Lonnies Energiestrahl mit ihrem eigenen zu blocken.

Wut flammte in ihm auf, bei dem Gedanken, dass diese Frau nicht nur seine Frau, sondern auch seinen besten Freund und seine Schwester töten wollte. Mit wenigen Schritten war er an Isabels Seite. Ohne den Blick von Lonnie zu nehmen, griff er nach ihrer Hand und hielt sie fest.

Für einen Moment rauschten Bilder an seinem inneren Auge vorbei, die ihn daran erinnerten, wie oft sie schon zusammengestanden hatten und gegen Gefahren angetreten waren. Dann griff er mit der anderen Hand nach ihrem Arm. Er hörte, wie sie erleichtert aufatmete.

Mit geweiteten Augen musste Lonnie mit ansehen, wie Isabels Blast an Kraft zunahm und sie zurückdrängte. Sie wich ein paar Schritte zurück und stieß mit dem Rücken gegen eine Säule. Rückzug war die einzige Möglichkeit. Rache konnte sie später nehmen.

Mit wachsamen Augen beobachtete Max die Veränderung an seiner Gegnerin. Lonnie rutschte langsam aber sicher auf den Rand der Säule zu. Entschlossen, sie nicht einfach so davon kommen zu lassen, sammelte er alle Kräfte, die ihm noch zur Verfügung standen.

Ihren Fluchtweg so sicher geglaubt, ließ Lonnie ihre Verteidigung fallen und sprintete zur Tür. Isabels Blast traf auf ihren ungeschützten Rücken. Mit einem Schrei stürzte sie zu Boden und blieb reglos liegen. Und dann herrschte Ruhe …

Nach Luft schnappend, ließ Isabel sich auf den Boden sinken. Für einen Moment sah es aus, als würde sie in einen katatonischen Zustand verfallen, doch dann wurde ihr Körper von Schluchzern erschüttert. Max wollte sich neben sie hocken und sie tröstend in die Arme nehmen, doch die Dringlichkeit, mit der Kyle seinen Namen rief, zwang ihn, sich sofort wieder in Bewegung zu setzen. Am Ende mit seinen Kräften, sank er vor Kyle auf den Boden.

„Sie hat einfach aufgehört zu atmen." Eine Träne rollte über Kyles Wange, als er auf Liz` leblose Gestalt sah …